KALTENBACH OPEN AIR 2007 - TAG 1  
13.07.2007 @ Spital am Semmering

Österreichs beständigstes Festival der extremen Metalzunft ging mittlerweile schon in die fünfte Runde und wie man dem regen Zuschauerandrang entnehmen konnte, dürfte das Verlangen nach harten Rhythmen am Semmering auch in den nächsten Jahren nicht nachlassen. Mit einem gut ausgewogenen Billing (wenngleich die von Bandseiten unkommentierte kurzfristige Absage von NAPALM DEATH schon eine kleine Lücke hinterlassen hat) schafften es die Veranstalter auch dieses Jahr wieder die Festivalsaison schlagkräftig einzuleiten und viele Black Metal-Puristen endgültig aus ihrem Winterschlaf zu reißen. Gerade letztere werden das Erwachen des schon für tot geglaubten Sommers an just diesem Wochenende zwar ein wenig verteufeln, den im Zelt campenden Heerschaften wird es aufgrund der zarten Campinghanglage von ungefähr 12 % allemal lieber gewesen sein, die Bierbäuche gegen die hohe Sonneneinstrahlung schützen zu müssen, anstatt von monsunartigen Regenfällen aus dem Zelt geschwemmt zu werden. Doch genug des Wetter- und Lageberichtes, denn schließlich wurde an diesem Wochenende auch noch Musik gespielt – und hochkarätige noch dazu.

Leider stimmte meine Zeitplanung nicht so ganz, so dass ich die Auftritte der ersten Bands versäumte, was mich besonders wegen OBSCURITY, SANGUIS und FREUND HEIN doch etwas ärgerte. Immerhin kam ich gerade rechtzeitig, um einen Großteil des Auftritts der Wiener Deather GODDAMNED X mitverfolgen zu können. Nachdem ich die Burschen schon im Vorprogramm von DISSECTION, VADER und SEVERE TORTURE begutachten durfte, war es eine willkommene Gelegenheit, einigen neuen Songs der Band zu lauschen, und ich wurde, wie ich erwartet hatte, natürlich nicht enttäuscht. Die Jungs wissen einfach, wie man guten Death Metal beziehungsweise Death ’n’ Roll zockt. [MIKE]

Aufgrund arbeitstechnisch bedingter Umstände war es mir leider erst ab den Teufelsbraten von SARKOM vergönnt dem Treiben vollends beiwohnen zu können und ich bin mir sicher, dass nicht nur ich diese Norweger zu den ersten Highlights des Eröffnungstages gezählt habe. Schon ihr Debüt „Aggravation Of Mind“ konnte mich voriges Jahr mehr als beeindrucken und dem Quartett ist es gut gelungen, die auf der CD herrschende Stimmung auf die Bühnenbretter zu übertragen. Ihr eindeutig gitarrenorientierter Mix aus blastenden Passagen und atmosphärischen Zwischenparts stellte nach kurzer Zeit auch für viele Schwarzmetaller einen überzeugenden Grund dar, sich weg von den Biertränken zu begeben und mehr oder weniger euphorisch vor der Bühne gemeinsam mit der Band der immer stärker werdenden Sonneneinstrahlung zu trotzen und eisige Stimmung aufkommen zu lassen. Mit den aktuellen Stücken „Inside The Memories“, „Bloodstains On The Horns“ oder „Passion For Suicide“ wusste das um zwei Livemitglieder erweiterte Dreigestirn durchaus zu überzeugen. Mit im Gepäck hatte die Truppe dann schließlich auch noch ein DARKTHRONE-Cover, welches im Publikum für gehöriges Raunen und zusätzliche Sympathiepunkte gesorgt hat. Insgesamt somit ein tadelloser Auftritt, der sich sicherlich eine etwas nach hinten versetzte Spielzeit verdient hätte.

