MASTERS OF ROCK 2011 TAG4: HELLOWEEN   OVERKILL   OOMPH!   DELAIN   ARKONA   EVILE   MERCENARY   STEELWING  
17.07.2011 @ Areál likérky Jelínek

Am vierten und letzten Tag des Masters Of Rock begrüßte uns schon am frühen Morgen strahlender Sonnenschein und dementsprechend auch sengende Hitze im Zelt. Da pilgerte man doch gerne bereits zur Mittagsstunde in Richtung Schnapsbrennerei, um den Jungspunden von STEELWING auf die Finger zu schauen. Doch beim nun schon dritten Gig der Schweden, dem ich beiwohnen durfte, wollte der Funke auf mich nicht so wirklich überspringen. Und wie wenn es das Publikum schon geahnt hätte, hielt sich auch der Andrang in Grenzen. Dass man sich musikalisch wie optisch an den großen IRON MAIDEN orientiert, ist ja nichts neues, doch zwischen den Metal Göttern und den Nordländern sind noch jede Menge Galaxien. Es klingt alles so als hätte man es irgendwo schon mal besser gehört. Und die Stimme von Riley Erickson hat meiner Meinung auch nicht genug Eier um wirklich von Bedeutung zu sein.

Nach der ganzen Kritik sei hier auch noch ein positiver Aspekt der Band erwähnt, und zwar Gitarrist Robby Rockbag, der an der Axt wirklich Talent hat. Beim Schusstitel „Roadkill“ kam dann doch noch richtig Stimmung auf und man konnte einen versöhnlichen Abschluss begehen.





Setlist STEELWING:

The Zone of Elimination
The Illusion
Sentinel Hill
Full Speed Ahead
Headhunter
The Nightwatcher
The Green Manalishi (With The Two-Pronged Crown)
Roadkill (...Or Be Killed)

Es folgten die Dänischen Melodic Deather von MERCENARY, die mit ihrem aktuellen Album „Metamorphosis“ trotz grober Besetzungswechsel ein gutes Werk abliefern können und auch live ihre Qualitäten haben. Im Gegensatz zu früheren Auftritten, als noch die Gebrüder Sandagar an den Vocals und am Keyboard tätig waren, hatte ein Auftritt dieser Band jedoch einen ganz anderen Charme. Mit Rene Pederson an den Vocals wirkt das Ganze doch um eine Spur brutaler und direkter. Auch auf einen Keyboarder verzichtet man heutzutage und stellt den Fokus auf das aktuelle Werk. Dennoch startete man mit dem starken „World Hate Center“ und machte von Anfang an eine gute Figur. Rene beherrscht auch die hohen Vocals, fühlt sich jedoch bei den aggressiven Parts wohler, weshalb auch die neuen Songs „The Follower“, „Through The Eyes Of The Devil“ oder „In A River Of Madness“ weniger cleane Vocals als auf den Vorgängeralben beinhalten. Mit dem grandiosen „Firesoul“ beendete man das Set und hinterließ einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist es schön zu sehen, dass die Band den Umbruch übestanden hat, andererseits geht aufgrund der härteren Ausrichtung einfach das Gefühl und die Melodien, für die MERCENARY einst standen, schon sehr ab.





Setlist MERCENARY:

World Hate Center
The Endless Fall
The Follower
In Bloodred Shades
The Black Brigade
Through the Eyes Of The Devil
In A River Of Madness
Firesoul


Erst 2004 gegründet, verschrieben sich die UK-Thrasher EVILE der Old-School Ausrichtung ihres Genres und feuerten dementsprechend wüste Thrash-Grananten auf Vizovice ab. Natürlich lässt da oftmals die BayArea grüßen und so riffte sich die junge Band quer durch die USA (METALLICA, SLAYER, TESTAMENT) und erzeugte gleich erste Pits. Mit Titeln wie „Thrasher“ oder „Killer From The Deep“ zeigte man natürlich auch, dass man nur wenige Gefangene machen möchte und knüppelte in bester Thrash-Manier durch das kurze aber knackige Set. Die Jungs von EVILE sollte man auf jeden Fall im Auge behalten, denn wenn die Briten so weitermachen, schließen sie bald zu ihren Helden auf.





