THE PRODIGY   ENTER SHIKARI  
26.11.2009 @ Stadthalle Wien

Mit „Invaders Must Die“ ist den Electronic-Größen von THE PRODIGY wieder ein verdammt gutes Album gelungen: melodisch, eingängig, tanzbar, was will man mehr. Keine Frage, dass die passende Tour nicht lange auf sich warten lässt, um die neuen Kracher, ebenso wie die Evergreens zu zelebrieren. Earshot war wieder mit dabei.

Doch vorerst durften wir noch in den Genuss von ENTER SHIKARI kommen. Die britischen Trancecoreler – wie sie ihren Stil selbst bezeichnen – profitierten natürlich vom einzigen Supportslot, den sie besetzten und konnten dadurch mit einem etwas längeren Set auftrumpfen. Vor noch recht lichten Reihen konnten sie mit guten Songs und sichtlicher Spielfreude überzeugen. Die riesige Bühne der Wiener Stadthalle schien auch keinen Meter zu groß für die Jungs zu sein. Früh fiel uns der bunte Mix der anwesenden Hörerschaft auf. Neben den offensichtlichen Electrofans waren auch weniger auffällige „Normalos“ und sogar der ein oder andere Metaller zu sehen. Doch zurück zu ENTER SHIKARI. Wer den Vierer noch nicht kennt, dem sei gesagt, dass sie soundmäßig wunderbar ins Schlepptau von THE PRODIGY passen. Starke Beats, gute Hooks aber eine gehörige Prise Punkrock mit leichter NuMetal-Attitüde – das macht ENTER SHIKARI aus. Mit stylischem Backdrop im Rücken spielte sich die Combo immer mehr in die Köpfe der Crowd. Sänger Roughton Reynolds gab mächtig Gas und fegte ständig zwischen Mikro und Keyboard hin und her. Da ließen auch Gitarre und Bass nicht lange bitten und nutzten gekonnt die breite Bühne aus. Selbstverständlich durften bei diesem soliden Gig auch Hits wie „Juggernauts“ oder „Mothership“ nicht fehlen. Zum Schluss gab’s satten Applaus und –in herrlichem britischem Englisch- viele Dankeschöns seitens der Band, die übrigens im Jänner wieder nach Österreich kommt – dann aber als Headliner.



Scheinbar ewig ließen THE PRODIGY auf sich warten, doch den Fans war’s egal, da musste eben die Musik beim Umbau zum Tanzen herhalten. Die Meute war guter Dinge und schon bestens gelaunt. Aufgeblasene Kondome segelten durch die Luft und die Halle wurde vom Duft diverser Kräuter erfüllt, als endlich der schwarze Vorhang fiel und eine riesen Scheinwerferwand enthüllt wurde. Ja richtig gelesen: Die meisten Bands haben eine Verstärkerwand, THE PRODIGY haben eine Scheinwerferwand. Fett!

Mit „World’s On Fire“ wurde eröffnet. Wow, diese Lightshow zählt zu den heftigsten, die ich je gesehen habe! Na wenn die nicht ungesund ist! „Were are my Prodigy People?“ Ließ Keith Palmer alias Maxim Reality verlauten und erntete gleich ohrenbetäubenden Jubel. Schon jetzt war klar – heute brennt die Stadthalle. Mit dem Evergreen „Breathe“ wurde gleich weiter angeheizt. Um gleich darauf mit „Omen“ einen Song vom neuen Album vom Stapel zu lassen. Spätestens jetzt ging’s zum ersten Mal richtig rund: Zwar keine Moshpits, dafür aber Tanzpits –wenn man es so nennen darf. „Omen“ hat sich ganz klar zu einem weiteren Überhit entwickelt, das bewies auch der Mitsingfaktor bei den Zeilen „Now! The writing’s on the wall! It won’t go away“ – episch. Und dann Peng! – wieder diese Lichter! Mehr als einmal stieß ich bei dieser Lightshow an meine Grenzen der Belastbarkeit. Bei „Poison“ wurde zur Tanzsession animiert: „I wanna see everybody fucking dancing!“ hieß es wieder von Palmer und der Bass wurde noch einmal um ein gutes Stück lauter gedreht, sodass einem ein wohliges Brummen durch die Gedärme fuhr. Bald darauf zeigte „Warriors Dance“, dass „Invaders Must Die“ vollends zu den potentiellen Lieblingsplatten der Fans werden wird, denn auch hier ließ sich wieder ein Stimmungshoch verzeichnen. Dieses wurde bei „Firestarter“ sodann auch noch verstärkt. „All my Voodoo-people, were are my Voodoo-hands?“ ließ bereits erahnen, dass es mit „Voodoo People“ gleich kultig weitergehen wird. Die Halle wurde kurz in Licht getaucht, bevor der Epileptikblitz wieder zuschlug und alle Fans in Bewegung waren. „Invaders Must Die“ und „Smack My Bitch Up“ bildeten den ersten Abschluss des Gigs, bei dem alle Fans zum Hinhocken animiert wurden, um dann auf Kommando die Sau raus zu lassen und zu tanzen als ob es kein Morgen mehr gäbe. Gerade als die Stimmung am Kochen war, verließ die Band die Bretter.



Aber mit den Worten „Do you want more?“ enterten THE PRODIGY dann noch einmal die Bühne, denn jetzt waren unter anderem noch die Überhits „Take Me To The Hospital“, „Their Law“ und „Out Of Space“ am Start. Speziell letzterer Song sorgte für Gänsehautstimmung als der Refrain (übrigens aus der Feder von Raggae-Veteran Max Romeo) wie aus einem Munde von tausenden Fans mitgesungen wurde. Bei diesen letzten Songs wurden schließlich noch zusätzliche Scheinwerfer von der Decke gefahren – als ob geschätzte 1 Million Watt nicht schon genug wären.

Blutige Ohren, ein mulmiges Gefühl in der Bauchgegend und ein Sonnenbrand waren schließlich Zeugnis von eineinhalb Stunden THE PRODIGY. Guter Sound, geniale Stimmung und die gewisse Mystik, welche die Band aufgrund der spärlichen Ansagen stets aufrecht erhalten konnte, machten diesen Abend zu einem geilen Abend. Auch wenn diese Art von Musik schon ziemlich gar nichts mehr mit Rock zu tun hat – wir sagen: gerne wieder!
www.theprodigy.com

Doano
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Beitrag vom 08.12.2009
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