SUMMER NIGHTS 2008 TAG 2: MAYHEM   VOLBEAT   NEAERA   SERENITY    MELY    GODDAMNED X    IN SLUMBER   FALL OF SERENITY  
21.06.2008 @ Mining, Burg Frauenstein

Nach einer vergleichsweise ruhigen Nacht (Nur wenige Anlagen wurden aufgedreht und auch das Gebrülle beim morgendlichen Bier hielt sich in Grenzen) empfing die Festivalbesucher schon Vormittags ein glühend heißer Tag und es sollte noch besser/schlimmer kommen, denn der Tag sollte über 30 Grad warm werden. Also perfektes Festival Wetter oder auch nicht, denn dass muss wohl jeder selber entscheiden. Aber Rote Gesichter und Schweißausbrüche blieben auch ohne viel Gemosche nicht aus. So war erstmals Sonne tanken angesagt.

Zu frühen Morgenstunden bzw. noch fast mitten in der Nacht, sprich gegen 11 Uhr standen schon ISEGAAHL auf der Bühne, die mir, wie 3 Weitere Bands eben gerade wegen der Spielzeit und dem Kilometer langen Weg zum Festivalgelände leider entgingen. Aber bei GODDAMNED X, den Deathern aus Wien stand ich pflichtbewusst, wie ich bin, zu allem bereit vor der kleinen Bühne, alias Kinderecke. Sofort aufgefallen ist der verbesserte Sound, im Gegensatz zum Vortage, wenn auch noch nicht perfekt, präsentierte der Mann an den Reglern einen Klareren Boxenklang. Frontmann und Gitarrist Helmut Lechner wirkte ohne Haare etwas verändert, was aber nichts am coolen, meist groovigen Riffing und den starken Shouts änderte. Die 4 Jungs lieferten eine starke, aufregende Show und konnte den ein oder anderen zum Bangen, trotz brütenden Sonne bewegen. Der thrahshige Death Metal, mit Passagen a la MORBID ANGEL konnte auf jeden Fall, einmal mehr begeistern.





Kurz darauf rumpelte es schon auf der großen Bühne weiter, denn die melodische Metalcore Formation aus Deutschland FALL OF SERENITY waren an der Reihe. Hat mich die Truppe, als Support von DISMEMBER nicht begeistern können, so war auf dem Summer Nights eine deutliche Steigerung herauszuhören. Die Band wirkte eingespielter und technisch besser als damals,was daran liegen könnte, dass es vor nicht all zu langer Zeit einen ziemlich großen Wechsel an den Instrumenten und vor allem am Gesang gab. Auch Neo-Fronter, und ehemaliger Basser John Gahlert wirkte authentischer und aggressiver, auch wenn er leider eine gutes Stück zu laut aus den Boxen shoutete. Aber ansonsten gab es außer, dass John etwas zu viel zwischen den Songs brabbelte wie zum Beispiel über Brüste, die Sonne oder Eier und über die völlig unterbewerteten Klo-Frauen. Zum Abschluss gab es neben den Eigenkompositionen noch SLAYERs „Raining Blood“ abzumoshen, dass der Staub nur so flog.

An den T-Shirts und den vielen Würsteln erkannte man, dass sich etliche Besucher sehr auf die Fun-Grindcore Band aus Bayern mit dem Namen ULTRAWURSCHT freuten. Darum war es wohl auch für viele sehr schockierend, dass der „Wurschtbua“, der normalerweise den Bass bedient leider wegen eines Kreislaufkollaps im Krankenhaus lag. Als Ersatz knüppelte die zweite Band von Drummer „Hans Wurst“,der diesmal ohne Koch-Kostüm auftrat, die Leute nieder. Die Rede ist von GODS OF EMPTINESS, die mit dem Morbid Angel Klassiker eigentlich gar nichts am Hut hatten, denn die Truppe spielte aggressiven, schnellen Grindcore. Tja, was soll ich viel dazu sagen, für den einen ist es einfach nur Lärm und für den anderen die beste und technischste Richtung im Metal, aber ich persönlich kann damit eher nicht viel anfangen, darum kann und will ich nicht viel zur Qualität dieses Auftrittes bekunden und ging dann auch nach ein paar Songs auf ein paar Stamperl Flüssig-Nutella. Ach ja, Würstel und "a gscheide Wurscht" wurden Gott sei dank trotzdem Richtung Publikum und zurück gefeuert. Na dann Mahlzeit.

