NECKBREAKERS BALL: DEVILDRIVER   BEHEMOTH   SCAR SYMMETRY   ARSIS  
06.11.2009 @ Posthof

Auf dieses Konzert freute ich mich schon seit Wochen besonders – klar, ich freue mich auf jedes, doch DEVILDRIVER als Headliner und das mit "Pray For Villains" und einem sowieso übermächtigen Back-Katalog in der Rückhand, das kann ja nur fett und schmerzhaft werden. Natürlich darf man auch BEHEMOTH, die sich von einer kleinen polnischen Black/Death Metal Formation zu einer Trend-Band, die es in diesem Bereich eigentlich gar nicht geben dürfte, gemausert haben, vergessen. Der Neckbreakers Ball versprach also so schon Großes, doch mit SCAR SYMMETRY, mit neuem Front-Duo und einer guten Platte am Start und ARSIS, um die es zwar etwas ruhig wurde, aber dennoch eine formidable Band mit starken Live-Eigenschaften ist, war das Package natürlich umso fetter.

Die Amis von ARSIS starteten ihren Gig im Posthof sehr stark, konnten aber durch ihre progressiven Death Metal Klänge nicht auf Anhieb alle Anwesenden beeindrucken. Die Songs der Jungs sind einfach zu undurchsichtig, wenn man diesen nicht schon vorher im CD-Player einige Runden gönnt. Durch den letzten Auftritts im Posthof, der noch gar nicht so lange zurück liegt, freuten sich viele über den erneuten Kurzbesuch von den Amerikanern. Technisch perfekt, aber von der Performance her etwas statisch, prügelten und frickelten sich also ARSIS solide durch ihr Set und ernteten nach recht kurzen 25 Minuten einen ansehnlichen Applaus.





Die umstrukturierten Schweden von SCAR SYMMETRY konnten dank ihres eingängigen, aber auch grob poppigen neuen Werkes „Dark Matter Dimensions“ schon etwas mehr Bewegung in die Reihen des großen Saals bringen, wenn diese auch mit extrem schwammigen Sound starteten, der sich erst nach ein paar Songs besserte. Einzig die neuen Fronter Roberth und Lars waren glasklar zu hören. Roberth, der mit seiner melodischen Stimme punktete, mimte den geborenen Frontmann, während sich Lars etwas mehr in den Hintergrund stellte und sogar teilweise minutenlang hinter der Bühne verschwand. Die Nähe und das Gespräch mit dem Publikum suchten aber beide sehr häufig. Natürlich priorisierten die Schweden unter anderem „The Innocolast“ mit seinem überaus kitschigen Intro oder „Ascension Chamber“, das aktuelle Werk, aber konnten auch mit „Mind Machine“ und dem abschließenden „The Illusionist“ sehr gute Adaptionen alter Hits darbieten.





Aufwärmphase beendet – der erste Headliner durfte nun ran. BEHEMOTH avancierte, wie erwähnt durch eine Mode-Erscheinung. Eine Band dieser Richtung sollte doch eigentlich ein Insider-Tipp sein und bleiben – doch nicht BEHEMOTH – Fronter Nergal sei Dank, haben es die Polen an die Spitze ihres Genres geschafft und ziehen eine beachtliche Menge an Fans an, ob groß oder klein, der sympathische Mann mit bösem „Ich hasse die Kirche und Tiere“–Image, das man ihm ganz sicher zu unrecht anhängt, weiß es sich und seine Musik richtig zu präsentieren. Und so auch an diesem Abend. Mit walzenden Krachern wie „Demigod“ und „Slaves Shall Serve“ heizten Nergal und Co. blastend, grindend und überaus wütend, der abgehenden Masse ein. Mit absolut starker Performance und genialem optischen Auftreten schufen BEHEMOTH eine passende Atmosphäre und der Hit - ja auch Death/Black Metal Bands haben Hits - „Conquer All“ brachte alles zum Kochen. Leider gewann ich den Eindruck, dass die Polen dieses Niveau nicht über das ganze Set halten konnten und stellenweise etwas gleichförmig und anstrengend, was aber auch am Sound gelegen haben konnte, wirkten. Dennoch ein gelungener Auftritt, der weder Gefangene noch Überlebende zurück ließ.





