PAGAN FEST: KORPIKLAANI   DIE APOKALYPTISCHEN REITER   UNLEASHED   ALESTORM   EX DEO   SWASHBUCKLE  
03.10.2009 @ Posthof

Was man mit dem Herbst abgesehen von fallenden, verwelkten Blättern und windigem Wetter sonst noch verbinden sollte, ist nichts anderes als das schon fast legendäre Paganfest. Letztes Jahr erfreuten uns unter anderem ELUVEITIE, MOONSORROW und TÝR, dieses Jahr waren nicht weniger atemberaubende Bands dabei. Die halbe Earshot Crew war bereits am Vortag in Wien anwesend, als SWASHBUCKLE, EX DEO, ALESTORM, UNLEASHED, DIE APOKALYPTISCHEN REITER und KORPIKLAANI ordentlich die Arena rockten. Ein Event, das man so schnell nicht vergessen wird. Dementsprechend optimistisch reisten die Earshotler nach Linz um dem Paganfest nochmals zu huldigen.

Eingeleitet wurde der Abend von SWASHBUCKLE, den aus New Jersey entspringenden Piraten. Ziemlich gewagt war die Wahl ihres Intros, ein Hip Hop Song, der Marke COOLIO, oder so ähnlich. Die Menge schien sich aber prächtig zu amüsieren. Das erste Seemannslied war „Scurvy Back“. Die Menge fackelte nicht lange und zerlegte sich in aufeinanderfolgenden Pits, die Admiral Nobeard nur anfangs noch ansagen musste. In voller Piratenmontur, d.h. mit Piratenhüten, Kleidung aus dem 17. Jahrhundert und sogar einem Papagei auf der Schulter, heizten die aus New Jersey stammenden Musiker ihrem Publikum ein. Gelegentlich verirrten sich ihre schottischen Freibeuter-Kollegen von ALESTORM und andere Mitbestreiter des Paganfests 2009 auf die Bühne, um ein gelungenes Ende der erfolgreichen Tour zu feiern. Leider spielten SWASHBUCKLE nur eine halbe Stunde, doch bei der Crowd hinterließ man sicherlich einen bleibenden Eindruck und vorgewärmt war man auch in jeder Hinsicht.





Bei EX DEO war der Posthof anfangs nur zirka zu einem Viertel gefüllt, als die Filmmusik-ähnliche, epische Intromelodie ertönte und die in Ganzkörperrüstungen gepackten Kanadier die Bühne betraten. Die ersten Worte von Frontman Maurizio Iacono waren schlicht: „Austria, Rome has arrived!“ Es folgte der Song „Cry Havoc“ des Debut Albums. Nach und nach füllte sich die Halle. Die Crowd schien ziemlich gebannt von dem epischen Death Metal zu sein. Untermalt wurde der Sound von Chören, Fanfaren, Streichern und immer wieder eintretenden Pausen, in denen Dialoge von Feldherren und römischen Untertanen aus der Geschichte Roms zu hören waren. Maurizio gelang es mit seinem Nebenprojekt EX DEO auf musikalischer Basis eine sehr bildliche Atmosphäre des antiken Roms zu schaffen. Der Sound im Posthof war überaus akzeptabel, die Gitarren verschwammen gelegentlich ein wenig, aber das war für normal sterbliche so gut wie unhörbar. Gegen Mitte des Sets verirrten sich Kollegen von unter anderen SWASHBUCKLE in römischen Gewändern gewickelt auf die Bühne. Sie verteilten Weintrauben und Wein, so wie es im alten Rom gewesen wäre. Auch der Feind, der Gallier Obelix und auch Xena ließen sich das Spektakel nicht entgehen. Obwohl die Veröffentlichung des Debut Albums noch nicht allzu lange her war, kannte das Publikum fast alle Songs und sang diese lautstark mit. Speziell „Romulus“, zu dem das erste Video gedreht wurde, kam besonders gut beim Linzer Publikum an. Die Kanadier hinterließen ohne Zweifel einen bleibenden Eindruck bei den Zuhörern.