Kurz nach 15 Uhr durfte dann Wolfgang Rothbauer mit seiner zweiten und erfolgreicheren Combo IN SLUMBER noch mal ran und das Ganze spielte sich auch auf der großen Bühne ab. Bei ihm merkte man von Erschöpfung, weder vom Auftritt, noch von der vermutlichen Aftershow Party nicht im geringsten etwas an und feuerte starke, leider zu leises Shouting dem recht gut gefüllten Platz vor der Bühne entgegen. IN SLUMBER gaben eine perfekte Umsetzung ihrer Alben zum Besten. Egal ob melancholische Parts, knallharte Passagen oder melodisches Riffing, die Linzer verstanden ihr Handwerk und wussten die Meute zu begeistern. Im Grunde gilt das Selbe, wie für THIRDMOON, denn es ist jedes Mal wieder ein Genuss sich diese immer frisch wirkende Band Live zu Gemüte zu führen. Alle auf der Bühne wirkten sehr agil und auch bestens gelaunt und so sollte es ja auch sein. Daumen hoch.





RIGER waren dann im Anschluss eine typische, mich nicht sehr ansprechende Pagan Metal Band. Irgendwie klang alles nach Viking-Einheitsbrei und brachte überhaupt nichts Neues mit sich. Ein bisschen FINTROLL da und ein Stück EQULIBRIUM dort und fertig war ein leider recht uninspirierter Auftritt. Auf mittelalterlich Instrumente oder ähnliches wurde zum Glück verzichtet, außer der Fronter präsentierte seinen fast nackten Oberkörper, mit einer runenbesetzen Armschiene und einem dazu passenden Schulterschutz.

Die Death Metal Combo DARKSIDE spielte auf der kleinen Bühne auf und erinnerte auch an die Veteranen rund um David Vincent und Tray Azagoth: MORBID ANGEL. Stampfend, schleppender Death Metal schepperte aus den Boxen, was ganz gut gefiel. Der Oldshool Sound passte perfekt und lud auch stellenweise zum Abbängen ein, auch wenn zum Beispiel der Songtitel „666“ nichts sehr inspiriert sein kann. Die Wiener konnten auf jeden Fall stolz auf ihren souveränen Auftritt sein.

Im Anschluss gab es ein freudiges Wiedersehen mit den Sympathischen Leute von NEAERA, die ja heuer schonAS I LAY DYING den Headliner Slot streitig machten, indem sie diese einfach mal so an die Wand spielten. Von Anfang an war vor der Bühne die Hölle los und NEAERA ballerten einen Song nach dem anderen runter. „Let The Tempest Come“ oder „Paradigm Lost“, um nur wenige Highlights zu nennen kamen live noch viel aggressiver, als auf Platte daher. Zu „Armamentarium“, dem Titeltrack des Albums wollte Sänger Benny mit einer Wall Of Death die Landskollegen von MAROON schlagen, was nach hinten losging, da diese ja gar nicht aufgetreten waren. Schön anzusehen war das Schauspiel dennoch. Benny kommentierte das Ganze dann nach dem Song mit einem schlichten: „Leck mich am Arsch….“ Beim letzten Song „Scars Of Grey“ wünschte er sich noch einen großen Circlepit, den er auch sofort bekam und auch eins der hässlichen, wie er sie nannte, Cappys bekam er auf die Bühne geworfen. Ein voller Erfolg also!





Den Namen MELY hörte ich schon öfters aber nie sah ich einen Auftritt oder hörte einen Song der Band. Ich war sehr erschrocken, als ich bei der Bühne oben ankam, denn außer Bass und dem sehr basslastigen Keyboard, die sich total überschlugen, war eigentlich nichts, außer vielleicht zwischendurch mal ein Wimmern des Sängers (?) zu hören. Schwer einzuschätzen, ob es am Mischer lag, oder ob das einfach so sein sollte. So konnte ich von dem emotionalen Rock eigentlich nicht viel ertragen, auch weil die Gitarre fast nicht hörbar war. Ich hoffe mal, dass es wirklich nur am Sound lag. Sehr, sehr schade, eigentlich.

Etwas später war es dann endlich Zeit für die dänischen Senkrechtstarter VOLBEAT. ElvisMetal oder Western Metal oder einfach nur Johnny Cash meets Heavy Metal. Im grunde egal, denn die Truppe rockte so oder so das Haus bzw. das Festival. Sehr sympathisch und humorvoll Präsentierte sich vor allem Fronter Michael Poulsen. Auch das Ambiente mit der untergehenden Sonne hinter der Bühne passte perfekt zum Auftritt. Mit einem verlängerten Intro vom letzten Album ging es auch gleich mit „The Human Instrument“ los und man merkte sofort, dass VOLBEAT es schaffen Leute aus allen Sparten des Metals anzuziehen und zu begeistern. Nicht umsonst war das Merchendise der Band ziemlich schnell vergriffen. Für die Damen gab es dann „Radio Girl“ und mit „Pool Of Booze Booze Booza“ auch einen witzigen Song. Auch METALLICA („Battery“), SLAYER („Raining Blood“) und MOTÖRHEAD („Ace Of Spades“) wurden zwischendurch kurz gehuldigt. Mit Jacky Flasche und Elvis-Schmalz-Locke ausgerüstet feierte Michael mit dem Rest der Band und der großen Ansammlung an Leuten vor der Bühne eine einstündige Show vom Feinsten. Auch ein neuer Song namens „Halleluja Goat“ wurde in typischer VOLBEAT Manier vorgestellt und natürlich durfte der Überhit „Sad Mans Tongue“ auch nicht fehlen. Gut, dass die Jungs uns heuer noch in Linz besuchen werden. Sehr empfehlenswert.