Setlist BEHEMOTH:

Ov Fire And The Void
Demigod
Shemhamforash
Conquer All
LAM
As Above So Below
Slaves Shall Serve
At The Lefd Hand Ov God
Alas, Lord Is Upon Me
Decade Of Therion
Chant For Eschaton
-
Lucifer


DEVILDRIVER - Meiner Meinung nach, eine der größten Live-Mächte in ihrem Sektor und absolut begnadete Musiker, durften zu guter Letzt beweisen, was sie drauf haben. Als die Kalifornier die Bühne enterten, erbebte der Posthof förmlich vor Jubel. Spätestens jetzt war klar, warum die Jungs, diesen Teil der Neckbreakers Tour headlinen durften. Nach einem kurzen Intro, wurde mit „End Of The Line“ gleich überaus fett gestartet und schon waren meine Freunde rund um mich spurlos verschwunden. Wo man hinsah, wurde gemosht und gecirclet. Die Pits schienen überall Überhand zu nehmen und keiner konnte ruhig stehen. Wer Angst hatte, konnte sich nur auf die hintere Tribüne retten oder sich in irgendeine sichere Ecke quetschen, denn mit „Not All Who Wander Are Lost“ und dem Klassiker „Nothings Wrong?“, bei denen die Band alles gab und Frontsau Dez seine starken Vocals zur Schau stellte, wurde es nicht ruhiger. Ganz im Gegenteil, denn auch die ersten Stagediver fanden ihre Wege über die Hände der Masse. Was John Boecklin übrigens an seinen Drums fabriziert, grenzt sowieso an Wahnsinn und unterstütze damit die starke Gitarrenarbeit überaus druckvoll. Jetzt erst richtete Dez Fafara ein paar kurze Worte an Linz und leitete das erste Highlight des aktuellen Albums „Pray For Villains“ mit dem Titeltrack locker ein. Folgen sollten dann noch „Back With A Venegance“, I’ve Been Sober“ und „Fate Stepped In“. Doch erst wurde herftigst zum Überhit „I Could Care Less“ abgegangen. Hinten, vorne, links, rechts, oben und leider auch manchmal unten befanden sich fast sämtliche Besucher des Posthofs einmal.





Auch wenn man sich nach wenigen Songs schon ein Sauerstoffzelt und ärztlichen Beistand wünschte, wurde es nicht ruhiger. Doch der Körper schien nach und nach sowieso abzuschalten, wodurch man eh nichts mehr zu spüren vermochte und munter weiter machen konnte. Dieser wurde zwar nach 60 Minuten erlöst, doch der Geist verlangte nach mehr, viel mehr. Leider war aber nach der Zugabe „I Dreamed I Died“ vom Debüt auch schon Sense. Einziger Wermutstropfen, der verdammt schlechte Sound. Dez war wunderbar zu hören, doch vorne gingen die Melodien komplett unter. Ein paar Meter weiter hinten, waren diese zu hören, doch alles blieb ziemlich schwammig und undifferenziert. Überaus schade, denn ein großes Highlight in Form von „These Fighting Words“, ging dadurch weitestgehend unter.


Setlist DEVILDRIVER:

End Of The Line
Not All Who Wander Are Lost
Nothing’s Wrong?
Pray For Villains
Clouds Over California
Fate Stepped In
I Could Care Less
Hold Back The Day
I’ve Been Sober
Back With A Venegance
Before The Hangman’s Noose
These Fighting Words
Meet The Wretched
-
I Dreamed I Died


Wow, was für ein Abend… Genickschmerzen für drei Tage vorprogrammiert. Ein paar Pechvögel kamen auch mit einigen blauen Flecken und „dezenten Beulen“ davon.

Durch die bunte Mischung an Bands, ist es natürlich Geschmackssache, wer am meisten gerockt hat, aber an Intensität und Performance waren DEVILDRIVER definitiv an diesem Abend nicht zu schlagen. Einfach eine Macht und der Rest war dann mehr als nur eine Draufgabe, wenn es auch leider, für den Posthof ungwöhnlich, schlechten Sound gab.


FOTOS + E-CARDS
www.posthof.at

maxomer
Weitere Beiträge von maxomer

1 bereits abgegebene Kommentare


Zurück

Beitrag vom 10.11.2009
War dieser Bericht
interessant?

344 Stimme(n)
Durchschnitt: 5.35
Diesen Beitrag bewerten:
  
Diesen Beitrag per E - Mail verschicken:
An:
Von:
Kommentar: