KREATOR   CALIBAN   ELUVEITIE   EMERGENCY GATE  
14.02.2009 @ Gasometer

Vier lange Jahre hat es gedauert, vier Jahre ohne ein Album, vier Jahre seit der Europatournee, vier Jahre kein Thrash… naja nicht ganz, aber immerhin vier Jahre ohne den Thrash Teutonen aus Deutschland. KREATOR haben ihren neuen Hammer „Hordes Of Chaos“ veröffentlicht und befinden sich auf Tour mit einem bunten Supporthaufen. Wurde ja auch Zeit, denn ich habe noch nie einen schlechten Gig von KREATOR erlebt. Ganz im Gegenteil, die Jungs bieten einem, was man erwartet. Starken Thrash, der keinen ruhig stehen lässt und das Ganze in diesem unvergleichlichen Stil.

Mehr als gebannt stehe ich vor der Bühne, schaue mir das schöne Bühnenoutfit, passend zum aktuellen Cover Artwork und höre die KRE-A-TOR Rufe in meinem Rücken… aber erstmal von vorne.

Pünktlich 19 Uhr stehen EMERGENCY GATE auf der Bühne, vor dem leider recht leeren Gasometer. Der Grund – das Konzert war für diesen Zeitraum geplant, wobei die Planet Homepage leider anderes propagierte. Auch ich konnte leider nicht in den Genuss des ganzen Gigs der von Fronter Matthias Kupka angeführten, Modern Metaller kommen. Aber was ich hörte, gefiel mir auf Anhieb gut. Modernes Riffing, das von Keyboards begleitet stellenweise an ältere SOILWORK erinnert, aber eigentlich nicht kopiert klingt. Matthias, ganz in weiß begleitet, während die restliche Band in schwarz und Camoflage den Kontrast bildete, brüllte treffsicher und war auch in den cleanen Parts sehr angenehm anzuhören. Vielleicht kennt ihn schon der eine oder andere vom „Comand To Charge“- Album von SUIDAKRA, bei denen er an der Gitarre gastierte. Ich und viele andere, der wenigen Anwesenden, hatten unsere Freude und man sollte die junge Truppe vielleicht noch im Auge behalten.



Man möge kaum glauben, dass EMERGENCY GATE am besten zum Headliner passen sollten, aber der nächste Slot im Line-Up bewies, dass man auch abwechslungsreiche Konzerte arrangieren kann. Die „New Wave of Folk Metal“, wie die Band ihren Stil selber betitelte, kam in Form von ELUVEITIE dran. Die Schweizer heben sich gekonnt durch höhere Härte, statt zuviel „Humpa-Humpa“ aus und klingen angenehm frisch und ernsthafter als Genrekollegen KORPIKLAANI oder ALESTORM. Dennoch fehlen folkloristische Instrumente natürlich nicht. Mandoline, Fiedel, Akustikgitarre und vieles mehr spielten die acht Mitglieder neben den üblichen elektronischen Lärmgeräten. Schade ist nur, dass die Gebrüder Kirder, Sevan und Rafi, kein Teil der Band mehr sind, da sie ja eine Art Wahrzeichen der Band darstellten. Wer ein mehr oder weniger fleißiger Konzert- und Festivalgeher ist, hat die Truppe sicher schon erlebt – auf jeden Fall gab es Gelegenheiten zu Hauf, auch in jüngster Vergangenheit. Mittlerweile waren auch schon genügend Zuschauer vorhanden, um mitzufeiern, wobei doch einige erst mitten im Gig ankamen und recht enttäuscht wirkten, da ELUVEITIE früher als gedacht aufspielten. Solide Leistung, doch das Thrasher-Herz genehmigte sich dann doch lieber ein, zwei Biere.

Und ein neuerlicher Umschwung im Genre bot sich gleich im Anschluss mit den Metalcore Jüngern CALBIN. Apropos Jünger, die Musik der Deutschen ist auf jeden Fall für ein jüngeres Publikum ausgerichtet, was man auch sofort in den Moshpits vor der Bühne bemerkte. Macht nichts, sie heizten der Menge gehörig ein und auf Circle-Pits musste Schreihals Andreas Dörner, der seine Emo-Friseur endlich abgelegt hat, nicht lange warten, wobei er es sich natürlich nicht nehmen lies, eine unumgängliche Wall of Death anzuzetteln. Auch diese Jungs hatten das Publikum gut im Griff, wobei sich meine Einstellung, (man möge mich jetzt vielleicht steinigen) dass sich viele Metalcore Bands doch zu sehr ähneln – „die klingen doch alle gleich“, konnte ich schon des öfteren vernehmen. Bis zum Schluss wurde der Saal nicht wirklich voll. Womöglich lag dies am musikalischen Kulturschock. Modern, Folk, Core und Thrash.



