KALTENBACH OPEN AIR 2009 TAG 3: AMON AMARTH   EINHERJER   BELPHEGOR   THYRFING   ABSU   EVOCATION   SCARED TO DEATH  
18.07.2009 @ Spital Am Semmering

Auweh, auweh, der letze Tag! Wenn ich an die klirrende Kälte und die pitschnasse Kleidung denke, zieht es mir sogar jetzt noch Gänsehaut auf! Dieser Samstag war wahrlich eine Härteprobe für alle Metalheads. Der Campingplatz war größtenteils mit knöcheltiefem Schlamm überschwemmt, unser Zelt war natürlich undicht und selbst die drei Pavillionzelte, die uns den letzten Schutz bieten sollten, gaben dem unerbittlichen Windböen nach und brachen zusammen. Zahlreichen Metallern war dies zu viel und es wurde in Scharen wieder zurück in die Zivilisation gepilgert. Im Nachhinein erfuhren wir in einem Gespräch mit den Herren und Damen am Ausgang, dass gut 400 Leute bereits am frühen Nachmittag die Heimreise angetreten hatten. Halb durchgefroren und mit alles anderem als einem Lachen im Gesicht begaben wir uns dennoch zum Stagebereich und kamen in den Genuss der für uns ersten Band am Samstag.

SCARED TO DEATH überraschten uns mit mächtig arschtretenden Thrash Metal. Authentisch, aber mit einer Prise Modernität rifften und groovten sie, was das Zeug hielt. Leider trotzten nicht mehr als abgezählte dreiundzwanzig Fans dem Wetter und standen vor der Bühne. Schade, denn Stücke wie der Titelsong des neuen Albums „Deathstruction“ oder das finale „Holy War“ waren wahre Leckerbissen für alle Thrasher.

Leider ging das Bullshit-Wetter auch bei uns nicht spurlos vorbei, also war erst EVOCATION die nächste Band, die wir zu hören bekamen. Solider Death Metal wurde uns von den fünf Göteborgern geboten. Ihr latent klischeehafter Musikstil lockte nur eine konstant niedrige Zuhörerzahl vor der Bühne.

ABSU sind einige der wenigen Bands bei denen die Vocals vom Drummer(!) übernommen werden. In diesem Fall heißt der Herr Russ „Proscriptor“ McGovern und konnte auch am Kaltenbach mit dieser Leistung, gleichzeitig zu screamen und zu drummen – noch dazu auf einem Level auf dem so mancher nicht einmal eines der besagten Dinge zu spielen vermag - punkten. Generell kam der Black Metal, den ABSU praktizierten, schon wesentlich besser an, was bestimmt auch an der Sonne lag, die sich kurz vorm Untergehen doch noch einmal hinter den Wolken hervortraute.

THYRFING konnten die besser gewordene Stimmung sogar noch etwas heben, was angesichts solcher Hammer-Songs wie "En Sista Litania" oder „Griftefrid" durchaus nachvollziehbar ist.

Mit BELPHEGOR war nun eine mittlerweile ziemlich große und vor allem österreichische Band am Start. Schon oft wurden die Salzburger von enttäuschten Fans kritisiert, dass ihr Live-Sound einer der schlechtesten überhaupt sei und leider war dieser auch am Kaltenbach nicht optimal. Zu laute Drums, zu leise Gitarren und auch Helmuths häufig in Englisch gehaltene Sprüche (Hallo? Ihr seid Österreicher, genau wie wir!) sorgten für Ernüchterung. Trotzdem sollten die doch positiven Reaktionen der Hörerschaft bei Kultsongs wie „Hell’s Ambassador“, „Lucifer Incestus“ oder dem zum Schluss aus den Boxen dröhnenden „Bondage Goat Zombie“ genannt werden. Denn so viele Kritiker die Blackdeather auch haben – ihre Fanschar ist wohl doch deutlich größer.

Die Viking Metaller von EINHERJER durften an diesem - mittlerweile wieder saukalten - Samstag als Co-Headliner die Bretter entern. 2004 aufgelöst, sollte dieser Gig doch etwas Besonderes an sich haben, zumal die Reunionshows dieser Veteranen doch eher rar gehalten sind. Leider machte sich die 5 jährige Abstinenz der zum Trio geschrumpften Band (der letzte offizielle Basser verließ 2000 die Formation) auch in der deutlich stagnierenden Crowdgröße bemerkbar.

Nachdem der Uhrzeiger schon nach Mitternacht in der Kurve lag und deutlich Richtung 01:00 Uhr Morgens schritt, war die Zeit endlich gekommen. Stundenlanges Arschabfrieren sollte nun endlich mit den Thundergods von AMON AMARTH wieder gut gemacht werden. Die Kälte, die Nässe, der Frust waren wie vergessen, als die Vikinger – tschuldigung, DEATHER - die ersten Töne von „Twilight Of The Thunder God“ ertönen ließen. Ausgezeichnet mit einem transparenten und druckvollen Sound fegte ein fitter Johann Hegg ebenso wie seine Bandkollegen über die Stage. Synchrones Schulter an Schulter Headbangen der Saitenfraktion sorgte für coole Posen und eine geile Lightshow bot zusätzlichen Augenschmaus. „Raise a stone for all to see…“ hieß es von Johann Hegg und die Fans antworteten ihm unisono: „Runes carved to my memory!“. Genau, “Runes To My Memory” wurde neben Klassikern wie “Pursuit Of Vikings” aber auch neuen Songs wie “Varyags Of Miklagaard“ gezockt, dass keiner im Publikum seine Faust unten behalten konnte. Das finale „Death In Fire“ ließ schließlich keinen Stein auf dem anderen und so wurden AMON AMARTH einmal mehr als genialer Headliner gefeiert.

Tja, somit ging ein fettes Kaltenbach Open Air 2009 auch wieder zu Ende. Bei den vielen Fans ließen zahlreiche Motivationsgeister ihr Leben und traten für den inneren Schweinehund beiseite, der sie sodann zur Heimreise zwang, ohne noch einen letzten Abstecher im Partyzelt zu machen.

Alles in allem war das heurige Kaltenbach ein sehr geiles Festival! In gewohnt familiärer und gemütlicher Größe, mit neuer, sehr geiler Location (Metal in der Natur – passt wie die Faust auf’s Auge) und auch sehr passablen Preisen (hola – außer das Bier, das waren ja nur 0,4 Liter!) konnten die Veranstalter nicht nur bei der Earshot-Crew sondern auch bei den vielen anderen Fans punkten. Kleine Mankos waren leider doch nicht zu vermeiden: Ein paar mehr Dixi-Klos wären ebenso wie einige Hackschnitzel mehr sicherlich nicht falsch gewesen. Dafür gibt’s aber auf der Homepage (www.kaltenbach-openair.at) reichlich aufgeführte Gründe.

Ansonsten war das Kaltenbach Open Air nicht zuletzt wegen des starken Line Ups für uns definitiv eines der Highlights 2009! Daumen hoch!
www.kaltenbach-openair.at

Doano
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Beitrag vom 06.08.2009
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