TWO DAYS A WEEK - TAG1: THE OFFSPRING   CAVALERA CONSPIRACY   I AM X   DRAGONFORCE   BOUNCING SOULS   THE BASEBALLS   RUSSKAJA   PANTÉON ROCOCÓ   ONE FINE DAY  
04.09.2009 @ Wavy Ten

Für viele Rock und Alternative Fans ist das Two Days A Week bereits fester Bestandteil des Festival-Jahresplans. Und auch heuer lockte wieder ein starkes Line Up gut 8000 Rocker, Punks und auch Metalheads in das 2800-Seelen Dörfchen Wiesen. Auch die Earshot Crew wollte die Chance nicht verpassen, mal etwas friedlicheren Tönen auf Festivals zu frönen. Sagte ich friedlich? Ooooh, auch die Mainstream Crowds können verdammt hart aufs Gaspedal treten – wie sich später noch herausstellen sollte!

Pünktlich um 12:30 staunten ONE FINE DAY erst einmal über die bereits sehr beachtliche Menge in der, zum Glück wieder überdachten, Stagearea. 1200 Kilometer waren die Hamburger angereist, um das Two Days A Week zu eröffnen, was sich definitiv gelohnt hat. Denn Jubelrufe und schallenden Applaus konnten die Rocker, die musikalisch im Fahrwasser von BILLY TALENT und Konsorten fahren, bereits nach dem ersten Song verbuchen. „Wisst ihr eigentlich, dass das ein verdammt geiles Festival ist?“ ließ Sänger Martin wahrheitsgemäß verlauten, denn der Sound war, wie bei nahezu jeder folgenden Band, einwandfrei. Bei „Damn Right“, dem Live-Hit der fünf Jungs konnten sie sogar zum Mitsingen animieren, was bestimmt auch daran lag, dass sich der sympathische Frontmann in den Fotograben begab und fleißig Publikumsinteraktion forderte. ONE FINE DAY waren also nicht nur für eine Opener Band ein starker Act!




Richtiges Big Band Feeling kam dann bei PANTÉON ROCOCÓ auf. Ganze neun Mann zählt die Ska Band aus Mexiko nämlich in ihren Reihen: Percussionisten, Bläser, Gitarristen, Sänger usw. - die volle Bandbreite an Profimusikern eben. Ein unspektakuläres Beat Box-Intro - und los ging die bombastische Latin-Party. Angesichts der unbegrenzten Bewegungsfreude der Südländer, konnte man sich gar nicht sattsehen, denn es wurde herumgelaufen und herumgehüpft, als ob das ganze Leben eine einzige Party wäre. Trotz der Vielfalt an Instrumenten, glänzte die Truppe mit genialem Sound, der jedes noch so kleine Detail erkennen lies. Nach einer kurzen Rap Einlage, schaffte es der Neuner sogar, die gesamte Menge vor der Bühne zum Hinhocken zu bewegen. Saugute Stimmung, perfekter Sound, groovigster Groove – einfach zum Niederknien!

Kaum war das letzte Instrument der Süd-Amerikaner abgebaut, waren auch schon die ersten „RUSSKAJA!“-Rufe zu hören. Das lateinamerikanische Flair wurde mal schnell durch ein herrlich klischeehaftes, vodkageschwängertes Russen-Flair abgelöst. Gänzlich in roter Uniform gekleidet, ließen die Nicht-Russen (richtig, nämlich eigentlich eine österreichische Band – aber wen stört das schon?) nichts anbrennen und übernahmen nahtlos die tobende Stimmung der Vorgängerband. „Wir sind RUSSKAJA und wir bringen euch heute russische Musik für eure Gesundheit!“ – Ähm, die Richtigkeit dieser Aussage in Verbindung mit massenhaft Vodkakonsum sei einmal dahingestellt. Mit einer coolen Choreographie und massentauglichen Songs wurde auch hier wieder feinste Partymusik zum Besten gegeben. Schließlich gipfelte der Gig in einem „traditionellen“ russischen Traktor-Spiel. Bei dem, wie bei der spanischen Stierjagd, weggelaufen wird. Nur eben von einem Traktor. Was auf gut deutsch so viel heißt wie: Circle Pit! Also, Nastrovje!




