METALFEST 2010 - TAG4: TESTAMENT   MARDUK   ELUVEITIE   FINNTROLL   VARG   CALIBAN   DEICIDE   EPICA   IN SLUMBER   MYSTIC PROPHECY   VADER  
15.05.2010 @ Schloss Mamling

Nun war es soweit. Der letzte Tag des Metalfestes war angebrochen. Die Wetterlage hatte sich nur leicht gebessert. Es regnete nur noch selten ganz wenig, dafür war es schlammig und matschig, als ob es frisch in Kübeln geschüttet hätte. Drei Tage Festival zerrten merklich an den Kräften der Journalisten. Nur mit Müh und Not konnte man sich aus den Zelten, oder das was von ihnen übrig war, heben.

Nicht nur ich, sondern auch einige andere Besucher mussten sich über den frühen Slot, 12:15 Uhr von VADER sehr wundern. Anscheinend war Piotr „Peter“ Wiwczarek davon auch nicht sonderlich angetan. Alle Interviews wurden kurzfristig gecancelt. Für alle Fans von hartem old-school Death Metal waren und sind VADER eine Augen- bzw. Ohrenweide. Ihr Sound war zwar nicht perfekt, aber auf jeden Fall eine Wucht, die jedem den Schlaf aus dem Gesicht hämmerte. Songbrocken wie „Wings“ oder „Sothis“ knüppelten ordentlich und auch das neue Album „Necropolis“ scheint live besonders gut anzukommen. Leider war der Gig nach einer halben Stunde schon wieder vorbei. Nichtsdestotrotz lieferten die Polen wie so oft einen einwandfreien Gig, der bereits zu Mittag viele Menschen vor die Stage lockte und die Genickmuskulatur warm werden ließ.





Um 14:50 war es Zeit für den Teufel höchstpersönlich. Glen Benton - Frontman von DEICIDE - war und ist seit jeher eine Ikone im Extreme Death Metal Bereich. Lange musste man warten, dass man die Truppe aus Florida bei uns in Österreich bestaunen durfte, aber das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt. DEICIDE erteilten den Minninger Zuhörern eine Lektion in Sachen Brutalität und Geschwindigkeit. Gespielt wurden Death Metal Klassiker wie z.B. „Hommage For Satan“, „When Satan Rules His World“, „Dead By Dreaming” oder „Serpents Of The Light”. Allesamt brachiale Nummern, die vor der Bühne für Headbanger-Laune sorgten. Obwohl der Sound manchmal etwas monoton rüberkam, verließen DEICIDE nach ca. 40 Minuten die jubelnde und nach Zugaben schreiende Menschenmenge.





Weiter im Programm ging es mit den Niederländern von HEIDEVOLK. Die Pagan Metal Band mit ihrer zweifachen Gesangbesetzung von Mark Splintervuyscht und Joris Boghtdrincker sind bekannt für ihren mehrstimmigen Gesang, leider war der Sound zu intransparent, als dass man davon einen Hauch mitbekommen hätte können. Dementsprechend enttäuscht fanden sich nur mittelmäßig viele Zuhörer vor der Second Stage. Es hatte für mich den Anschein, dass sich die alte Heiden/Pagan Metal Leier mit der Zeit etwas abnutzte. Und das, obwohl uns noch einige Bands, die in diesem Genre vertreten sind, bevor standen. Man konnte nur abwarten und auf das Beste hoffen.





Nach einer kurzen Verkaufsständebesichtigungsrunde waren wir bereits bei den nächsten Pagan/Black Metal Quintett angelangt. Die Rothäute von VARG, die sich in letzter Zeit einiges an Kritik anhören mussten, sind lebendiger wie eh und je. Schon am Paganfest 2010 zeigten sie, dass man mit ihnen im Viking Metal Bereich zu rechnen hat. Das versammelte Publikum schien die Show zu genießen. Ganz im Gegenteil zu meinen Befürchtungen. Somit brachten die Hymnen von VARG wie z.B. „Viel Feind, Viel Ehr“ oder „Schildfront“ wieder Laune und Schwung in das Festivalgelände.





