MASTERS OF ROCK 2009 TAG4: EUROPE   ARCH ENEMY   VOIVOD   HEAVEN SHALL BURN   ELUVEITIE   AUDREY HORNE  
12.07.2009 @ Areál likérky Jelínek

Nach der eisigen Nacht, die dann doch jeder (fast) unbeschadet überlebte, weckten uns knappe 50 Grad im Zelt gegen 08:00 Uhr morgens auf. Die Sonne brannte auf die tschechische Erde nieder und von Wolken keine Spur. So stell ich mir einen Festivalmorgen vor.

An diesem schönen Tag war dann natürlich auch etwas Zeit, um nach Vizovice auf das eine oder andere Kaltgetränk, Eis oder sonstige Leckerein zu gehen, da die Geschäfte für dieses Event auch am Sonntag die Türen offen hatten. Die kleine Stadt mit knapp fünftausend Einwohnern wuchs mal eben für ein Wochenende auf knapp dreißigtausend oder mehr an, was dann schon ein schönes Bild für sich war, man erinnere sich an die DVD "Full Metal Village". Fast jeder Bauer und Kleinstadtbewohner baute einen kleinen Laden - Konzession hin oder her - vor seinem Häuschen auf, um einigen Tand, Bier oder sogar selbstgebrauten Schnaps und andere Spirituosen zu verkaufen. Nach einem kleinen Rundgang und einer Stärkung ging es wieder ab in die Sonne.

Nach exzessivem Sonnenbaden, war es Zeit für die melancholischen Alternative-Heavy-Rocker AUDREY HORNE. Wie schon aus vielen Reviews von ihrem hoch umjubelten "Le Fol" hervorging, sind die Jungs ein begabter Haufen, der eigentlich aus Black Metal Formationen wie ENSLAVED oder GORGOROTH entstand. Doch von Hass auf die Kirche und Blastbeats keine Spur. Der melancholisch, schwere Rock ging trotz seiner Atmosphäre halbwegs ins Ohr und begeisterte sofort, auch wenn anfangs der Sound etwas zu wünschen übrig ließ. Auch die Dynamik und Härte blieb bei weitem nicht auf der Strecke und die schönen Keyboard Passagen sorgten noch zusätzlich für eine schöne, aber düstere Stimmung. AUDREY HORNE sind auf jeden Fall schon mehr als ein Geheimtipp für die Freunde von Alternative Metal, denn die Musik von den Jungs hat auf jeden Fall Herz und weiß zu berühren ohne je schmalzig oder träge zu klingen.



Nach diesem gelungenen Auftakt ging es mit keltischer Folklore, vollführt durch ELUVEITIE weiter. Schon beim Soundcheck merkte man, diese 8 Schweizer sind hier richtig beliebt. Jeder Check eines Instrumentes wurde frenetisch gefeiert. Mit gutem Blick und auch ein bisschen Platz in der ersten Reihe ging es nach langer Aufbaupause endlich los.
Von der ersten Minute an herrschte richtig gute Stimmung, da man sich auch über die Besucherzahl nicht beschweren musste. Mit guter Laune und kraftvollem Sound wurde gezeigt, dass ELUVEITIE zu den größeren Nummern an diesem Tag zählen. Nach einer guten Stunde Mittelalter und Keltenklängen war dann ein sehr gut gelungenes Konzert zu Ende, und man begibt sich wieder in die Gegenwart auf die eine oder andere Wurst.
[AndyVanHalen]

Als Kontrastprogramm zum HumpaHumpa Zeugs stellten sich die deutsche Formation HEAVEN SHALL BURN zur Verfügung. Songs wie "Counterweight" oder "The Weapon They Fear" walzten alles in Grund und Boden; ohne auf genügend Melodie und Dynamik zu vergessen. Trotz weiterhin bestehender, sengender Hitze, bildete sich ein fetter Mosh vor der Bühne und breitete sich bald zum noch fetteren Circle-Pit aus, was wunderbar auf der großen Leinwand zu sehen war. Mit einem überaus soliden und spielfreudigen Gig beweist die Thüringer Truppe, dass sie neben MAROON und NEAERA zu den festen Speerspitzen des melodischen Death Metals der Nicht-Skandinavischen Prägung gehören und auch dementsprechend dem sterbenden Metalcore den Rücken kehren. So wurde auch dem melodischen Death Metal aus Deutschland in Vizovice genüge getan und HEAVEN SHALL BURN prügelten wirklich unter brennendem Himmel durch einen fulminanten Gig.




Nach dem Dahinscheiden von Piggy, hätten wohl viele auch mit dem Tod von VOIVOD gerechnet, doch Jason Newsted und die restlichen Jungs schnappten sich, neben dem bereits wieder eingestellten Sänger Snake, einfach Daniel Morgrain, der das musikalische Erbe antreten sollte, aber anstatt selbst Songs zu schreiben, verwurstete man das restliche Material, das Piggy hinterlassen hat. Das resultierende "Infini" wird gerade heiß umstritten, doch nun war as an der Zeit, dieses Erbe auch noch in die Welt hinauszutragen. Beim Halt in Tschechien machten sie dies auch solide, aber mehr nicht. Zum einen fehlte Jason der seit 2006 (immer noch?!) an einer Verletzung laboriert. Zum anderen konnten mich die Kanadier, die als Legenden gelten, nicht sonderlich begeistern.