Leider ließen sich die BASEBALLS etwas Zeit beim Aufbau, was der Stimmung aber nicht wirklich weh tat, denn auch hier fing die Crowd bereits vor dem Auftritt mächtig an zu klatschen. Wer die BASEBALLS nicht kennt, dem sei eine kurze Erklärung ans Herz gelegt: (Alt-)bekannte Popsongs, neu arrangiert und in ein 50er Soundgewand gelegt, dazu ein paar Rockabilly-Einflüsse und fertig ist der Publikumsmagnet, inklusive Elvismatten und –moves. Normal sind die Frontmänner zu dritt, doch leider lag Digger an diesem Nachmittag „flach“ und konnte nicht auftreten. Egal, denn nur um die 3 Vocalisten sollte es ohnehin nicht gehen, zumal diese absolut professionelle Instrumentalisten im Rücken haben. Speziell Lars Vegas glänzte durch sein absolut authentisches Gitarrenspiel – ein echter Leckerbissen! Der vielleicht etwas zu leise Sound hielt zahlreiche Mädels nicht ab, sich die Stimmbänder wund zu kreischen. Bei einer Setlist mit „Angel“, „Umbrella“ oder „She’s Got The Look“ blieb sowieso kein Stein auf dem anderen.

Zurück in die Zukunft, ähh Gegenwart ging’s danach mit den BOUNCING SOULS. Ich bin mir sicher, die Frage „Wer zum Teufel sind die BOUNCING SOULS?“ hätte bestimmt zum unmittelbaren Tode durch Erwürgen von Hinten geführt, denn die Amis hatten massenhaft Fans im Gepäck. Definitiv ein Stimmungsklimax am bisherigen Abend. Gedankt wurde den lauten Fans auch, indem Sänger Greg Attonito sich gleich 3 mal (!) in den Graben wagte, um mit den Fans abzugehen. Jede Silbe, jedes Wort wurde mitgesungen, Stagediver überall – so muss ein Punkrockkonzert aussehen! Neben dem absolut genialen MISFITS-Cover „Hybrid Moments“, gab’s außerdem einen neuen Song namens „Gasoline“. Ansagen waren eine Rarität, die Punker packten lieber so viele Songs wie möglich in ihren Gig, was auch gut so war, denn etwaige Anstachelungen hatte diese Crowd ohnehin nicht nötig.

Endlich war es Zeit für DRAGONFORCE, die Band, die am TDAW wohl die meisten Metalheads angelockt hatte. Als Dave Mackintosh’s Drumset von den Roadies auf die Bühne gerollt wurde, ging schon einmal das erste Raunen durchs Publikum, denn die Mainstreamfans sind derartige Metalschlagzeuge eben nicht gewohnt. Mit „Valley Of The Damned“ stürmte die multikulturelle Kombo sodann auf die Bühne und rockte in gewohnter Lichtgeschwindigkeit. Sam Totman und Herman Li warfen sich natürlich haufenweise Solos an den Kopf, Keyboarder Vadim glänzte durch seine ungewöhnliche Instrumentensammlung und Sänger ZP Theart schüttete literweise Wasser ins ausgetrocknete Publikum. Doch die erste Euphorie hielt nicht lange, denn DRAGONFORCE hatten soundmäßig leider die Arschkarte gezogen. Die Gitarren waren viel zu leise und als ob das nicht schon genug wäre, fielen auch noch Frédéric’s Bass und Sam’s Gitarre aus. Naja, drauf geschissen, denn ihrer Bühnenagilität tat dies keinen Abbruch! „Heroes Of Our Time“ und „Strike Of The Ninja“ vom aktuellen Album „Ultra Beatdown“ machten nämlich alles wieder gut und „DRAGONFORCE“-Chöre waren zwischen den Liedern ständig zu hören. Zum Schluss wagte sich auch ZP Theart in den Graben und schüttelte fleißig Hände. Trotz des schlechten Sounds hatten DRAGONFOCRE einiges an Fans überzeugt und konnten wieder einmal durch die unglaubliche Show punkten.