Nun war es Zeit für den heimlichen Headliner ALESTORM. Als die vier Schotten ihre Instrumente aufbauten, konnte man Tastenzauberer und Vokalist Christopher Bowes erst gar nicht richtig erkennen. Der Frontmann hat sich nämlich seit unserer letzten Begegnung einen deftigen Bart wachsen lassen. Sichtlich gut gelaunt wurde noch schnell mit dem Soundmann geflirtet und dann ging’s los. „The Quest“ vom aktuellen Album „Black Sails At Midnight“ dröhnte aus den Boxen und trat gleich mächtig Arsch. Dauergrinsend ließ es sich Bowes nicht nehmen, den Song durch diverse improvisierte Textpassagen zu „verfeinern“:„Batmaaaan! Spidermaaan! Moses!“ Ähhmm…ja. Spätestens jetzt wurde jedem klar: Ja, ALESTORM sind betrunken, und wie! „We are SWASHBUCKLE from the USA and we bring you "Scurvy Back"…. No, we are ALESTORM and this is "Wenches And Mead”. Hier gab’s auch wieder die letzte Strophe auf Deutsch, was natürlich besonders sympathisch rüberkam. Die etwas ungewöhnlichen, aber nicht minder belustigenden Ansagen („Everyone get naked and have sex!“ ) hoben das Partyfeeling noch einmal und spätestens als die APOKALYPTISCHEN REITER auf Schlauchboten die Bühne enterten ging gar nichts mehr. Bei „Famous Old Spice“ wurde dann doch ein kleiner Durchhänger in der Setlist offenbart. Egal, denn mit „Nancy The Tavern Wench“ wurde wieder ein Megahit geboten und das Publikum ließ sich zum friedlichen Hin- und Herschaukeln animieren.

Auch hier gab’s wieder Gäste: Die Kameraden von SWASHBUCKLE nämlich. Für besondere Abwechslung sorgte Admiral Nobeard, der zum Mikro griff und den Song nicht gesungen sondern gegrindet performte – genial! „Huntmaster“ wackelte leider etwas, doch ihnen sei verziehen, da sie den Song angeblich schon seit Monaten nicht mehr live gezockt hatten. Dafür wurde bei „Over The Seas“ wieder sauber aufs Gaspedal getreten. Der Posthof brodelte – der Stimmungsklimax erreicht? Nein, noch lange nicht! Die Worte „Are you ready for a fucking party?!“ kündigten nämlich schon den nächsten Kracher an: „Keelhauled“. Hier durfte eine hübsche blonde Dame aus der Crew ans Mikro – was sich gleich als zu viel des guten herausstellte, denn Singen war wirklich nicht ihre Stärke. Der Crowd war’s sowieso egal, denn der Refrain wurde dermaßen laut mitgesungen, dass die Band sogar die Stage hätte verlassen können, ohne dass es den Chor unterbrochen hätte. Bowes forderte das Publikum außerdem zu einer Wall Of Death auf, die er sogar auf den Tribünenplätzen haben wollte. Naja, die Sinnhaftigkeit dieses Wunsches sei einmal dahingestellt. Nichtsdestotrotz bekam er eine riesige Wall Of Death (im Stehplatzbereich), die sodann in einem herrlich schnellen Circle Pit überging. Mit dem finalen „Wolves Of The Sea“ verabschiedeten sich vier ziemlich betrunkene Schotten von einer tobenden Crowd.




Die Songs von ALESTORM:

The Quest
Wenches And Mead
Famous Old Spice
Nancy The Tavern Wench
Huntmaster
Over The Seas
Keelhauled
Captain Morgan’s Revenge
Wolves Of The Sea

