TWO DAYS A WEEK - TAG2: DIE TOTEN HOSEN   MILLENCOLIN   FUNERAL FOR A FRIEND   GUN   DONOTS   THE SORROW   ITCHY POOPZKID   FAKE PROBLEMS   DRUMATICAL THEATRE  
05.09.2009 @ Festivalgelände Wiesen

Den Vormittag des zweiten Tages des Two Days A Week verbrachten wir vorerst am Campingplatz, wo wir uns von der glühenden Sonne goldbraun rösten ließen. Gegen Mittag starteten wir die Reise Richtung Stage, da wir ein ganzes Stück zurücklegen mussten und keine der Bands verpassen wollten.

Den Auftakt gaben DRUMATICAL THEATRE, die das Motto von so manchen Grindcore Hörern: „Fuck Melodies“ wiederspiegelten. Falls ich jetzt falsche Hoffnungen geweckt habe, tut es mir leid. DRUMATICAL THEATRE spielen keinen Grindcore, auch keinen Metal und auch keinen Rock. Sie verzauberten ihr Publikum nur mit Rhythmus, Percussion und einem leichten Hauch Industrial-Feeling durch eingespielte elektronische Klänge. Man kann sich das in etwa so vorstellen: 15 Menschen hauen mit leuchtenden Sticks auf Eisenfässer und erzeugen Rhythmen und Beats, die die Crowd fesseln.



Generell war am Wiesen für die Metal Fans, abgesehen von THE SORROW und am Vortag CAVALERA CONSPIRACY und DRAGONFORCE, nicht all zu viel dabei. Nichtsdestotrotz heizten alternativere Bands wie FAKE PROBLEMS, ITCHY POOPZKID, DONOTS und GUN dem Publikum ordentlich ein. Es ging zu wie bei einem Metal-Konzert, nur dass es statt einer Wall Of Death eine Wall Of Love gab, die, nebenbei bemerkt, keinen Unterschied zum Erstgenannten hatte.

Am späteren Nachmittag war es bei THE SORROW bereits ziemlich voll, zwar kein Vergleich zu den Headlinern, aber trotzdem erzeugten die Vorarlberger Bombenstimmung vor der Stage. Die Fans schenkten sich gar nichts. Der größte Circle Pit des Festivals wurde angezettelt und eine Wall Of Death ließ man sich auch nicht nehmen. Danach schienen die Menschenmassen übereinander gestapelt geworden zu sein, Verletzte gab es, soweit wir feststellen konnten, zum Glück nicht. Der Metalcore und die vielen Breakdowns ihrer Songs schienen beim österreichischen Publikum gut anzukommen. Sogar eine Zugabe ging sich noch aus. Einziger Minuspunkt für die Vorarlberger war der Sound, für den sie wahrscheinlich nichts können, aber die Gitarren waren vor der Bühne einfach zu leise.




Die drittletzte Band des letzten Tages waren FUNERAL FOR A FRIEND. Die Waliser dürften einige Fans in Österreich und Deutschland haben. Ihr Post-Hardcore/Emocore ließ eigentlich nichts zu wünschen übrig, vorausgesetzt, man mag diese Richtung. Das Publikum war durchgehend gut gelaunt und sang selbst die Lieder in der Umbaupause mit, d.h. genaugenommen hatte die Crowd keine Pause und feierte ohne Rast den ganzen Tag lang.

Bei MILLENCOLIN füllte sich das überdachte Areal vor der Bühne bereits gewaltig, was vielleicht für die Menschen in den vorderen Reihen nicht so toll war, dafür aber die Band ziemlich anspornte. Die Gitarristen Erik Ohlsson und Mathias Färm wechselten sich im JIMMY HENDRIX-Imitieren ab. Einmal kam ein „Powerslide“ von rechts, einmal von links und das Spielen hinter dem Rücken hatten beide sehr gut drauf. Eindrucksvoll war das punkige BEATLES-Cover „8 Days A Week“. Die Menge überschlug sich wortwörtlich. Die Schweden wären bestimmt auch als Headliner ein voller Erfolg gewesen.




