WACKEN 2010 - TAG1: IRON MAIDEN   MÖTLEY CRÜE   ALICE COOPER   METAL HAMMER AWARDS  
05.08.2010 @ W:O:A Festival Gelänade

Das WACKEN OPEN AIR: 3 Tage lang ein nicht enden wollendes Meer von schwarz gekleideten Gestalten, die unter dem Zeichen der Pommesgabel den besten Metalbands der Welt huldigten. Über 75.000 Metalheads waren es heuer wieder, die zu legendären Bands wie IRON MAIDEN, ALICE COOPER oder ebenso vielversprechenden Newcomerbands wie HACKNEYED oder TÝR ihre Häupter rotierten. Bereits zum fünften Mal in Folge war das W:O:A ausverkauft!



Da war es für die Earshot-Crew natürlich mehr als selbstverständlich, die rund 23 Stunden lange Anreise ins weit entfernte Wacken-Dorf anzutreten. Nach besagter – und nebenbei bemerkt, feuchtfröhlichen- Anreise steht das Zelt gegen 12 Uhr mittags endlich und das erste Bier geht schon wieder runter wie Öl. Die erste Station lautet: Black Stage – Metal Hammer Awards. Leider ist‘s dann doch ein ganz schönes Stück vom Campingplatz „R“ bis zu den Stageareas, aber was will man da großartig machen, wer zuletzt kommt malt zuletzt… Aber egal, denn auf dem Weg zu den Stages gibt’s allerhand zu sehen, denn die Stimmung am Wacken ist gewohnt metallisch, biergeschwängert, ausgelassen – angesichts der nicht eingetretenen schlechten Wettervoraussichten absolut verständlich.

Bei den Metal Hammer Awards, die heuer zum zweiten Mal verliehen werden, kürt eine Jury aus renommierten Musikern, den Metal Hammer Redakteuren und natürlich den Fans selbst ihre Lieblinge in 10 Kategorien. Gehostet wird das Ganze von niemand geringerem als Schmier von DESTRUCTION. Gewohnt lässig und locker leitet er durchs Programm, stets von hübschen Assistentinnen flankiert und natürlich mit einer Flasche Jack Daniels am Pult. Gewinner dürfen sich unter anderem Bands wie BEHEMOTH (Metal Anthem), RAMMSTEIN (Best Album), oder BLIND GUARDIAN (Best German Band) nennen. Schade ist nur, dass nicht sehr viele der Gewinnerbands anwesend sind und somit verliert das ganze schnell an Reiz, wenn auch viele coole Videobotschaften von Lemmy, Kerry King und Co. gezeigt werden. Aber irgendwie scheint es, dass die Metal Hammer Awards – noch - keinen sehr hohen Stellenwert innerhalb der internationalen Metalszene genießen, aber es sind ja erst die zweiten und gut Ding braucht bekanntlich ja Weile. Alle Gewinner der Awards gibt’s bei den Kollegen vom Metal Hammer hier: Metal Hammer Awards Ergebnisse

Gleich darauf geht’s legendär weiter: ALICE COOPER wird bereits von tausenden MeHes auf der nur 100 Meter entfernten True Metal Stage erwartet. Schon sichtlich gealtert, aber immer noch bestens in Form, sitzen die bösen Posen wie eh und je und die schwarze Publikumsmasse frisst ihm aus der Hand. Natürlich hagelt es Hits wie „I'm Eighteen“, „Vengeance Is Mine“ oder „Poison“. Eine theatralische Bühnenshow ist dabei ebenso Pflicht wie der sehr saubere Sound. Mr. Cooper verprügelt eine Frauenpuppe, lässt sich im Rollstuhl spazieren fahren und wird natürlich ein ums andere mal gehängt, geköpft oder von einer Giftspritze getötet. Die deutlich jüngere Liveband rundet die One Man Show durch die unglaubliche Spielfreude und die coolen, aber nicht zu aufdringlichen Gesten perfekt ab. Zum Schluss kommt nochmal richtig Gänsehautstimmung auf, als Alice in einem Onkel Sam Anzug und einer Deutschlandflagge seinen 38 Jahre alten Livekracher „Schools Out“ auspackt und ganz Wacken aus einer Kehle „Schooooools Out Forever!“ singt. Bleibt nur noch zu sagen: Danke, ALICE COOPER, für mittlerweile schon 41 Jahre hässliche Visage und geile Musik!