Richtig legendär wurde es dann bei den Veteranen von UNLEASHED. Mit verdammt druckvollem Sound und mächtig viel Spielfreude im Gepäck zeigten sie dem Paganpublikum was ein richtiger Death-Metal-Haken ist. Bereits im ersten Drittel der Show wird der erste Kracher rausgeworfen: „Midvinterblot“ – die Mähnen flogen, die Ohren neigten zu bluten. Frontmann Johnny Hedlund nahm sich auch gleich die Zeit, sich und seine Bandkameraden der Reihe nach vorzustellen - immerhin bestehen UNLEASHED schon seit über 12 Jahren in diesem Line Up! Außerdem feiern die Schweden 2009 ihr 20-jähriges Jubiläum! Dementsprechend wurde auch ein Toast gebracht und Hedlund stieß gleich auf weitere 20 Jahre UNLEASHED an – na wenn das mal nicht gute Zukunftsvoraussichten sind! Sentimentalität ließen die Deather natürlich nicht aufkommen, dafür umso mehr Headbanging mit „Never Ending Hate“. Wieder durften die Fans in den Genuss der säbelschwingenden SWASHBUCKLE kommen, deren Sänger auch wieder fleißig ins Mikro grindete. Von wegen Wikinger und Piraten würden nicht zusammenpassen! Auch die APOREITER ließen sich vor ihrem eigenen Auftritt noch einmal mit Schlauchbot blicken. Natürlich herrschte seitens des Publikums nicht eine derartige Feierlaune wie bei den Partybands am heutigen Abend, dafür war der Bangfaktor umso höher. Angesichts solcher Nackenbrecher wie „This Day Belongs To Me“ war jedoch auch schnell klar, dass UNLEASHED niemandem mehr ihre Souveränität beweisen müssen. „I want this day to be the loudest on tour, okay?!“ Ein tiefes Massengröhlen ging durch den Posthof und “Hammer Battalion“ sorgte für weitere blaue Flecken. “Your Children Will Burn” ließ keinen Stein auf dem anderen und das Gänsehaut-Finale “Death Metal Victory” gab einem den Rest. UNLEASHED waren sichtlich erfreut über all die loyalen Fans und versprachen zum Schluss noch: „UNLEASHED will be back! Thank you so much!“




Die Co-Headliner von den APOKALYPTISCHEN REITER hätten durchaus den Part des Headliners übernehmen können. Die Metal-Party war unschlagbar. So ziemlich jeder der vorherigen Bands war auf der Bühne vertreten. Bei der ultimativen APO REITER Hymne „Reitermania“ wurden Luftballone in Form von Pferden und Schlauchboote in die Crowd geworfen. In den Booten befanden sich anfangs noch Menschen die auf dem Publikum surften, doch als die ersten Takte der Drums und Gitarre einsetzten dauerte es nicht lange bis die Insassen über Bord gingen und irgendwo im Meer von Köpfen landeten. Die deutschen Texte waren noch eine Spur leichter für das Publikum mitzusingen, somit hatte der Sänger Fuchs einerseits leicht betrunkene, aber andererseits felsenfest überzeugte Unterstützung aus den Reihen der Fans. Sie wussten genau wie man mit so einer Menschenmenge umgehen muss. Die Auswahl der Nummern die gespielt wurden, war überaus abwechslungsreich. Die Songs des neuen Albums „Licht“ wie z.B. „Es Wird Schlimmer“, „Nach Der Ebbe“ oder „Adrenalin“ oder altbewährte Stücke wie natürlich „Metal Will Never Die“ oder „Licked By The Tongues Of Pride“ ließ die Menge den APOKALYPTISCHEN REITER aus den Händen fressen. Beim letzteren Song griff Fuchs zusätzlich zur Gitarre, während die leicht absurde Gestalt von Dr. Pest auf seiner Schaukel im Hintergrund hin und her schwang. Kooperationen zwischen den Bands gab es gelegentlich auch, so kam bei „Seemann“ der Violinist von KORPIKLAANI Jaakko „Hittavainen“ Lemmetty, welcher als Captain Jack Sparrow verkleidet war, auf die Bühne und übernahm die Violinenmelodie des Liedes. Er war aber nicht der einzige Verkleidete zu diesem Zeitpunkt. Fast die ganze Truppe von ALESTORM kam in Klopapier eingewickelt, als Mumien auf die Stage und vollführten einige Kunststücke, die nur alkoholisiert möglich sind. Es ist immer wieder schön anzusehen, dass sich die Bands untereinander, nach mehr als einem Monat auf engsten Raum in einem Tourbus zusammengepfercht, so gut verstehen. Ein Hoch auf die APOKALYPTISCHEN REITER und ein unvergessliches Konzert ihrerseits.