Nun war es Zeit für DIE TOTEN HOSEN. Die Stimmung in der Menge war hervorragend. Als Intro ließ man die klassische Punker Hymne „Blitzkrieg Bob“ von den RAMONES erklingen, die sofort jeder aus vollen Hälsen mitsang und danach flogen die Fetzen bei der aktuellen Single „Strom“. Der Sound war 100% perfekt, die Stimmung auf und vor der Bühne überragend. Auch den TOTEN HOSEN war die Spielfreude ins Gesicht geschrieben, sehr agil und aktiv rockten sie das Wiesen. In den Reihen des Publikums wurden Fahnen geschwungen und Leuchtkerzen angezündet, was bei der dicht zusammengepferchten Menge gar nicht ungefährlich war. Die Securities reagierten jedes Mal blitzschnell und nahmen jedem Pyromanen seine Zündholzer ab. Die Menge hatte Campino voll und ganz im Griff. Er verteilte Getränke und er hatte die vordersten Reihen immer im Blick, sodass niemand unter den Publikumsmassen zu Fall kam und erdrückt wurde. Selbst als er kopfüber in die Menge sprang, fing er erst mit dem nächsten Lied an, als alle wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Wahrscheinlich achtete die Band besonders auf Sicherheit, da bei ihrem tausendsten Konzert eine Holländerin namens Rieke Lax ums Leben kam. Ihr widmeten die TOTEN HOSEN das Lied „Alles Ist Eins“ auf der Single „Pushed Again“. Bei dem Song „Paradies“ brach Campino mitten im Lied ab und regte sich auf, dass manche in den vordersten Reihen nur die Lippen bewegten statt wirklich zu singen, schließlich holte er eine Dame aus dem Publikum auf die Bühne, die statt ihm weiter sang. Sowas sieht man nicht alle Tage. Die Leipzigerin bekam noch einen Drum-Stick und dann ging‘s wieder ab in die Menge. Campino kommentierte das Geschehen nur mit: „Das war echt schlecht … grottenschlecht … aber besser als das Original!" Tobender Applaus ertönte. Eine zusätzliche Besonderheit war der Weltmeister im Nasenflöten, der auf die Bühne geholt wurde und darüberhinaus noch ein Flötensolo bei „Sascha“ spielen durfte.





Die Düsseldorfer Punker lassen sich auf alle Fälle immer wieder etwas Neues einfallen, somit wird ihre Live Show, welche zu 50% aus Sozialkritik gegen Rechts und 50% Party besteht, zu einem unvergesslichen Event, das man so schnell nicht mehr vergisst.

Setlist von den TOTEN HOSEN:

1. Strom
2. Du Lebst Nur Einmal
3. Opel Gang
4. Auswärtspiel
5. Disco
6. Die 10 Gebote
7. Madelaine
8. Alles Was War
9. Alles Wird Gut
10. Wünsch Dir Was
11. Stupid Hang On
12. Sascha
13. Liebeslied
14. Alles Aus Liebe
15. Paradies
16. Steh Auf, Wenn Du Am Boden Bist
17. Glücks Piraten
18. Pushed Again
19. Hier Kommt Alex
20. Schönen Gruß, Auf Wiedersehen
21. Teil Von Mir
22. 1000 Gute Gründe
23. Bofrostmann
24. Liebesspieler
25. Freunde
26. Wort Zum Sonntag
27. 10 Kleine Jägermeister
28. You‘ll Never Walk Alone

Generell kann man über das Two Days A Week sagen, dass die Location mit überdachter Bühne und direkt anliegenden Essens- und Merchandise Ständen ein Wahnsinn ist, auch die Preise dort waren passabel. Es gab echte sanitäre Anlagen, sprich bewässerte Toiletten! Dixiklos waren also nicht nötig! Die Stimmung war trotz ausverkauftem Festival sehr angenehm. Einzig negative Aspekte waren das Wetter, die selten auftretenden Soundschwierigkeiten und wieder einmal ziemlich arrogante Securities, die sich nicht wirklich darum scherten, ob die Leute die bereits über 10 Stunden in der ersten Reihe verbracht haben, auch genug zu Trinken bekamen. Ansonsten ein zwar anstrengendes, aber echt unterhaltsames Festival.
www.wiesen.at

Stoney
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Beitrag vom 23.09.2009
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