BORIS   GONZO  
18.07.2007 @ Szene

In den Fängen des Analsatan oder: Japan big in Austria.

Atsuo (dr), Wata (v, g), Takeshi (v, b, g) – das sind BORIS aus Japan.

v, … b und g??? Ja, Takeshi (nicht der vom Castle) bedient ein Doppelhalsinstrument, so etwas wie ein Key Visual dieser Pioniere des experimentellen Doom, Post- und Über-Rock. „Die Japaner mit dem Doppelhälser“ bekommen regelmäßig eine ganze Liste von Genre-Bezeichnungen (-Vermutungen?) angehängt: psych, noise, ambient, sludge, post-rock, stoner-rock, sogar straightforward rock.

Das hat schon seinen Grund: BORIS mögen in manchen musikalischen Horizont einzig durch die Zusammenarbeit mit SUNN O))) („Altar“) gelangt sein und ergo unter „Drone Doom“ abgelegt worden sein, aber diese Eingrenzung geht gar nicht!

Denn BORIS beginnen mit irgendwas schwer definierbarem, dass nach den PIXIES auf Doom klingt. Ja, das stimmt schon: regelrechter straightforward-Rock, sogar der Gesang tendiert in diese Richtung! Aber in des fröhlich rockenden Pudels Kerns steckt etwas zutiefst Befremdliches, Eigenartiges; ein doomig-schweres, rasend-experimentelles Herz, wenn man so will. Möglich, dass es an der relativen Isolation der japanischen Szene liegt, dass BORIS (zumindest für meine Hörgewohnheiten) so eigen klingen.

Freilich, die Namenspatrone MELVINS sind schon zu spüren, wenn BORIS verschmitzt-vertrackten Experimental-Schweinerock auspacken. Dann aber wieder wird es balladesk-sanft, und ewig nachhallende, klare Gitarren erinnern ein wenig an EARTH. Sowohl Wata wie auch Takeshi haben übrigens je einen guten Quadratmeter Effektpedale vor ihren Füßen. Atsuo hingegen beweist sich als richtiges Drumtier, spielt mit unglaublicher Begeisterung und Heavyness, was der Musik Drive verleiht. Zur Zugabe auf die Bühne zurückkehrend lässt er sich ein Bad in der Menge nicht nehmen.

Rockstartum, feinfühlige Experimente, poppige Wahnsinnstaten, Nachhall-Apokalypse: BORIS sind kaum einzuordnen. Drone Doom im eigentlichen Sinne entfaltet sich erst bei den letzten Stücken, bei denen Wata zerfressene, ewig wiederholte Riffs vom ELECTRIC WIZARD/EYE HATE GOD-Schlag loslässt. So einen langen Applaus habe ich lange nicht mehr vernommen.

Zur lokalen Vorband GONZO: Die waren schon eher „normaler“ SUNN O)))-Drone, mit Schlagzeug (ein wenig wie SUMA), passagenweise deutlich zu langatmig (ja, auch im langsamsten aller Genres geht das!), aber auch teilweise schon sehr mächtig. Ausbaufähig!

Und was ist jetzt mit dem Analsatan? „fangsanalsatan“ macht sämtliches Artwork von BORIS. Auschecken!


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marian
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Beitrag vom 21.06.2007
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