ESCAPADO   MISERY SYSTEM  
19.05.2008 @ Arena

Schon beim verlassen der U-Bahn war der gewaltige Besucherstrom in Richtung Arena mehr als auffallend und sorgte für Unbehagen. Nur weil ESCAPADO neuerdings auf dem KETTCAR- und TOMTE-Label Grand Hotel Van Cleef sind, werden doch nicht lauter Alternative Mainstream-Radiohörer das Konzert stürmen. Doch diese Sorgen lösten sich ob der FM4 kompatiblen Hauptveranstaltung in der großen Halle der Arena alsbald in Luft auf.

Der an sich kleine Dreiraum war schon gegen 21:00 gut gefüllt und so wohnten doch etliche Besucher auch dem Auftritt der Vorband MISERY SYSTEM aus dem schönen Bayern bei. Deren Mix aus Hardcore-, Rock- und Metal-Anleihen wusste durchwegs zu überzeugen. Dennoch musste sich der Autor dieser Zeilen den ganzen Auftritt lang das Gehirn zermartern an wen ihn diese Band erinnert. Erst bei der Zugabe fiel es dann wie Schuppen von den Augen, BOYSETSFIRE, mit deren „Rookie“ sie sich vom Wiener Publikum verabschiedeten.

Wenig später war klar, dass sich der erste Auftritt von ESCAPADO in Wien zu einem einmaligen Siegeszug entwickeln sollte. Nachdem das eigentlich für Dezember geplante Konzert damals aufgrund einer Erkrankung des Sängers Helge Jensen ausfiel war der Dreiraum ob des länger zurückliegenden Releases des großartigen „Initiale“-Albums wirklich gut besucht. ESCAPADO räumen ja mit zahlreichen Hardcore-Klischees bzw. Stereotypen gehörig auf. Die vier Herren aus Flensburg schauen nicht nur unscheinbar aus, sie tragen auch keine fetten Tattoos zur Schau und Sänger Helge Jensen tritt im kurzärmeligen karierten Hemd anstatt der üblichen Bandshirts auf die Bühne. Was dann aber auf die Anwesenden hereinbricht hat mehr als nur Hand und Fuß, der Sound ist gut und die Band augenscheinlich in Spiellaune und ESCAPADO schreiben einfach wirklich gute Songs. So glänzen sie bei neuem Material wie „Was du erwartet hast“ oder „Ausgeblendet“ in gleicher Weise wie beim Bandklassiker „Magnolien“ vom Debütalbum „Hinter den Spiegeln“. Man kann getrost sagen, dass in Hardcorekreisen das Bad im Publikum ein Kriterium für einen guten HC-Shouter darstellt. Demzufolge wäre Helge Jensen nicht nur ein wirklich guter Sänger sondern auch ein erstklassiger Shouter, denn er verbringt fast genauso viel Zeit vor wie auf der Bühne, um sich nach jedem Song mit einem schüchtern wirkenden Lächeln beim Publikum zu bedanken. Den Höhepunkt des Konzerts stellte für die Meisten, von den viele überraschen textsicher waren, wohl „Coldblackdeathbloodmurderhatemachine“ dar, was mit folgender Phrase und anschließendem Break wohl keinen mehr stillstehen ließ: „Deine Stimme zerschneidet das letzte Vertrauen, deine Hand wird zur Faust!“

Nach einer guten Stunde und mit zwei Zugaben verließen die vier Herren sichtlich zufrieden und durchgeschwitzt die, Bühne was sie wohl auch mit einem guten Teil des Publikums gemein hatten. Ein wirklich großartiger Konzertabend.
www.escapado.com

tsunemoto
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Beitrag vom 20.05.2008
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