FINNTROLL   SAMAEL   MERCENARY   ROTTING CHRIST   METSATÖLL   NOTHNEGAL  
07.12.2010 @ Szene

Ein Donnerstagabend in Wien, die Stadt befand sich im eisigen Würgegriff des Winters und die Öffis kamen nur mit Mühe und Not durch die Schneemassen an ihr Ziel. Wen es trotz Wind, Kälte, Schnee und widrige Verkehrsbedingungen in die Szene verschlug, wurde mit der vollen Dröhnung Metal mit insgesamt 6 Bands belohnt.

Den Anfang machten NOTHNEGAL, eine Melodic Death Metal Band von den Malediven. Leider überschnitt sich der Auftritt mit einem Interview mit Vreth, seines Zeichens Frontmann von FINNTROLL, weshalb sich dieser Konzerteindruck leider auf ein paar wenige Minuten und Riffs beschränkte. Verstärkung bekamen sie bei ihrem Auftritt von Kevin Talley (DÅÅTH, ex-CHIMAIRA, ex-DYING FETUS) an den Drums und Marco Sneck (KALMAH, POISONBLACK) an den Keyboards. Zuschauer waren, wie zu dieser Zeit zu erwarten, eher spärlich vorhanden, aber wer da war, schien von der Band gut unterhalten worden zu sein. Alles in allem eine Band, von der man auch hier in Europa sicher noch hören wird, zumal das Debüt-Album noch ausständig ist.

Als zweite Band des Abends standen die wilden Esten von METSATÖLL auf dem Programm und schön langsam füllte sich die Szene mit Metalheads. Von einem stimmigen Intro untermalt, erklommen die vier Bartadvokaten die Bühne und legten einen leider etwas lahmen Start hin, was sich natürlich auch auf das Publikum auswirkte. Es sollte 3 Songs dauern bis endlich etwas Bewegung in die Bühnenshow kam und die drei Herren (den Schlagzeuger mal ausgenommen) das Publikum etwas animieren konnten.



Lauri „Varulven“, der Mann an den Flöten, Sackpfeife, Kannel und was sonst noch so an traditionellen Instrumenten zu finden ist, fiel besonders durch seine Bühnenpräsenz auf. Wenn er mal nicht damit beschäftigt war mit zwei Blockflöten zugleich zu spielen oder seinen Dudelsack zu würgen, lief er auf der doch eher kleinen Bühne herum und missbrauchte (ausnahmslos!) alle seine Instrumente als Luftgitarren. Publikumsansprachen wurden interessanterweise in drei verschiedenen Sprachen abgehalten, wobei man erkennen konnte, dass das österreichische Publikum dem Estnischen nicht ganz mächtig ist. Nichtsdestotrotz wurden auch die für die meisten wohl unverständlichen Ansagen mit lautem Grölen belohnt. Nach knapp 40 Minuten war dann aber leider auch schon wieder Schluss mit estländischer Folklore und Roadies stürmten die Bühne, um mit dem Aufbau für ROTTING CHRIST zu starten.

Losgetreten wurde der Auftritt von ROTTING CHRIST mit „Aelo“, dem Opener des gleichnamigen aktuellen Silberlings. Erfreulicherweise erkannte der Tontechniker die Wichtigkeit von Giorgos Bokos Gitarrenoberstimmen bzw. –soli und mischte diese gekonnt in den Vordergrund, was in Kombination mit dem allgemein sehr druckvollen Sound für ein sehr reizvolles akustisches Erlebnis sorgte.



Den vier Herren war die Freude am Spielen sichtlich anzusehen und so zogen sie ihr Set gekonnt von Anfang bis Ende durch. Das Publikum zeigte sich in Form von intensivem Headbanging und Gegröle erkenntlich und sah auch über das eine oder andere kleinere soundtechnische Malheur (die Bassdrum fiel zum Beispiel am Anfang von „Noctis Era“ kurzzeitig aus) gerne hinweg.

Alles in allem lieferten ROTTING CHRIST einen wirklich sehenswerten, aber leider etwas zu kurzen Auftritt und wie man später in Gesprächen mit anderen Konzertbesuchern erfahren konnte, war es auch ROTTING CHRIST, die an diesem Abend den größten Eindruck beim Publikum hinterlassen haben.

Setlist ROTTING CHRIST:

Aealo
Eon Aenaos
Athanati Este
Fire, Death and Fear
King Of A Stellar War
The Sign Of A Prime Creation
Phobo‘s Synagogue
Dub-Sag-Ta-Ke
Noctis Era


Mit MERCENARY, die nur bei drei Shows dieser Tour mit von der Partie sind, ging es musikalisch nun wieder in eine gänzlich andere Richtung, weg von allen folkloristischen Elementen und hin zum Melodic Death Metal.

Obwohl MERCENARY sich sichtlich bemühten von Anfang an Vollgas zu geben, sah man ihnen die Strapazen der Anreise (26 Stunden (!) in einem Bus) und das Unbehagen mit dem Sound stark an. Das Publikum agierte anfangs noch etwas verhalten, aber mit Fortschreiten des Sets konnte die Mixtur aus Blutalkohol der Crowd und Bühnenpräsenz des Frontmannes, Rene Pederssen, für etwas Bewegung in den ersten Reihen und auch für den ersten Moshpit des Abends sorgen. Große Probleme hatte Rene mit den cleanen Vocals, die sich so gar nicht gegen Gitarren und Bass durchsetzen konnten.