Die Songs von ALICE COOPER:

School's Out (Part I)
No More Mr. Nice Guy
I'm Eighteen
Wicked Young Man
Ballad Of Dwight Fry
Go To Hell
Guilty
Cold Ethyl
Poison
From The Inside
Nurse Rozetta
Be My Lover
Only Women Bleed
I Never Cry
Black Widow Jam
Vengeance Is Mine
Dirty Diamonds
Billion Dollar Babies
Killer
I Love The Dead
Feed My Frankenstein
Under My Wheels
_________________________
Elected
School's Out


Als ob diese geballte Ladung Old School Rock noch nicht genug wäre, rocken 15 Minuten später die Väter des Sleaze Rocks die Black Stage: Mötley Crüe haben mittlerweile auch schon 29 Jahre auf dem Buckel, was man ihnen aber ebenso wenig ansieht. Wie immer ist Tommy Lee der erste, der sich auf der schick dekorierten Bühne blicken lässt. „Kickstart My Heart“ zündet sodann sofort und verwandelt die gesamte Stage Area in eine ausgelassene Rock-Party. Gleich von Anfang an gibt’s riesige Feuerwerk-Effekte, die, gepaart mit dem Sonnenuntergang, extrem stimmiges Flair aufkommen lassen. Wenig später wird mit „Shout At The Devil“ bereits ein erster Höhepunkt der Show erreicht; es gibt einfach nichts geileres als gut 70.000 Kehlen die Worte „Shout!“ schreien zu hören. „Were are we from?!“ fragt Vince Neil und das Publikum antwortet ihm – natürlich wird jetzt „Saints Of Los Angeles“ gezockt. Die Herren aus Los Angeles wickeln die Crowd mit Leichtigkeit um den Finger, man merkt sofort, dass MÖTLEY CRÜE einen beträchtlichen Anteil der Fans aufs WACKEN gezogen haben. Außerdem lässt sich ein Fan nicht lange bitten und entert kurzerhand die Bühne, um wenigstens einige kostbare Sekunden mit den lebenden Legenden auf gleicher Höhe zu sein. Natürlich wird er sofort von zwei 120 Kilo-Securities niedergerammt – aber das war’s bestimmt wert.

Als Nikki Sixx ein Erinnerungsfoto von der Crowd machen will, steht er einem Meer von erhobenen Händen gegenüber, sichtlich begeistert teilt er uns mit, dass er das Bild ins Internet stellen werde, um den Amis zu zeigen, wie es hier in Deutschland abgeht – man darf sich geehrt fühlen! Letztendlich wird mit „Girls, Girls, Girls“ ein Finale der Extraklasse geboten, denn die CRÜE setzt die Black Stage mit einem riesen Feuerwerk in Flammen, dass es unterm Bühnendach nur so hervorqualmt. MÖTLEY CRÜE – definitiv eines der Highlights am WACKEN 2010.





