METALFEST 2010 - TAG2: TWILIGHT OF THE GODS   BEHEMOTH   SIX FEET UNDER   SEPULTURA   GRAILKNIGHTS   DEATH ANGEL   ALESTORM   SHINING   CORVUS CORAX   TRACHTENMUSIKKAPELLE MINING  
13.05.2010 @ Schloss Mamling

Nach dem es am Vortag einige Schwierigkeiten mit der Anreise gab, hat es das komplette Earshot-Team schlussendlich doch noch zum Metalfest geschafft. Und obwohl das Wetter nicht sehr vielversprechend aussah, genügte ein Blick in die Running Order um das Herz eines jeden Metallers höher springen zu lassen.

Einleitend sei gesagt, dass die Wahl des Veranstaltungsgeländes nicht besser hätte sein können. Letztes Jahr musste man über die deutsch/österreichische Grenze marschieren, um zu den Bühnen zu gelangen. Dieses Mal war es im Vergleich ein Katzensprung vom Camping-/Parkplatz-Areal auf das Festivalgelände. Ein weiterer Pluspunkt war die Positionierung der drei Bühnen. Die zwei Hauptbühnen standen unmittelbar nebeneinander, sodass während eine Band spielte, auf der anderen gleichzeitig Soundcheck gemacht wurde. Die dritte Auftritts-Plattform fand man keine 50 Meter von den anderen entfernt in einem Zirkuszelt-ähnlichen Gebilde, was angesichts der Tatsache, dass es die ersten Tage in Kübeln regnete, sehr angenehm war.

Wie es von Anfang an schon am Wacken war und seit neuestem auch am Nova Rock vorkommt, rockt immer öfter die örtliche Volksmusikkapelle die Metal-Konzerte. So kam es, dass um 12:15 die TRACHTENMUSIKKAPELLE MINING ihren Auftakt gab und nachdem das erste Eis gebrochen war, ganz gut ankamen. Das Publikum stachelte sich selbst so weit an, dass ich mich schwer wunderte, ob so eine Stimmung jede Band dieses Tages zusammenbringt. Immerhin gab es ein oder zwei Mal eine Wall-Of-Death und auch gemosht wurde nicht zu knapp. Interessant wäre es mal umgekehrt, eine Brutal Death Metal Band auf einem Volksfest. Was dabei heraus kommen würde, steht wohl in den Sternen.





Eine Stunde später war es wieder Zeit für volkstümliche Klänge, allerdings spielte diese Gruppe, man glaubt es kaum, noch ältere Lieder als erstere. Dabei handelte es sich um die Spielmanntruppe von CORVUS CORAX. Was diese Band live ausmacht, sind schräge Outfits, Trommeln und alle möglichen eigenartigen mittelalterlichen Blasinstrumente. Sie lieferten eine interessante und spezielle Darbietung, jedoch kamen noch nicht sonderlich viele Menschen vor die Stage. Ob das an der großen Vielfalt an derzeitiger Mittelalter-Bands liegt oder einfach nur Pech war, sei dahingestellt.

Um 14:15 Uhr ließ eine der kontroversesten Gruppen der derzeitigen Szene ihre Hörerschaft erzittern. Die Rede ist natürlich von SHINING mit Niklas Kvarforth als Frontman. Sie zeigten wieder einmal, dass sie sich keine Tabus zu Herzen nehmen. Während Klassiker wie z.B. „Längtar Bort Från Mitt Hjärta“ gespielt wurden, fing Sänger Niklas auf einmal an mit Bassist Andreas Larsen herum zu knutschen und wiederholte das mehrmals, während er von jeglicher Selbstverstümmelung auch kein Halt machte und sich seine Zigaretten auf seinem eigenen Bauch ausdämpfte. Trotz kleinen Soundproblemen, obwohl man bei Black Metal dieser Art gar nicht genau sagen kann, ob die Einstellungen nicht so gewollt waren, war die Stimmung mehr als ausgelassen. Man kann zur Musik und zum Black Metal stehen wie man will, ihre Show ist einfach in jeder Hinsicht bizarr.





Etwas „normaler“, und mit „normaler“ meine ich thrashiger, ging es bei DEATH ANGEL zu. Die Bay-Area Thrash Metal Legende füllte erstmals den Bereich vor der Bühne. Sie waren für so manchen auf jeden Fall ein Muss dieses Tages und hätten ohne weiteres auch einen späteren Slot einnehmen können. Es ging vielleicht nicht so zur Sache wie in alten Bay-Area Zeiten, trotzdem schien es dem Publikum als auch der Band zu gefallen.





20 Meter weiter links hörte man schon die letzten Soundcheck Feinheiten für die deutschen Gralritter namens GRAILKNIGHTS. Ihre Show wird von Jahr zu Jahr immer beeindruckender. Das Konzept ihrer Show sieht folgendermaßen aus: Dr. Skull hat den heiligen Gral gestohlen und die GRAILKNIGHTS erobern ihn im Laufe ihres Gigs und mit Hilfe des Publikums zurück. Nebenbei kommen zusätzlich noch einige andere Charaktere vor, die in ihrer Performance eingebaut sind, z.B. Zapf Beauty die Bierstute und Morph the swarf. Ihre mitsingtauglichen Hymnen kamen beim Publikum so gut an wie kaltes Freibier. Lustig mitanzusehen waren die Crowdsurfing-Einlagen von Dr. Skull, der Erzfeind der GRAILKNIGHTS. Ihre Darbietung ist äußerst unterhaltsam und bestückt mir allerlei Gags. Diese verrückte Truppe muss man live einfach mal gesehen haben.