Klar, der moderne Thrash von VOIVOD ist trotz mutigen Elementen roh und heftig, doch im direkten Vergleich zu DEATH ANGEL, fehlte mir hier einfach vieles, wie zum Beispiel die Spielfreude und Eingängigkeit. Aus diesem und mehreren Gründen, kann ich den Hype um diese Band nicht wirklich nachvollziehen. Interessant ist auch die Frage, ob diese neue Combo nun auch den letzten Rest aus dem Namen VOIVOD rausquetscht und eigene Songs ohne Piggy schreiben wird.




Setlist VOIVOD:

Voivod
The Unknown Knows
Panorama
Tornado
Ravenous Medicine
Treasure Chase
Nothingface
Overreaction
Tribal Convictions
Nuclear War
Astronomy Domine

Der Erzfeind ruhiger Klänge kommt aus Schweden und geht nur wenige Kompromisse ein. Eine heftige und rasante Show lieferte die Band, rund um Vorzeige Frontdame Angela Gossow, ARCH ENEMY. Mit der aktuellen Single "Blood On My Hands" wurde furios gestartet, um gleich mit "Ravenous" einen aggressiven Klassiker aus Angelas Kehle rauszugurgeln. Schnell wurden die Songs runter gezockt, ohne viel Rücksicht auf die Spielzeit, die eigentlich mindestens 10 Minuten länger geplant war. Störte aber nicht wirklich, denn ARCH ENEMY spielten ein super Set, bei schönem Sound und einer passablen Stimmung. "Dead Eyes See No Future" oder das moderne, mit Samples ausgestattete "My Apocalypse", gingen richtig fies ab. Worauf die meisten gewartet hatten, waren natürlich die Songs "We Will Rise" und das übermächtige "Nemesis", das Angela nur so raus schrie, während die Gebrüder Amott wieder mehr als souverän über ihre Gitarren schrubbten. Eine wahre Ohrenfreude und auch Augenschmaus dieser Auftritt. Viele Verbeugungen und ein ausgedehnter Abschied, unterlegt von dem Instrumental "Snowbound", beendeten den Gig des vorletzten Acts des Masters Of Rock.



ARCH ENEMY:

Blood On My Hands
Ravenous
Taking Back My Soul
Dead Eyes See No Future
My Apocalypse
Revolution Begins
I Will Live Again
The Last Enemy
We Will Rise
-
Nemesis
Snowbound (Outro)

Den meisten Leuten ist wohl EUROPE hauptsächlich oder vielleicht ausschließlich von dem nervigen 80er Hit "The Final Countdown", das zu allem Überfluss auch noch zu Tode gecovert wurde, bekannt. Doch, dass EUROPE eine überaus starke Hard/Melodic Rock Band mit vielen untergegangnen Hits ist, ist leider doch ein großes Geheimnis, das sich mir auch erst an diesem Abend zu 100% offenbarte. Sänger Joe Tempest sprang über die Bühne und setzte seine Stimme wie ein Jungspund in den besten Jahren ein. Nach dem progressiv angehauchten Rockern "Love Is Not The Enemy" und dem melodischerem "Let The Good Times Rock", folgte der flinke Banger "Scream Of Anger", der viel gute Laune verbreitete.



Die Schweden rockten sich durch ihr Set und wirkten keineswegs als wären sie schon alte Herren, die sich dieser Tage noch ein paar Brötchen dazu verdienen wollen. Feuerzeug und Taschentücher ausgepackt: Mit "Carry" wurde natürlich auch eine schmalzige 80s Ballade ausgepackt. Etwas mehr Rock´N´Roll gab es dann wieder mit "Wings Of Tomorrow" und nach "Rock The Night" fiel der Vorhang, doch natürlich war nicht Schluss, bevor die Dicke Lady gesungen hat... oder so ähnlich, doch diese ließ noch auf sich warten. "Mojito Girl" vom neuen Album "Last Look Of Eden" startete die Zugabe, gefolgt von "Cherokee", das dem einen oder anderen auch bekannt vorkommen dürfte. Dann aber bekamen die Fans die dicke Lady, in Form von "The Final Countdown" und rasteten total aus.

EUROPE zerstreuten alle Zweifel und mimten einen sehr berechtigten Headliner und beendeten somit das Masters Of Rock in echter Rockermanier. Die Jungs sind noch quicklebendig und werden auch im Jänner in Wien gewaltig rocken!




Die Setlist von EUROPE:

Love Is Not The Enemy
Let The Good Times Rock
Scream Of Anger
Superstitious
Sign Of The Times
Carrie
Open Your Heart
Always The Pretenders
Wings Of Tomorrow
Sevens Doors Hotel
Girl From Lebanon
Start From the Dark
Ready Or Not
Rock The Night
-
Mojito Girl
Cherokee
The Final Countdown


FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

maxomer
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Beitrag vom 21.07.2009
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