TWO DAYS A WEEK - TAG2: THE OFFSPRING   THE BASEBALLS   HATEBREED   PARADISE LOST   THE LOCOS   ALKBOTTLE   AND SO I WATCH YOU FROM AFAR   WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER   HAUDEGEN  
03.09.2011 @ Festivalgelände, Wiesen

Das Wetter hat auch die Nacht über perfekt gehalten und so geht’s Mittags gut gelaunt über den hügeligen Campingplatz zur Stage-Area.

Den Anfang machen heute HAUDEGEN aus Berlin. Sehr locker, sehr deutsch, sehr sympathisch. Natürlich muss bei Deutsch + Rock zwangsläufig die ein oder andere Parallele zu den ONKELZ gezogen werden. Leider klingen die Texte teilweise etwas gar stereotypisch und ideenlos, was sich auch in den zwei sehr lichten Zuschauerreihen widerspiegelt. Die beiden Frontkästen Hagen Stoll und Sven Gillert verstehen es aber cool mit dem Publikum zu plaudern, was die Stimmung etwas auflockert und sogar vereinzelte Stagediver an den Tag bringt. Sprüche wie „Habt ihr noch Bock oda wat?“ regen zu regem Pogotreiben an. Nach reichlich Bedanken und Verbeugen gibt’s sogar noch Zugaberufe und siehe da, die Herren dürfen noch eins spielen. Zum Schluss gibt’s noch eine kleine Ankündigung: Am 8.11 wird das Wiener Chelsea gerockt, ebenso wie das Grazer Orpheum am 9.11. Wer mag kann sich sogar gratis (!) Backstage tätowieren lassen. Na wenn das kein Service ist.





Die Songs von HAUDEGEN:

Ein Mann Ein Wort
So fühlt sich Leben an
Wir Gegen Den Rest
Halte Durch
Stadt Voller Helden
Großvater sagt
Zu Hause


Kaum sind die Rocker von der Bühne tummeln sich im Publikum bereits massenhaft buntgekleidete Schwarzschopfler. Zu Recht, denn nun sind WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER an der Reihe. Coole Synchronbewegungen, viel Energie und eine deutlich gereifte Band zeichnen die BUTTERS am heutigen Tage aus. Leider hapert’s stark am Sound, denn die Vocals sind so gut wie gar nicht zu hören, was sich auch im Laufe des Gigs nicht ändert. Wenigstens ist gut 3 Mal mehr Publikum anwesend, was den allgemeinen Partyfaktor ungemein erhöht. „Habt ihr Lust auf ‚Alle Meine Entchen‘?“ Was natürlich mit ohrenbetäubenden Mädchengekreische beantwortet wird. Ja richtig, scheinbar haben die Deathcoreler aus Lübben eine beachtliche Anzahl weiblicher Fans vorzuweisen. Neben Riesenbällen für die Crowd und einer schicken Wall Of Death gibt’s sogar Pyros. Was soll man da noch sagen, sehr solide Show mit viel Bewegung, Spielfreude und der passenden Portion Selbstironie, da ist es kein Wunder, dass sich die Mädels um die Plektren prügeln. Jungs, weiter so!

Die Songs von WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER:

Intro
Der Tag An Dem Die Welt Unterging
Alle Meine Entchen
Schlaf Kindlein Schlaf
Oh Mama mach Kartoffelsalat
Superföhn Bananendate
Breekachu
Der kleine Vampir
13 Wünsche
Backe Backe Kuchen
Extrem
World Of Warcraft


Nach der Mitsing-Party wird’s jetzt richtig sphärisch und abgefahren spacig. Kein Backdrop, weniger Backline, nicht einmal einen Sänger können AND SO I WATCH YOU FROM AFAR aus Nordirland vorweisen. Ähnlich bewegungsfreudig, aber vor deutlich weniger Publikum gibt’s hier einen instrumentalen Trip nach dem anderen. Moshpits gibt’s keine, die Crowd tänzelt nur leicht mit, aber das soll bei solchen Postrock Klängen auch gar nicht anders sein. Die Herren spielen sich und die Fans in Trance, zeigen unglaubliche Spielfreude und Leidenschaft. Gittarrero Tony Wright ergreift nach den ersten Songs mal das Wort und meint, die Band habe seit Stunden nichts geschlafen aber es sei „fuckin‘ awesome to be here!“. Da wird doch gleich darauf eine Flasche Rotwein gekippt und weiter geht’s im Set. „Gang (Starting Never Stopping)” fährt mit ungemein viel Power on stage, “Set Guitars To Kill” ebenso und das finale “The Voiceless” ist der verträumte Klimax einer ebenso minimalistischen wie genialen Show. Definitiv einer DER positiven Überraschungen am 2Days.





