SUNN O)))  
20.04.2007 @ Minoritenkirche Krems, Donaufestival

Gerade einmal eineinhalb Stunden, nachdem ich Attila Csihar (inzwischen gar nicht mal mehr so rarer Special Guest bei SUNN O))) ) auf grüner Wiese und mit Blümchen im Knopfloch interviewt habe, steht derselbe armlos auf der Bühne. Wenn er es überhaupt ist. Denn der Mann mit der roten Kapuze und dem armlosen Jutesack hat sein Gesicht zur völligen Unkenntlichkeit in schwarz gehüllt.

Willkommen in der bizarren Welt von SUNN O))). Im Land der Kapuzenmönche ist alles ein bisschen anders. Monumentale Wände von dröhnend klingenden, in ihrer maximalen Verzerrung ein gespenstisches Eigenleben entwickelnden Saitenschwingungen bringen die Minoritenkirche zum Erbeben und bauen so etwas wie eine Kathedrale in der Kathedrale auf.

Es ist teuflisch laut, aber angenehm, kommt doch kein einziger scharfer oder schriller Ton dazwischen; keine Schläge, nur Schwingungen. Attila (nehmen wir doch an, dass er es war) zischelt sinister und orgelt sakral. Auffällig ist, dass sich SUNN O))) heute sehr minimalistisch geben, außer Gitarre und Bass, bedient von den Stammmembers Greg Anderson und Stephen O’Malley, und natürlich Attilas Performance kommen keine Specials zum Einsatz. Auf die sonst omnipräsenten Projektionen wird völlig verzichtet, sogar die Beleuchtung ist minimalistisch.

Das – Experimente in allen Ehren – kommt dem archetypischen, schamanisch-primitiven Pathos von SUNN O))) nur entgegen. Zwar werden manche diese Show im Nachhinein als eher harmlos bezeichnen, aber SUNN O))) haben ohne Zweifel wiederum gezeigt, dass Konzeptkunst und Metal gehen, dass die Weiterentwicklung des Metal mit Nu Metal und Metalcore NICHT abgehakt ist. Und: Dass zwei richtig fett dröhnende Saiteninstrumente genügen, um eine Schar Staunender akustisch zurück in die Steinzeit zu bomben.
www.donaufestival.at

marian
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Beitrag vom 27.04.2007
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