AMORPHIS   LEPROUS   THE MAN-EATING TREE  
05.01.2012 @ Rockhouse

Neues Jahr, neue Konzertsaison – nur so kann es ein echter Metalhead handhaben. Und bereits in der ersten Woche des neuen und angeblich letzten Jahres auf unserem Planeten hatten wir gleich die Chance auf ein großartiges Konzert. Was würde für die kalte, aber dennoch angenehm überdurchschnittlich warme Jahreszeit besser passen, als finnischer Metal. AMORPHIS spielten sich in den letzten Jahren dank ihres letzten Neuzugangs Tomi Joutsen an die Spitze des finnischen Metals. Mit den Hobby-Melancholikern THE MAN-EATING TREE und den norwegischen Prog-Freaks LEPROUS bestreitet man derzeit die „The Beginning Of Times“ Tour, die natürlich nach ihrem aktuellen Hit-Album benannt wurde.

Um 20 Uhr fanden sich schon einige Freunde der harten Klänge im Salzburger Rockhouse, das leider in den letzten Jahren eher wenig an waschechten Metal Konzerten zu bieten hatte, ein um THE MAN-EATING TREE, die aus der Asche von SENTENCED hervorgegangen sind, zu lauschen. Passend zur Winterdepression boten die Finnen ergreifenden Düsterrock mit depressiven Klängen, eindringlichen Riffs, aber auch ein guten Portion Finn-Rock, der für Abwechslung sorgte. Sänger Tuomas Tuominen, der übrigens mit sehr guten Deutschkenntnissen überraschte, gab sich sehr Mühe um die richtige Stimmung zu erzeugen und die Fans dankten es der Band mit ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit und großem Applaus. Zwei Alben veröffentlichte die Truppe bereits und bot aus diesen ihr anspruchsvolles Material, das Genrefans absolut zufriedenstellen sollte. Live sind die Männer vielleicht manchmal etwas zäh, aber interessant und unterhaltsam war ihr Auftritt auf jeden Fall.





Richtig gespannt war ich auf die Norweger LEPROUS, die mich mit ihrem aktuellen Werk „Bilateral“ mehr als nur überraschten. Das gelieferte war für Zuschauer, die den Sound der Band zuvor nicht kannten, sicherlich ein stellenweise merkwürdiges und überraschendes Ereignis, doch der Auftritt von LEPROUS entpuppte sich als wahres Erlebnis, das man so schnell nicht vergessen wird. Der abgefahrene Prog-Sound mit vielen Jazz-, Avantgarde- und Psychedelic Einflüssen erzeugte von Anfang an eine ganz eigene Atmosphäre und das Bild der Band war auch optisch einmalig. In Bekleidung, die man von Kellnern in einem feinen Restaurant erwartet, vollführten sie eine abgefahrene Show und boten mit ihrem einzigartigen Sound einen wirklich gelungenen Auftritt. Man konzentrierte sich auf das aktuelle Album und so gab es vom „Tall Poppy Syndrome“ nur „Passing“ zu hören. Machte aber gar nichts, denn das emotionale „Thorn“ oder die brutale Psych-Attacke „Waste Of Air“ sorgten nicht umsonst für staunende Zuschauer, die mit begeistertem Applaus antworteten.

Leider lief nicht alles ganz sauber für die Band, so wurde von Fronter und Keyboarder Einar Solberg zwischendurch mal das Micro-Kabel rausgerissen und der arme Kerl bekam plötzlich starkes Nasenbluten. Das Blut trug aber noch mehr zu der intensiven Stimmung bei, denn selbiges verteilte er aus der Not heraus in seinem Gesicht und am Keyboard, aber tapfer hielt er den sehr langen Song durch und mit den Worten: „Dadurch wirkt das Ganze noch viel realistischer“ wischte er das Zeug ab und spielte weiter als wäre nichts gewesen. Absolut sehenswert der Auftritt von LEPROUS, auch wenn womöglich nicht alle etwas mit dem furiosen Stil der Truppe anfangen konnten. Man merkte aber, dass viele Anwesende beindruckt waren.





Setlist LEPROUS:

Thorn
Restless
Passing
Mb. Indifferentia
Waste Of Air
Aquired Taste
Forced Entry


Auch wenn sich bei den Vorbands schon richtig viele Leute vor der Bühne versammelten, so wurde es bei AMORPHIS erst so richtig gestopft voll. Die finnischen Veteranen ließen sich nicht lange bitten und starteten mit dem Intro zu „Battle For Light“ vom aktuellen Album und „Song Of The Sage“ ihr wirklich gelungenes Set. Sänger Tomi begrüßte Salzburg kurz und begeisterte mit seiner Gesangsleistung bei den beliebten Hits „Mermaid“ und „The Smoke“, welche beide durch ihre unverkennbaren Keyboardmelodien einfach zu AMORPHIS gehören und live immer wieder gern gesehen sind. Zwischendurch richtete er immer wieder kurz das Wort an die Fans und beim Beitrag vom Album „Elegy“ durften diese sogar selbst entscheiden, ob denn „On Rich And Poor“ oder „Against Widows“ geboten werden sollte. Der zweitgenannte machte ganz knapp das Rennen, wobei dann die Songs „Sky Is Mine“ oder "Crack In A Stone“ eine etwas bessere Stimmung hervorriefen. Zwischendruch versuchte man sich auf Bitte von Tomi kurz an IRON MAIDEN-Zitaten, die aber nur Drummer Jan Rechberger mit dem „Run To The Hill“ Intro wirklich hinbekam.

Man spürte förmlich in der mittlerweile extrem heißen Halle vom Rockhouse, dass sowohl Fans als auch die Band richtig viel Spaß an diesem Abend hatten. Nach den ersten Songs besserte sich auch der anfangs etwas schwammige Sound und mit dem brutalen Mittelteil bestehend aus den Klassikern „Vulgar Necrolatry“ und „Into Hiding“ sorgte man auch für die nötige Abwechslung. Gegen Ende besann man sich aber dann doch wieder auf die aktuellen Hits wie „Silver Bride“ oder „My Kantele“, bis dann „House Of Sleep“ den Zugabenblock und den mehr als gelungenen Abend würdig beendete.





Setlis AMORPHIS:

Battle For Light (Intro)
Mermaid
The Smoke
Against Widows
Sampo
You I Need
Sky Is Mine
Karelian Intro
Vulgar Necrlatry
Into Hiding
Crack In A Stone
Alone
Silver Bride
-
Thousand Lakes Intro
Drowned Maid
My Kantele
House Of Sleep

Dass AMORPHIS live eine Macht sind, beweisen sie schon seit Jahren mit intensivem Touren und überzeugenden Festival-Auftritten und auch auf ihrer Headliner-Tour konnten sie sehr gute Akzente setzen. Dass sie grandiose Support-Acts mit im Gepäck haben, sind dabei auch noch mehr als ein Bonus. Alle drei Bands sind definitiv ihr Geld und die Zeit, die wie im Flug verging, wert.


www.amorphis.net
www.leprous.net
www.themaneatingtree.com


maxomer
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Beitrag vom 09.01.2012
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