Als Kontrastprogramm zu den eher stoischen und ruhig wirkenden Herren von SARKOM gesellten sich im Anschluss daran die übergedrehten Engländer von GOREROTTED auf die Bühne des Kaltenbach Open Airs. Schon allein die optische Aufmachung von Frontmann Ben, der in Skaterhosen und Gangsterrapper-ähnlicher Halskette angetanzt kam lies darauf schließen, dass die Herren von der Insel mehr den Spaß im Sinn hatten, der jedoch zu keiner Zeit auf Kosten der gebotenen Musik ging. Ihr groovender Death/Grind entfachte nach wenigen Augenblicken eine mehr als ausgelassene Stimmung im Publikum und trat den Anwesenden mächtig in den Arsch. Angeheizt von diesen Reaktionen spielte sich auch das Quartett in einen Spielrausch. Sehr zur Freude der Anwesenden wurden viele Songs der ersten beiden Alben zum Besten gegeben, die schon im ersten Drittel ihrer Spielzeit für einen bis zum Schluss nicht mehr enden wollenden Moshpit im vorderen Fansektor gesorgt haben. Sänger Ben war sichtlich angetan über die überschwänglichen Reaktionen der heimischen Maniacs zu der noch relativ frühen Stunde und bedankte sich artig bei den Wirbelnden. Als besondere Ehrbietung für zwei Freunde der Band, die sich an diesem Tag in Schottland das Ja-Wort gaben, wurde passenderweise „Pain As A Prelude To Death“ vom aktuellen Machwerk angestimmt und beim Track „Masticated by the Spasticated“ durfte ein kleiner Seitenhieb auf die eigene Familie natürlich auch nicht fehlen. Völlig unerwartet durften GOREROTTED dann kurzerhand auch noch für eine kleine Zugabe ins Rampenlicht zurückkehren und wer den mitreißenden Auftritt gesehen hat, wird mir zustimmen, dass die Entscheidung der Band noch ein wenig mehr Spielzeit einzuräumen, mehr als in Ordnung ging. Das angebrachte Versprechen, dass sich die Band im Anschluss an ihren Gig gerne mit den Fans auf das eine oder andere Bier zusammensetzen wird, wurde auch strikt eingehalten und ich konnte beim späteren Smalltalk mit dem Sänger und dem Gitarristen feststellen, dass die britische Zurückhaltung und Humorlosigkeit definitiv nicht auf diese Burschen zutrifft. Hier wird Fannähe noch groß geschrieben – großartige Band, großartiger Auftritt.
Von der Hitze und den Strapazen gezeichnet war es nun allerhöchste Zeit eine ausgedehnte Bierpause einzulegen, die es mir verwehrte die Auftritte von Färöers Metalexport Nummer 1 TYR und unseren Landsmännern DORNENREICH visuell zu verfolgen. Nicht allzu weit von der Bühne entfernt konnte ich anhand der stürmischen Publikumsbeteiligung jedoch erkennen, dass sich TYR eine breite Fangemeinde erspielt haben muss, die lautstark in die hymnischen und heroischen Liedern eingestimmt und ein wahres Pagan/Viking-Feuerwerk entfacht haben mussten. Zum Abschluss präsentierten die Insulaner noch ihre Deutschkenntnis und geleiteten ihre Fans mit dem Klassiker „An der Nordseeküste“ von Klaus und Klaus sicher in den Heimathafen. DORNENREICH legten unterstützt von einem speziellen Line-Up mit Eviga (Vocals/Gitarre), Inve (Geige), Gilvan (Schlagzeug), Schwadorf (EMPYRIUM / THE VISION BLEAK – Bass) und Thomas Helm (EMPYRIUM – Gastgesang) eine, zumindest dem Hören nach, ebenfalls gelungene Vorstellung an den Tag. Auch wenn gerade die Aufnahme der beiden letztgenannten Bands in das Festival für eine erhöhte Musikvielfalt gesorgt hat, kamen mir nicht wenige Stimmen zu Ohren, die die beiden Bands gerne etwas früher in der Startaufstellung gesehen hätten.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt sollte es jedoch keine weiteren Ausreden mehr gegeben haben, denn von den letzten vier Bands des ersten Abends besaß ohnehin jede einzelne für sich schon Headlinerqualitäten. Den Anfang in diesem illustren Reigen machten Trym, Samoth, Destructhor und Secthdamon von ZYKLON.

Mit Hollands bestem Thrash-Export der letzten Zeit, LEGION OF THE DAMNED, ging ein Wirbelsturm nahtlos in den nächsten über. Nachdem sich die Band unter dem alten Namen OCCULT über Jahre hinweg mehr schlecht als recht durch die Botanik gewurstelt hat, gelang ihnen mit dem „Debüt „Malevolent Rapture“ endlich die nötige Initialzündung, auf deren Erfolgswelle die Truppe seitdem noch immer treibt.

Zeit, um Österreichs Vorzeigeband in Sachen Brutalität, Perfektion und Provokation ins Rennen zu schicken – BELPHEGOR. Dass man sich nur aufgrund der schon erwähnten Absage der Grindveteranen von NAPALM DEATH im Festivalaufgebot wieder gefunden hat, dürfte zumindest den Fans der Blasphemie-versprühenden Jünger egal gewesen sein. Exstatisch wurden die High-Speed-Orgien aufgenommen und spätestens nach dem letzten alles vernichtenden Studioalbum „Pestapokalypse VI“ sollten die Salzburger weltweit zur Speerspitze im brutalen Black/Death-Bereich gezählt werden. Ich bin mir auch sicher, dass nach dem energiegeladenen Auftritt gespickt mit allerlei Hits alle Tränen der NAPALM DEATH-Fans getrocknet waren, oder zumindest in Freudentränen über den Gig von BELPHEGOR umgewandelt wurden. Die Erde hat gebebt und der Teufel mit Sicherheit vor Freude geschmunzelt.

Ob die Einstufung als Headliner bei einer Uhrzeit von ungefähr 1:30 Uhr als wirklicher Gewinn zu werten ist, wage ich zu bezweifeln. Zumindest ich war zum Zeitpunkt als DARK FUNERAL ihre höllischen Klänge in die dunkle, vom Wald umschlungene Nacht getrieben haben, schon ein wenig von der Rolle. Konkrete und qualifizierte Angaben über den absolvierten Auftritt wage ich nicht mehr abzugeben. Der Alkohol hat gesiegt – gute Nacht.
kaltenbach-openair.at

Jürgen

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Beitrag vom 21.07.2007
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