BANG YOUR HEAD 2008 TAG 1: QUEENSRYCHE   ICED EARTH   GREAT WHITE   WHITE LION   RAGE   ENSIFERUM   FORBIDDEN  
27.06.2008 @ Messe, Balingen

Ich freute mich schon sehr auf das 13te Bang Your Head beziehungsweise die 10te Open Air Ausgabe, da ich im Vorjahr schon einige positive Eindrücke sammeln konnte. Am Donnerstag Abend standen schon an den zwei Campingplätzen neben dem Festivalgelände große Schilder mit der Aufschrift „FULL“. Darum wurden wir gute 10 Kilometer im Kreis geschickt um unser Zelt am Rande des Riesen-Metalcamps aufzuschlagen. Schnell wurden die Zelte aufgebaut, der Generator gestartet, Metal aufgelegt und die Doppler-Affäre gestartet um dann in den frühen Morgenstunden mit blömeranten Kopf ins Zelt zu fallen, in dem man wenige Stunden schon wieder schweißgebadet wach wurde.

Nun hatte man die Möglichkeit den Fußweg zu beschreiten, der einer Marathonstrecke glich, oder in einen Bus, voller verschwitzter, stinkender Metaller zu steigen um dann erstmal ins dumme Bad gefahren zu werden. Dann endlich am Festivalgelände angelangt thrashten FORBIDDEN ihr Programm mehr oder weniger enthusiastisch herunter. Was sofort auffiel, war der gehobene Altersdurchschnitt, der womöglich nur durch den überflüssigen Pagan Metal von TYR und KORPIKLAANI etwas gesenkt wurde. Diese Bands wurden zum Glück schon zur frühen Morgenstunde auf die Running Order gesetzt, somit hatte ich diese auch erfolgreich verpasst.
[maxomer]

Der erste Festival Tag begann schon sehr früh am Morgen, denn der Sonne sei Dank hatte es in meinem Zelt Temperaturen die normalerweise als Sauna bezeichnet werden und die Doppler Affäre vom Vortag hatte ihr übriges getan.
FORBIDDEN hätten eigentlich leichtes Spiel sollte man denken, denn es ist schon eine ganze Weile her, dass sich die Thrash Legenden hierzulande blicken ließen. An mangelnden Bangern konnte es auch nicht gelegen haben denn vor der Bühne hatten sich etliche Thrasher eingefunden.
Aber leider lieferten FORBIDDEN hier eine ziemlich lahme Show ab. Russ Anderson und Co sahen aus und bewegten sich als ob sie die letzten 10 Jahre auf der Couch verbracht hätten. Schade, denn mit so einer schwachen Leistung wird kein Hahn nach einer Comebackscheibe krähen. Doch ein paar beinharte Thrash Fans ließen sich nicht unterkriegen und schraubten sich ihre Birnen bei Kaliebern der zwei Genre Klassiker „Forbidden Evil“ und „Twisted Into Form“ ab.
[cowboyfromhell]

Kaum regt man sich über Pagan auf, da kommt auch schon eine Truppe dieses Stiles auf die Bühne gehüpft. ENSIFERUM, die schon das Pagan Fest erfolgreich geheadlined haben, durften als noch recht junge Band neben den Großen und erfahrenen Bands auch ihr Können beweisen und das taten sie nicht schlecht, denn die Finnen heben sich zum Glück sehr von den typischen Folk Bands ab. Denn in ihrem Sound sind auch einige Melodic Death und Power Metal Elemente zu finden. So begeisterten „Blood Is The Price Of Glory“ oder auch „Token Of Time“ vom Debüt wieder sehr. Und das noch nicht sehr dicht stehende Publikum jubelte auch stellenweise sehr anerkennend und sang auch den einen oder andren Refrain im Chor mit.
[maxomer]