Achja, Thrash: Die KRE-A-TOR-Rufe ebben nicht ab. Sehnsüchtig steht der Mob und kann es kaum erwarten. Endlich, das Licht geht aus. Das Intro „A Necrologue For The Elite“ ertönt und lässt Erinnerungen an „The Patriarch“ zurück. Sami und Christian stolzieren auf die Bühne und ohrenbetäubenden Gebrüll ertönte, dicht gefolgt von Thrashmeister Mille Petrozza. Und schon geht’s los. Ventor trischt ins Schlagzeug ein und Schreihals Mille brüllte „Hordes Of Chaos“ ins Micro. Die Haare fliegen, die Nacken brechen und der Schweiß steht auf den Stirnen. Nach kurzer Begrüßung gibt’s einen weiteren neuen Knaller „War Curse“, der sich wie alle weiteren Neuheiten nahtlos und perfekt ins Set einfügt. Auch auf den Bühnen drehen sich die Frisuren und Ventor lässt seinen Aggressionen an den Drums freien Lauf, passend dazu gibt’s „Extreme Aggression“, der Mosh geht ab und kennt kein Halten mehr und mit gebrüllt wird spätestens bei „Phobia“ stimmgewaltig und textsicher. Mille, der live noch einen Tick böser keift, als auf CD hat seine Stimme und auch das Publikum fest im Griff, während Kollege Sami an der Gitarre mit coolem Auftritt und Hemd gar nicht nach Thrash aussieht, aber diesen dennoch gewaltig praktiziert. Das starke Bühnenoutfit punktet zusätzlich noch mit wechselndem Backprint und stimmigen Einspielungen über den Beamer. Nach den neueren Tracks, wo sich natürlich auch „Enemy Of God“ versteckte, gab’s endlich mehr altes Zeug. So, Schluss mit lustig. „Pleasure To Kill“ verkündet Mille. Gesagt getan, dich gefolgt von „People Of The Lie“ und „Coma Of Souls“, die unumstritten aus der Klassiker Kiste stammen, walzt der Song alles in Grund und Boden. „Violent Revolution" samt „The Patriarch“ dürfen natürlich nicht ausgelassen werden. Schreihals Mille darf nun seine Stimmbänder etwas schonen und dafür umso mehr bangen.



Kurz hinter die Bühne, „Amok Run“ zocken und „Riot Of Violence“ fehlt auch in keinem Set und zeigt, dass Jürgen „Ventor“ Reil auch gut brüllen kann und dass während er das Drumkit wie ein Berserker bearbeitet. Nun soll schon Schluss sein? Die Band ist weg und die Rufe erschallen wieder KRE-A-TOR… - Nicht lange und Mille kommt zurück. Die unumgängliche Frage wofür es Zeit ist wurde schnell beantwortet. It’s time to raise „The Flag Of Hate“, diese wird gehisst und ebnet den Weg für den nahtlos angehängten „Tormentor“, der den Rest in Schutt und Asche legt. Nun ist leider wirklich Schluss. Nicht ganz 90 Minuten sind vergangen und es hätten noch mehr sein können, wobei Knochen und Muskeln schon schmerzten. KREATOR verabschiedeten sich mit: „The KREATOR will return“ – das will ich doch hoffen.


Setlist KREATOR:

A Necrologue For The Elite (Intro)
Hordes Of Chaos
Warcurse
Extreme Aggression
Phobia
Voices Of The Dead
Enemy Of God
Destroy What Destroys You
Pleasure To Kill
People Of The Lie
Coma Of Souls
The Patriarch
Violent Revolution
Terrible Certainty
Betrayer
-
Amok Run
Riot Of Violence
-
Flag Of Hate
Tormentor

So geht ein bunter Metal Abend zu Ende, der leider doch etwas schwach besucht war, was wohl hauptsächlich an der Konstellation lag. Die Mischung machts wohl doch nicht immer. Nächste Chance ist auf jeden Fall das Summer Nights, um sich das Genick brechen zu lassen.


FOTOS + E-CARDS
www.kreator-terrorzone.de

maxomer
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Beitrag vom 17.02.2009
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