ANNIHILATOR   SWORN AMONGST   SVÖLK  
30.10.2010 @ Komma

Es sind schon einige Jahre ins Land gezogen, seitdem Vancouvers Thrash Institution ANNIHILATOR das letzte Mal Österreich beehrte. Außerdem durfte man bei den vergangenen Besuchen Jeff Waters und Dave Padden nur als Special Guest von ICED EARTH und TRIVIUM mit verkürztem Set erleben, somit war klar, dass die aktuelle Headlinertour besucht werden muss, koste es was es wolle. Im Endeffekt nur eine zweiundhalbstündige Autofahrt in das Tiroler Städtchen Wörgl.

Bevor wir die Jungs auf der Bühne bewundern dürfen, geht es aber erstmals in den Backstagebereich des gemütlichen Komma, um Jeff und Dave zum Interview zu begrüßen. Nach diesem genialen, unterhaltsamen und ebenso interessanten Gespräch, agieren bereits die Norweger SVÖLK auf den Brettern. Meine Befürchtung, dass die mir gänzlich unbekannte Truppe, wie der Name vielleicht vermuten lässt, typischen nordischen Pagan/Viking Metal von sich geben werden, bewahrheitete sich zum Glück nicht. Dafür bieten die Männer coolen Südstaaten-Stoff. ZAKK WYLDE und ZZ TOP lassen grüßen und auch optisch könnte man meinen, Amis auf der Bühne zu haben. Halblange, verschwitzte Matten in casual wear und unrasierten Gesichtern, zieren die Truppe, die es im Komma gehörig stauben lassen. Bear Metal nennt die Truppe den Sound und was auch immer dies bedeuten soll, es macht Spaß und Lust auf mehr, aber nach knapp 30 Minuten ist dann auch schon wieder Schluss.



Kurz darauf betritt eine äußerst junge Band mit dem Namen SWORN AMONGST aus England die Bühne, um ihren Thrash zu präsentieren. Auch die Briten haben definitiv einen amerikansichen Einschlag in ihrem Sound, denn Truppen wie LAMB OF GOD oder DEVILDRIVER sind unüberhörbar und lassen den dynamischen Auftritt auch technisch hochwertig klingen. Leider wirken die Songs großteils etwas unausgegoren und wollen nicht wirklich zünden. Zu oft hat man diese Art von Thrash Metal bzw. NWOAHM schon gehört und sich vielleicht auch ein bisschen abgehört. Als Anheizer macht man aber definitiv eine gute Figur.



Irgendwann nach 22:00 ist es nun endlich soweit und die Spannung ist nicht mehr auszuhalten, bis dann endlich Jeff Waters in schleichendem Gang auf die Bühne kommt, gefolgt von Tour-Drummer Carlos (H-GEORGE, OVERMASTER) aus Italien, Tour-Basser Al „The Killer“ Campuzano(WARMACHINE) und natürlich Gesangstalent Dave Padden, der gleich den neuen Knaller „Ambush“ anstimmt. Und schon ist die Stimmung, die sich durch das folgende „Clown Parade“ nochmal steigert, prächtig. Die Kanadier spielen als gäbe es kein Morgen und um ihr Leben. Eine Energie, eine Freude und Power, die man bei so manch Musiker, der schon 25 Jahre musikalisch unterwegs ist, nicht mehr so oft findet. Jeff Waters lebt und liebt den Metal, sowie ANNIHILATOR. Mit Dave bildet er nun nach vier Alben und sieben Jahren eine Einheit, die man so nicht mehr erwartet hätte. Wechselte doch Jeff immer wieder seinen Sänger aus.



Mittlerweile ist auch nicht mehr zu unterscheiden, wer denn hier der Fronter ist, denn während Dave die aktuellen Nummern singt, übernimmt Jeff so manch Klassiker, wie das grenzgeniale „King Of The Kill“, Teile von „W.T.Y.D. (Welcome To Your Death)“ oder „Phantasmagoria“ und unterstützt seinen Kollegen gesanglich, wo es nur geht. Nach den kleinen Überaschungen „The Box“ und „Hell Is A War“, die so eigentlich nicht zum Standard Repertoire gehören, stoppt Mr. Waters den ultimativen Nackenbrecher „Ultra-Motion“ nochmal, um den Mann am Mischpult zu bitten, das Licht auf die Zuschauer zu lenken und die Bühne zu verdunkeln. Das heizt die knapp 300 Anwesenden, die so schon abgingehen wie Wahnsinnige nochmals an, während der Meister seine Gitarrensammlung um eine weitere leuchtende Gitarre erweitert. Sieht einfach cool aus, wenn fast kein Licht auf der Bühne ist und die Leds der Gitarre nur so über die Bühne flitzen, während der Bediener ständig am Grinsen ist und eine Grimasse nach der anderen zieht.

Aber bei dem vielen Lob, darf man auch die Tourmusiker nicht unbeheligt lassen, denn diese fügen sich in diese Einheit Waters/Paddon perfekt ein und ließen sich nicht in den Hintergrund schieben. Al, ebenso gut aufgelegt und mit fröhlichem Gesicht liefert eine dynamische Performance und hat auch keine Mühe die Klassiker zu spielen. Und auch Drummer Carlos ist ein technisch starker Drummer, der dank fettestem Sound für gehörig Druck sorgt.



Es wird Zeit für eine wirkliche Überraschung, denn nachdem man die Solo-Orgie „The Trend“ und mit „The Fun Palace“ einen weiteren Hit abfeierte, stehen plötzlich drei Hocker auf der Bühne und Jeff stellt seine Gitarre auf Akustik-Modus um, denn es ist Zeit, die unerwarteten „Phoenix Rising“ und „Sounds Good To Me“ zum Besten zu geben und spätestens hier sollte klar sein, dass er Dave Padden nicht mehr hergeben darf. Seine Stimme erzeugt bei diesen Balladen Gänsehaut und zeigt das große gesangliche Spektrum des Mannes auf. Nun wartet aber alles auf das Grande Finale und es ließ nicht lange auf sich warten. „Crystal Ann“ stimmt einen, nach der weiteren Überraschung „21“, auf den Überhit der Band und ewigen Rausschmeißer „Allison Hell“ ein. Jeff verkündet "go crazy - it's your last chance!" und der Song lässt die Stimmung erneut hochleben, bis sich die Truppe ausgiebig und lange mit Handshakes, Verbeugungen und Geschenken in Form von Drumsticks und Guitarpicks unter lauten Zugabe-Rufen verabschiedet.






Setlist ANNIHILATOR:

Ambush
Clown Parade
Plasma Zombie
King Of The Kill
Betrayed
The Box
Hell Is A War
Ultra-Motion
Set The World On Fire
W.T.Y.D.
The Trend
The Fun Palace
-
Phoenix Rising
Sounds Good To Me
21
Phantasmagoria
-
Crystall Ann
Alison Hell

Nach ganzen 90 Minuten ANNIHILATOR, steht man verschwitzt und mit schmerzendem Körper vor der Bühne und kann nicht mehr, aber man hat doch nicht genug. Die Truppe sprudelt nur so vor Energie und Spielfreude auf der Bühne, die man sieht, hört und auch spürt. Bitte kommt bald wieder!


FOTOS + E-CARDS
www.annihilatormetal.com

maxomer
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Beitrag vom 04.11.2010
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