Mit dem Besucheransturm konnten RAGE sehr gut umgehen, denn Peavy hatte die Menge schon nach den ersten Takten fest im Griff. Bei „Under Control“ rastete das Publikum an diesem Tag das erste Mal so richtig aus. Es war eine echte Freude Victor Smolski beim Gitarrenspiel zu zusehen und verdiente das Prädikat „Sehr Sehenswert!“ Zum Abschluss gabs noch „Higher Than The Sky“ wo dann auch alle Fans lautstark mitsangen.
[cowboyfromhell]


Peavy Wagner und Victor Smolski mit Neo-Drummer Andre Hilgers, der extra bei AXXIS ausstieg enterten unter dem altbekannten Banner RAGE, die Bühne um ihr Neuwerk „Carved In Stone“ zu präsentieren. Trotz des guten Werkes „Soundchaser“ habe ich die Band in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren, was sich aber jetzt wieder ändern könnte. Der Titeltrack des neuen Albums kam wuchtig und stark in typischer RAGE-Manier aus den Boxen gehämmert und gefiel sofort. Natürlich durften Klassiker wie „Higher Than The Sky“, zum mitsingen oder „Under Control“ nicht fehlen. Alles in allem ein sehr anständiger Auftritt, bei dem alle Musiker punkten konnten. Es war mir bis jetzt jedes Mal eine Freude Victor Smolski auf die Flitzefinger zu schauen.
[maxomer]





WHITE LION hatten gerade erst ihr Comeback Album „Return Of The Pride“ in die Läden gestellt und schon standen sie in Balingen auf der Bühne. Eine beachtliche Schar an Posern und Glam Rockern hatten sich eingefunden um Mike Tramp mit seiner Truppe leibhaftig zu erleben. Nach einem kurzen Western-Intro erklommen die weißen Löwen auch schon die Bühne und zockten den ersten Klassiker „Hungry“. Anfängliche Soundprobleme bekam der scheinbar sehr junge Sologitarrist schnell in den Griff und bei „Little Fighter“ durfte er sich das erste Mal aus Tramps Schatten begeben. Dies war einer der wenigen Kritikpunkte, neben dem viel zu kurzem Set. Der Sänger stand von der ersten bis zur letzten Minute im Vordergrund. Einzig der Keyboarder der in perfektem Deutsch die bevorstehende Tour zum neuen Album ankündigte, wurde kurz vorgestellt. Aber wenn ich ehrlich bin ist es Mikes Stimme die WHITE LION in den Achtzigern zu Superstars gemacht hat. Hits der Marke „Little Fighter“, “Wait“, “Lady Of A Valley“ oder das unsterbliche “Broken Heart” konnten aber leider an diesem Tag nicht wirklich überzeugen. Das Ruder konnte auch das Mitsingspielchen bei „Tell Me“ nicht mehr herum reißen. Erst als Mike der Deutschen Nationalmannschaft viel Glück wünschte, bekam er den verdienten Beifall. Als die Band dann nach „Sangre De Cristo“ vom neuen Album von der Bühne verschwand fragte ich mich dann schon wo „When The Children Cry“ und „Radar Love“ geblieben waren. Enttäuscht und etwas traurig wanderte ich in Richtung Bierstand und wartete auf meine nächsten Helden.
[cowboyfromhell]

Ich muss zugeben, dass ich von WHITE LION im Vorhinein keinen einzigen Song kannte und das wunderte mich dann auch gar nicht, denn eine Rockschnulze jagte die nächste und konnte mich nicht wirklich begeistern. Mike Tramp und seine Mannen wirkten zudem sehr demotiviert. Aufs Posen und sehr Fragwürdige Klamotten wurde dennoch nicht verzichtet.
[maxomer]





