AVANTASIA  
04.12.2010 @ All-Kart-Halle

Wer dachte, er hätte mit den Auftritten von Power Metal Kalibern wie BLIND GUARDIAN, GAMMA RAY, HELLOWEEN oder SONATA ARCTICA bereits das Wichtigste und Beste in diesem für dieses Genre grandiosen Jahr gesehen, der hat die Rechnung nicht mit Tobias Sammet und seinem Monumentprojekt AVANTASIA gemacht. Sollte das also das Grande Finale des Power Metals im Jahr 2010 sein? Wir werden sehen…

Nicht nur, dass er mit den aktuellen Werken “The Wicked Symphony” und “Angel Of Babylon” für sehr viel Aufsehen sorgte und allerlei weltberühmte Gäste dafür gewinnen konnte, er hat ja auch noch die “The Metal Opera” Teile in der Hinterhand. Und wäre das noch nicht genug, schreibt Tobi mit der Zusammenkunft dieses Live-LineUps auch noch Geschichte. Neben bekannten Gesichtern, die schon vor einigen Jahren mit auf Tour waren und die Festivals in Atem hielten, unter denen sich Amanda Somerville, Jorn Lande (MASTERPLAN), Bob Catley (MAGNUM), Felix Bohnke (EDGUY) oder Lieblingsproduzent Sasha Paeth, der schon tausende Metalbands im Studio begrüßte, befinden, wurden so manch Überraschungen verlautbart.



Vor allem die Rückkehr zum livehaftigen Power Metal von Michael Kiske (Ex-HELLOWEEN, UNISONIC) hätte keiner mehr für möglich gehalten, aber Fan und Freund Tobias hat es geschafft, das Idol von Millionen für AVANTASIA singen zu lassen. Als HELLOWEEN Fan der ersten Stunde ist das schon ein Traum, aber dass dann daneben auch noch Ur-Kürbiskopf Kai Hansen (Ex-HELLOWEEN, GAMMA RAY) in die Saiten hauen wird, war wohl mehr als unvorstellbar. Aber der Meister schaffte dieses Wunder. Leider hat man dieses Mal aber auf André Matos (Ex-ANGRA) verzichten müssen.



Aber noch lange kein Grund, die lange und verdammt kalte Anreise nach Kaufbeuren nicht zu tätigen. Bei Tiefsttemperaturen von -14°C ist man dann doch froh, bald in der All-Kart Halle anzukommen, um sich auf Betriebstemperatur zu bringen, denn einen Supporter, der diese Aufgabe übernehmen sollte, gab es an diesem Abend nicht, was aber auch überhaupt nicht nötig war. Auch so war die Wartezeit auf dieses monströse Spektakel schon nicht mehr auszuhalten. Es sollte Prime Time, sprich 20:15 Uhr werden, bis endlich die Lichter ausgingen und als erstes Drummer Felix Bohnke die Bühne erklimmen durfte. Nach einem kurzen Intro, steuerten dann auch schon die Gitarristen Sahsha Paeth und Oliver Hartmann (Ex-AT VANCE) die Bretter an, um sofort für Gänsehaut zu sorgen. „Twisted Mind“ vom „The Scarecrow“ Album eröffnete also den Abend voller Power, Melodien und Überraschungen.



Tobi, der bunte Vogel, wie er leibt und lebt, wirbelte in seinem schrillen Outfit auf die Bühne und zeigte seine Souveränität vom ersten Ton an. Von der Nervösität, die er auf seiner Homepage verlautbarte, war überhaupt nichts zu fühlen. Nein, ganz im Gegenteil, der Mann fühlt sich wahrscheinlich nur an einem Ort wirklich wohl – auf den Bühnen dieser Welt. Es folgte sofort der Titeltrack und schon gab es die ersten Gastvocals zu hören, wobei Gast vielleicht untertrieben wäre, denn der charismatische und stimmgewaltige Norweger Jorn Lande, dem eine Veröffentlichung im Jahr zu wenig zu sein scheint und schon vielen Werken seine Stimme verliehen hat, ist mit Abstand am meisten präsent. Doch halt, da war noch jemand. Amanda Somerville tanzte schon von Anfang an im hinteren Teil der Stage und veredelte die Tracks mit ihren wunderschönen Backings. Auch Keyboarder Miro Rodenberg, der eigentlich nur als Studiomusiker und Produzent arbeitet, darf nicht unerwähnt bleiben, denn auch er war schon auf Alben von AVANTASIA, EDGUY, AINA, KAMELOT und vielen weiteren zu hören.



Dass Tobi kein wortkarger Mann ist, wissen wir bereits, aber so überraschte es, dass erst jetzt zum ersten Male das Wort an die Fans gerichtet wurde und außerdem ließ er auch Jorn viel zu Wort kommen, bevor man den Banger „Promised Land“ abfeuerte. Wer sich aber dachte, dass die Show durchwegs aus Musik bestehen würde, der hatte sich getäuscht, aber dazu später mehr. Jetzt wurde es nämlich erstmals Zeit für einen Klassiker, der witzelnd von Jorn und Tobi angesagt wurde. „Serpents In Paradise“ schüttelte nicht nur die Matten der Zuschauer durch, sondern sorgte auch für Nostalgie und Gänsehaut, bis dann mit Bob Catley der nächste Gast für Jubel sorgte. Der 63-Jährige glänzt auch heute noch durch seine angenehme Stimme und freundliche Ausstrahlung und veredelte somit auch das wunderschöne „The Story Aint Over“.



