MASTERS OF ROCK 2011 TAG2: TWISTED SISTER   RHAPSODY OF FIRE   AIRBOURNE   EKTOMORF    VARG  
15.07.2011 @ Areál likérky Jelínek

Auch Tag 2 des MoR 2011 wollte wettertechnisch nicht so recht anlaufen und auch von den Bands her, ging es erst am späten Nachmittag so richtig los. Ab 11:00 Uhr standen zwar schon einheimische Truppen wie NIL oder DARK GAMBALLE auf den Brettern um den Fans ihr Können zu beweisen. Wie man an vielen Shirts sehen konnte, haben es viele tschechische Headbanger auf die Spaßtruppe ALKEHOL, die wie ihr Name bereits verrät mit ihrer Musik dem Gerstensaft huldigen, abgesehen. Auch diese Band, die eine Mischung aus Rock, Punk und Pop lieferte, gab ihre Texte in der eigenen Muttersprache zum Besten, was den deutschsprachigen Hörer aber nicht so schnell gefallen mag und ein wenig in den Ohren schmerzt.

Dafür gab es im Anschluss eine deutschsprachige Band. Die Folk Metaller von VARG stiegen trotz Sonnenschein, der endlich einsetzte, in voller Fell- und Ledermontur auf die Bühne und lieferten bei extrem schlechten Sound einen recht entbehrlichen Auftritt. Es mag zwar vielleicht Geschmackssache sein, aber den Text von „Blutaar“ fand ich dann doch sehr zweifelhaft.





Es ging mit SILENT STREAM OF GODLESS ELEGY dann munter, folkig weiter, wobei hier der Sound schon etwas besser war und die tschechische Truppe konnte auch umso mehr Leute vor die Bühne locken. Nicht umsonst sind die Herren und Dame Stammgast am Masters Of Rock. Zur gleichen Zeit startete auch wie jeden Nachmittag das Programm auf der kleinen Alfedus Stage, die die Coca Cola Bühne, auf der sich im Vorjahr hauptsächlich einheimische Bands tummelten, ersetzte. Auf der Mainstage gab es aber währenddessen schlechte Nachrichten zu verzeichnen, die aber sowieso wie schon in den Vorjahren nur auf Tschechisch verlautbart wurden – hier wären auf jeden Fall auch englische Durchsagen für die Zukunft erwünscht, kommen doch auch viele Fanscharen aus den Nachbarländern oder sogar von noch weiter angereist.

Die erwähnte schlechte Nachricht war, dass die Gothic Truppe SIRENIA ihren Auftritt absagen mussten, warum konnten wir leider nicht herausfinden, auch wenn wir mitbekamen, dass die Frontdame Aylin auf dem Festival zugegen war. Davon profitierten aber sowohl SSOGE und die darauffolgenden Ungarn von EKTOMORF. Einst spielten die Jungs an so ziemlich jeder Bushaltestelle und warn Support für Bands alle Art. Ich muss sagen, dass ich die Herren echt nicht mehr sehen konnte, aber durch den Entzug, den ich mir selber in den letzten Jahren gönnte, konnten die Jungs um Zoli Farkas mich dann doch positiv überraschen. Mit ihrem Sports Metal / Tribal Thrash / Jump Metal / SEPULTURA Metal – oder wie auch immer man ihren Stil umschreiben mag – brachten sie schnell Bewegung in die ersten Reihen und Songs wie „I Know Them“, „Gypsy“ oder „Last Fight“ sorgten für eine großartige Stimmung. Überraschend war auch das JOHNNY CASH Cover „Rusty Cage“. Auch wenn man den SOULFLY / SEPULTURA –Klon Stempel nie ablegen wird, haben es die Ungarn auf jeden Fall drauf.





Als dann die Sonne verschwand bekamen die fleißigen Mosher eine natürliche Abkühlung, denn dieser Abend sollte noch eisig werden, was aber die Südländer von RHAPSODY OF FIRE nur wenig störte. Pünktlich starteten die Italiener ihr Set, aber nicht ohne vorher Sir Christopher Lee das Intro vortragen zu lassen, was bereits zu Beginn für Gänsehaut sorgte. Nach dem überlangen Intro „Dar-Kunor“ ging es mit „Triumph Or Agony“ gleich gelungen los. Auffällig, dass auch RHAPSODY sich live gewandelt haben. Statt kitschigen Mittelalterhemden standen die Männer in Casual-Kleidung auf den Brettern, verzichteten auf opulente Samples und reduzierten die Show auf ein Minimum. Natürlich war der Sound dank den zwei Gitarristen Luca Turilli und Neuzugang Tom Hess, sowie Keyboarder Alex Staropoli fett wie eh und je. Allem voran überzeugte aber Fabio Lione mit seiner grandiosen Stimme. Auch mit dem Set konnten sie überraschen, denn anstatt neues Material zu präsentieren gab es von jedem Album, abgesehen vom neuen Werk, das komplett außen vor gelassen wurde einen Song.