GREAT WHITE enterten nach kurzer Umbaupause die Stage und rockten was das Zeug hielt. Die Feuerkatastophe von West Warwick 2003 schien in diesen Momenten völlig vergessen zu sein, denn die gesamte Band trat an diesem Tag mit Spielfreude auf, die seinesgleichen suchte. Auch der Masse vor der Bühne schien es zu gefallen, denn die ging schon beim zweiten Song „Face The Day“ voll mit.
Jack Russel war wohl in den Jungbrunnen gefallen, denn was der für eine coole und gesangstechnisch souveräne Show ablieferte, war einzigartig an diesem Tag. Der Song „Back To The Rhythm Again“ vom gleichnamigen neuen Album reihte sich mühelos unter den Hard Rock Klassikern der Alben „Once Bitten“ „Shot In The Dark“ oder „…Twice Shy“ ein. Das Solo bei „Save Your Love“ wurde so gefühlvoll gespielt, dass sich sämtliche Haare auf meinen Armen um einen Stehplatz rauften.
GREAT WHITE hatten absolut glasklaren Sound und Jack Russel enormen Bewegungsdrang. Er war nahezu immer in Bewegung, um den Kontakt zum Publikum nicht zu verlieren. Als Folge wurden sie regelrecht abgefeiert. Witzig war, dass gerade die ruhigeren Bands wie GREAT WHITE, 2007 NAZARETH oder das Jahr zuvor FOREIGNER am meisten überraschen konnten. Bin jetzt schon gespannt welche Hard Rock Legende 2009 das BANG YOUR HEAD rocken wird.
[cowboyfromhell]






John Schaffer konnte ja in letzter Zeit nur mit Widersprüchen und großen Worten punkten. Der Rauswurd von Tim „Ripper“ Owens war ja nicht gerade die feine englische. Auch der neue, alte Fronter Matt Barlow sagte ja einst, dass er nicht mehr bei ICED EARTH singen will. Viele begrüßten natürlich die Rückkehr des Polizisten, der ja auch weiterhin dieser Tätigkeit nachgehen will. John meinte dazu, dass es weniger Auftritte, dafür aber ganz spezielle geben sollte. Wohl noch eine leere Versprechung. Die Truppe stand auf der Bühne, ohne viele Worte wurde das starke Set, man nehme „Iced Earth“, „Violation“ oder „Pure Evil“, runtergezockt. Alles wirkte sehr nach Arbeit und man hatte das Gefühl, dass sie schnell wieder von der Bühne runter wollten und das taten sie auch. Gerade mal 60 Minuten und vorbei war der Zauber, als Co-Headliner. Gänsehaut gab es trotzdem bei „Melancholy“, vom ersten Ton an. „Declaration Day“ und „Ten Thousand Strong“ kamen etwas schwachbrüstig aus Matts Kehle und man merkte bei den hohen Screams, an den rot angelaufenen Kopf, dass er sich hier alles andere als leicht tat. Ein leider etwas enttäuschender Auftritt. Da hatte vergangenes Jahr der Ripper bei der Headliner Show im Wiener Planet um einiges die Nase vorne.
[maxomer]

Das BANG YOUR HEAD 2008 stand ganz im Zeichen von QUEENSRYCHE denn auf nahezu allen Festival Souvenirs, wie Bändchen oder T-Shirts war das „Operation Mindcrime“ Logo zu sehen. An der Genialität des Klassikers braucht man sicher nicht lange fachsimpeln, doch ob es eine so gute Idee ist alle zwei Mindcrime Alben hintereinander zu spielen erhitzte schon im Vorhinein die Gemüter. Der größte Nachteil war sicher, dass der erste Teil um Welten besser ist und dadurch die Hits schon am Anfang abgefeuert werden. Die Vorhersehbarkeit ist die andere Sache die ihnen zum Verhängnis werden kann.
Über die folgenden Zwei Stunden wird wohl noch lange in den Metal Foren diskutiert werden. Es war noch hell in Balingen als QUEENSRYCHE mit dem Theater begannen. Leider verloren dadurch die ersten vorgetragenen Klassiker wie „Revolution Calling“ oder „Operation Mindcrime“ etwas an Tragik. Die Band war perfekt aufeinander eingespielt, jeder Handgriff saß und Geoff Tate spielte den Jungen Nikki (Die Hauptfigur in der Geschichte) so gut, dass man glauben konnte, er selbst sei diese tragische Figur.
Natürlich trug die grandiose Bühnenausstattung, Lichtshow, der tolle Sound und die göttliche Stimme Tates dazu bei diesem Auftritt nicht so schnell wieder zu vergessen. Nach „Eyes Of A Stranger“, der letzte Track des Erstlings, verschwindet die Band vorerst hinter der Bühne.
[cowboyfromhell]

