SIX FEET UNDER   ILLDISPOSED   LOST DREAMS    BLACK-OUT BEAUTY  
08.12.2009 @ Viper Room

Floridas Kult-Deather um Chris Barnes laden in den Viper Room und haben niemand geringeren als den Death Metal Bomber ILLDISPOSED aus Dänemark mit dabei. Außerdem durften die noch recht jungen Luxemburger von BLACK-OUT BEAUTY und die Tiroler LOST DREAMS mitreisen. Genau in der umgekehrten Reihenfolge wurden diese Bands angekündigt. Der Startschuss war um 20:00 Uhr.

Als die Earshotler ankommen, zeigt die Uhr kurz nach halb acht und schon rumpelts auf der Bühne. Naja, leider nicht mehr ungewöhnlich dass falsche Zeiten angegeben werden, aber anstatt den Tirolern von LOST DREAMS zockt da eine Band, die mir völlig unbekannt ist und es lässt sich auch bis zum Ende hin nicht herausfinden, wer das denn ist. Einen Aushang oder Ankündigung seitens der Veranstalter sucht man auch vergeblich. Sei's drum, denn wirklich aufregend kann man den Auftritt dieser Truppe nicht nennen.

Knappe 15 Minuten später erwarte ich, dass normal im Programm weitergemacht wird, doch schon wieder werden die Zuschauer verwirrt. Eine Band mit merkwürdigem Erscheinen (in Anbetracht der musikalischen Ausrichtung) betritt die kleine Bühne und haut derben Grindcore raus. Technisch gut, musikalisch aber auch eher mager und der Sänger mit seinem schönen Hütchen am Kopf mag mir gesanglich auch nicht gefallen. Das Schweinchen-Gegrunze klingt nach Notschlachtung und richtig zusammenhängen mögen die Vocals auch nicht. Da rettet auch die kurze Anspielung des Super Mario Theme´s auf der Gitarre nix.



Der Schwäche der Opener entsprechend, ist auch der Viper Room nach wie vor spärlich besetzt und es wird sich mehr um die Bar und den Wuzler gekümmert, als der Band auf der Bühne Beachtung zu schenken. Doch nun folgen endlich… Finnen? Jetzt bin ich wirklich verwirrt und schalte erstmal meinen Kopf ab. Aufgrund meines ILLDISPOSED Interviews, das bis zu diesem Zeitpunkt das Highlight des Abends ist, verpasse ich aber den Anfang der Grinder, die auf jeden Fall ihren Vorrednern einiges Voraus haben. Der Sound ist zwar schon den ganzen Abend sehr matschig, aber die Jungs klingen eine gute Spur kompakter und eingespielter, was das Publikum mit anerkennendem Kopfnicken vergütet.



Und dann dürfen sie doch noch ran – LOST DREAMS betreten und geben gleich mächtig Gas. Scheint so, als genießen die Tiroler auch in Wien den Heimvorteil. Die vorderen Reihen verdichten sich und es wird brav der Kopf gehoben und wieder gesenkt. Der Melodic Death mit Metalcore Schlagseite trifft wohl die Geschmäcker der Besucher und die Songs des neuen Albums „Wage Of Disgrace“ finden auch sofort Anklang. Fronter Schleifi agiert agil auf der Bühne und fordert, wenn auch vergebens, die Zuschauer immer wieder zum Pit auf. Dank des besseren Sounds und der stetig steigenden Stimmung, kann man auf jeden Fall von einem gelungenen Auftritt sprechen.



Dank dieses positiven Erlebnisses warte ich gespannt auf BLACK-OUT BEAUTY und bin zugleich verwundert, aber auch überaus glücklich, das coole DEPECHE MODE-artige Intro, das ILLDISPOSED schon auf der letzten Tour vom Band ließen, zu hören. Was ist denn nun mit den Finnen? Ach, die haben schon gespielt, erfahre ich kurzerhand. Aber wann? „das warn die mit dem Typen, mit dem Hut“ – danke an die Kollegin Sabine.

