AMORPHIS   BEFORE THE DAWN   AMORAL  
20.10.2009 @ Szene

Der 20. Oktober des Jahres 2009 wurde zu einem denkwürdigen Abend für die Wiener Musikgeschichte. Viele denken sich jetzt vielleicht was schreibt der für einen Sch…, aber für österreichische Verhältnisse ist es doch eine Seltenheit eine solch hochkarätiges finnisches Package live zu Gesicht zu bekommen; doch im Grunde grenzt es schon an eine Schande, dass eine Band wie BEFORE TRHE DAWN sage und schreibe fünf CDs braucht um endlich einmal eine Wiener Stage zu erklimmen. Nun aber alles der Reihe nach und wir stellen die Uhren auf 17 Uhr des besagten Tages, an dem ich zum ersten Mal des Tages die Szene Wien, für ein Interview mit Ben Varon, dem äußerst sympathischen Sechssaiters des Openers AMORAL heimsuchte. Gut gelaunt gab er mir Rede und Antwort und erzählte über eingeschlagene Fenster, Day Offs und dem neuen Mann hinterm Mikro. Nach dieser ersten guten Tat des Tages fand ich mich nach Speis und Trank und drei U-Bahnfahrten später wieder in der Szene ein um mir die volle Ladung finnischer Musik zu geben…
Den Opener machten wie gesagt AMORAL, die pünktlich zum neuen Album “Show Your Colors“ erneut Wien heimsuchten. Nachdem beim letzten Gastspiel 2007 noch Niko Kalliojärvi hinterm Mikro stand wurde der Abend das Debüt für das neue Goldkelchen und Idols Gewinner Ari Koivunen mit dem aktuellen „Piece of Rock’n’Roll“, zu dem auch Aris Auftritt mit verspiegelter Sonnenbrille, Bandana und Kappe passte; auch wenn das Outfit an dem schmächtigen Frontmann doch zuweilen etwas grotesk wirkte.



Gesangstechnisch gab es auf jeden Fall volles Rohr und auch bei den Growls gab sich der junge Mann keine Blöße, sondern machte sogar einen besseren Job als sein Vorgänger. Bis auf wenige Ausnahmen („Pusher“ und „Hang Me High“ vom 2007er „Reptile Ride“ Album) konzentrierte man sich auf den neuen Silberling und rockte rund vierzig Minuten die Bühne und folgende Songs schafften es schlussendlich in die Setlist: „Gave Up Easy“, „A Shade Of Gray“, „Song For The Stubborn“, „Year Of The Suckerpunch“, „Release“. Zum Abschluss knallte man dem Publikum noch ein „Sex N‘ Satan“ Baby um die Ohren. Der Gig war -wie schon der am diesjährigen TUSKA - eine wirklich ordentliche Show, der die Band sehr homogen und als Einheit widerspiegelte. Leider schafften es „Vivid“ und „Last October“ nicht in die Setlist und ja, auch mehr vom alten Zeug wäre durchaus erfreulich gewesen.



Von der technischen Seite (die Technik der Szene ist gemeint) war der Auftritt nicht so unproblematisch; so kämpfte die Band, insbesondere Ben mit den Monitorboxen und ich mit dem nicht vorhandenen Bühnenlicht. Nicht besonders erfreulich, wenn man eh nur die ersten drei Songs hat um Bilder in den Kasten zu bekommen und die Bühne den Großteil der Zeit in ein nettes schwarz getaucht bleibt, nur um die Lichter dann pünktlich zum vierten Song hell erleuchten zu lassen. Tja, ein bisschen Sarkasmus muss sein, denn so ein Lichtchaos sollte eigentlich nichtvorkommen… Auf der heiteren Seite konnte ich dann während dem Fotografieren noch Aussagen wie „…ooohhh hat der geile Haare, schau dir seine Haare an…“ verbuchen, bevor ich mit einem empörten „…geht’s noch…“ von hinten auf die Seite gescheucht wurde. Also Lektion fürs nächste Mal gelernt, will heißen - böser Knipser im Photopit steht den Mädels beim Aufgeilen an langen Haaren im Weg; wo warn wir noch mal!? - ach ja auf einem Metalkonzert…