Und noch eine Pagan Metal Truppe stand am Programm. Um 18:05 startete die spezielle Show von ELLUVEITIE und FINNTROLL unter dem Namen THE PAGAN ALLIANCE. Das Gelände vor der Mainstage füllte sich. Anscheinend waren viele Menschen gespannt auf die Kooperation der Finnen mit den Schweizern. Leider wurde mir gleich zu Beginn klar, dass man viel Rummel für eigentlich eine mehr oder weniger Standard Show machte. Ein Unterschied war, das mehr Leute auf der Bühne waren. Abwechselnd spielten einmal FINNTROLL und dann wieder ELUVEITIE, wobei gelegentlich Sänger und Gitarristen bei den Kollegen aushalfen. Dazu muss man aber sagen, dass der Sound echt miserabel war. Man hörte nicht, ob eine oder drei Gitarren spielten. Darüberhinaus setzte einige Male Chrigels Mikrofon aus, sodass man ihn nur mit den Händen winken sah, aber kein Wort hörte. Es hatte den Anschein, als ob ihm, aber auch den Soundtechniker, gar nicht bewusst wurde, dass das Mikro im Eimer war. Hätte der Frontman das nämlich gemerkt, hätte er nur in das Mikrofon von seinem finnischen Kollegen Mathias „Vreth“ Lillmåns, welches nur knapp einen Meter versetzt stand, singen müssen. Weniger bei den Bands, sondern viel mehr bei den Soundtechnikern herrschte phasenweise pures Chaos, was aber in Anbetracht der Menge an Leuten und Instrumenten auf der Bühne kein Wunder war. Obwohl das jetzt sehr negativ klingt, war die Menge trotzdem ziemlich begeistert von dem Act und feierte sich ordentlich einen ab. Also trotz ziemlich schlechten Soundbedingungen ging vor der Stage bei Songs wie „Thousandfold“ oder „Trollhammaren“ so richtig die Post ab. Zusammengefasst konnte man sagen, wegen dem großartigen Klangbild der Bands musste man diese Show nicht unbedingt besuchen, dafür umso mehr für die ausgelassene Partystimmung und das rasende Getümmel vor der Bühne.





Um 21:00 Uhr wurde es schließlich Zeit für den Hauptakt des letzten Festivaltages. Die Bay-Area Thrash Legende namens TESTAMENT schaffte es dieses Jahr nach Österreich und nahm eine Menge an Fans mit. Nachdem man 2001 bei Sänger Chuck Billy einen Tumor im Brustbereich diagnostizierte und somit einige Benefizkonzerte für die Band und den Erkrankten veranstaltete, wurde es eine Zeit lang ruhig um TESTAMENT. Als 2008 ihr hammerhartes Album „The Formation Of Damnation“ erschien, hatten einige mit ihnen nicht mehr gerechnet, als ob sie von den Toten auferstanden wären. So kann man sich täuschen. Ihre Songs und ihr Sound hauten einen um. Trotz einsetzenden Regens war das Festivalareal gut gefüllt. Obwohl die Band an sich körperlich nicht mehr über agil wirkte, Chuck spazierte eher auf der Bühne herum, schien es ihnen noch Spaß zu machen. Frontman Chuck Billy spaltete die Menschenmassen zu einer verheerenden Wall Of Death. „I want you guys to kill these guys over there!!!“ stachelte er die Crowd an. Bei “Into The Pit” war genau der Zeitpunkt, wo nicht jeder freiwillig in den Pit wandern wollte, nach dem die Crowd sich nicht scheute, einen Circle Pit nach dem anderen aufzumachen. Es war sehr schön mit anzusehen, was für eine Euphorie TESTAMENT nach so einer langen Pause bei ihren Fans auslösten. Sie stellten einen Weltklasse Headliner für das Metalfest 2010 dar, der jedem zeigte, dass sich das dreitägige Warten im Dreck, im Regen und in der Kälte ordentlich ausgezahlt hat.





Abschließend kann man sagen, dass das Line-Up des Metalfest 2010, durchaus mit den Bands vom letzten Jahr mithalten konnte und genügend Abwechslung bot. Die Location war dieses Jahr um einiges besser gewählt, als letztes Mal, nur spielte leider 2010 das Wetter überhaupt nicht mit, was einige Besucher vorzeitig abreisen ließ. Wahrscheinlich war auch das Wetter mitschuldig an den gelegentlich verkorksten Soundeinstellungen, die manchmal einfach eine Zumutung waren. Ansonsten kann man sich auf nächstes Jahr freuen und hoffen, dass wieder solche Schmankerl mit von der Partie sind.



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Stoney
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Beitrag vom 08.06.2010
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