SIMEROCK 2008 - TURMION KÄTILÖT   BLEAK   NEGATIVE   AMORPHIS DIABLO   SARA  
04.07.2008 @ NAPAPIIRI - POLARKREIS - FINNLAND

Was haben der Weihnachtsmann, rote Rosen, Kreissägen und finnischer Metal gemeinsam? Die Antwort bekam man vom vierten bis sechsten Juli in Napapiiri (zu deutsch Polarkreis), einem Fleck schönster lappländischer Natur, nur wenige Kilometer von Rovaniemi entfernt. Denn dort, unweit vom Weihnachtsmann Dorf und Huskyfarmen fand das diesjährige SIME ROCK statt, dessen Logo von roten Rosen, Blutspritzern und einem Kreissägeblatt geziert wurde.
Eingebettet war das Festivalgelände in die für Lappland typische Vegetation und versprüht so ein ganz besonderes Flair, das Ihresgleichen sucht. Durch einen urplötzlichen Kälteeinbruch bekamen die Festivalbesucher auch eine ungewollte Vorstellung davon, wie der Weihnachtsmann seine Tage im Lappland (über)lebt. Dazu aber später noch Genaueres.

TAG 1 - Vom Frost und dem Weihnachtsmann

Frisch gestärkt und frohen Mutes warteten wir hochsommerlich gekleidet bei Sonnenschein und angenehmer Temperatur auf den Festivalbus, der uns vom Stadtzentrum Rovaniemis zum Festivalgelände brachte. Nach den üblichen Formalitäten (Abholen des Festivalpasses blabla) marschierten wir los um das Festivalgelände unter die Lupe zu nehmen, das einfach atemberaubend ist. Das Festivalgelände und der unmittelbar benachbarte Campingbereich befand sich inmitten der Natur- „In the middle of nothing“- wie man so schön sagt.
Am Festivalgelände selbst säumten sich die unterschiedlichsten Merchandising und Gastrostände - auch die Möglichkeit zum Bunge Jumpen war gegeben und wurde auch reichlich genutzt.

Die ersten schlechten News am Festivalgelände waren, dass AJATARRA leider nicht spielen konnten. Als Ersatz bewiesen sich TRACEDAWN, die ihre Sache wie schon am TUSKA sehr gut absolvierten und die Songs ihres Debüts sowohl souverän, als auch mit einem Maximum an Spielfreude herunter spulten.

So richtig los ging es dann mit TURMION KÄTILÖT, die sowohl Kracher ihres neuesten Outputs „U.S.C.H!“ (kostenlos auf der Homepage als Download verfügbar) als auch Hits wie „Tirehtoori“ zum Besten gaben und die zu diesem Zeitpunkt leider noch spärlich vorhandenen Zuschauer zum Bangen, „Tanzen“ und was auch noch immer animierten. Die obligatorischen Livepiercingeinlagen von Sänger Tuomas aka. Spellgoth durften natürlich auch diesmal nicht fehlen - so steckte er sich kurzerhand mehrere 20 Zentimeter lange Nadeln am verschiedensten Stellen durch den Körper. Bei dem im Allgemeinen recht jungen Publikum muteten diese Einlagen doch etwas grotesk an, fielen aber dennoch harmloser aus, als bei so manch anderer vergangener Show.





Ein weiteres Highlight des ersten Tages waren UNIKLUBI, auf die sich besonders das junge, weibliche Publikum gefreut hatte; sowie zwei Größen in der finnischen Musiklandschaft – KOTITEOLISUUS und HANOI ROCKS. Letztere haben natürlich auch außerhalb der Heimat bemerkenswerte Bekanntheit erreicht und zählen zu den größten Einflüssen so manch einer Glamrock oder Rock’N’Roll Band der heutigen Tage.

Leider überraschte uns beziehungsweise auch den Großteil der Zuschauer ein Kälteeinbruch, der die Temperaturen auf rund 5°C sinken ließ - der Wind trug zum Rest bei und zwang uns früher als gewollt, die Flucht nachhause in unsere wärmenden vier Wände anzutreten.