Nicht umsonst stand auf den Eintrittsbändchen „Operation Balingen“, denn das Festival stand ganz im Zeichen von QUEENSRYCHE und dem genialen Klassiker „Operation Mindcrime I“ und dessen neueren Nachfolger. Ein hübsches Bühnenoutfit wurde gezaubert und die Band kam nach einigen spannenden Minuten auf die Bühne. Geoff Tate folgte nach dem Intro in Lederjacke und mit Sonnebrille die Bühne. Man konnte es ihm nicht verdenken, die Sonne schien ja noch. Er eröffnete das dreistündige Set mit „Revolution Calling“, ohne Micro in der Hand, denn die Hände brauchte er um zu schauspielern, denn er verkörperte den Hauptdarsteller Nikki, der aber beim Song „Mindcrime“ von einem Statisten gespielt wurde, damit Geoff in die starke Rolle des Bösewichts steigen konnte. Mit Headset ausgerüstet hielt er Schilder in die Höhe und rief nach Revolution. Schauspieler, Trommler und eine Sängerin, die Schwester Mary verkörperte, gab es auch. Geoff Tate lieferte mit einer perfekten gesanglichen Leistung eine herzerreißende Show ab. In „Spreading The Disease“ merkte man sein Leid und litt selber sogar ein Stück mit. Auf den Videowalls wurden neben der mitgefilmten Show auch einige gedrehte Clips, die die Spannung noch mal hoben gezeigt. Nachdem sich Mary erschoss und der Nikki glaubte, er habe sie ermordet, drehte er durch und wurde von der Polizei geschnappt und ins Irrenhaus gesteckt. Somit endete auch „Operation Mindcrime“.
[maxomer]





Nach einer 15-Minütigen Pause ging es gleich mit der Story im zweiten Teil weiter. Man merkte leider vom ersten Song an, dass der zweite teil nur von der Story-line direkt an den Vorgänger anknüpfte. Musikalisch war der zweite Teil sowieso immer schon etwas gewöhnungsbedürftiger und reichte nie an den Vorgänger an. Die Inszenierung passte dennoch und ein paar starke Tracks beherbergte ja auch dieses Platte, wie zum Beispiel das geniale „The Chase“, in dem Ronnie James Dio sein Organ ertönen ließ. Natürlich war es gewagt, beide Mindcrime Teile hintereinander zu spielen, aber meiner Meinung nach und auch der Resonanz der Fans nach, dürfte der Plan, dank einer Band in Höchstform und einer mitreißenden Inszenierung geglückt sein. Als Zugabe, gab es noch zusätzliche Tracks aus der Diskographie der Truppe zu hören.
[maxomer]





Nun konnte man noch im Partyzelt richtig abfeiern oder sich in einen der gestopft vollen Busse einzwängen und hoffen, dass kein betrunkener Fahrgast sein Essen, von dem es reichlich an Auswahl gab, über einen ergießen wollte. Wir machten uns noch einen schönen Abend am Camping Platz mit Bier, Wein, Vodka und anderen schönen Dingen um dann in der kühlen Nacht angenehm ins Zelt zu plumpsen.
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FOTOS + E-CARDS
www.bang-your-head.de

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Beitrag vom 08.07.2008
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