METAL OVERDOSE # 26: MELY   SOLRIZE    LYDIAN   STONED PONYS   
11.04.2009 @ Posthof

Wenn Ostern vor der Tür steht, was tut man da am besten? Klar, suchen… nämlich den Posthof aufsuchen, um beim 26ten Overdose so richtig abzurocken oder in düsteren Melodien zu schwelgen. Dieses Mal steht das Metal Overdose ganz im Zeichen des Rocks (STONED PONYS & SOLRIZE) und als Kontrastprogramm gibt’s dazu düsteren, melancholischen Metal (LYDIAN & MELY).

Den Anfang machen dieses Mal die einzigen Oberösterreicher, nämlich die STONED PONYS aus Steyr und leiteten diesen Abend mehr als würdig ein. Gut gelaunt und locker rocken sie großteils groovend einen Song nach dem anderen ab, wählen die Songs aber sorgfältig aus, damit auch das metallische Publikum Spaß daran haben kann, was es auch mit anerkennendem Kopfnicken und Fußwippen zeigt. Leider ist bewegungstechnisch vor und auch auf der Bühne, abgesehen von den Einlagen von Fronter Mike, nicht viel los. Macht aber nichts, denn musikalisch stimmt alles, auch wenn JUDAS PRIEST, AC/DC und IROM MAIDEN mehr als einmal zitiert werden. Letzteren wurde sogar ein kompletter Song gewidmet. Auch eine gewisse Dame namens „Taylor Rain“ wird mit einem punkigen, versauten Song gehuldigt, die mir und allen anwesenden Männern bis dahin natürlich völlig fremd war. Mit „365“ verabschiedeten sich die Steyrer auch recht bald und beenden eine solide, abwechslungsreiche und vor allem unterhaltsame Performance.



Im Anschluss dessen wird es an diesem warmen Frühlingsabend zum ersten Male düster im Raum, aber nicht für die optische-, sondern die auditorischische Wahrnehmung, und das in Form der Mödlinger Combo LYDIAN. Von Anfang an kann die junge Band mit ihrem melancholischen, aber fetten Sound überzeugen. Die schwermütigen Passagen, die einem zum Nachdenken verleiten gehen ins Mark, dauern aber nie zu lange, um Langeweile oder Suizidgedanken aufkommen zu lassen, den kaum denkt man an düsteres, da bekommt man auch schon eine Thrash-Keule mitten ins Gesicht. Emotional gespickt ist nicht nur der Sound der Niederösterreicher, sondern auch die Stimmlage des Sängers, der zu jeder Facette den richtigen gesanglichen Beitrag parat hat. Manchmal klingen die thrashigen Vocals leicht nach Cavaleras Organ, was sehr gut zum Sound passt. Auch genügend Bewegung im Stageacting ist vorhanden. Somit kann man getrost von einem Feuerwerk der Gefühle und einem gelungenen Auftritt sprechen. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den ersten Output der Jungs.



Die Wiener SOLRIZE erhielten die letzten Monate für ihr Album „March Of The Maraboo“ einige positive Kritiken und konnten auch schon einiges an Live-Erfahrung sammeln und wussten auch in Wien, Ende letzten Jahres, zu gefallen. Nun ist es also Zeit für wüsten Rock … ähm, pardon Wüsten-Rock. Nicht umsonst nennt sich der Sänger Elvis, denn neben Schmalzlocke, erinnert der Vierer etwas an VOLBEAT und sind auch soundtechnisch irgendwo in derer Nähe anzusiedeln. Nach dem starken Auftritt ihrer Vorgänger mit etwas härterem Sound haben es SOLRIZE mit ihrem Stoner Rock etwas schwer, auch wenn sie alles geben und durchaus begabte Musiker sind. Neben genannten Dänen prägt auch BLACK SABBATH unüberhörbar den musikalischen Werdegang von Elvis Nine und Band. Mit viel Schweiß und Engagement meisterten sie den Gig mit Professionalität und einer Qualität, die an Genregrößen heranreicht und sollten jedem Fan von diesem Genre das Herz höher schlagen lassen. Wer auf staubiges und rotziges Rocker-Erlebnis, mit genügend Pfeffer im Arsch steht, sollte eine Show von SOLRIZE besuchen.



Den Headlinerposten haben an diesem Abend die sympathischen Hobby-Melancholiker von MELY inne, die nicht minder düster und mit einem gewissen Hang zur Dramaturgie ihren Dark-Metal präsentieren. Wenn so manch einer wüsste, dass sich in unserem Untergrund so eine talentierte und professionelle Band herumtreibt… - wobei den Jungs mit ihrem aktuellen Album „Portrait Of A Porcelain Doll“ hoffentlich endlich der verdiente Erfolg zu gute kommen wird. Abgesehen von den starken neuen Nummern „Pricks Against Porcelain Dolls“ oder auch „Hell Low“ wurden auch die älteren Scheiben der Kärntner berücksichtigt. So fügen sich „Shadows“ und „Dust“ vom Debüt schön in die Setlist ein, wobei das Hauptaugenmerk doch auf dem aktuellen Output liegt. MELY wissen es, jemanden in Gefühle zu versetzen, wenn diese auch meist positiv-negativ aufs Gemüt schlagen. Irgendwie fürchterlich, aber doch ein schönes Gefühl. Zwischendurch gibt es immer wieder lustige Ansagen vom stimmgewaltigen Andreas Mataln und eine nette Interaktion mit dem leider etwas spärlichen Publikum, wovon sich MELY aber nicht stören liesen und eine absolut starke Show der Töne, aber auch der Gefühle absolvierten. Richtig gut gefallen gegen Schluss noch „My Addiction“ und das geniale URIAH HEEP Cover „Lady In Black“, das richtig schön falsch von den Besuchern mitgesungen wurde.




So geht ein Metal Overdose, der etwas anderen Art, zu Ende, aber schön war es auf jeden Fall, denn die Mischung aus düsterem und rockigem war sehr gelungen und man kann auf einen Abend mit vier starken Bands aus dem Untergrunde Österreichs, aus dem sie hoffentlich bald in eine höhere Liga entfliehen werden, zurücksehen. Man freut sich auf das sommerliche Metal Overdose vor der Sommerpause!


FOTOS + E-CARDS
www.myspace.com/posthof_metal

maxomer
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Beitrag vom 16.04.2009
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