WACKEN OPEN AIR - TAG3: MOTÖRHEAD   KREATOR   ICED EARTH   MAYHEM   DIR EN GREY   KNORKATOR  
06.08.2011 @ W:O:A Festival Gelänade

Die zweifelhafte Ehre des eröffnenden Mittagsslots ging am Samstag an die Viking-Kombo von MOONSORROW, die vor, für wacken’sche Verhältnisse, spärlich gesätes Publikum solide aufspielten. Das weitere Programm auf den Stages war wieder einmal sehr buntgestaltet, was natürlich hieß: Überschneidungen, Überschneidungen, und noch mehr Überschneidungen. Während die Frank-Kanadier KATAKLYSM mit ihrer eigenen Art von Death Metal, die Stage zum Beben brachten, drehten die Austro-Black-Metaller von HELLSAW auf der W.E.T.-Stage ordentlich auf. Zwei ordentliche Shows, aber irgendwie wär’s doch schön gewesen beide Sets ganz genießen zu können. Die ewige Krux auf Festivals mit mehreren Bühnen. In Wacken wird das mit 7 (!) Bühnen (okay, eine davon ist im Biergarten, und wird in erster Linie von Wacken-Dauergast MAMBO KURT frequentiert… aber immerhin!) sowieso ein Horror.

Setlist MOONSORROW

Kylän päässä
Tähdetön
Kivenkantaja
Sankaritarina
Köyliönjärven Jäällä (Pakanavedet II)

Die verrückten Japaner von DIR EN GREY legten auch dieses Jahr wieder mal eine sehr, sagen wir mal, interessante Show hin. Beeindruckend, welch tiefe Growls aus dem zierlichen Frontmann kamen. Nichtsdestotrotz waren die Reihen vor der Bühne sehr licht man merkte einigen Zuhörern, mal abgesehen von den Die-Hard DIR EN GREY-Fans, an, dass die Musik doch etwas befremdlich für sie war. Dennoch, sehenswert waren die Herren mit den teils sehr femininen Outfits allemal. Wahrscheinlich hätten aber auch sie bei Dunkelheit besser funktioniert. Gruselstimmung und so.





Setlist DIR EN GREY:

Tsumi To Kesei
Lotus
Red Soil
Hageshisa To, Kono Mune No Naka De Karamitsuita Shakunetsu No Yami
Obscure
Different Sense
Conceived Sorrow
Dozing Green
Bugaboo
Reiketsu Nariseba
Merciless Cult
Agitated Screams of Maggots
Rasetzukoku

Dann wurde es richtig grausam. Die norwegischen Hohepriester des Black Metal, MAYHEM gegen Deutschlands meiste Band der Welt, KNORKATOR. Totale Überschneidung. Totale Verzweiflung schon im Vorhinein. Geworden ist es für mich MAYHEM, die eine etwas unspektakuläre Show hinlegten. Nicht einmal der so kostümierungsfreudige Attila warf sich in Schale. Man gab sich überraschend brav und kaum provokant. Wenn man bedenkt, dass MAYHEM noch vor kurzem mit menschlichen Knochen als Bühnendekoration für Aufsehen sorgten, war das wirklich überraschend. Das anstößigste was MAYHEM an diesem Abend von sich gaben, war, dass der Song „A Time To Die“ dem Papst und den anderen religiösen Führern gewidmet wurde. In der Zwischenzeit sorgten KNORKATOR mit einem neuen Song und intensiver Publikumsanimation auf der PARTY STAGE für gute Laune. Von obszönen Massengesten (einer macht einen Ring mit den Fingern, der andere fährt mit einem Finger rein… und das in tausendfacher Ausführung) und obszönen Gesängen war alles dabei. Hauptsache obszön, Hauptsache derber Humor, Hauptsache KNORKATOR.





Setlis MAYHEM:

Pagan Fears
Ancient Skin
My Death
Cursed in Eternity
A Time To Die
Illuminate Eliminate
Freezing Moon
Silvester Anfang
Deathcrush
Buried By Time And Dust
Carnage
De Mysteriis Dom Sathanas
Pure Fucking Armageddon

Auch die nächste Überschneidung bringt einem, wenn man darüber nachdenkt, das Herz zum Bluten. ICED EARTH einerseits, noch dazu das letzte Konzert von Matt Barlow und SHINING (die Blackjazzer aus Norwegen wohlgemerkt) andererseits. Aber als ICED EARTH-Fan kann man sich diese Show nun mal nicht entgehen lassen. ICED EARTH waren großartig, mehr kann man nicht sagen. Das Konzert gibt’s in Gänze auf Youtube zu sehen, also kann man sich eigentlich selbst ein Bild davon machen. Auch interessant zu verfolgen war jener Eisverkäufer (die ständig mit einem umgeschnallten Karton durch die Menge laufen), der sich in den Moshpit verlief (oder eigentlich von einem gemeinem Festivalbesucher mit einer 2-Euro Münze hineingelockt wurde), aber offensichtlich noch Gefallen daran fand. „Gratis“-Eis gab’s sehr zum Missfallen der umstehenden Metallschädel nicht. Diese Kartons sind wirklich robust. Nicht mal beim anschließenden Crowdsurfen ging ein Eis verloren, obwohl einige Festivalbesucher einen dreisten Eisdiebstahl versuchten, als der Verkäufer hilflos Richtung Bühne getragen wurde.