Die Songs von AND SO I WATCH YOU FROM AFAR:

BEAUTIFULUNIVERSEMASTERCHAMPION
Gang (Starting Never Stopping)
Search:Party:Animal
A Little Bit Of Solidarity Goes A Long Way
D Is For Django The Bastard
(Dedicated instead to "'David',… more)
S Is For Salamander
Set Guitars To Kill
The Voiceless


Die ALKBOTTLE Fans machen sich sodann bemerkbar, denn der durchschnittliche Promillewert des Publikums steigt auf saubere 1,8 Promille. Laute „Albodl!“ Rufe versüßen die kurze Umbauzeit (an dieser Stelle wieder großes Kompliment an die superfleißige Crew des 2DAW) bis die Wiener endlich die Stage betreten. Roman Gregory’s Gesang ist leider etwas zu leise, dafür sind die Herren an der Instrumentalfront aber gewohnt erste Sahne. Locker leicht geht’s im Meidlinger Dialekt durch ein super Set. Gute Publikumsintegrierung, neckische Ansagen und natürlich das ein oder andere Bier bilden eine sehr gute ALKBOTTLE Show. „Rockstar In Austria“ oder „Geh Scheißn“ werden mit tüchtigen Mitsingen und viel viel Applaus honoriert. Natürlich gibt’s auch wieder den obligatorischen Mantraspruch bei dem man die Hände überm Kopf zuerst zu einem Glas, dann zu einer Flasche formt. Der ein oder andere Besoffene schreckt sich sogar, dass dabei ein Klatschgeräusch zustande kommt. Alles in allem machen ALKBOTTLE ihrem Ruf als dreckige RocknRoll Band aus Wien wieder alle Ehre. Gerne jederzeit wieder!





Die Songs von ALKBOTTLE:

Hier regiert der Rock n' Roll
Die Doppler Affäre
Rockstar in Austria
Geh scheissn
6 Bier
Wo san de Weiber


THE LOCOS aus Madrid können da leider nicht auf ganzer Linie begeistern. Einerseits hat man zwar viel Bewegung und ein cooles Bühnenbild inklusive Bläser im Hintergrund, andererseits penetriert der schlechte Gitarren- und Basssound das Ohr doch auf recht unangenehme Weise. Nichtsdestotrotz stimmt der Partyfaktor, zu dem Sänger Pipi mit seinen zahlreichen Kostümwechseln nicht unwesentlich beiträgt. Einmal als Cop, dann wieder als Torrero, aber immer gut gelaunt, energiereich und schweißgebadet. Leider stellt sich mit der Zeit das ausgelassene Feiern etwas ein, da auf Dauer die punkigen Skasongs doch sehr ähnlich klingen.





PARADISE LOST müssen im Anschluss leider die vollen Konsequenzen ihres schlecht angelegten Slots spüren. Nach viel viel Party und vor den Moshmaschinen von HATEBREED passen sie mit ihrem düsteren melancholischem Metal etwa so gut ins Line Up wie ein Albino ins Solarium. Die Gothicmetaller aus England geben sich aber auch gar keine Mühe, sich nur im Geringsten an die Crowd anzupassen. Eine so müde und lustlose Show ist mir noch nicht untergekommen. Jeder Song dudelt langweilig an den Ohren der fad dastehenden Crowd vorbei. Mehr gibt’s an der Stelle einfach nicht zu sagen.

Die Songs von PARADISE LOST:

The Rise Of Denial
I Remain
Pity The Sadness
Erased
One Second
As I Die
Enchantment
Requiem
Embers Fire
Say Just Words


Kräfte tanken konnte man auf jeden Fall bei PARADISE LOST, denn die braucht man bei der Show von HATEBREED auch. Wie erwartet stürmen die „Hatecoreler“ aus den USA über die Bühne, reißen sofort Fans sowie Skeptiker mit. Breakdowns, Headbangen, Moshpits und Riffs Riffs Riffs wüten wie ein Unwetter unter dem hoch aufgespannten Zelt. Der Sound ist ok und die fünf Herren investieren massenhaft Energie in ihre Show, was die Crowd ums doppelte zurückgibt. Gänsehaut-Ansagen von Frontsau Jamey Jasta sorgen für die nötige Portion Sympathie während sich die Axtschwinger Wayne Lozinak und Frank „3 Gun“ Novinec fein die Finger blutig spielen. Beim Finalen „Destroy Everything“ gibt’s wahrscheinlich reichlich blaue Flecken für die zahlreichen Lebensmüden, die sich mit nacktem Oberkörper in der Mitte der Crowd austoben. Egal wie lange die Show auch gedauert hat, es war auf jeden Fall lange genug, unsere heil gebliebenen Knochen sind es HATEBREED dankbar.





