RUSSIAN CIRCLES   DEAFHEAVEN   OUR CEASING VOICE  
06.04.2012 @ Arena

Am Karfreitag lockte obengenanntes Bandpaket in die große Halle der Arena, wie so oft in Wien machten sich aber Ferien in der Publikumsdichte wieder deutlich bemerkbar. So war die Halle nur zur Hälfte geöffnet, dadurch aber dann durchwegs gut gefüllt, wobei man aber mit ausreichend Bewegungsfreiheit gesegnet war.

Als lokaler Support fungierten die noch blutjung aussehenden Tiroler von OUR CEASING VOICE und überzeugten mit melancholischem stimmungsvollem Postrock, der sich auch zu dem einem oder anderen emotionalen Ausbruch hinreißen ließ. Musikalisch ging das Quartett unüberhörbar durch die Schule von Bands wie ENVY oder ISIS. OUR CEASING VOICE war ein durchwegs stimmiger Support für die RUSSIAN CIRCLES und wird in Kürze auch im Rhiz in kleinerem Rahmen zu überzeugen wissen.





Scheinbar hat unser omnipräsenter „Alternativ-Mainstream-Radiosender“ FM4 noch die Werbetrommel für RC gerührt, anders lassen sich die Lautstarken Gespräche über THE SUBWAYS und TING TINGS der Damengruppierung neben mir während des Soundchecks von DEAFHEAVEN wohl nicht erklären. Über die auf dem CONVERGE-Label Deathwish Inc. Records beheimateten Quintett hat man im Radio wohl nicht berichtet. Denn anders ist die folgende Reaktion der jungen Damen, sehr zum Amüsement des Autors und seiner Begleitung, nicht zu erklären. Nach einem epischen atmosphärischen Aufbau begannen die Herrschaften von DEAFHEAVEN zu bolzen und der durchaus ansehnliche Shouter George Clarke kreischte in bester Blackmetal-Manier los, was für schreckverzehrte Gesichter vor den Mund geschlagene Hände und fluchtartiges Verlassen des Raumes sorgte. Dass diese Damenschaft somit wohl die beste Band des Abends und ein großartiges Konzert versäumt haben darf ich gleich vorweg schicken.

Man muss schon immer wieder beeindruckt sein welch grandiose und vor allem progressive Hardcorebands auf dem Deathwish Label ihr Unwesen treiben dürfen. Eine davon sind seit 2011 DEAFHEAVEN und das Quintett lässt in den folgenden 45 Minuten eine gewaltige Dampfwalze aus Black Metal, Hardcore und Postrock auf die Anwesenden los. Der instrumentale Sound war gewaltig, leider ging das Gekreische von Fronter Clarke dabei etwas unter, was dem grandiosen Auftritt der Band aber keinerlei Abbruch erteilte. Die teils sehr komplexen, atmosphärischen und epischen Songs (das Debüt „Roads To Judah“ umfasst vier ellenlange Tracks) wie das gewaltige „Violet“, „Language Games“ oder „Unrequited" entwickeln live noch einiges mehr an Gänsehautfeeling und Wucht als auf der eben erwähnten Platte und ziehen einen regelrecht in ihren Bann. George Clarke hält sich fest am massiven Mikroständer, kreischt, spuckt, leidet und gestikuliert als gäbe es kein Morgen. Was für eine Band, was für ein Auftritt.





Die Latte für die darauffolgenden RUSSIAN CIRCLES war mehr als hochgelegt. Das Trio hat vor kurzem ihr viertes Album mit Namen „Empros“ veröffentlicht und macht nun mit diesem im Gepäck wieder einmal Europa unsicher. Der süchtig machende wie hypnotische Instrumentalrock der RUSSIAN CIRCLES, übrgens nach einer Eishockeytrainingsform benannt, gilt schon seit Jahren als Live-Erlebnis und so brach bald ein heftiges Riffgewitter über die große Halle herein. Das Trio mit Bassisten Brian Cook (BOTCH, THESE ARMS ARE SNAKES), Schlagzeugzeuger Dave Turncrantz und Gitarristen Mike Sullivan beweist auch Live ein unglaubliches Können an ihren Instrumenten, denn es gelingt ihnen auch auf der Bühne den komplexen Sound der Alben beeindruckend umzusetzen. Was aber umso mehr beeindruckt, ist dass sie es beherrschen auch ohne Gesang, dermaßen spannende Songstrukturen aufzubauen und man zu keinem Zeitpunkt eine Stimme vermisst. Die Songs von allen vier Alben wurden vom Publikum frenetisch abgefeiert, allen voran natürlich Songs wie „Station", "Verses" oder auch „Youngblood" um hier nur einige stellvertretende zu nennen. Nach gut 70 Minuten war Schluss, die Band verließ uns ohne viel Worte, das Licht ging an und der Spuk war vorbei, und man kehrte schlagartig aus den Sphären in die einen die RUSSIAN CIRCLES entführt hatten zurück.





Ein Abend der aufgrund zweier grandioser Bands noch länger im Gedächtnis bleiben wird, wobei an dieser Stelle nochmal der heimliche Sieger des Abends genannt werden muss, denn DEAFHEAVEN lieferten trotz Soundprobleme den Auftritt des Abends. Diese Band sollte man unbedingt anchecken.


FOTOS + E-CARDS
www.russiancirclesband.com

tsunemoto
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Beitrag vom 17.04.2012
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