...AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD   THE AMBER LIGHT   BELLAVISTA  
21.05.2008 @ Arena

„Das Konzert ist noch NICHT ausverkauft! Es gibt noch genügend Karten an der Abendkassa“ stand auf der Arena-Homepage. Vor einem Jahr, ihr aktuelles Album „So Divided“ war gerade frisch in den Läden, spielten TRAIL OF DEAD noch vor vollem Haus. Vielleicht nicht ausverkauft, aber voll wurde die Arena dann doch noch.

Als die erste Band zu spielen beginnt, ist die Halle ausgestorben. 10 Leute stehen verloren in der großen Halle und etwa 20 sitzen auf der Tribüne. Wirklich selten erlebt man die Arena so leer. Funke springt natürlich auch keiner über – dabei geben sich BELLAVISTA aus San Francisco alle Mühe. Und zumindest mich haben sie überzeugt: Cary LaScalas stampfendes Schlagzeug gibt den Ton an. Verzierungen und Schnörksel gibt es da keine, dafür sorgt es für den nötigen Druck und Rex Shelverton kann sich auf der Gitarre zurücklehnen – hier setzt er auf Hall, die gehörige Portion Fuzz und aufs Hineinrutschen in die richtigen Töne, ein bisschen Westernstyle. Die Solos sind präsenter und noisy, auch da schadet ein bisschen Fuzz ja nicht. Mit seiner Stimme geht der Sänger und Gitarrist dafür in die Vollen und das sehr gut. Kleines Highlight ihrer Show: bei der letzten Nummer verstärken drei von TRAIL OF DEAD das Trio. Jason Reece, Schlagzeuger und Sänger bei den Texanern und Cary La Scalas, prügelten mit Rasseln aufs Schlagzeug. Schräg aber cool, und irgendwie selbstverständlich wenn man ihnen zuschaut. Eine spannende Band die nur optisch ein bisschen den langweiligen WOLFMOTHERs ähnelt.

Bei THE AMBER LIGHT ist es endlich etwas voller in der Halle. Für die Veranstalter sieht’s nicht schlecht aus. Ich war schon ziemlich gespannt auf die vier Jungs aus Deutschland – schließlich hat ihr experimentierfreudiger Pop Jean-Michel Tourette, Gitarrist und Keyboarder von WIR SIND HELDEN, so begeistert, dass er THE AMBER LIGHT produzierte. Und man kann über WIR SIND HELDEN denken was man mag, aber welcher jungen Band passiert so was schon? Und nicht zuletzt heißt eine ihrer Nummern „Fire Walk With Me“, und ist auch wirklich von David Lynchs Serie inspiriert, wie mir der Gitarrist vor der Show verrät. Als Twin Peaks Fan ist man da positiv angesprochen. Von der Musik bin ich es eher nicht. Pop ist ja nicht meines, und dann noch melancholischer Pop – macht irgendwie wenig Stimmung. Die Stimme klingt etwas nach PLACEBO und die Experimentierfreude bleibt bei dem Konzert auf der Strecke. Als Vorband hat man für längere und außergewöhnlichere Songs meist keinen Platz – von der ersten Nummer muss man das Publikum fangen. THE AMBER LIGHT setzt dafür eher auf Gewohntes.

Beim Intro aus dem Off, ist klar warum die Halle nun wirklich voll ist. Auf TRAIL OF DEAD kann man sich verlassen, sie wissen eindeutig wie man Stimmung aufbaut. Als die Texaner bei „Ode to Isis“, dem Intro ihres hervorragenden Albums „Worlds apart“, die Bühne betreten, haben sie das Publikum bereits in ihren Händen – das wird sich auch nicht mehr ändern. Vor allem die Songauswahl trägt einiges dazu bei, da sie es live so richtig krachen lassen und die härteren Songs spielen. Restlos überzeugend gelingt „Totally Natural“ vom Album „Madonna“, das sie deutlich abgewandelt von der Studioversion spielen. Das letzte Album „So Divided“ wird bis auf ein paar Ausnahmen ausgeblendet.
Sie sind schon wahnsinnig gute Songwriter, denn selten schafft es eine Band so viel Atmosphäre mitzuliefern, die einem bis zum Ende nicht mehr loslässt. Es wäre in Ordnung, wenn sie dafür auf Bühnenshow verzichten würden – die Musik spricht ja für sich. Aber weit gefehlt: vor allem der häufige Instrumentwechsel bringt eine ungeheure Dynamik. Die beiden Sänger Conrad Keely und Jason Reece wechseln sich an Gitarre, Schlagzeug, Keyboards und natürlich am Mikro ab. Oft führt dies zu Songs mit zwei Schlagzeugen, die um die Wette dreschen, oder zwei Keyboards, die weniger spannende Variante. Wobei Jason heute besser überzeugen kann, er macht eindeutig mehr Bühneshow und Conrad ist heiser, die höheren Singpassagen probiert er gar nicht mal und ersetzt sie durch tieferen Gesang. Macht aber nichts, sie überzeugen trotzdem. TRAIL OF DEAD kann man sich getrost öfter anschauen, ohne in Langeweile zu verfallen.
www.trailofdead.com

doubleRR
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Beitrag vom 26.05.2008
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