TAG 2 - …Es geht noch kälter…

Besser gerüstet (so dachten wir zumindest) beziehungsweise mit Tonnen warmer Winterkleidung, begann der zweiten Festivaltag für uns mit melancholischem Rock der relativ jungen Formation BLEAK. Wie schon bei vergangenen Auftritten hatte die Band rund um Frontmann Caleb das Publikum fest im Griff. Neben den Songs des Debüts „Burns Inside“ schaffte es auch der Song „Fate“ vom „Jade Warrior“ Soundtrack in die Setlist. Sie sind definitiv eine Band, von der man in Zukunft auch außerhalb Finnlands etwas hören wird. Zurzeit arbeitet die Band am zweiten Album und vielleicht kann man sich schon bald von den dynamischen Shows inklusive den Abstechern von Caleb ins Publikum auch hierzulande überzeugen.





Weniger unerfreulich ging es mit der Meldung weiter, dass der Flug von STAM1NA und NEGATIVE verschoben wurde, da auf eine Ersatzmaschine gewartet werden musste. Dies hatte letztendlich den Ausfall von STAM1NA inklusive Loch im Spielplan und einen gehöriges Durcheinander im Spielplan zur Folge, in dem auch die Security den Durchblick nichtmehr behielt. Laut Infos sollte der Spielplan gleich bleiben und nur nach hinten verschoben werden, dem war jedoch leider nicht so und so begannen NEGATIVE und AMORPHIS zu meinem Entsetzen beinahe zeitgleich, was ich leider erst nach der NEGATIVE Shooting Session mitbekam und das mich so den Beginn von AMORPHIS kostete.
Nun aber zu NEGATIVE, die keineswegs negativ gelaunt waren, obwohl es nach dem Termintrouble nur zu verständlich gewesen wäre. Die Band und Frontmann/Frauenschwarm Jonne Aaron präsentierten sich routiniert und sichtlich erwachsener und so klingt auch das neue Album „Karma Killer“, das mehr als nur einen Hit enthält und wesentlich reifer als die Vorgänger klingt. Neben Songs des neuen Albums („A Devil On My Shoulder“, „Won't Let Go“, „Motherfucker (Just Like You)“, „Giving Up!“) schaften es natürlich auch Hits der ersten drei Alben in die Setlist; „Glory Of The shame“, „In My Heaven“, „My My Hey Hey“, „Frozen To Lose It All“, „Sinners’ Night / Misty Morning“, „The Moment Of Our Love“ und „Planet Of The Sun“.





Nach meiner Photosession bei den Jungs aus Tampere ging es zu den etwas älteren Herren aus Helsinki, dem Mann mit den langen Dreads und seinen Mitstreitern- AMORPHIS! Tomi hat in seiner Erscheinung und seiner Stimmgewalt nichts eingebüßt und harmoniert mit der Band als ob er schon ewig bei ihnen singen würde. Sein Stageacting macht jeden Auftritt der Band aufs Neue zu etwas Besonderem. Im Gepäck trugen sie wieder allerlei Hits, die in den letzten zwei Jahrzenten zur Genüge geschrieben wurden. Unter anderem „Against Widows“, „ Silent Waters“ oder auch „House Of Sleep“.

Headliner des Abends waren APULANTA, auf die wieder besonders die jüngeren Zuschauer gewartet hatten und die wie gewohnt qualitativ hochwertiges Unterhaltungsprogramm ablieferten. Bei neun Alben und einer Unmenge an Fans im Rücken war also auch an diesem Abend ein großartiger Auftritt garantiert, der nur durch die bitterkalten Temperaturen getrübt wurde.

TAG 3 – AURINKO EI LASKE KOSKAAN! - THE SUN NEVER SETS!