Es sollte über 17 Jahre dauern, bis die ersten Fans endlich wieder eine der besten Stimmen - wenn nicht die beste - des Power Metals wieder live zu hören sein wird und nur wenige Glückliche hatten dieses Jahr schon die Chance Michael Kiske mit UNISONIC auf einem der vier Gigs live zu hören und ich gehöre zum Glück auch dazu. Schon der erste Ton erzeugte Gänsehaut und das war auch beim starken „Reach Out For The Light“ wieder der Fall. Michi wirkte noch souveräner und geübter, als noch auf den UNISONIC Gigs und blühte neben Tobi richtig auf. Dass er ihm sowohl gesanglich, als auch vom Jubel her die Show stahl, störte weder ihn, noch Sammet selbst.

Nach dem Song entschuldigt er sich, dass er etwas erkältet sei, doch das war nicht nötig, denn seine Stimme hatte nur ein Problem, nämlich den Mischer, denn dieser übersteuerte anfangs sehr stark, was sich erst im späteren Verlauf ändern sollte. Neben weiteren Klassikern und Hits wie „The Tower“ und „In Quest For“ holte man erstmals Kai Hansen auf die Bühne, jedoch ließ man die Gitarre noch im Schrank, denn, damals durfte er schon als bösen „Toy Master“ auftreten, wie auch an diesem Abend, aber zuvor hatte er die Aufgabe den Mountainking Jon Oliva (SAVATAGE) bei dem Song „Death Is Just A Feeling“ zu ersetzen und das meisterte er mühelos. Sowohl die düsteren Vocals als auch die fiesen Lachattacken gelangen ihm, mit Stock und Zylinder ausgerüstet, perfekt.



Als er im späteren Verlauf des Zugabenblockes dann die Gitarre schnappte und ein Solo spielen sollte, gab selbige den Dienst auf und so musste Tobi kurzerhand eingreifen, denn während Kai auf der still bleibenden Gitarre herum flitzte, kam das Solo von seinen Stimmbändern. Grinsend, wie man ihn kennt und liebt, und schulterzuckend nahm er’s leicht und kehrte beim nächsten Track mit funktionierender Gitarre wieder zurück auf die Bühne. Und so geschah es, dass in diesem Moment Geschichte geschrieben wurde. Kai Hansen schredderte auf seiner Gitarre, während ihm Michi Kiske den Arm über die Schulter hängte und sang. Ein historischer Moment. Erneut wurde es Zeit für eine neue Folge „Tobi labbert“. Er machte Mitsingspielchen, ärgerte die Zuschauer und auch die Bandmitglieder, die er dann auch ausgiebig vorstellte und sich zu jedem einen Joke einfallen ließ. Nachdem Michi erwähnte, dass er tierisch pullern müsse, gab es kein Halten mehr und so wollte der Chef überhaupt nicht mehr aufhören zu quatschen und scherzen. Aber auch eine Lobeshymne auf den Kiske ließ er sich nicht nehmen. Eigentlich ganz unterhaltsam, aber dann odch nur eine weitere Möglichkeit die Bruttospielzeit von zwei Stunden und vierzig Minuten in die Länge zu ziehen.



Da freute man sich über die Knaller „Avantasia“ und das finale Medley mit „Sign Of The Cross“ und „The Seven Angels“, bei dem sämtliche Musiker nochmals die Bühne enterten, dann doch umso mehr. Man kann sich vorstellen, wie rund es sowohl auf der Bühne als auch bei den fast 3000 Zuschauern in der Halle ging. Die Musiker agierten allesamt miteinander auf der Bühne und wirkten mehr denn je als eine Truppe enger Freunde. Unter ohrenbetäubendem Jubel, Geklatsche und Geschrei, verabschiedete sich die Riege an Stars von der Bühne und den glücklichen Zuschauern, die eine einzigartige Erinnerung mit nach Hause nehmen können, denn in dieser Konstellation wird man AVANTASIA nach dieser Tour sicher nie wieder zu sehen bekommen.



Hier die Setlist:

Twisted Mind
The Scarecrow
Promised Land
Serpents In Paradise
The Story Ain’t Over
Prelude
Rach Out For The Light
The Tower
Death Is Just A Feeling
Lost In Space
In Quest For
Runaway Train
Dying For An Angel
Stargazers
Farewell
The Wicked Symphony
-
The Toy Master
Shelter From The Rain
Avantasia
Sign Of The Cross / The Seven Angels


Tobias Sammet hat es geschafft, was noch nie jemand zuvor vollbringen konnte, denn hochklassige Musiker auf einem Album unter einen Hut zu bringen, ist ja heutzutage kein Einzelfall mehr, aber ein solches Package auf die Bühne zu transportieren, grenzt eigentlich fast an Utopie. Respekt an ihn und allen anwesenden Protagonisten, die an diesem Abend absolut alles gaben und nicht wie wild zusammengewürfelte Leute wirkten, sondern als absolute Einheit fungierten. Danke Tobi…


FOTOS + E-CARDS
www.avantasia.net

maxomer
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Beitrag vom 06.12.2010
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