Setlist VOLBEAT:

The Human Instrument
Radio Girl
Pool Of Booze Booze Booza
The Gardens Tale
Caroline #1
Sad Mans Tongue
Slayer/Motörhead/Metallica – Medley
Soulweeper #2
Halleluja Goat
A Moment Forever

Nach WOLFCHANT, die ich auf Grund von einem 3-Tages Fußmarsch zurück zum Campingplatz verpasste, standen schon die APOKALYPTISCHEN REITER auf der Bühne und riefen nach “Revolution”, einem Song vom aktuellen Album, der lauthals mitgesungen wurde. Der eigentlich unterhaltsame Metal der Band hatte aber an diesem Abend, schon beim dritten Mal leichte bis große Abnutzungserscheinungen. Der Publikumsmagnet ist aber auch derzeit fast überall präsent. Da konnten auch die hergezeigten Brüste der Seemanns-Dame die aus dem Publikum für den Song „Seemann“, ausgewählt wurde, nichts mehr retten. Gefeiert und mitgesungen wurde trotzdem und somit war es wohl auch ein gelungener Auftritt. Ein regelmäßiger Genuss oder gar eine Überdosis ist somit nur Fans zu empfehlen.

Zu so später Stunde, gab es noch ein kleines, aber sehr feines Highlight zu bestaunen. SERENITY, als einziger Vertreter des Power Metals begeisterten mich von der ersten Sekunde an. Die Tiroler klangen stellenweise nach SONATA ARCTICA mit progressivem Einschlag, aber hatten definitiv den Vorteil, dass sie es besser zu Punkt brachten, als die Finnen es mit ihrem letzten Output taten. Auch SERENITY litten leider und dem mittelmäßigen Sound der kleinen Bühne. Die bekannten Songs „Canopus 3“ & „Reduced To Nothingness“ vom letzten Album wurden dennoch Albumgetreu und technisch perfekt umgesetzt und fuhren sofort unter die Haut. Gänsehaut war auch bei der gesanglichen Leistung von Georg Neuhauser, gerade bei den zwei neuen Tracks von kommenden Album „Fallen Sanctuary“ garantiert. Gerade „All Lights Reversed, das balladesk begann und gegen Ende in einer melodische Explosion mündete, überzeugte mich vollends von einem Kauf der neuen Platte. Bei „Rust Of Coming Ages“ steuerte auch Keyboarder Mario einige Grunts, die sich super einfügten, bei. Nach nur 30 Minuten war der Zauber leider schon vorbei und die Zugabewünsche durften aus Zeitgründen nicht erfüllt werden. Nach diesem Genialen Auftritt wären mehr Bands in diese Richtung, in Zukunft auf dem Summer Nights sehr wünschenswert.

Setlist SERENITY:

Forever
Canopus 3
All Lights Reversed
Rust Of Coming Ages
Reduced To Nothingness

Nun war es an dem zweiten Headliner des Festivals einen würdigen Abschluss zu finden. Meiner Meinung nach scheiterten MAYHEM sehr kläglich an diesem Versuch. Auf der Bühne wurde nur böses Black Metal Gehabe verbrochen. Typische Blut und Gedärme Aktionen sagt man dieser Band nicht umsonst nach. Wenn man über die derbe, ziemlich lächerliche Show hingeweg sah, so blieb konfuses Geknüppel und Akkordrutscherei mit grässlichem Gekreische übrig. Hier schien überhaupt kein Ton zu passen, keine melodie zu kommen oder gar ein rhythmusgefühl vorhanden zu sein. Angeblich soll diese Band in den späten 80ern einmal wirklich gut gewesen sein, aber womöglich nur im "Kirchen-Anzünden" oder als Pandabär verkleidet im Wald rumschreien. Ich konnte hier leider nur den Kopf schütteln und mit den rockigen Nummern von VOLBEAT und den feinen Melodien von SERENITY im Kopf den Nachhauseweg antreten, der etwas beschwerlich war, da man doch über einige, mittlerweile lustig geschmückte Alkoholleichen steigen musste.





Alles in allem ein gelungenes Festival, wenn auch mit einigen Abstrichen, aber von diesen lasse ich mich sicher nicht abschrecken und werde auch, sofern es mir möglich ist, 2009 wieder voller Freude vom aufstrebenden Summer Nights Open Air berichten, dass dann hoffentlich weniger auf den Trendwellen schwimmt und somit ein eigenständiges und auch anständiges Festival wird bzw. bleibt, anwesend sein.


FOTOS + E-CARDS
www.summer-nights.at

maxomer
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Beitrag vom 30.06.2008
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