Doch weitere Überlegungen über diese Irrungen lösen sich sofort in Rauch auf, als Bo Summer, Jakob und der Rest, der verrückten Dänen die Bühne für sich beanspruchen. Und schon geht es los. „Weak Is Your God“ ballert ohne Kompromisse aus den Boxen und die Stimmung ist großartig. Anfangs wirkt die Band nicht sonderlich glücklich, denn dank einiger technischer Probleme geht es eher holprig los. Diese werden aber umgehend behoben und Bo, in Deutschland Shirt eingehüllt, begrüßt die Wiener mit einem freundlichen: „ich bin schwul, aber trotzdem Däne“. Wir verzeihen es ihm, denn gleich darauf verspricht er uns „etwas neue Scheiße“, und diese bekommen wir in Form von „Just Come An Get Me“, dicht gefolgt vom, ich möchte schon fast Klassiker sagen, starken „Submit“. Die Band ist spielfreudig wie eh und je und, wie uns Jakob im Interview versprochen hatte, können die Jungs trotz ihres Alkoholkonsums, noch perfekt ihre Songs aus ihren Instrumenten holen. Die Ansagen von Bo werden von Song zu Song merkwürdiger: „ihr in Österreich seit so außergewöhnlich hubsch“. kurz darauf hat er sich auch schon einen Herren im Publikum angelacht. Zum Glück besinnt er sich und weiter geht es im Programm mit dem genialen „Dark“ und dem neuen Titeltrack.



Gerade mal ein paar Songs an uns vorbeigeflogen und es wird schon der letzte angekündigt. Ich fasse das als Scherz auf und mir klappt das Kinn runter, als nach „A Child Is Missing“ wirklich schon Schicht ist.

Warum weiß nur Gott, aber ILLDISPOSED müssen nach gerade mal 30 Minuten, als Co-Headliner (!) schon von der Bühne. Ich erinnere mich an die letzte Misere im Viper Room bei FIREWIND, die auch kürzer spielen mussten, weil man einfach zu viele Supporter rein gequetscht hat. Und dieser Fehler wiederholt sich nun. Da hätte man sich, so hart es auch klingt ein oder zwei der recht uninteressanten Opener, komplett sparen können und den eigentlichen Acts ihre zugesprochene Zeit lassen sollen. Dafür zahlt man ja auch, denn der Support ist ja, wieder Name sagt nur zur Unterstützung bzw. als Bonus gedacht.

SIX FEET UNDER stehen in den Startlöchern. Sie lassen sich Zeit, doch als dann die Bühne betreten wird, ist die Stimmung sofort großartig und schon der Opener „No Warning Shot“ lässt die Zuschauer ausrasten. Chris Barnes, der immer mehr verwildert, von der Optik her einem Neandertaler immer Näher kommt und nach dazu immer weniger Dreads mitnimmt, brüllt sich die Seele aus dem Leib, wird aber für meinen Geschmack viel zu laut in den Sound gemischt. Aber das ist man auch schon von den CDs her gewöhnt. Auch wenn die Stimmung groß ist, der Mosh tobt, stellt sich für einige schon nach wenigen Songs die bekannte Abnutzungserscheinung ein. Was auf CD streckenweiße funktioniert, ist live eine zähe und langatmige Prozedur. Ich hege das Gefühl, dass die Band nur noch von seinem Kultstatus lebt und sich mit lieblosen Versuchen, wie den „Graveyard Classics II“ irgendwie in den Schlagzeilen zu kommen, was der anstehende, dritte Aufguss bestätigen wird. Aber auch eine Kult-Status ist vergänglich.



So verabschieden wir uns, wegen der langen Heimreise etwas früher und müssen dann noch irgendwie unsere Jacken bekommen. Denn laut Anweisung darf man während SIX FEET UNDER nicht neben die Bühne. Doch wer den Viper Room kennt, der weiß, dass dies der einzige Weg zu seiner warmen Bekleidung ist. Ein netter Security hat aber dann eingesehen, dass dies doch eine ziemlich Dumme Idee war, den Bereich zu sperren.

PS: Wie ich im Nachhinein in Erfahrung bringen konnte, hören die Finnen auf den Namen CRANIUMBLAST, die Opener jedoch blieben mir auch bis jetzt verborgen.


FOTOS + E-CARDS
www.viper-room.at

maxomer
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Beitrag vom 15.12.2009
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