WACKEN 2010 - TAG3: FEAR FATORY   SOULFLY   UNLEASHED   OVERKILL   TYR   DEBAUCHERY   CALIBAN   EKTOMORF   
07.08.2010 @ W:O:A Festival Gelänade

Es ist Samstag, der letzte Tag und wieder scheint die Sonne fröhlich vor sich hin als wir frühmorgens um 11:00 Uhr beim gemütlichen Hopfen-Malz-Frühstück sitzen.

Glücklicherweise kein bisschen verkatert, geht's zu den Ungarn von EKTOMORF, die die Blackstage heute einweihen. Herr Zoll Farkas und seine Mannen holzen nach einer epischen Intro auch gleich los und die Wackinger beweisen, dass sie auch nach mindestens 2 Tagen Saufen und Bangen immer noch in der Lage sind abzugehen wie ein Zäpfchen. Der Sound klingt EKTOMORF-typisch ein wenig übersteuert, aber angesichts einer solch feinen Setlist lässt sich darüber sehr gerne hinwegblicken. Farkas bedankt sich freundlich, dass er die Ehre haben darf, am WACKEN zu spielen und gibt sich nicht souverän, aber trotzdem solide. Leider breitet sich nach einer Stunde purem Gebolze dann doch etwas Eintönigkeit aus, was aber gegen Ende mit dem Anspielen von KORN's "Blind" dann doch wieder etwas wett gemacht wird.





Die Songs von EKTOMORF:

Rat War
Show Your Fist
What Doesn't Kill Me
We Rise
Ambush In The Night
I'm Against
Gypsy
Who Can I Trust
Rusty Cage
Outcast
Envy
Fuck You All
Drum Solo
Revenge To All
I Choke
I Know Them


Wen es nach Wacken verschlägt hat mindestens eine Aufgabe zu erfüllen um ein wahrer Wackener zu werden. WACKEN FIREFIGHTERS sind einfach ein Pflichttermin und sollte man mindestens einmal gesehen haben. Wie jedes Jahr verleitete auch heuer wieder die womöglich berühmteste Kapelle der Welt das eher untypische Publikum zum tanzen und mitgrölen. Ein schönes Alternativprogramm.
[Taipan]






Die "Locals" von CALIBAN ziehen sodann mächtig viele Leute vor die True Metal Stage und zünden ein Breakdown-Feuerwerk vor dem Herren. Verglichen mit EKTOMORF wird hier ein viel besserer Sound geboten und die Melodien kommen sehr gut zur Geltung. "Habt ihr Spaß? Wir auch!" und CALIBAN beweisen, dass - Trend hin oder her - der Metalcore nach wie vor nicht tot zu kriegen ist. Natürlich liegt das Hauptaugenmerk der Songs am aktuellen Album "Say Hello To Tragedy" und die Deutschen werden ziemlich fett abgefeiert, obwohl sie angesichts des Pit- und Wall Of Deathverbots ein kleines bisschen angepisst wirken, doch das wird weder am Publikum noch am Sound ausgelassen.





Die Songs von CALIBAN:

Love Song
It's Our Burden To Bleed
I Rape Myself
No One Is Safe
I Will Never Let You Down
I've Sold Myself
Calibans Revenge
Between The Worlds
24 Years
Liar


Während UNLEASHED, OVERKILL und Co. die Massen weiterhin mit ihrem Metal bearbeiten, nehmen wir uns mal die Zeit das Camping-Area, sowie den Pressebereich ein bisschen unter die Lupe zu nehmen.
Am Campingplatz geht´s wie immer ziemlich Rund. Etliche MeHe-Gruppen sind mehr oder minder mit ihrer gesamten Wohnzimmereinrichtung am WACKEN vertreten; Kühlschrank, Bierbänke, Sofas, Tische, Stehlampen, Feldbetten, alles da, was man braucht, eine fette Musikanlage inklusive Mischpult darf da natürlich auch nicht fehlen. Sogar eine Art kleines Bierzelt wurde aufgestellt - sind die überhaupt noch wegen den Bands hier?