Die Songs von MÖTLEY CRÜE:

Kickstart My Heart
Wild Side
Shout At The Devil
Saints Of Los Angeles
Looks That Kill
Live Wire
Don't Go Away Mad (Just Go Away)
Same Ol' Situation (S.O.S.)
Mutherfucker Of The Year
Ten Seconds To Love
Dr. Feelgood
Girls, Girls, Girls

Kaum ist der letzte Ton verstummt, strömen alle wieder nach rechts zur True Metal Stage; einen guten Platz für IRON MAIDEN ergattern, heißt es jetzt. Dass es verdammt eng vor der Bühne werden wird, lässt sich jetzt bereits erahnen – man wird an das berüchtigte „IRON MAIDEN – WACKEN – Massaker 2008“ erinnert. Aber egal, für IRON MAIDEN, die Speerspitze des NWoBHM nimmt man so einiges an Verletzungen in Kauf. Eine halbe Ewigkeit später wird mit „The Wicker Man“ losgelegt; wer von den vorhergehenden Bands noch nicht völlig heiser ist, wird es spätestens bei den Worten „Your time will come!“ sein. Natürlich wird beim Headliner der monströse WACKEN-Kopf in der Mitte der beiden Stages entzündet. Mit dem folgenden „Ghost Of The Navigator“ beweisen IRON MAIDEN und die Soundcrew des W:O:A was für einen unglaublich transparenten Sound man trotz dreier Gitarren herbeizaubern kann – ein Ohrenschmaus! Mit den Worten „75 thousand people – here we are again!“ begrüßt Frontmann Bruce Dickinson das Meer von Schwarz vor der Bühne. Der Sänger ist, ebenso wie der Rest der Truppe, bei bester Laune und strotzt nur so vor Energie. Er ist ständig in Bewegung, fegt über die Bretter und macht große Gesten, die irgendwie an eine Mischung aus Capoeira und Ausdruckstanz erinnern. „Blood Brothers“ sorgt mit seinen umfassenden Instrumentalparts für Gänsehautstimmung, außerdem wird der Song dem im Mai verstorbenen Ronnie James Dio gewidmet. Während Nicko McBrain gewohnt präzise und ständig grinsend seine Drums bearbeitet und die vierköpfige Saitenfraktion sich nebeneinander in Pose wirft, muss man sich in Erinnerung rufen, dass diese Herren Legenden sind: Bei ihnen sind die Posen echt, die Kleidung ebenso wie die Spielfreude seit 20 Jahren unverändert; als ob sie nie gealtert wären.





Nachdem Herr Dickinson einige Male auf den kommenden Album-Release von „The Final Frontier“ hinweist, wird beim vorerst finalen Song „Iron Maiden“ ein riesiger Eddy auf die Bühne geholt, der, bestückt mit einer Helmkamera von den Gitarristen bekämpft wird, was einfach nur cool aussieht. Natürlich gibt’s danach noch einen sehr feinen Zugabendreier, bestehend aus unter anderem „The Number Of The Beast“, bei dem ein nicht minder riesiger Minotaurus Flammen aus seinem Maul speit. Mit „Running Free“ verabschieden sich IRON MAIDEN schließlich vom WACKEN OPEN AIR. Fazit: IRON MAIDEN sind und bleiben eine Wand, wenn es um Agilität und Professionalität geht. Einziges Manko war für so manchen die Setlist, die den ein oder anderen Hit wie „The Trooper“ oder „Run To The Hills“ missen ließ. Außerdem hätte Herr Dickinson bei all seinem Herumrennen vielleicht doch etwas auf sein Mikro achten sollen, das durchaus oft, und vor allem hörbar, außer Stimmreichweite geriet. Doch das sind nur Tropfen auf dem heißen Stein.





Die Songs von IRON MAIDEN:

The Wicker Man
Ghost Of The Navigator
Wrathchild
El Dorado
Dance Of Death
The Reincarnation Of Benjamin Breeg
These Colours Don't Run
Blood Brother (Ronnie James Dio gewidmet)
Wildest Dreams
No More Lies
Brave New World
Fear Of The Dark
Iron Maiden
______________________
The Number of the Beast
Hallowed Be Thy Name
Running Free

Und schon war es Mitternacht und man schwärmte noch bei dem einen oder anderen Bier von den genialen Auftritten derartig geiler Bands, die man heute alle auf einmal zu Gesicht bekam.


FOTOS + E-CARDS
www.wacken.com

Doano
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Beitrag vom 31.08.2010
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