DAVID GARRETT  
21.11.2010 @ Olympia Halle

Man kann ihn wahrlich als Wunderkind bezeichnen. Mit seinen erst 30 Jahren hat der Mann schon eine Traumkarriere hinter sich, auf der er sich bis zum Ende seines Lebens ausruhen könnte. Mit der Klassik und dem Rock großgeworden, begann DAVID GARRETT nach einigen Jahren, die er einzig der Klassik widmete, seine zweite, die er auf seiner millionenteuren Stradivari ausübt, einfließen zu lassen. So treffen nun die Urväter der klassischen Musik wie VIVALDI, BEETHOVEN oder Gitarrenmeister SARASATE auf Rock und Metalgrößen wie den GUNS’N’ROSES, AEROSMITH oder METALLICA.

Bereits seit über einem halben Jahr waren die beiden Shows in München sowie der Wien-Gig ausverkauft. Grund genug für den sympathischen Mann schon für nächsten Sommer, Zusatzshows für seine aktuelle „Rock Symphonies“–Tour bekannt zu geben. Bei unserer Ankunft in der Münchner Olympiahalle tummelten sich schon allerlei Freunde der klassischen Musik in der großen Halle. Ich habe schon oft gemischtes Publikum gesehen, aber so durchgemischt wie hier, sah ich noch kein Konzert, das mit Rock zu tun hatte. David gilt nicht umsonst als Schönling und zog somit unzählige Frauen jeden Alters an, sodass Oma und Enkelin nicht selten gemeinsam gesehen wurden und der Frauenschnitt sicher bei 70% zu zählen war. Aber neben der genannten Oma, konnte man dann auch vielleicht den ein oder anderen Old-School-Rocker mit Matte und Bart entdecken, der wiederum vor sich einen Businessman in Anzug sitzen hatte.



Aber zurück zum eigentlichen Thema. Gegen 20:00 Uhr ging das Licht aus und das vierzigköpfige Orchester aus Frankfurt stieg auf die Bühne, gefolgt von der 5-Mann Band, die David noch mit im Gepäck hatte und es wurde schon lautstark gejubelt.

Kurz darauf schwenkt der Schweinwerfer suchend durch die Halle und David erscheint bei einem Seiteneingang und eröffnete das Set mit einem Klassiker, der jeden Rockfan der ersten Stunde zum Dahinschmelzen brachte. Die Damen schmolzen, dem Gekreische nach zu urteilen aus anderen Gründen, und der 1974 geschrieben Klassiker „Kashmir“ von den legendären LED ZEPPELIN erzeugte sofort Gänsehaut. Mit fetten Orchesterklängen untermalt nahm der Song noch ganz andere Dimensionen an, verließ aber nicht die Originalpfade und kann so als überaus gelungen bezeichnet werden – was sollte also noch passieren?



Kurz begrüßt er München und fährt weiter im Programm. Die ältere Generation wurde mit LUDWIG VAN BEETHOVENs „Fünften“ angesprochen. Doch auch diese wurde härter denn je dargeboten. Grund dafür war aber auch seine absolut starke Band, in der sich Musiker aus seiner Wahlheimat Amerika befanden. Doch diese Männer wurden nicht zu Statisten degradiert, nein Gitarrist Marcus Wolf stellt David bei „November Rain“ sogar fast in den Schatten und lässt dank starken Soli, die Slash nicht besser machen könnte, den Geiger sogar recht alt aussehen. Neben ihm bedienten Jeff Allen den Bass, Franck van der Haydn die zweite Gitarre, John Hayden das Piano und Jeffrey Ryan Lipstein die Drums.

Man mag Tickets ab €69,- vielleicht teuer finden, doch es wurde auch was dafür geboten, denn neben zwei Stunden Musik auf höchstem Nivaeu, feuerte man auch Pyros, Feuerwerk und kiloweise Lametta durch die Halle. Außerdem gab es eine schöne Lasershow, eine Videowall und einen - zwar anfangs zu leisen - Sound, der sich aber soweit besserte, sodass die ältere Dame neben uns auf den Rängen sich immer mal wieder die Ohren zuhalten musste.



Zwischen den Songs plauderte der wirklich sympathische und am Boden gebliebene Vollblutmusiker etwas aus dem Nähkästchen und versuchte sich etwas als Comedian. So hörte man Geschichten aus seinem Leben, in denen ein selbstgebauter blinder Passagier, ein 20 Jahre altes Hanuta oder auch ein HP Kerkeling Double die Hauptrollen spielten. Ob diese witzigen Stories wirklich alle so passierten oder etwas ausgeschmückt wurden sei dahingestellt, aber es zeigte einfach, dass er auch die Nähe zum Publikum suchte.

Doch zurück zur Musik. Es sollten noch Nueinterpretationen von „Walk This Way“ (AEROSMITH), „Master Of Puppets“ (METALLICA) und „Smells Like Teenspirit“ (NIRVANA) folgen, die allesamt in der „classic-meets-rock“ Form astrein funktionierten. Aber auch Gitarrenhelden wie ISAAC ALBÉNIS oder Pop-Ikone MICHAEL JACKSON („Smooth Criminal“) wurden orchestral vorgetragen.

Nach nicht ganz zwei Stunden verließen er und die Band die Bühne, kamen aber wie angekündigt für noch ein Stück, nämlich EDVARD GRIEGs berühmte „Suite Nr.1“ oder besser bekannt als „Hall Of The Mountainking“. Es folgte ein erneuter Abgang unter ohrenbetäubendem Jubel und Standing Ovations und die Rückkehr für „Hey Jude“ von den BEATLES, bei dem er ein Handy-Display-Meer verlangte, welches ziemlich cool aussah.




Unter anderem gespielt:

Kashmir (LED ZEPPELIN)
Smells Like Teen Spirit (NIRVANA)
The 5th (BEETHOVEN)
Child’s Anthem (TOTO)
80th Anthem
Cantos De Espana (ISAAC AIBANÉS)
Vivaldi vs. Vertigo
Walk This Way (AEROSMITH)
Rock Symphony
Pirates Of The Carribean Theme
Joto Navarra (PAPLO DE SARASATE)
November Rain (GUNS’N’ROSES)
Toccata (J.S. BACH)
Zorba‘s Dance (MIKIS THEODORAKIS)
Czardas (VITTORIO MONTI)
Smooth Criminal (MICHAEL JACKSON)
Master Of Puppets (METALLICA)
Mission Impossible Theme
Rockin' All Over The World (STATUS QUO)
Rock’N’Roll (LED ZEPPELIN)
Thunderstruck (AC/DC)
-
Peer Gynt Suite Nr. 1 – Hall Of The Mountain King (EDVARD GRIEG)
-
Hey Jude (THE BEATLES)

Nun war aber wirklich Schluss und erneut konnte ich erleben, wie schön Rock und Klassik miteinander harmonieren und nicht nur Gegensätze im Publikum zusammenführen, sondern auch Generationen, die gemeinsam ein fantastisches Feuerwerk der Musik erleben durften. Fette Riffs trafen hier auf einen ebenso dicken Orchestersound und einen begnadeten Musiker, der eine super Show hinlegte.



FOTOS + E-CARDS
www.david-garrett.com

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Beitrag vom 24.11.2010
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