Die Songs von HATEBREED:

Everyone Bleeds Now
Hands of a Dying Man
Become the Fuse
In Ashes They Shall Reap
To the Threshold
A Call for Blood
As Diehard as They Come
Defeatist
Never Let It Die
I Will Be Heard
This is Now
Live for This
Destroy Everything


Nach dem musikalischen Gemetzel wird’s jetzt zum Glück wieder um Ecken friedlicher. Aktuelle Pop Hits werden bei den BASEBALLS nämlich in cooles Retro-RocknRoll Gewand verpackt. Die drei Schönlinge Sam, Digger und Basti werden von einer coolen 50s Band flankiert. Wobei allein dem Gitarristen Lars Vegas schon aufgrund seines genialen Künstlernamens ein Orden verleiht werden sollte. Hits wie „When Love Takes Over“, „Follow Me“ oder „I’m Yours“ verstehen sich von selbst, aus heiserer Kehle mitgesungen zu werden. Leider leider sind die drei Stimmen viel zu leise gemischt, sodass man sich an mancher Stelle sogar schwer tut, die Songs zu erkennen. Das machen die Herren aber mit ihrer coolen Show fast wieder wett: Spritzpistolen mit Vodkafüllung, viel Bewegung, sympathisches Necken, Publikumsinteraktion und ein qualmendes Klavier, das alles inklusive Elvis Moves. Am Ende werden sogar die Rollen getauscht: Sam, Basti und Digger gehen an die Instrumente, während die Instrumentalisten ihre Gesangparts übernehmen. Wenn beim nächsten Mal der Sound stimmt, gerne wieder!





Die Songs von THE BASEBALLS:

When Love Takes Over
Umbrella
Angels
Crazy In Love
Hello
Let's Get Loud
Candy Shop
Hot N Cold
Bitch
Tik Tok
Follow Me
Chasing Cars
I'm Yours
Born This Way
Let Me Love You


Nun ist es endlich Zeit für den Headliner THE OFFSPRING. Die Herren aus Orange County, California lassen das Publikum zum Glück nur wenig länger warten als geplant und mit dem Evergreen „All I Want“ wird gleich von Null auf Hundert beschleunigt. Man ist zwar kurz enttäuscht über das nicht vorhandene Intro („Neocon“ oder „Bad Habit“ hatten als Intros in der Vergangenheit für deutlich mehr Spannung gesorgt) bangt aber gleich freudig mit. Der Sound ist gut und auch die spielerische Leistung ist wieder deutlich besser als sie in früheren Tagen war. Nach dem nächsten Hit „You’re Gonna Go Far, Kid“ gibt’s bereits den heiß ersehnten neuen Song „November Song“. Ein typischer melancholischer OFFSPRING Song, fällt jetzt nicht besonders auf, tanzt aber auch nicht unangenehm aus der Reihe.

Das folgende schiere Hitfeuerwerk lässt die Fans auf Hochtouren laufen, hier gibt’s Pogos soweit das Auge reicht, Crowdsurfer werden im Sekundentakt von den Securities rausgehoben. „Have You Ever“ glänzt wie immer mit genialem Basssolo von Greg K. (LED Lämpchen im Bass inklusive). Gitarrist und Brillenträger Noodles ist begeistert und grölt ins Mikro, dass THE OFFSPRING öfter am TWO DAYS A WEEK spielen sollten und zwar „every fuckin‘ year!“ Die Setlist stellt sich gut aus sämtlichen Alben der Band zusammen, exklusive der beiden Erstwerke „The Offspring“ und „Ignition“, von denen es leider – wie fast immer - keinen Song zu hören gibt. Das wunderschöne „Gone Away“ sorgt dafür für Gänsehaut. Nach „The Kids Aren’t Allright“, bei dem nochmal die letzten Stimmbänder heiser gesungen werden, ist vorerst mal Schluss. „Original Prankster“ (welch angenehme Überraschung, war der Song in den letzten Österreich-Shows schlichtweg nicht vorhanden) eröffnet dann noch den Zugabenblock, der mit „Want You Bad“ und „Self Esteem“ einen genialen Hitabschluss findet.





Setlist THE OFFSPRING

All I Want
You're Gonna Go Far, Kid
November Song
Come Out And Play (Keep 'Em Separated)
Have You Ever
Staring At The Sun
Stuff Is Messed Up
Bad Habit
Walla Walla
Hit That
Kristy, Are You Doing Okay?
Why Don't You Get A Job?
Americana
Gone Away
Pretty Fly (For A White Guy)
(Can't Get My) Head Around You
The Kids Aren't Alright
-
Original Prankster
Want You Bad
Self Esteem

Tja, der Gig von THE OFFSPRING kam im Nachhinein betrachtet doch eher zwiespältig bei den Fans an: Auf der einen Seite Party, Mitsingen und Moshpits, auf der anderen Seite Bierdosen, Becher und Schuhe, die auf Dexter Holland und Co geworfen wurden. Die Songs waren zwar allesamt gut gespielt, jedoch war die Bewegungsbereitschaft der Herren doch eher im Nullbereich. Einzig und allein der gute alte Noodles lief wie ein Jungspund hin und her. Dennoch waren die Punkrocker aus den USA ein gelungener Abschluss des heurigen TWO DAYS A WEEKS.

Neben den durchschnittlich sehr guten Performances der Bands glänzte das 2Days auch heuer wieder mit sehr guter Organisation, reibungslosen Abläufen und netter Campingatmosphäre. Einzig und allein die mittlerweile hohen Preise sollten zukünftig aufhören weiter zu steigen.


FOTOS + E-CARDS
www.wiesen.at

Doano
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Beitrag vom 30.09.2011
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