MARILYN MANSON   OOMPH!  
24.06.2009 @ Intersport Arena

Wenn dunkle Gestalten, die direkt aus der Gruft zu scheinen kommen, in Lack, Leder und mit bizarr geschminkten Gesichtern auf den Straßen wandeln, ist entweder ein große Sado Maso-Treffen oder Brian Hugh Warner alias MARILYN MANSON mit seinen SPOOKIE KIDS in der Stadt. Zweiteres traf für die Oberösterreichische Hauptstadt Linz zu, wobei ersteres vielleicht im Zuge dessen gleich verbunden wurde. Naja, sei es drum. Mit seinem neuen Album „The High End Of Low“ und den deutschen Hart-Rockern OMPHH! im Gepäck, beehrte Mr. Manson die auf der „Gugl“ stehende Intersport Arena.

Gegen 20:30 – die Halle ist nicht besonders voll – gehen die Lichter für OOMPH! aus und die ersten Klänge vom aktuellen Album stammenden Opener „Beim Ersten Mal Tut's Immer Weh“ erschallen. Sänger Dero dreht sich wie ein jüdischer Trendel und zieht Grimassen, während Gitarrist Flux die nicht vorhandenen Haare kreisen lässt. Ansonsten herrscht aber ziemliche Lethargie auf der Bühne, denn Live-Bassist Hagen und Crap, der die zweite Gitarre bedient, dürften wohl an der Bühne festgeschraubt worden sein, denn abgesehen vom müden Kopfnicken kommt da nicht viel. Aber macht nichts, Hauptsache die Stimmung ist gut… tja, aber diese hält sich durchaus in Grenzen, was die Band wohl auch von Anfang an merkt und so beschränkt sich Dero auf kurze Ansagen und sucht gar nicht erst die Nähe zum Publikum. Nicht mal ihr MTV Hit „Augen Auf“ oder die aktuelle Single „Sandmann“, können da wirklich viel ausrichten. Man kann von der Band halten was man will, aber dieser Gig bringt ihnen nicht wirklich viele Lorbeeren und die Texte von „Gott Ist Ein Popstar“ oder „Fieber“, finde dann schon recht kitschig. Doch für den nächsten Kindergeburtstag beim McDonald‘s sollten die Fetzen fliegen.




Die Songs von OOMPH!:

Beim Ersten Mal Tut´s Immer Weh
Fieber
Wer Schön Sein Will Muss Leiden
Mein Schatz
Labyrinth
Gott Ist Ein Popstar
Augen Auf
Sandmann


Die ersten Reihen der Halle werden allmählich voller, doch voll soll es an diesem Abend nicht mehr werden. Eine schier undendlich lange Zeit starren wir auf einen schwarzen Vorhang, der vor der Bühne gehisst wird und müssen zu guter Letzt noch LADY GAGA ertragen – hat doch Herr Manson einen Song mit ihr aufgenommen – aber Müll, bleibt eben Müll, da hilft auch ein MARILYN MANSON nicht. Immer mehr Grabesgestalten werden in den vorderen Reihen gesichtet, aber auch jung, arm, reich, alt – der düstere Rocker zieht ein bunt gemischtes Publikum an, das man so nicht erwartet hätte. Aber genug des Wartens. Ein ohrenbetäubendes, aber ungemein spannendes Intro erschallt, der Vorhang fällt und die Band beginnt das Set eher verhalten mit dem neuen Song „Four Rusted Horses“. Dennoch will das Gekreische und der Jubel nicht abebben. Es folgen noch zwei neue Tracks, bis der erste Klassiker „Disposable Teens“ ertönt, der sofort lautstark mitgesungen wird. Zwischen den Songs wuselt immer eine Armee an Roadies auf der Bühne herum, nicht nur um Gitarren zu tauschen, sein herum gespucktes Wasser aufzuwischen oder Requisiten aufzustellen, nein auch um Marilyn abzuschrubben, ihn zu schminken und sonstige Wünsche zu erfüllen. Auch ein Mann mit Sauerstofftank ist oft zur Stelle.



Wir gehen noch ein paar Jahre zurück. Mit „Irresponsible Hate Anthem“ gibt die Band endlich mal richtig Gas. Wirklich schön ist auch, dass Twiggy Ramirez wieder zurückgekehrt ist, der aber nicht mehr den Bass bedient, dies übernimmt nämlich Live-Basser Andy Gerold, der sich gut in das Bild der Band einfügt, sondern zur Gitarre greift. Dies steht ihm ausgesprochen gut. Twiggy mimt souverän die coole Sau, wodurch aber die Bewegung etwas eingeschränkt scheint. Macht nichts, denn alle Augen sind auf den Frontmann gerichtet. Der Mann weiß, wie man eine Show macht. Durch das Weglassen von Ansagen und sein theatralisches Stageacting hat die Show etwas sehr mystisches und dennoch war der Kontakt mit den Zuschauern gegeben, die eine tolle Stimmung verbreiten. Leider kann Manson nicht über die vollen 90 Minuten begeistern und ein paar Leerläufe schleichen sich ein. So enttäuscht die Live Version von EURYTHMICS‘ „Sweet Dreams (Are Made Of This)“ etwas, wird aber von „Rock´N´Roll Nigger“ (PATTI SMITH) mehr als herausgerissen und beweist zudem, dass in jedem noch so düsteren Herzen ein echter Rock´N´Roller steckt. Twiggy rockt und soliert wie ein junger Eddie Van Halen und tauscht sogar die Rolle mit Marilyn, der sich kurz mal seine Gitarre schnappt. Leider zünden aber dafür die neuen Songs, der es da viele im Set gibt, noch nicht wirklich und man freut sich auf einen starken Abschluss des regulären Sets mit „The Beautiful People“. Nach 10 weiteren, dunklen Minuten des Wartens bequemt sich der Herr nochmals auf die Bühne und verabschiedet sich, samt schwarzer Kerzenmesse mit „If I Was Your Vampire“ von Linz.

MARILYN MANSON ist Live definitiv ein Erlebnis, das – nennen wir es – durchaus interessant ist. Spaß gemacht hat’s allemal, auch wenn ein paar mehr Klassiker definitv nicht geschadet hätten.




Setlist MARILYN MANSON:

Four Rusted Horses
Pretty As A Swastika
Leave A Scar
Disposable Teens
Irresponsible Hate Anthem
Arma-Goddamn-Motherfuckin-Geddon
Grat Big White World
The Dope Show
WOW
Sweet Dreams (Are Made Of This)
Rock´N´Roll Nigger
We´re From America
The Beautiful People
-
If I Was Your Vampire



FOTOS + E-CARDS
www.marilynmanson.com

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Beitrag vom 27.06.2009
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