STUCK MOJO   BLACK SWAN   LIES  
01.11.2010 @ Posthof

An Allerheiligen boten STUCK MOJO, LIES und BLACK SWAN in Linz ein Kontrastprogramm zum besinnlichen Totengedenken. Statt Ruhe und Nachdenklichkeit am Friedhof gab es Dezibel und Ausgelassenheit im Posthof. Im mittleren Saal hielt sich der Andrang in Grenzen, als BLACK SWAN ihren Gig begannen. Rund 30 Fans standen lose verteilt zwischen Bühne und Mischpult. Das änderte sich jedoch rasch. Das Quintett aus Irland begeisterte vom ersten Augenblick ihres Sets mit großer Spielfreude. Schon nach der dritten Nummer hatten sich die Freunde harter Mucke zu einem Pulk versammelt, der direkt vor den Musikern Köpfe schüttelte und Fäuste gen Himmel - respektive Hallendecke – reckte. Höhepunkt war das DIO-Cover „Don’t Talk To strangers“, bei dem die Band den verstorbenen Gesangsgott in gekonnter Manier huldigte. Dass die Burschen nicht nur ihre Instrumente beherrschen sondern auch sehr sympathisch sind, bewies die Band nach ihrem Gig. Vollzählig vor dem Merchandising-Stand versammelt wurde dort munter mit den Fans geplaudert. Übrigens kamen die Iren durch ein Konzert mit FOZZY zu ihrer ersten Tour. FOZZY- und STUCK MOJO-Mastermind Rich Ward war von BLACK SWAN so angetan, dass er sie kurzerhand als Support-Act von STUCK MOJO engagierte.



Richtig aufgewärmt wartete das Grüppchen Fans auf die nächste Combo. So erfrischend die BLACK SWANs sich präsentierten, so nüchtern taten dies LIES . Die Band aus Frankreich setzte neben harten Gitarrenriffs auf viele Samples. Die Symbiose dieser beiden Musikelemente brachte die Kapelle leider während des ganzen Sets nicht auf die Reihe. Auch die Soli waren keine Ergänzung der Musik, sondern sägten am ohnehin brüchigen Soundgebäude. Die Instrumente waren mit knochentrockenem Sound versehen, der Sänger jedoch kaum zu hören. So war es nicht verwunderlich, dass immer mehr Fans den Saal Richtung Bar verließen, um sich dort mit einem Bier auf den Headliner einzustimmen.



Und der ließ sich reichlich Zeit, bis er sich seinen Fans zeigte. Über eine halbe Stunde nach dem unrühmlichen Abgang von LIES kamen STUCK MOJO auf die Bühne. Die Combo präsentierte sich spritzig und zog das Publikum vom ersten Akkord an in ihren Bann. Mittlerweile hatten sich rund siebzig Fans im Saal versammelt. Und die Bandbreite des Publikums war beachtlich. Vom Parade-Metalhead mit langer Mähne und Kutte über den klassischen Rapvertreter mit Kappe und XXL-Hose bis hin zur leicht bekleideten Gothic-Dame mit schickem Lederschuhwerk war alles vertreten. Eines vereinte alle: der Spaß. Diesen verströmte die Combo aus Atlanta von Anfang an. Überragend war die Performance von Rich „The Duke“ Ward. So wie immer, muss man wohl sagen. Auch bei seinen bisherigen Gastspielen im Posthof in Linz sowie in der Spinnerei in Traun hat der Mann eine Bühnenperformance hingelegt, von der die meisten Gitarristen nur träumen können. Ward tanzte mit seiner Gitarre über die Bühne, wie es so manch Popsternchen ohne Sechssaiter in 100 Jahren nicht zustande bringen wird. Der Mann hat eine Geschmeidigkeit und Ausdauer, die so manch 20-Jährigen vor Neid erblassen lässt. Und The Duke hat als einzig verbliebenes Gründungsmitglied von STUCK MOJO immerhin schon 40 Lenze auf dem Buckel. Immer wieder faszinierend ist die Fehlerlosigkeit, mit der er seine Klampfe zupft, obwohl er wie ein Wirbelwind über die Bühne bläst.



Größer könnte der Kontrast zu Sänger „Lord Nelson“ nicht sein. Der Hüne bewegte sich sehr bedächtig über die Bühne. Sein Mienenspiel war dafür umso beachtlicher. Der Mann kann Grimassen schneiden, die selbst Jim Carrey Respekt abringen würden. Sein Rap-Gesang ergänzte sich hervorragend mit den cleanen Vocals von Ward. Bassist Sean Delson musste neben den beiden in den Hintergrund rücken. Delson nahm es jedoch gelassen, war mit seinem soliden Spiel die Ruhe selbst und suchte und fand immer wieder den Kontakt mit der ersten Reihe. Schlagzeuger Frank "Bud" Fontsere sorgte mit seiner Schießbude für den packenden Groove der Combo und ließ die Drumsticks immer wieder um seine Finger kreisen. Als das Kunststück einmal nicht gelang, freute sich ein Fan über das unerwartete Souvenir in Form eines STUCK MOJO-Drumsticks. Zwischen den Songs fand The Duke immer wieder Zeit für den einen oder anderen Schmäh. Der Mann hätte auch Comedian werden können. Wortwitz und Schlagfertigkeit in dieser Kombination sind bei Gitarristen die ganz rare Ausnahme. Als Mojo dann auch noch „Rising“ und „Southern Pride“ spielten, gab es vor der Bühne kein Halten mehr. Es wurde gehüpft, gebangt und mitgebrüllt, als ob es kein Morgen gäbe. Nach einer Stunde und fünf Minuten war das Konzert vorbei. Publikum und Band waren gleichermaßen zufrieden und durchgeschwitzt.




Enemy Territory
Trick
F.O.D.
Thats When I Burn
Metal is Dead
Tears Play
Monster
Twisted
Throw The Switch
Open Season
Rising
Southern Pride
2 Minutes Of Death
Not Promised

Fazit: Ein sehr unterhaltsamer und bewegungsfreundlicher Abend. Selten habe ich eine Band - allen voran The Duke – bei einem Gig so viel lachen gesehen wie STUCK MOJO. Die US-Truppe scheint ihren Job tatsächlich zu lieben. Die Band hätte sich mehr als die rund 70 Leute verdient, die sich im Posthof eingefunden haben.


Beitrag von Daniel Wolf
www.stuckmojo.us

gast
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Beitrag vom 08.11.2010
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