CONVERGE   INTEGRITY   COLISEUM   THE PLIGHT  
27.07.2008 @ Arena

Ernüchterung beim eigentlich zeitgerechten Eintreffen in der Arena, denn von einem ähnlich großen Besucherandrang wie bei den letzten Wien-Besuchen des Headliners ist nicht gerade viel zu sehen.
Trotzdem ist die Verlegung in die kleine Arena nicht ganz nachvollziehbar, ist diese doch während der Konzerte zum Bersten gefüllt und ähnlich temperiert wie die finnische Sauna in Oberlaa.

Als THE PLIGHT die Bühne enterten prangte vor dem DreiRAum schon das CONVERGE – SOLD OUT Schild. Diese fünf Herren aus dem schönen Großbritannien machten ihre Sache dann aber richtig gut. Für deren Melange aus Hardcore, Metal, Southern- und Schweine-Rock standen wohl Bands wie CANCER BATS, TAINT, EVERY TIME I DIE aber auch aufgrund des Grooves BARONESS, KYLESA und auch TORCHE Pate. Kurz gesagt Musik die Lust auf Bier und Bangen macht. Endlich mal wieder eine unbekannte Vorband über deren Kennenlernen man sich durchaus freuen kann.

COLISEUM beehren innerhalb eines halben Jahres zum zweiten Mal die Arena und überzeugen auch ein weiteres mal. Wobei sich das Live-Material vor allem auf die letzte CD des Trios „No Salavation“ konzentrierte, knackiger, schneller, straighter aber auch rockiger Hardcore der bei Songs wie „Seven Cities“ oder „Profetas“ Nacken wie Beine zum bewegen motiviert. Chris Maggio hintern den Drums überzeugte nicht nur mit seinen Fertigkeiten sondern ging auch sichtlich an seine physischen Grenzen. Bis jetzt ein großartiger Abend, die Betonung liegt leider auf bis jetzt.

Denn danach folgten INTEGRITY, oder auch „Wie enttäusche ich maßlos und demontiere dabei radikal meinen Legendenstatus“. Kurzer Backflash: INTEGRITY waren einmal eine der Speerspitzen des Straight Edge-Hardcores veröffentlichten mit „Systems Overload“ eine Genreklassiker und galten als Pioniere und Mitbegründer des Metalcore.
Doch von diesen glorreichen Zeiten ist außer Sänger - besser Brüllwürfel - Dwid Hellion nicht mehr viel übrig. INTEGRITY 2008 sind zwei Bandanatragende Gitarristen, ein junger Bassist der das halbe Set an Fingerkrämpfen in der linken Hand laboriert, ein - seine Verdienste in der Vergangenheit alle Ehre - miserablen Shouter und expliziter Bierkonsum auf der Bühne – Adieu Straight Edge. Wird das Ganze noch mit schwachen bis schlechten Songs und substanzlosen lärmfabrizierenden Experimenten kombiniert, ergibt das einen katastrophal miesen Auftritt. Nicht zu Unrecht verließ ein Gros der Anwesenden die kleine Halle. Da fragt man sich schon warum CONVERGE so eine Band auf Tour mitnehmen. Klar, sie bezeichnen INTEGRITY zwar immer als maßgeblichen Einfluss und sie sind auf Jacob Bannons Label Deathwish Records. Aber gerade auf letzterem erscheint ein Hardcoreklassiker nachdem anderen und mit THE HOPE CONSPIRACY, BLACKLISTED oder auch SHIPWRECK A.D. im Livepaket könnten CONVERGE Europa in Schutt und Asche legen.

Es konnte also nur besser werden, und das wurde es dann erwartungsgemäß auch. CONVERGE sind wohl eine der besten Hardcore-Bands unserer Zeit und diese Tatsache belegten sie auch bei ihrem knapp einstündigen Auftritt eindrucksvoll - Karthasis pur. Es brennt die Luft wenn Jacob Bannon seinen Schmerz hinausbrüllt, der an sich charismatisch und besonnen wirkende Mann verwandelt sich auf der Bühne in ein Raubtier, wetzt von einem Bühnenrand zum anderen wie der Eisbär mit Tick im Schönbrunner Zoo, bevor er explodiert wie eine A-Bombe und man möchte wirklich nicht wissen was aus Mr. Bannon geworden wäre wenn er nicht CONVERGE als Ventil für seine Wut hätte. So werden sie noch einigen Hardcore-Traditionen gerecht, so wird von den Vieren auf der Bühne nur Wasser getrunken und die von INTEGRITY übrig gebliebenen Bierdosen auf Anweisung von Mr. Bannon entfernt. Mit Kurt Ballou, Ben Koller und Nate Newton sind hier nicht nur drei Ausnahmemusiker am Werk - wie auch ihr Jam während einer Unterbrechung aufgrund von technischen Problem gegen Ende des Sets bewies - die einen fiesen wie druckvollen Sound erzeugen, der einen fast aus der Arena peitschte. Durch den Umstand, dass gerade live die zweite bzw. dritte Stimme deutlicher in Erscheinung treten, gewinnt die Hardcoredampfwalze CONVERGE noch mehr an rockiger Fahrt und ließ wohl auch keinen unbeeindruckt. Nach einer guten dreiviertel Stunde und Songs von den Alben "Petitioning The Empty Sky", "Jane Doe", "You Fail Me" und "No Heroes" gönnten sie der sichtlich begeisterten wie erschöpften Crowd noch einmal eine kurze Verschnaufpause, bevor sie dieser im Zugabenteil mit dem Titeltrack des letzten Albums noch eine saftige „Gnack-Watschn“ für den Nachhauseweg mitgaben. Ein großer Abend der einzig durch INTEGRITY und die stickige und überfüllte kleine Halle der Arena getrübt wurde.

Fotos (c) peteionian.com


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www.convergecult.com

tsunemoto
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Beitrag vom 02.08.2008
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