Unsere Aufmerksamkeit wird bald auf einen Wagen mit montiertem Lautsprecher gezogen, der sich seinen Weg durch die Massen am Campingplatz bahnen will: "Bitte nicht mit Brot auf mein Auto werfen!", versucht sich der Fahrer zu verteidigen, wohlwissend, dass das nur noch mehr Brot auf seinem Wagen zur Folge hat. Kurz darauf wird mit Wurst und Käse die Brettljausn an der Windschutzscheibe perfekt und jemand sammelt Geld dafür, besagte "Jausn" von der Scheibe zu lecken.

In der Pressearea geht's da wenigstens professioneller zu. Die WACKEN-Veranstalter nehmen sich die Zeit, zusammen mit Vertretern der Polizei und der Notdienste den Journalisten Antwort zu stehen. Vermehrt wird hier die Massenpanik in Duisburg angesprochen, doch das seit 21 Jahren ausreifende Sicherheitskonzept des W:O:A spielt einfach in einer anderen Liga und man kann den Veranstaltern sofort glauben, dass das WACKEN in Sachen Organisation definitiv kaum Wünsche offen lässt. Außerdem zählt das Festival ja zu den friedlichsten der Welt - 18 Anzeigen wegen Körperverletzung gab es laut Veranstalter innerhalb einer Woche (von Samstag bis Samstag), und diese Zahl wird bei jedem Volksfest an einem Tag übertroffen. Auch für das Wall Of Death- und Circlepitverbot muss sich gerechtfertigt werden, denn einige Bands schienen etwas angepisst, nicht dafür auffordern zu dürfen, bei JOB FOR A COWBOY musste scheinbar sogar von der Polizei eingegriffen werden. Die Begründung, warum man Pits und dergleichen verbieten möchte, gehören diese Sachen doch zu einem Metalkonzert wie das Amen zum Gebet, wird simpel gehalten: Es gab zu viele Verletzte.





Setlist JOB FOR A COWBOY:

Unfurling A Darkened Gospel
Constitutional Masturbation
Lords Of Chaos
Knee Deep
Bearing The Serpent's Lamb
Reduced To Mere Filth
Regurgitated Disinformation
To Detonate And Exterminate
Ruination
Entombment Of A Machine
Embedded Play Video



Bei so viel Diskussion und Information wächst natürlich wieder die Gier nach Metal, besser gesagt nach Death Metal. Doch anstatt den Veteranen von CANNIBAL CORPSE beizuwohnen, zieht es mich ins Zelt der W.E.T.-Stage um bei literweise Blut DEBAUCHERY zu sehen.

Während Kollege Doano sich mit DEBAUCHERY durch's Set metztelt, fröhne ich der Death Metal Legenden. CANNIBAL CORPSE hielt die Securitys ganz schön auf trapp. Links unten auf der Video-Wall zeigte es beinahe durchgehend „Fan Fail“ an. Im Gegensatz zu Caliban hielten sich die Amerikaner nicht an das Wall of Death bzw. Circle Pit Verbot. Eine Ansage des Frontsängers und die Menge teilte sich blitzartig. Der erste Ton von „Hammer Smashed Face„ ertönte und die Meute rannte aufeinander zu als gäbe es keinen Morgen. Auch die Circle Pits fielen bei vielen Songs nicht gerade schwach aus. Stimmung pur kann man da nur sagen.
[Taipan]






Setlist CANNIBAL CORPSE:

Scalding Hail
Unleashing the Bloodthirsty
Savage Butchery
Sentenced to Burn
The Wretched Spawn
I Will Kill You
I Cum Blood
Evisceration Plague
The Time To Kill Is Now
Death Walking Terro
Make Them Suffer
Priests Of Sodom
Staring Through The Eyes Of The Dead
Hammer Smashed Face
-
Stripped, Raped and Strangled