Die 2003 gegründeten ARKONA sind bei uns eher unbekannt, fanden aber bei dem tschechischen Fans regen Zuspruch. Was mich ein wenig verwunderte, da sich bei mir alle Songs gleich anhörten und den typischen Pagan Sound versprühten. Es dauerte auch ein paar Minuten bis ich bemerkte, dass sich unter dem Wolffell eine Dame befand und die Vocals zum Besten gab. Stimmlich sehr variabel, machte Maria („Mascha“) Archipowa gute Figur und hat ein sehr auffälliges Organ wie ihr Spitzname „Scream“ schon verrät. Textlich handeln die Songs Großteils von der slawischen Geschichte und musikalisch lassen sich Vergleiche mit den Kollegen von FINTROLL ziehen. Schwer zu sagen ob sich ARKONA von anderen Paganbands abheben kann und sich auch bei uns durchsetzen wird, da es zurzeit einfach ein großes Überangebot gibt.

Gehören Gruppen mit weiblicher Beteiligung zum fixen Bestand des Master Of Rocks, so hielt sich heuer die Auswahl in Grenzen da ja auch SIRENIA absagen mussten. Und so hielt DELAIN die Attribute der singenden Frauen in die Höhe. Frontschönheit Charlotte Wessels musste nur einmal lächeln und schon lag ihr die anwesende Menge zu Füßen und die reichte schon bis zur hinteren Videowall. Und das Charlotte auch eine wunderbare Stimme hat stellte sie beim ersten Titel „Invidia“ unter Beweis, doch über die Wahl des Bühnenkleides konnte man streiten. Ähnlichkeiten zu den Vorbildern von WITHIN TEMPTATION lassen sich nicht abstreiten, steht doch mit Martijn Westerholt der Ex-Keyboarder der Holländer an den Tasten. Erwähnenswert wären noch die Titel „The Gathering“ und „Control the Storm“, bei dem auf Platte niemand geringer als Marco „Coole Sau“ Hietala singt. Ein starker Auftritt der Niederländer, der Freude auf mehr macht.





Setlist DELAIN:

Invidia
Stay Forever
Go Away
Get The Devil Out Of Me
Sever
Virtue and Vice
Milk and Honey
The Gathering
Control the Storm
Sleepwalker's Dream
Pristine

Zum ersten Mal an diesem warmen Sommertag wurde es richtig voll vor der Bühne. Grund für diesen Andrang waren die düsteren Rocker von OOMPH!. Der erste Eindruck der Jungs war gleich positiv, da man sich einheitlich in schwarze Kleidung hüllte, die nur von weißen Streifen durchzogen waren. Sah aus als hätte ein wildes Tier die Band angegriffen. Was nach den ersten paar Songs gar nicht so abwegig schien. Mein nunmehr viertes Konzert von Dero Goi und seinen Mannen, und ich kann mich immer noch nicht für die teilweise dumpfen und kindlichen Texte erwärmen. Bei Hits wie „Beim Ersten Mal Tut's Immer Weh“ oder „Gott Ist Ein Popstar“ zieht sich bei mir die Magenschleimhaut zusammen. Dem Publikum scheint es zu gefallen und die Meute geht richtig ab und singt sogar teilweise mit, oder bewegt einfach nur die Lippen was sehr lustig zu beobachten ist. Den Akteuren an den Instrumenten kann man keinen Vorwurf machen, da man musikalisch auf einem hohen Level ist, auch stimmlich gehört Dero bestimmt zu dem Besten das unser Nachbarland zu bieten hat, aber die Texte sind dann doch eher für Viva. Zum Ende wurde dann noch „Augen auf“ serviert und ich gehörte anscheinend zu den Wenigen die froh waren, dass der Spuk vorbei war. Umso mehr freute ich mich auf die Kürbiszüchter aus Germany.


Setlist OOMPH!

Beim Ersten Mal Tut's Immer Weh
Träumst Du
Wer schön Sein Will Muss Leiden
Du Willst Es Doch Auch
Wach auf!
Mitten Ins Herz
Sex Hat Keine Macht
Auf Kurs
Revolution
Mein Schatz
Gekreuzigt
Labyrinth
Gott Ist Ein Popstar
Augen Auf!


