DISMEMBER   HATESPHERE   FALL OF SERENITY   WORLDESCAPE  
25.02.2008 @ Arena

Wer so wie ich um 20:00 Uhr in der Arena stand, um PERISHING MANKIND zu sehen, hat Pech gehabt. Der Auftritt der Steyrer war um diese Zeit schon vorbei.

Dafür folgte gleich darauf die Überraschung des Abends: Nämlich die Band, die sich als „BALDUR’S GATE“ vorstellte, jedenfalls hab ich’s so verstanden. Nerdiger geht’s nimmer, denk ich mir noch im ersten Moment und als ich mir ihr Demo kaufen ging, hat’s endlich geklingelt: am Merch-Tisch lagen die Selbstgebrannten mit der Aufschrift WORLDESCAPE. Klingt aber auch verdammt ähnlich!
Sei’s drum, die Herrschaften aus Trier spielten einwandfreien Neo-Thrash, die gewaltige Stimme, des Kerls mit den Oberarmen eines Schweinezüchters aus dem Mittelwesten und dem „Arnold is numero uno“-Shirt, sauberes, schnelles Drumming und flinke Finger an den Gitarren taten den Rest. Technisch war die Band einwandfrei, das einzige was ein bisschen störte, war der Sound. Das Schlagzeug knallte viel zu laut aus den Boxen und detaillierte Gitarrenpassagen gingen im Lärm unter. Vielleicht war das mit ein Grund, warum sich kaum jemand vom Publikum vor die Bühne traute. Der Aufforderung: „Ich will euch headbangen sehen!“ kommt das Publikum in den allermeisten Fällen halt nur dann nach, wenn’s die Band auf der Bühne vormacht. Wenn sie aber, so wie WORLDESCAPE, schon fast Wurzeln schlägt, kann man sich, auch wenn die Songs wirklich gut sind, nicht viel Zuschauerreaktion erwarten.

FALL OF SERENITY trafen den Geschmack des Publikums offensichtlich besser. Plötzlich waren dreimal soviel Leute vor der Bühne und ließen sich vom energetischen Stageacting anstecken. So wird’s gemacht: Ein gut gelauntes Prost auf die Weiber und dann zu modernem Death Metal auf der Bühne ordentlich abgehen. Der weibstolle Sänger verlautbarte noch den kommenden Ausstieg des kahlen Gitarristen Alex, „na klar, wegen einer Frau“, und lies durchhören, dass die Stelle durch eine Person mit langen Haaren und Brüsten nachbesetzt werde. Technisch waren auch FALL OF SERENITY in Topform. Alle Pommesgabeln waren oben und gingen bei den ersten Takten ihrer Interpretation von „Raining Blood“ in kollektives Haareschütteln über.

Wie würden nun die neuen HATESPHERE abschneiden? Ich hatte ja die Befürchtung, dass sie nach dem großen Line-Up Wechsel zu einer Coverband ihrerselbst mutiert sind. Auf gewisse Weise trifft das auch zu, wenn man bedenkt, dass vier Fünftel der Band ausgetauscht wurden und live bislang halt die alten Hits runtergefetzt werden. Und vor allem: Wie hat die Band den Wegfall von Ex-Fronter Jakob Bredahl verkraftet?
Der gerademal 19-jährige Sänger Jonathan „Joller“ Albrechtsen (Interview hier) meisterte den Auftritt mit seiner im Vergleich tieferen Stimmlage erstaunlich souverän, auch die anderen Neulinge rund um den verbliebenen Gitarristen und Songwriter Pepe lieferten eine wirklich solide Show ab. Die Riff-Granaten von HATESPHERE arbeiteten klar für die Band und haben an Einschlagskraft nichts eingebüßt. Man darf gespannt sein, was am kommenden Album geboten wird. Das Gepose haben sich die 4 Neuen von ihren Vorgängern jedenfalls ganz gut abgeschaut, so sitzen auch die einstudierten Choreografien schon ganz gut, wie zum Beispiel die Maschinengewehr-Einlage beim Song „Only The Strongest“, die vom neuen Basser Mixen sogar ganz eifrig zu Variationen mit Pumpgun oder Pfeil und Bogen ausgebaut wurde. Die Neubesetzung hatte hauptsächlich Klassiker vom 2005er Album „The Sickness Within“ im Repertoire, 3 Songs vom aktuellen, „Serpent Smiles And Killer Eyes“, durften nicht fehlen, wie in der Setlist nachzulesen ist.

Setlist HATESPHERE:

Heaven is Ready To Fall
Lies and Deceit
Murderous Intent
Damned Below Judas
The Coming Of The Chaos
Disbeliever
Only The Strongest
Sickness Within
Forever War
Reaper Of Life


Mit neuem Album im Gepäck stellten sich dann die Death-Veteranen DISMEMBER dem Wiener Publikum und starteten gleich mit dem neuen Song „Death Conquers All“. Der Name war Programm. Schwer groovend gaben sie eine Lehrstunde der Stockholmer Schule und boten Todesblei in Reinkultur. Frontsau Matti Kärki entschuldigte sich vorab für seine kaputte Stimme, was bei den Zwischenansagen lustig anzuhören war, da sie mehr gejodelt wurden als gesprochen. Beim Gesang war von der Schwäche kaum was zu merken. Bei Gassenhauern wie „Collection By Blood“ und „Bleed For Me“ ging es nicht nur auf der Bühne ordentlich rund, auch im Publikum flogen die Matten und wurde ordentlich gefeiert. Im Gegensatz zum Gig in Traun hatten DISMEMBER neben den Tributfahnen an ihre Helden des New Wave of British Heavy Metal sogar auch ein eigenes Backdrop hinter der Bühne aufgehängt. Auch bei “Combat Fatigue” zeigte sich die Band keineswegs kampfesmüde und bolzte ordentlich rein, was das anwesende Volk zu schätzen wusste. Nach einer Stunde Spielzeit und „Override The Overture“ war der Spuk dann auch wieder vorbei und einige schwer abgekämpfte aber glückliche Gesichter verließen die Halle.

Setlist DISMEMBER:

Death Conquers All
Skinfather
Collection By Blood
Skin Her Alive
Combat Fatigue
Killing Compassion
Bred For War
On Frozen Fields
Bleed For Me
Under A Bloodred Sky
Dreaming In Red
---
Override The Overture


FOTOS + E-CARDS
www.arena.co.at

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Beitrag vom 29.02.2008
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