THE BLACK CRUSADE: MACHINE HEAD   TRIVIUM   DRAGONFORCE   ARCH ENEMY   SHADOWS FALL  
03.12.2007 @ Zenith, München / Gasometer, Wien

Eines der mächtigsten Metal-Billings dieses Jahres machte also in München Station. Ort des Geschehens: das Münchener Zenith, eine Halle die leider nicht gerade für ihre gute Akustik bekannt ist.

Das musste auch gleich die erste Band des Abends, SHADOWS FALL am eigenen Leib erfahren, deren Songs einigermaßen im Soundbrei versanken. Gespielt wurde mit Ausnahme von "The Light That Blinds" und "Thoughts Without Words", Material vom letzten Album "Threads Of Life". Blickfang auf der Bühne war natürlich Sänger Brian Fair, bzw. dessen Haarpracht, die schön langsam eine kritische Länge erreicht haben dürfte. Nach gut 25 Minuten war dann auch schon Schluss und es war Zeit für

ARCH ENEMY, die mit "Blood On Your Hands" gleich richtig loslegten. Das Publikum in der nicht ganz vollen Halle (lag womöglich auch daran, dass mit der Persistence Tour [HATEBREED, AGNOSTIC FRONT,...] am gleichen Abend eine weitere hochkarätige Metal-Veranstaltung stattfand) ging von Anfang an richtig mit und Songs wie "Ravenous", "Nemesis" und das abschliessende "We Will Rise" wurden so richtig abgefeiert. So war es sehr schade, dass der Auftritt nach noch nicht mal 30 Minuten schon wieder vorbei war. Umso mehr, wenn man bedenkt was darauf folgte.





Denn jetzt lautete das Motto "FAST, FASTER, DRAGONFORCE". Wenn das Line-Up dieser Tour ein Suchbild mit verstecktem Fehler wäre, es wäre hiermit gelöst. Nun steht ja die technische Brillianz dieser Band außer Frage, nur leider bleibt, wenn der Soundteufel einen Gutteil der Gitarren- und Keyboardakrobatik verschluckt, außer jeder Menge Gepose nicht mehr allzuviel übrig. Das dachte sich wohl auch ein Grossteil des Publikums, das definitiv nicht ins DRAGONFORCE'sche Beuteschema passte und nutzte den Rest des 50-minütigen (!!) Gigs für eine wohlverdiente Bierpause. Die Band nahms einigermaßen gelassen, auch wenn die Buhrufe vor allem nach der Ballade immer schwerer zu überhören waren. Es liegt die Vermutung nahe, dass sie dieses Schicksal im Laufe dieser Tour nicht das erste Mal ereilt hat. Angesichts dessen hätten es einige Songs weniger und ein, zwei Positionen weiter unten auf dem Billing wohl auch getan.





Nach einer Umbaupause (die den ganzen Abend hindurch erfreulich kurz ausfielen) war es Zeit für TRIVIUM die mit allerlei Rampen und Podesten nun deutlich aufgemotzte Bühne zu entern. Die Regler der Anlage wurden spürbar weiter aufgedreht, was dem Sound merklich gut tat. Und so peitschten die Amerikaner durch ein furioses Set, das eine ausgewogene Mixtur aus ihren bisherigen drei Alben bot und nicht wie vielleicht befürchtet zum Grossteil aus "The Crusade" Material bestand. Man merkt, dass die vier Burschen, trotz ihres relativ jungen Alters schon jede Menge Bühnenerfahrung gesammelt haben und so wirkten sie zu keiner Zeit auf der großen Bühne verloren. Ganz im Gegenteil nutzten sie als einzige Band dieses Abends den vorhanden Platz so richtig aus und flitzten zwischen den Mikroständern die unter anderem auf Podesten seitlich über dem Drumriser verteilt waren hin und her. Den Abschluss dieses grossartigen Gigs bildeten die beiden "Ascendency"-Kracher "Rain" und natürlich "Pull Harder On The Strings Of Your Martyr" bevor TRIVIUM unter tosendem Applaus und den ersten "Zugabe"-Rufen des Abends nach nicht ganz einer Stunde die Bühne verliessen.





Bleibt die Frage, ob die unumstrittenen Headliner des Abends MACHINE HEAD diese Performance noch toppen konnten und das Publikum, das nun schon gute vier Stunden Metal hinter sich hatte, noch einmal aus der Reserve locken konnten. Ums kurz zu machen: Ja, sie konnten! Und das nicht zu knapp. Um Punkt 23 Uhr brach der Bay-Area Vierer mit "Clenching The Fists Of Dissent" los wie der sprichwörtliche Bulldozer (heute allerdings nicht auf der Setlist) der wieder einmal alles niederwalzte sollte. Sichtlich motiviert durch eine eben absolvierte, komplett ausverkaufte Australien-Tour und viele bis auf den letzten Platz gefüllte Hallen auf der laufenden Europa-Tour, geriet dieser Auftritt zu einem reinen Triumphzug. Bestärkt durch die guten Kritiken für das neue Album "The Blackening", das allerorten Auszeichnungen abräumte, scheuten sich Robb Flynn, Dave McLain, Phil Demmel und der nach einem Beinbruch wieder genesene Adam Duce nicht davor noch zwei weitere Songs dieses Albums zu präsentieren, die im Schnitt jenseits der 9-Minuten-Marke liegen. Und zwar das dem Dimebag Darrell-Kritiker gewidmete "Aesthetics Of Hate" und "Halo", bei dem die von Flynn und Duce gemeinsam gesungenen melodiösen Passagen inzwischen auch perfekt sitzen. Außerdem auf dem Programm: „Imperium“, „Old“ und „Take My Scars“ bei denen es im Pit so richtig abging bevor es mit meinem perönlichen Highlight des Abends in Form von "Descend The Shades Of Night" auch noch was fürs Herz gab. Das Publikum bedankte sich mit mittlerweile zum Usus gewordenen "Machine Fuckin' Head" Rufen nach und teilweise sogar während der Songs und auch ansonsten hatte General Flynn wenig Mühe die Fans bei Laune zu halten. Den würdigen Abschluss des Abends bildete der Überhit "Davidian" bei dem noch mal die letzten Reserven für einen Riesen-Circle-Pit motiviert wurden und dann war’s auch schon wieder vorbei. Viel zu früh für die meisten, wie man aus den, angesichts der doch einigermaßen mageren Spielzeit von etwas über 50 Minuten, enttäuschten Gesichtern lesen konnte. Das nächste Mal darfs also ruhig ein bisserl mehr sein meine Herren! Dann vielleicht auch gerne wieder mal mit dem einen oder anderen Schmankerl, das man als eingefleischter MACHINE HEAD Fan schon länger nicht mehr live gehört hat.





Alles in allem also ein, trotz des vom Zenith leider gewohnten, durchgängig schlechten Sounds und der etwas fragwürdigen Platzierung von DRAGONFORCE, sehr gelungener Konzert-Abend, an dem MACHINE HEAD einmal mehr ihre Position als einer der besten Live-Acts im Metal-Bereich unter Beweis gestellt haben.


FOTOS + E-CARDS
www.zenith-die-kulturhalle.de/

Scirocco
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Beitrag vom 07.12.2007
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