Zurück zur Wet Stage: In typischer DEBAUCHERY-Tracht (blutüberströmtes Gesicht und nackter Oberkörper) zeigt sich Chef Thomas Gurrath und fragt nach dem ersten Song: "Is the sound okay, Wacken?" Jubel im voll besetzten Zelt beweist ihm: Ja der Sound ist geil, die Songs auch, macht weiter! Nur leider kommt Gurrath's Stimme nicht ganz so gurgelnd böse rüber wie auf CD. Natürlich wird die Death And Roll Keule mächtig geschwungen und Songs wie "Back In Blood" oder "Fucking War Machine" hauen mächtig rein. Herr Gurrath freut sich, dass trotz CANNIBAL CORPSE immer noch so viele Fans den Weg ins Zelt gefunden haben und nennt es, wie schon so viele Bands zuvor, eine Ehre hier zu zocken. Als Dankeschön gibt's die obligatorische blutüberströmte Striperin und weitere Groovemonster wie z.B. "Blood For The Blood God", dessen Intro mit erhobenen Fäusten im Chor gegrölt wird. Am Schluss wird die Forderung von "Kill Maim Burn" im Publikum immer größer und DEBAUCHERY erfüllen diesen Wunsch natürlich gerne als Finale.







Danach begeben wir uns Richtung Wackinger-Stage zu den Farör-Folkmetallern von TYR. Leider merkt man auch hier die Nachteile der absolut unglücklich platzierten und viel zu kleinen Wackinger Stage. Noch dazu geht's zur Stage hin etwas bergauf. Steht man nicht gerade in den ersten fünf Reihen, sieht man nix von dem passend episch gekleideten Vierer. Dennoch ist der Andrang auf die kleine Stage wieder riesig und Frontmann Heri Joensen freut sich, dass heuer noch viel mehr erhobene Fäuste als 2007 vor der Stage sind. "By The Sword Of My Hand" eröffnet die Show und wird gleich vom genial mehrstimmig gesungenen "Trondur I Gotu" gefolgt. Stimmlich sitzt da bei den Mannen alles, nur leider sitzt nicht jedes Gitarrensolo, da wird auf CD viel tighter gezockt. Sympathisch sind TYR dafür umso mehr, die Spielfreude ist ihnen ins Gesicht geschrieben, außerdem werden bei Songs wie "Hail To The Hammer" oder "Hold The Heathen Hammer High" die Trinkhörner im Publikum gehisst und kräftig mitgesungen. Tyr-Rufe erschallen. Das ziemlich geile Cover "Wild Rover" und der dänische Traditional-Song "Ramund Hin Unke" beenden einen viel zu geilen Gig auf einer viel zu kleinen Stage, an einem viel zu blöd gewählten Platz.





Die Songs von TYR:

By The Sword In My Hand
Tróndur Í Gøtu
Regin Smi_ur
Ólavur Riddararós
Sinklars Vísa
Hail To The Hammer
Hold the Heathen Hammer High
Northern Gate
Lokka Táttur
The Wild Rover
Ramund Hin Unge


Nun war es wieder Zeit seinen Metal-Schminkkoffer auszupacken um sich stilgerecht das Gesicht zu bemalen, Selbstverständlich nur in schwarz und weiß - Grund daür waren natürlich IMMORTAL. Was einige Besucher da Künstlerisches kreiert haben war teilweise wirklich bewundernswert. Rauchschwaden füllten die Bühne und furchteinflößende schwarze Gestalten traten vor die Mikros. Düster ertönten die Gitarren von Immortal von der Stage. Trotz der späten Stunde und des letzten Festivaltages war das Konzert gut besucht. Auch einige Crowdsurfer waren noch zu sehen. Die Nummern variierten von neueren Songs wie „All Shall Fall“ oder alten wie „One by One“.
[Taipan]





Setlist:

All Shall Fall
Sons of Northern Darkness
The Rise of Darkness
Damned in Black
Hordes to War
Norden on Fire
Withstand the Fall of Time
Beyond the North Waves
One by One


Die Glieder schmerzen, die Ohren bluten, aber zu SOULFLY muss man sich noch hinschleifen. Und die blasen einen schlichtweg den letzten Batzen Hirn aus der Rübe. Mit "Blood Fire War Hate" wird losgemezelt und das Gaspedal die ganze folgende Stunde nicht im Ansatz zurückgetreten. "Seek 'N' Strike" und "Back To The Primitive" dröhnen, ähnlich wie bei EKTOMORF, in typischem aber nicht unbedingt schlechtem Soundbrei aus den Boxen. SOULFLY geben den Fans allen musikalischen Grund durchzudrehen und Max Cavalera und Co frenetisch abzufeiern. Schmunzeln muss man außerdem auch, angesichts der immer wieder aufleuchtenden "No Circle Pits!"-Warnungen auf den Videowalls, denn ein Riesen Pit im Publikum, ein vehement dazu auffordernder Max Cavalera auf der Bühne und die süßen Verbotsschildchen in den Videowalls ergeben einfach ein zu geniales Bild! Natürlich dürfen auch die SEPULTURA Klassiker "Refuse/Resist", "Troops Of Doom" und "Roots, Bloody Roots" nicht fehlen, bei "L.O.T.M" wird sogar ein geniales PANTERA-Cover ausgepackt: "Walk"! Diesen Riff live zu hören lässt einen einfach niederknien "Re-Spect!" Das finale "Jumpdafuckup/Eye For An Eye" lässt ein letztes mal keine Gefangenen nehmen und hinterlässt eine absolut dankbare und ebenso kaputte, staubige Crowd. Gerne wieder!