Den letzten Tag der sommerlichen Kälteprobe begannen wir mit SARA die mit „Veden Äärelle“ gerade ihr fünftes Album veröffentlichten und das auch zu promoten galt. „Rauhan Aika“ war nicht der einzige Song des neuen Outputs, jedoch der beste und auch live konnte die Stimmung des Songs perfekt transferiert werden. SARA sind sicher einer der großen Geheimtipps aus Finnland und alle Fans von Bands wie TOOL, KENT oder RADIOHEAD sollten hier mal ein Ohr riskieren.

Den Härtegrad schraubten anschließend DIABLO in die Höhe und mit ihrem Album „ICAROS“ im Rücken lies man die Köpfe kreisen. Sänger Rainer Nygård erinnert in seiner Gestik und Stageperformance ein wenig an den jungen James Hetfield und zeigt, wie ein Frontmann auszusehen hat. Bei der Songauswahl kam kein Album zu kurz; Höhepunkt war aber wohl „Living Dead Superstar“ von der aktuellen Scheibe. Ich hoffe, die Band schafft endlich den Sprung auf österreichische Bühnen, damit sich auch hierzulande jeder von der Klasse der Band überzeugen kann; zu wünschen ist es ihnen!

Es folgten die Newcomer des letzten Jahres - STURM & DRANG betraten die Bühne und das Herz so manchen Mädchens begann etwas heftiger zu schlagen. Viel hat sich seit dem letzten Jahr bei den Jungs nicht getan, sie schauen noch immer verdammt jung aus und sind es auch. Sie spielen technische einwandfreien Heavy Metal und werden bis zum Ausreizen bejubelt. An der Setlist hat sich so weit nichts geändert, es werden weiter die Songs des Debüts „Learning To Rock“ verbraten, inklusive der Hitsingle „Indian“.





Gespannt wartete ich anschließend auf die norwegischen Glamrocker MALICE IN WONDERLAND, die mich dann doch ein wenig enttäuschten. Lahm und ausdruckslos wirkte der Auftritt, besonders im Vergleich zur gestrigen NEGATIVE Show; auch der musikalische Funke wollte nicht so recht überspringen. Die Band aus Bergen tat jedoch ihr Bestes um das Publikum zum Mitrocken zu bringen. Unterm Strich war es ein ordentlicher Gig, obwohl die Songs auf Scheibe besser zur Geltung kommen.

Im gleichen Fahrwasser ging es weiter mit den selbsternannten Helsinkier Vampiren, den 69 EYES, die es auch diesmal schafften, optisch noch ein wenig lächerlicher auszusehen. Dies gilt insbesondere für Sänger und Frontvampir Jyrki 69, der sich mit einem Totenkopftuch und dazu passenden Handschuhen als optisches Skelett präsentieren wollte und dadurch leicht lächerlich wirkte , sonst sind die 69 Augen in den letzten Jahren zu einer Selbstdarstellerband mutiert, die sich wohl mehr um ihren Look als um die musikalischen Aspekte kümmert, denn große Sprünge hat es in ihrer Musik in den letzten Jahren nicht gegeben, sind sie doch stets ihrem ausgeleierten Schema treu geblieben. Ein Song ähnelt dem anderen, was Fans der Band wohl nicht weiter stören wird – doch ein wenig mehr Abwechslung und Weiterentwicklung ist definitiv wünschenswert!!!





Als Headliner wurden danach noch SONATA ARCTICA gepriesen, deren Performance wir uns allerdings getrost ersparen konnten (siehe dazu TUSKA 2008); nachdem ihr Auftritt am Tuska 2008 mehr als beschämend war.

Alles in allem ist das SIMEROCK auf jeden Fall ein nettes Festival, auf dem sich ein Besuch lohnt, vor allem wenn Mann und Frau sich zu der Zeit gerade in Rovaniemi aufhalten. Auch wenn das Wetter dieses Jahr nicht mitgespielt hat und auch kleine diverse organisatorische Probleme (unerwartet) auftauchten, war und ist das Festival eine Erfahrung wert, alleine schon dank seiner einzigartigen, wunderschönen Location im Lappland.


FOTOS + E-CARDS
www.simerock.fi

Harald
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Beitrag vom 05.09.2008
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