Nach kurzer Umbaupause war es endlich soweit und die selbsternannte Einmannarme Tuomas Saukkonen (DAWN OF SOLACE, BLACK SUN AEON,…) betrat mit seinen Mannen die Bühne der Szene Wien. Die Band wurde 1999 als Soloprojekt gegründete und man veröffentlichte seitdem in regelmäßigen Abständen Alben, die wirklich als „Outstanding“ bezeichnet werden können. Der Mann lebt einfach für die Musik, er ist Musik und das hört man seinen Songs und Bands auch an; insbesondere sei hier auch noch das Debüt seines neuesten Soloprojekts BLACK SUN AEON erwähnt, das für mich das Newcomer Album des Jahres ist. Zurück zu BTD und der Show - an einem Dutzend Songs durfte man sich erfreuen, wobei hier Augenmerk auf eine ausgeglichene Mischung aller Alben gelegt wurde; eine durchaus erfreuliche Entscheidung da wirklich alle Alben zu empfehlen sind und ihre Reize besitzen - somit könnte man das bisher veröffentlichte Material und somit auch die Live-Show als eine homogene Geschichte bezeichnen. Auf der einen Seite hat sich die Musik zwar von Album zu Album verändert, blieb aber stets typisch BTD und funktionieren besser miteinander als dies bei anderen Bands oft der Fall ist, bei welchen die Entwicklungen entweder sehr offensichtlich sind oder die sich nur noch selbst wiederholen; wobei ersteres auch nichts schlechtes bedeuten muss, wie man später beim Headliner AMORPHIS sehen konnte.



Als Opener fungierte „Unbreakable“ vom „My Darkness“ Debüt, gefolgt von „Faithless“, „Dying Sun“ und „Disappear“. Ich glaube bereits nach diesen ersten Songs sollte jedem der die Band bisher noch nicht kannte der Name BEFORE THE DAWN ein Begriff sein. Mit „Monsters“ blieb auch ein wenig Platz für die ruhigeren Töne der Band, sofern man das so nennen kann – anders ausgedrückt von Akustikgezupfe bis schweren Gitarrenwänden bekam man hier alles geboten und es ist jedes Mal aufs Neue eine Freude die Band live zu sehen. Und auch mit dem Klischee, das Finnen nicht lachen wurde aufgeräumt, kam Tuomas und auch dem Rest der Band doch des Öfteren ein Lachen über die Lippen – Musik mit Herz und Seele! Ich liebe es einfach Bands zu sehen, denen man ansieht das die Musik ihr Herzblut ist. „Exile“, „Morning Sun“, „Scar“ und „My Darkness“ lieferten den besten Beweis dafür ab. Mit „My Room“ (mein Geheimtipp) und „The Black“ ging’s dann noch zum „4.17 AM“ Album, bevor der „Deadsong“ diesen Auftritt leider schon beendete und Lust auf mehr machte; das nächste Mal bitte eine Headlinershow mit DAWN OF SOLACE und BLACK SUN AEON!



Alle guten Dinge sind drei und das gleich in mehrere Hinsicht. Dritte Band des Abends, dritte finnische Band und drittes AMORPHIS Album mit Tomi Joutsen hinterm Mikro. Das der Mann das Beste war, was der Band passieren konnte, habe ich damals schon im „Eclipse“ Review geschrieben und zwei Alben später sehe ich das mehr als bestätigt und spätestens dieser Auftritt sollte die letzten Zweifler zum Schweigen gebracht haben. „Silver Bride“ heiß die erste Singleauskopplung aus dem aktuellen Album „Skyforger“ und fungierte auch gleich als Opener. Rund zwei Drittel des Sets wurden der Ära Joutsen gewidmet, aber auch das obligatorische „Black Winter Day“ fehlte nicht und ist wohl auch kaum aus einem AMORPHIS Set wegzudenken. Die Show selbst war wieder mal auf höchstem Niveau und Tomi ist einfach ein Frontmann par excellence – die Dreads, sein Mikro und sein Stageacting.



Als optische Draufgabe gab es diesmal noch einen gezwirbelten Bart, der dem ganzen noch eins draufsetzte; sollte Johnny Depp für die Fortsetzung der Fluch der Karibik Serie absagen, nehmt den Mann, er würde perfekt ins Bild passen.



Unterm Strich für mich eines der besten Konzerte der letzten Zeit, das auf mehr hoffen lässt; bitte schaut etwas über den Tellerrand und holt mehr dieser grandiosen Bands nach Wien - ich nenne nur PROFANE OMEN, BLACK SUN AEON, GHOST BRIGADE, SARA, SUBURBAN TRIBE,… oja, ich könnte diese Liste noch ewig fortsetzen, belasse es hiermit aber fürs erste.

-loppu-


FOTOS + E-CARDS
www.amorphis.net

Harald
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Beitrag vom 15.11.2009
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