Der 50-minütige Auftritt an diesem Tag war definitiv nicht der beste Auftritt ihrer Karriere (was bei den Umständen aber auch kaum wundert) und man kann nur hoffen, dass MERCENARY in naher Zukunft, dann mit dem neuen Album im Gepäck, dem Wiener Publikum wirklich zeigen, was sie auf dem Kasten haben.

Setlsit MERCENARY:

Through The Eyes
Follower
Endless Fall
Firesoul
In Bloodred Shades
River Of Madness / Firegod

Nun standen nur noch zwei Bands auf dem Programm. SAMAEL gaben an diesem musikalisch bunt gemischten Abend den Subheadliner. Nach der vermutlich längsten Umbauphase des Abends wurde es dunkel im Saal und die Eidgenossen von SAMAEL wurden mit einem düsteren Intro eingeläutet. Der, über weite Strecken viel zu laute, Drumcomputer wurde angeworfen und die ersten harten Riffs wurden dem Publikum entgegen gehämmert.



Dann kam auch Vorph auf die Bühne, um die Menge mit seinen stimmlichen Künsten und exzessiven Posing zu beglücken. Leider schaffte es der Tontechniker nicht, den ewigen Kampf zwischen Bass und Basstrommel zu schlichten und so gingen die etwas aggressiveren Songpassagen leider meistens in einem totalen Basssumpf unter.

Der schon sehnsüchtig an der Absperrung auf FINNTROLL wartende Metal-Nachwuchs war von den stark elektronisch geprägten Klängen sichtlich befremdet. Nun gut, es muss ja auch schließlich einen Grund haben, dass der Großteil der SAMAEL-T-Shirt-Träger schon über 30 ist. Gekonnt zogen die Schweizer ihre Show durch, die durch gelegentliche Trommelpassagen des Keyboarders (welche aber nicht über das Fehlen eines Vollzeit-Drummers hinwegtrösten konnten), dem durchgehend strahlend-fröhlichem Gesichtsausdruck des Bassisten und eine gut durchdachte Bühnendeko mittels Beamers aufgepeppt wurde.



Einen richtigen Höhepunkt ließ die Show aber vermissen, und auch bei Klassikern wie „Rain“ und „Into The Pentagram“ wollte der Funke nicht so richtig aufs Publikum überspringen. Lediglich in den vordersten Reihen kam es gelegentlich zu Alkohol induzierten Moshpits und Bierduschen. Es war klar, dass das sehr junge Publikum in erster Linie wegen FINNTROLL gekommen war und die Klänge von SAMAEL als zu wenig tanzbar abstempelten. Nach 50 Minuten verließen SAMAEL zu einem ungewöhnlich aggressiven und temporeichen Outro die Bühne.

Setlist SAMAEL:

Intro / Under One Flag
Rebellion
Rain
Reign of Light
Black Hole
Antigod
Into the Pentagram
Jupiterian Vibe
Year Zero
Slavocracy
Soul Invictus
My Saviour

Die letzte Umbauphase des Abends brach an und viele Konzertbesucher, die schon einer älteren Generation angehörten, machten sich auf dem Heimweg, während sich die Jugend in den ersten Reihen kaum mehr ruhig verhalten konnte. Teils aus Vorfreude, teils aus Trunkenheit und mangelndem Gleichgewicht. Der Auftritt der Mannen von FINNTROLL wurde wie zu erwarten mit dem Duo „Blodmarsch“ und „Solsagan“ eingeläutet.



Von Anfang an herrschte in den vorderen Reihen, die hauptsächlich aus Teenagern und Betrunkenen bestanden, gute Stimmung und es wurde gemosht und gebangt, was das Zeug hielt und auch auf der Bühne legte man sich ordentlich ins Zeug. Von Vreths Müdigkeit, die man ihm beim Interview noch stark ansah, war nun keine Spur mehr vorhanden.

Die anfänglichen Soundprobleme bekam man zum Glück im Laufe des Sets noch unter Kontrolle und so konnte das Publikum Klassiker wie „Trollhammaren“ und „Slaget Vid Blodsälv“ in vollen Zügen genießen. Auch die Lichtshow in die der Beamer gekonnt eingearbeitet wurde, war sehr gelungen und streckenweise hatte man, dank grüner Bodenbeleuchtung und Nebel, richtige „Sumpfatmosphäre“ auf der Bühne.




Setlist FINNTROLL:

Blodmarsch (Intro)
Solsagan
Den Frusna Munnen
Slaged Vid Blodsälv
Skogens Hämnd
Nedgång
Ett Norskensdåd
Nattfödd
Midnattens Widunder
Svartberg
Eliytres
Grottans Barn
Trollhammaren
Under Bergets Rot
Mot Skuggornas Värld
Maktens Spira
-
Dråp
Jaktens Tid

Mit etwas mehr als einer Stunde hatten FINNTROLL die längste Playtime des Abends, wobei sich einige Leute im Publikum schon früher aus dem Acker machten, um noch die U-Bahnen nach Hause zu erwischen (die Szene ist ja nicht gerade für ihre tolle Erreichbarkeit mit den Nachtbussen bekannt).
Alles in allem waren FINNTROLL ein würdiger Abschluss für einen eigentlich durch und durch gelungenen musikalischen Abend. Einziger Wermutstropfen an diesem Abend war die geringe Playtime, die den einzelnen Bands zugekommen ist.


FOTOS + E-CARDS


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Beitrag vom 23.12.2010
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