So gab es neben dem genialen „Unholy Warcry“ oder dem üblichen „March Of The Swordmaster“ auch das italienische „Lamento Eroico“ und das ultrabrutale „Reign Of Terror“, bei dem Fabio souverän die Screams meisterte. Für mich der bisher beste Live-Auftritt den ich von den Italienern gesehen habe, denn bei dieser Show lieferten RHAPSODY alles, was der Fan braucht: Gänsehaut, fette Riffs, die nötige Spur Bombast, eine ausgewogene Setlist und enorme Spielfreude. Einzig die kurze Spielzeit von nur 60 Minuten tat dann doch etwas weh, verging doch die Zeit wie im Flug.





Setlist RHAPSODY OF FIRE:

Dar-Kunor
Triumph Or Agony
Holy Thunderforce
The Village Of Dwarves
On The Way To Ainor
Lamento Eroico
Unholy Warcry
The March Of The Swordmaster
-
Reign Of Terror
Emerald Sword

Den größten Coup konnte das diesjährige Master Of Rock mit der Verpflichtung von TWISTED SISTER landen, machen sich doch die Amerikaner um Front Gigant Dee Snider live eher rare. Auf die Frage, warum der blonde Lockenkopf so gut singe wie noch nie in seiner Karriere, kam die logische Antwort: Während andere Sänger 50- bis 100-mal im Jahr auftreten, sieht man uns höchstens 20 mal und dadurch schone ich meine Stimme. Klingt vernünftig, denn so wird ein Konzert von den verdrehten Schwestern auch zu etwas besonderem und man kann sich glücklich schätzen einmal dabei gewesen zu sein.





Nachdem ich bei der Pressekonferenz ein Autogramm von Mr. Snider ergattern konnte und ich so schon im siebten Metal Himmel war, war der geniale Auftritt eigentlich nur mehr Draufgabe, sollte sich aber dennoch zum absoluten Festival Highlight entwickeln. Eine unglaubliche Ausstrahlung, eine phantastische Stimme und ein perfekter Sound machten den Abend zu einem ganz außergewöhnlichen Erlebnis. Die fünf Legende standen ebenso wie es KISS einst tat, ohne viel Verkleidung und Maskerade auf der Bühne, nur Dee verpasste sich eine Ladung dezente Schminke. Die Stimmung war von Anfang an großartig, denn selbst das normalerweise nicht ganz so textsichere Publikum sang brav mit und gab Überhits wie „We're Not Gonna Take It“, „“I Wanna Rock“ oder „Stay Hungry“, was dem Ganzen noch das gewisse Etwas gab. Doch mein persönlicher Favorit an diesem Abend war ohne Frage der Brecher „Burn In Hell“, der diesmal auch die Erde brennen lies. Nach zwei tollen Zugaben beendete Twisted „Fucking“ Sister wie Dee Snider so gerne sagt ihren Arbeitstag und ließen jede Menge glücklicher Menschen zurück





Setlist TWISTED SISTER:

What You Don't Know (Sure Can Hurt You)
The Kids Are Back
Stay Hungry
Captain Howdy
You Can't Stop Rock 'n' Roll
The Fire Still Burns
Under The Blade
The Price
We're Not Gonna Take It
Burn In Hell
Drum Solo
Whole Lotta Rosie
I Wanna Rock
-
Come Out And Play
S.M.F.

Nachdem die Zuseher von TWISTED SISTER so aufgeheizt wurden, war es eigentlich für AIRBOURNE eher leicht die Menge für sich zu gewinnen. Wer noch nie einen Gig der Australier sehen durfte, der kann nicht behaupten schon alle in seinem Leben gesehen zu haben. Eine halbnackte Band, ein betrunkener Sänger der die Bühne mit geschätzten fünf Promille hinauf klettert, aber trotzdem jeden Ton trifft und, am Kopf zerschmetterte Bierdose, gehören einfach dazu. Doch, dass die Ausis nicht nur von ihrer Show leben wird einem spätestens bei „Born To Kill“ oder „Diamaond In The Rough“ klar, denn dank unglaublicher Spielfreude und Hochgeschwindigkeits Riffs ist es unmöglich hier nicht abzugehen. Nach einer schweißtreibenden Stunde bei extrem kühlen Temperaturen, gab es als Betthupferl noch die zwei größten Hits der Band. „Too Much, Too Young, Too Fast“ und „Runnin' Wild“ forderten den letzten Rest Energie der anwesenden Fans. Wer zu diesem Zeitpunkt schon im, vor oder auf dem Zelt lag hatte auf jeden Fall etwas verpasst.





Setlist AIRBOURNE:

Raise The Flag
Born To Kill
Diamond In The Rough
Blonde, Bad And Beautiful
Chewin' The Fat
Girls In Black
Bottom Of The Well
Cheap Wine & Cheaper Women
Blackjack
No Way But The Hard Way
Too Much, Too Young, Too Fast
Runnin' Wild

So gönnte man sich noch eine oder zwei Bier bei einem wärmenden Feuerchen am Griller als Schlaftrunk und ließ den tollen Tag am Campingplatz ausklingen.

Tag zwei lieferte zwar ein paar entbehrliche Acts, aber auch einzigartige Auftritte, die man nicht so schnell vergessen wird, da war man natürlich skeptisch, ob denn Altmeister U.D.O. oder die wiederauferstandenen Crossover Helden von den GUANO APES an diese Leistung heranreichen können.


FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

AndyVanHalen
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Beitrag vom 02.08.2011
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