Die Jungs von EVILE waren an diesem Tag nur der Auftakt, was Thrash Metal betrifft, denn nun durfte eine wirkliche Legende ran. Die BayArea Veteranen rund um Bobby Blitz Ellsworth fegten gleich furios über die Bühne und starteten das Set mit einem neuen Track. „The Green And Black“ zeigte, was OVERKILL im Jahr 2011 drauf hat, nämlich so einiges, doch gleich im Anschluss ging es zurück zu den Wurzeln. „Rotten To The Core“ vom 1985 Debüt ließ die BayArea wahrlich wieder aufleben. Bobby, gut gelaunt und agil wie immer, brüllte sich die Seele aus dem Leib, während sich Dave Links und Derek Tailer gegenseitig Riffs und Solis an die Birne warfen und Ron Lipnicki inzwischen sein Drumkit wie ein Berserker bearbeitete. Moshpits waren da natürlich vorprogrammiert und das tschechische Publikum ließ sich da auch nicht lange bitten.

Man spielte sich munter durch die Diskografie, präsentierte neues Material wie „Ironbound“ oder „Give A Little“, vergaß aber natürlich nicht auf Klassiker wie „Old School“ oder „Fuck You“, das schon zum Zugabenblock gehörte. Mit einer heftigen Variante von AC/DCs „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ verabschiedete man sich nach knapp 75 Minuten purem Thrash.





Setlist OVERKILL:

The Green And Black
Rotten To The Core
Wrecking Crew
Hello From The Gutter
Hammerhead
Bring Me the Night
Ironbound
In Union We Stand
Give A Little
Skullkrusher
Elimination
Old School
-
Fuck You
Dirty Deeds Done Dirt Cheap


Nun lag es an HELLOWEEN sich in die lange Reihe der Headliner zu stellen und die Bürde war nicht leicht, wenn man bedenkt was TWISTED SISTER vorlegten. Mit dem Doppelschlag „Are You Metal?“ und dem Überhit „Eagle Fly Free“ hatte man das Publikum aber im Handumdrehen gewonnen. Die Band war sowohl musikalisch als auch stimmungstechnisch in Höchstform und kam mit einem grandiosen Set daher. „March Of Time“ oder „I´m Alive“ sollten in keinem Set fehlen. Vor allem die „Keepers“ Alben wurden exzessiv gespielt und so bastelte man natürlich auch wieder ein Medley in dem die drei Epen „Keeper Of The Seven Keys“, „A King For A Thousand Years“ und „Halloween“ eingewoben wurden. Gänsehaut war hier garantiert. Frontkürbis Andi Deris war natürlich stets am Grinsen und auch stimmlich gab er alles. Die Gründerkürbisse Andi Weikath und Markus Großkopf blödelten natürlich wieder viel rum und zogen erheiternde Grimassen, während Sascha Gerstner sein Können in den Soli unter Beweis stellte und sogar eigens Zeit dafür spendiert bekam, wie auch Dani Löble, der nun mit Kurzhaarschnitt auftritt. Ein Drumsolo auf einem Festival ist aber meines Erachtens unnötig, da es zu viel Zeit stiehlt und das ist auch die einzige Kritik. HELLOWEEN nutzten ihre 90 Minuten nicht so, wie sie es hätten tun können.





Anstatt noch weitere Hits zum Besten zu geben, machten Andi und Co. lieber elendslange Mitsingspiele, spielten ausufernde Soli und quatschten zwischendurch einfach zu viel. Da freute man sich dann wieder mehr als man mit „World Of Fantasy“ einen neuen Kracher lieferte und den Zugaben Block mit den genialen Klassikern „Dr. Stein“ und „I Want Out“ füllte. Klar, an die letztjährige Headliner Tour kam man mit dieser viel zu kurzen Vorstellung nicht ran, aber HELLOWEEN wissen, wie man ein Festival zu headlinen hat und bewiesen ihre Entertainer Fähigkeit. Riesenkürbisse und als Kürbis getarnte Wasserbälle, die ins Publikum wanderten, waren da ein schöner Bonus.





Setlist HELLOWEEN:

Are You Metal?
Eagle Fly Free
March Of Time
Where The Sinners Go
Steel Tormentor
World Of Fantasy
I'm Alive
Keeper Of the Seven Keys / The King For A 1000 Years / Halloween
Future World
-
Dr. Stein
I Want Out


Abschließened bleibt zu sagen, dass das Masters Of Rock wieder alle Erwartungen erfüllt hat. Klar, das LineUp konnte nich ganz mit den der vorherigen Jahren mithalten, konnte aber durch Kaliber wie (vor allem) TWISTED SISTER überzeugen. Was Preis / Leistung betrifft, ist das MoR sowieso unübertroffen. Das Festivaljahr 2012 kann somit kommen!


FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

AndyVanHalen
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Beitrag vom 06.08.2011
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