Etwas ernster und sozialkritischer, aber nicht weniger unterhaltsam, ging es bei den nächsten Veteranen zu. SEPULTURA starteten um 16:25 Uhr ihr Programm. Einziges verbleibendes Gründungsmitglied der eigentlich brasilianischen Band ist der Bassist Paulo Xisto Pinto Jr., alle anderen Plätze wurden bereits mehrmals neu besetzt, wobei Andres Kisser auch bereits seit 1987 dabei ist. Obwohl der Sound nicht immer ganz transparent war, konnte der ehemalige Türsteher und zwei Meter Frontröhre Derrick Leon Green den Klassikern wie „Refuse/Resist“, „Roots Bloody Roots“ oder „Territory“ neuen Touch verleihen. Man bediente sich vieler bekannter älterer Songs, was manche bestimmt gut heißen, andere hätten vielleicht ganz gerne ein paar aktuelle Nummern gehört.





SIX FEET UNDER starteten um 18:05 Uhr. Obwohl es immer wieder regnete, war die Stimmung bei Death Metal Klassikern wie „Feasting On The Blood Of The Insane“ oder „The Art Of Headhunting“ hervorragend. Wahrscheinlich durch den Regen, kam es gelegentlich zu einigen Soundproblemen. Nach ca. 3-4 Songs fielen die Gitarre und der Bass aus. Chris Barnes kommentierte das Ereignis nur mit: „Ohhh… the short version“ und nahm es ziemlich gelassen. Als es dann nach 5 Minuten weiter ging, war die Crowd trotz Regen wieder bombastisch gelaunt. Chris Barnes an Pigsquealing erinnernden hohen Screams waren live noch viel schneidender und ohrenbetäubender als auf CD. Nach 50 Minuten verabschiedete sich die aus Florida stammende Death Metal Maschine mit dem allseits bekannten AC/DC Cover „TNT“.





Gegen Abend wurde es dann noch mal etwas düsterer, sowohl musikalisch als auch meteorologisch. Es fing immer mehr zu gießen an, dafür waren jetzt BEHEMOTH an der Reihe. Sie lieferten wie so oft eine starke Bühnenperformance, mit vielen heroischen Posen und einen Haufen an Songs der letzten zwei Alben „The Apostasy“ und „Evangelion“. Letzteres war, für Metal dieser Art untypisch, sogar eine Weile auf Platz eins der Charts in Polen. Und einen Ruf haben sie sich in Österreich mittlerweile auch schon erspielt. Somit ging es vor der Bühne in dem immer matschigeren Gelände mehr und mehr zur Sache.





Wieder etwas mehr Partystimmung kam bei ALESTORM um 20:55 Uhr auf. Auch das Gelände vor der Second-Stage hat sich mittlerweile in ein Schlammloch verwandelt. Das tat aber der Stimmung nichts ab, ganz im Gegenteil, was macht eine Piraten Party noch lustige? - Ein Unwetter. Gespielt wurden die üblichen Live-Nummern der beiden Alben „Black Sails At Midnight“ und „Captain Morgan’s Revenge“ und einer ihrer ersten aufgenommen Songs „Heavy Metal Pirates“. Wie immer konnte die Crowd alle Songs auswendig. Einen kleinen Besetzungswechsel gab es, so ist nicht mehr Ian Wilson Kanonier hinter den Drums, sondern seit neustem Pete Alcorn. Für die wütende Meute machte das allerdings keinen Unterschied. Letztes Jahr spielten sie bereits am Vorgängerfestival, dem Summernights, allerdings schon um drei Uhr Nachmittags, dieses Mal als Co-Headliner. Wenn das kein gewaltiger Aufstieg ist?!





Um 21:45 war es Zeit für den Headliner des Tages. TWILIGHT OF THE GOD heißt die Allstar Gruppe von A. A. Nemtheanga (PRIMORDIAL), Iscariah (IMMORTAL), Nick Barker (DIMMU BORGIR, CRADLE OF FILTH), Blasphemer (MAYHEM) und Patrik Lindgren (THYRFING). Eine BATHORY Tribute Band mit dieser Besetzung hört sich im ersten Moment schon spannend an. Fakt war, dass die gespielten Nummern sehr gut ausgesucht und umgesetzt wurden z.B. „Blood Fire Death“, „A Fine Day To Die“, „Valhalla“, „Home Of Once Brave“ etc., aber der Funke wollte nicht auf das Publikum überspringen. Somit war die Stimmung nicht wirklich ausgelassen, wie man es vielleicht erwartet hätte. Es ist schwer zu sagen, woran das gelegen hat. Vielleicht fanden manche das Auftreten von A. A. Nemtheanga unpassend und übertrieben. Er kniete zu Beginn in einen Umhang gehüllt, wie Rotkäppchen in schwarz. Berichten zu folge sind so manchen Fans die Songs von BATHORY zu heilig und unantastbar. Auf jeden Fall echt schade, dass dieses beeindruckende Projekt nicht so gelungen ist, wie man sich das vorgestellt hat.





Von den Bands her war der Donnerstag schon ziemlich aufregend, leider spielte das Wetter nicht mit. Aber ansonsten war das ein feuchter, von manchen Soundproblemen gezeichneter, spannender Tag.

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Stoney
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Beitrag vom 06.06.2010
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