Richtig tranceartig, aber musikalisch nicht weniger intensiv waren I AM X. Bandkopf Chris Corner betrat mit einem schwarzen Regenschirm die Bretter und los ging ihr psychodelischer, atmosphärischer Electropop. Trotz der doch sehr ungewöhnlichen Musik und der etwas verstört wirkenden Bewegungen der Band schienen I AM X größtenteils auf offene Ohren zu stoßen. Die nicht gerade wenigen "Die-Hard" Fans, die erschienen waren, trugen zudem ihr Übriges dazu bei, dass jeder Song mit üppigem Applaus beantwortet wurde. I AM X spielten sich und ihre Fans wahrlich in einen Trance. Corner saß auf einem Schaukelpferd und experimentierte mit schrägen Soundsamples, Keyboarderin Janine Gezang schlug sich im Takt gegen den Kopf und eine Epilepsie fördernde Lightshow versetzten die Hörerschaft in eine andere Welt. „Lets Get Nasty!“ war so ziemlich das Einzige, was Corner abseits der Songs zum Publikum sagte. Zum Ende hin hieß es dann noch „Good Night“ und das war’s. I AM X – auf jeden Fall der interessanteste Act am TDAW.

Bevor es zu den Headlinern kam, wurde es noch einmal richtig Metal. CAVALERA CONSPIRACY sorgten endlich für die nötige Dosis an verdammt harten „in your face“ Riffs. Max Cavalera, der Mann mit den drei Jabba The Hutts am Kopf, bewies eine hervorragende Live Stimme und brachte mit seinen Mannen die Kacke zum dampfen. CAVALERA CONSPIRACY waren nämlich die mit Abstand lauteste Band am TDAW. Max spielte natürlich wieder Gitarre, wobei das Wort „spielen“ eher mit Vorsicht zu genießen sei, denn oftmals blieb es nur bei einer leer angeschlagenen Saite, weil der Herr lieber mit Händen das Publikum anstachelte. Egal, zur Soundwand trug sein Gitarrenspiel bei und so muss es ja auch sein. In den vorderen Reihen war die Hölle los, da wurde gedrängt und geschrien, denn jeder wollte einen Blick auf Max Cavalera werfen, der trotz weniger Ansagen große Sympathie ausstrahlte. Doch auch Marc Rizzo glänzte durch sein unglaubliches Gitarrenspiel. Joe Duplantier, der hauptberuflich bei GOJIRA tätig ist, gab ebenso Vollgas wie das Geburtstagskind Igor Cavalera, dem sogar ein Ständchen vom Publikum gesungen wurde. Songs wie „Inflicted“, „Sanctuary“, „Hex“ oder „Terrorize“ wurden dermaßen abgefeiert, dass so mancher bestimmt an Gehörsturz leiden musste. Doch auch die SEPULTURA-Hits durften nicht fehlen: „Refuse Resist“, „Territory“ und das finale „Roots Bloody Roots“ ließen ganz Wiesen erbeben. Mächtig!