Setlist ICED EARTH:

Burning Times
Declaration Day
Vengeance Is Mine
Violate
Last December
I Died for You
Jack
The Hunter
Prophecy
Birth Of The Wicked
The Coming Curse
-
Iced Earth

Nach ICED EARTH ging es dann schließlich zurück zum Zelt beziehungsweise zu dem netterweise auf dem Weg liegenden Wet-T-Shirt Contest. Interessant, wie viele junge Damen bereit sind, sich für eine Flasche mit stark alkoholischem Inhalt (Etikett aufgrund mangelnder Sehkraft nicht lesbar) auszuziehen. Die Zuseher waren übrigens alles Gentlemen, die wie am Spieß „AUSZIEHEN, AUSZIEHEN“ schrien. Nachdem man also Kultur getankt hatte, ging es wieder zurück zu den Bühnen.





Dort angekommen, legten auch die Urgesteine von SEPULTURA ein fette Show hin, die neben neuem Material vom "Kairos" Album natürlich auch so manch Klassiker wie "Roots Bloody Roots" oder "Refuse/Resist", die natürlich für die meiste Stimmung sorgten.





Setlist SEPULTURA:

Intro
Arise
Refuse/Resist
Kairos
Just One Fix
Convicted in Life
Choke
What I Do!
Relentless
Troops of Doom
Territory
Inner Self
Ratamahatta
Roots Bloody Roots

KREATOR und MOTÖRHEAD waren wie immer eine Live Wucht. Vor allem MOTÖRHEAD sind in Wacken ein Garant für gute Stimmung. Auch die Songs von dem neuen Album „The Wörld Is Yours“ kamen sehr gut an, von den Klassikern wie „Ace Of Spades“ oder das sehr zur Freude der älteren Zuhörer gespielte „Bomber“ ganz zu schweigen. Für die Encore wurde diesmal sogar der „Bomber“ ausgepackt, also nicht das Lied, dass zuvor schon gespielt wurde, sondern die bewegliche Scheinwerfer-Halterung in Fliegerform. Lemmy, Phil und Mikkey sind einfach auf dieser Welt, um auf einer Bühne zu stehen. Aber das ist ja eigentlich nichts Neues.

Setlist KREATOR:

Choir of the Damned
Hordes of Chaos (A Necrologue For The Elite)
Warcurse
Endless Pain
Pleasure to Kill
Destroy What Destroys You
Voices of the Dead
Enemy of God
Phobia
Reconquering the Throne
The Patriarch
Violent Revolution
Betrayer
Flag of Hate
Tormentor





Setlist MOTÖRHEAD:

Iron Fist
Stay Clean
Get Back In Line
Metropolis
Over the Top
Rock Out
One Night Stand
The Thousand Names of God
I Know How to Die
The Chase Is Better Than the Catch
In the Name of Tragedy
Just 'Cos You Got the Power
Going to Brazil
Killed by Death
Bomber
-
Ace of Spades
Overkill

Das war’s dann auch schon für das Earshot-Team in Wacken, denn eine leere Autobatterie und akuter Starterkabelmangel am Zeltplatz ließ uns dann den Mann vom ADAC den Finnen von CHILDREN OF BODOM und den alle-Jahre-wieder-Festival-Beendern SUBWAY TO SALLY vorziehen. Interessanterweise hielt das Wetter genau bis zu jenem Moment, an dem wir, natürlich ohne Jacken neben unserem Bus standen, mitsamt Gepäck, denn der Motor befindet sich ja komfortablerweise unter der Ladefläche. Klitschnass, müde, aber irgendwie doch zufrieden ging es dann wieder auf Richtung Süden.

Fazit: Verdammt, Wacken ist einfach verdammt riesig geworden und irgendwie hört es nicht mehr auf zu wachsen. Wenn man die Hälfte von dem sieht, was man sehen möchte, hat man schon verdammt viel Glück oder einfach kaum etwas, das man sehen will. Und wenn man dann noch am Ende des riesigen Campingareals hausen muss, kann man sich dem gelegentlichen Bier-Gang zum eigenen Zelt sowieso in die Haare schmieren. Zum Glück gibt’s ja gutes Bier zu fairen Preisen auf dem Festivalgelände und damit meine ich, es gibt bloß völlig überteuertes Beck’s. In diesem Sinne, Prost.


FOTOS + E-CARDS
www.wacken.com

Asator
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Beitrag vom 29.09.2011
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