Ein Headliner der „Cowboys From Hell“ beim Soundcheck anspielt, kann ja nur sämtliche Sympathisanten auf seiner Seite haben. Die Rede ist von KORPIKLAANI – die nicht lange fackelten und gleich mit dem Hit „Vodka“ vom neuesten Album „Karkelo“ starteten. Ein mehr als guter Start, denn sofort wurden die Pommesgabeln in die Höhe gerissen und dem hochprozentigen Spaßmacher gehuldigt. Danach ging’s gleich mit dem selbstbetitelten „Korpiklaani“ munter weiter. „Huppiaan Aarre“ stampfte danach schwerfällig durch den Posthof und sorgte für Genickschmerzen. An dieser Stelle sollte doch erwähnt werden, das KORPIKLAANI für einen Headliner vielleicht doch etwas lauter hätten sein können – oder lag es nur am beinahe-Gehörsturz, den die Earshotcrew bei den vorigen Bands erlitten hatte? Egal, denn ein paar aufmunternde Worte à la „Thanks, we love you!“ machten das wieder wett. Ganz zu schweigen von der erweiterten Setlist, die der Klan des Waldes extra anlässlich des letzten Tourgigs zum Besten gaben. Satte 30 Minuten länger als die bisherigen Gigs sollte es noch dauern. Leider haben dadurch ein paar ruhigere, man möchte nicht sagen „langweiligere“ Tracks ihren Weg in die Setlist gefunden, was schließlich, gepaart mit der Müdigkeit der Zuhörerschaft, in einem leichten Stimmungstief resultierte. Doch eben genannte Müdigkeit war mit einem male wie weggeblasen: „Juodaan Viinaa“ – wieder ein absoluter Publikumsliebling vom neuen Album, lud zum fröhlichen tanzen ein. Was auch allerhöchste Eisenbahn war! Jetzt wo’s mit der Stimmung wieder steil bergauf ging, rotierten wieder reichlich Köpfe und es wurde fleißig gemosht. Und noch einmal war es Zeit für Gäste aus den eigenen Reihen:



SWASHBUCKLE und ALESTORM, getarnt unter Fellen und Riesengeweihen stürmten auf die Bühne, um diverse Biere mit dem Publikum und deren Unterhalter zu teilen. Außerdem merkte man ein weiteres Mal, dass dieser Tourtross mehr als bloß Berufsfreundschaft ist: „These are my fucking best friends!", hieß es vom gut gelaunten KORPIKLAANI-Frontmann Jonne Järvelä, während von der Restlichen Band gemütlich „Wipe Out“ von den BEACH BOYS gecovert wurde. Und was erblickte man da? Sogar eine kleine Bar wurde kurzerhand mitten auf der Bühne eingerichtet, auf der es sich einige der Piraten gleich gemütlich machten und nur schwer erraten ließen, was da wohl alles gesoffen wurde. Doch zurück zur Musik. „Happy Little Boozer“ bewies, dass noch immer genügend Energie in den müden Beinen der Crowd war, um weiter zu moshen. Endlich ließ sich auch der schwer beschäftigte Maurizio Iacono mit seinen EX DEO-Mannen auf den Brettern blicken. Mit den APOKALYPTISCHEN REITERN war die Party schließlich komplett und gar nichts, aber wirklich gar nichts ging mehr. „Beer Beer“ – ein weiterer Höhepunkt, bevor sich Jonne mitten in die Meute wagte, um im wahrsten Sinne des Wortes ein Bad in der Menge zu nehmen. Ganze dreimal wurde stage gedived, was ihn nicht einmal davon abhielt weiter seinen Text zu singen. Christopher Bowes und Gareth Murdock von ALESTORM taten es ihm gleich, obwohl ihnen mehrmals davon abgeraten wurde. Aber die Piraten waren einfach schon zu betrunken um auf irgend jemanden zu hören und genossen es sichtlich, von ihren Fans getragen zu werden. Schließlich wurde noch der ZZ TOP Kracher „La Grange“ angespielt und einige Mädels wurden von ALESTORM auf die Bühne geholt um mitzufeiern. Tja, ihre Freude hielt nicht lang, als ihnen prompt literweise Bier über die Köpfe gegossen wurde. Macht nix - weitermachen! Zu guter letzt wurden noch ein letztes Mal alle Mitglieder der Bands – sofern sie sich ohnehin noch nicht auf der Bühne befanden – ins Rampenlicht geholt und ein Hörnermeer antwortete ihnen als Dankeszeichen für diese geniale Tour und besonders diesen Abschlussgig. Sichtlich gerührt erzählte Jonne noch von seinem erfüllten Kindheitstraum, wünschte allen eine gute Heimreise und bedankte sich ein duzend mal.

Nein, wir haben zu danken! Denn alle Bands waren in Topform, der Sound war mehr als gut und die Stimmung, tja, die war (im ausverkaufent Posthof) unübertrefflich!

www.paganfest.eu

Stoney
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Beitrag vom 15.10.2009
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