Endlich schlug es 23:10! Es war Zeit für den Headliner THE OFFSPRING. Nachdem Österreich ja schon einige Jahre vergebens auf einen Gig der Orange County Punker warten musste, schaffte es schließlich das TDAW, dass die Veteranen rund um Dexter Holland endlich wieder unser schönes Land besuchten. Nichts da mit „OFFSPRING kennt doch keiner mehr!” oder “’Americana’ war ihr Höhepunkt!“ Die Stage Area war nämlich zum Bersten voll!. Und wenn ich zum Bersten voll meine, dann richtig! Die Leute standen übereinander, untereinander und wahrscheinlich auch ineinander, nur um den lebenden Punklegenden zu huldigen. Die spektakuläre „Neocon“-Intro, wie es sie zu „Splinter“-Zeiten gab, wurde heuer ausgelassen, dafür mit „You‘re Gonna Go Far, Kid“ gleich der erste Brecher vom neuen Album „Rise And Fall, Rage And Grace“ auf die hungrige Meute losgelassen. Sobald die Worte „Dance, fucker, dance!“ durch die Boxen dröhnten ging nichts mehr. Das ganze Festival war schlichtweg EIN Moshpit. Jemand fiel hin, 20 fielen drüber, zwei Minuten später stehen alle wieder und moshen munter weiter. Auf den neuen Hit folgte gleich ein unumstrittener Klassiker: „Bad Habit“. Auch hier gab’s wieder Knochenbrüche. Außerdem wurden die Zeilen „Stupid, Dumbshit, Goddamn Motherfucker!“ aus heiseren Kehlen mitgegröllt.




Leider gab’s bei „Come Out And Play“ eine kleine Enttäuschung: Denn Higgins, der kleine Mann, der ständig für die Worte „You gotta keep `em seperated!“ zuständig war, ist nicht mehr dabei, schade! Dafür wurde bei „Walla Walla“ wieder ein Typ aus der Crew auf die Bühne gelassen, um den unschuldigen Lausbuben zu spielen. Für eine zusätzliche Rhythmusgitarrenstimme während der Show sorgte niemand geringeres als Todd Morse (H2O), was dem Sound zusätzliche Dichte verpasste. Außerdem fand das allseits beliebte „Intermission“ wieder seinen Weg in die Setlist, bei dem fleißig mit dem Publikum interagiert wurde und ein Jongleur auf der Bühne mit Äpfeln hantierte und immer wieder davon abbiss – witzig. Wer jetzt glaubte, dass nach der anfänglichen Euphorie die Energie der Crowd vielleicht etwas nachgelassen hatte, der hatte sich mächtig getäuscht, denn beim Doppelpack „Have You Ever“ und „Starring At The Sun“ ging’s wieder rund als ob es kein Morgen gäbe. Im Ernst, wir haben schon vieles erlebt, riesige Walls Of Death, blutige Circle Pits, aber was HIER abgezogen wurde, toppte einfach alles. Die Fans rannten sich buchstäblich über den Haufen! Hätte es am nächsten Tag geheißen, es sei jemand gestorben, hätte es uns nicht gewundert! „You guys are fucking crazy!“ hieß es vom sichtlich überwältigten Noodles, „but take care of each other!” Endlich gab’s dann eine kleine Verschnaufpause. Sämtliche Lichter gingen aus und kurz darauf erschien Dexter alleine auf der Bühne, setzte sich auf ein bereitgestelltes Piano und begann zu spielen. „Moment, die Akkordfolge kenn‘ ich doch!“ dachten sich viele und als Dexter zum Gesang ansetzte war es klar: „Gone Away“ wurde in einer wunderschönen Pianoversion zum Besten gegeben – Gänsehaut pur!
Neben nahezu jedem Klassiker, wurden schließlich auch die neuen Songs vom aktuellen Album gezockt. Das ruhige „Kristy Are You Doing Okay?“ aber auch der Brecher “Hammerhead”, wurden sehr gut von den Fans angenommen. Leider, leider wurde „Shit Is Fucked Up“ ähh „Stuff Is Messed Up“ nicht gespielt, aber man kann ja nicht alles haben!

Als Zugabe gab’s dann unter anderem noch die Hymne „Self Esteem“ und den Pogohit „Want You Bad“ und die Californier verließen unter ohrenbetäubendem Jubel die Bühne. Ja, was soll man da noch großartig hinzufügen. Der Sound war einwandfrei, die Stimmung brutalst, die Setlist fast unschlagbar und die Jungs von THE OFFSPRING? In bester Form! Wir freuen uns auf jeden Fall aufs nächste Mal!

Somit ging ein langer, verregneter erster Tag am TWO DAYS A WEEK für uns zu Ende.
www.wiesen.at

Doano
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Beitrag vom 23.09.2009
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