Die Songs von SOULFLY:

Blood Fire War Hate
Prophecy
Seek 'N' Strike
Back To The Primitive
Babylon
Kingdom
Refuse/Resist (SEPULTURA)
Bloodbath and Beyond
L.O.T.M/Walk (PANTERA)
Porrada
Drum-Jam
Troops of Doom (SEPULTURA)
Rise Of The Fallen
Roots Bloody Roots (SEPULTURA)
Jumpdafuckup / Eye For An Eye

Mit extrem fetten aber transparentem Sound gebe FEAR FACTORY nochmals fast eine Spur mehr Gas als SOULFLY. Die Melodien hauen sofort rein und Sänger Burton C. Bell hat die Menge ziemlich gut im Griff. Obwohl FEAR FACTORY in letzter Zeit mit dem "Sorgerechtsstreit" um den Bandnamen eher für Negativschlagzeilen gesorgt haben, merkt man am WACKEN-Auftritt dann doch was eigentlich im Vordergrund steht: Die Musik - und die geht immer noch verdammt gut in Nacken und Haarschopf. Ein immer noch ziemlich übergewichtiger, aber genialer Dino Cazares beweist als mächtige Riffmaschine, dass die Wiedervereinigung mit Sänger Bell eine mehr als gute Idee war und auch der Rest der Truppe geht ab, als gäbe es kein Morgen. Leider zwingen uns die Strapazen der letzten Tage dann doch frühzeitig in die Knie und wir begeben uns ein letztes mal Richtung Zeltplatz, diesmal glücklicherweise ohne sich zu verlaufen.





Setlist FEAR FACTORY:

Mechanize
Shock
Edgecrusher
Acres of Skin
Linchpin
Powershifter
Fear Campaign
Martyr
Demanufacture
Self Bias Resistor
Zero Signal
Replica


Bevor's am Sonntag um 7 Uhr morgens nach einer letzten durchzechten Nacht, im Bus Richtung Heimat geht, bleibt noch kurz Zeit für ein Resümee: Dem WACKEN OPEN AIR merkt man in seiner 21. Ausführung die Reife und Professionalität sofort an. Keine Band war enttäuschend, der Sound immer mindestens erträglich und die Stimmung trotz Pitverbot stets schwer Metallisch. Die Preise an den Ständen und Bars sind verglichen mit größeren Festivals immer noch knapp im Rahmen (3,50 für 0,5l Bier plus 1 Euro Becherpfand), Auswahl gibt's bei den Getränken (mehrere Biersorten, Kaffee, Cocktails…) und beim Essen (Pizza, Brötchen, Würstchen, Nudeln…) mehr als Genug und das Security-Team ist sehr professionell, reagiert immer angemessen und steht stets mit Rat und Tat zur Seite. Off-Programm ist außerdem mehr als genug vorhanden, zeitweise vergisst man angesichts von Freakshows, Schlammketschen, Wet-T-Shirt Contests, der lustigen Jägermeister-Bar, des Mittelaltermarktes usw. gerne mal, dass es auch Bands zu bestaunen gibt. Alles in allem war das WACKEN 2010 eine Wand - Punkt! Sogar das Wetter hat bis in die Nacht vom Samstag auf Sonntag brav durchgehalten! Liebes WACKEN OPEN AIR: Wir sehen uns nächstes Jahr!



FOTOS + E-CARDS
www.wacken.com

Doano
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Beitrag vom 09.09.2010
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