ROCK IM PARK - TAG1: METALLICA   SKRILLEX   BILLY TALENT   TENACIOUS D   THE STRANGLERS     
01.06.2012 @ Zeppelinfeld Nürnberg

Lange, lange musste Nürnberg und der Rest der Welt warten, bis es endlich wieder hieß: Tore auf für Deutschlands grünstes Festival: ROCK IM PARK. Denn was viele nicht wissen; trotz der Masse an fast 80.000 rockenden Besuchern, verteilt auf 3 Stages, schafft es der Veranstalter ARGO Konzerte immer noch mit Initiativen für ein sauberes Festivalumfeld zu sorgen – und das merkt man auch. Außerdem glänzt das RIP durchgehend durch die friedliche und gesittete Atmosphäre. Halbnackte Fans liegen sich grölend zu harten METALLICA Riffs in den Armen und trinken das 15te Bier, DEICHKIND Fans tanzen mit ihren Nerdbrillen bis tief in die Nacht – stets ohne Gewalt, stets ohne Probleme zu machen. Ob deutsche Sitten oder einfach nur gute Stimmung, gerne würde man dies auch auf so manch anderem Festival sehen.

Die Anreise erfolgt für das Earshot Team erst mal zäh, da die Securities sehr akribisch vorgehen und die Taschen der Fans wirklich genau untersuchen – an sich ja kein Problem, nur scheinen die wenigen Bediensteten mit der großen Anzahl an Anreisenden nicht ganz klar zu kommen. Dennoch, die Securities bleiben äußerst nett und kompetent, das nimmt man schon mal in Kauf.

„Guten Mittag, wir sind die STRANGLERS and the sun is starting to shine, that’s great!“ Schön wenn man von so einer legendären Band in einer endlich mal sonnigen Stunde am Freitag begrüßt wird. THE STRANGLERS bespielen mit erstaunlich klarem Sound die noch etwas verhaltene Crowd vor der Alterna Stage. Egal ob man ihre Uralt-Hits wie „Always The Sun“ oder „Golden Brown“ kennt oder nicht, das Publikum hört gut gelaunt den easy going Klängen zu. Die Band lässt sich’s gut gehen und genießt die Tatsache, seit 35 (!) Jahren immer noch auf Festivals zu zocken – respect.





Die Songs von THE STRANGLERS:
Five Minutes
Lowlands
Nice 'N' Sleazy
Boom Boom
Always The Sun
Golden Brown
Peaches
Hanging Around
All Day And All Of The Night
No More Heroes


Etwas später gibt’s auf der Center Stage bereits den ersten erwarteten Höhepunkt. Der Grund, warum so viele den Weg aufs Gelände angetreten sind, die Band durch die sich das ROCK IM PARK Line Up mal wieder von allen anderen abheben konnte: TENACIOUS D. Jack Black, Kyle Gass und eine sehr tighte Band betreten legendär und doch so down to earth wie sie sind die riesige Center Stage. Leider macht sich erst mal Ernüchterung breit, die Crowd will einfach nicht warm werden. Der Grund ist schnell gefunden: Die Setlist; generell, jedoch ganz speziell am Anfang, werden viel zu viele neue Songs gespielt. Klar, „Rize Of The Fenix“ ist ein Hammer Album, jedoch kennt erst ein Bruchteil der Crowd die neuen Songs. Doch mit „Kielbasa“ geht’s spät aber doch bergauf und so zäh das Publikum auch war, so schnell taut es doch noch auf – wenn auch spät. „Kickapoo“ und „The Metal“ ernten mächtige Publikumsreaktionen und man erkennt: Jack Black ist echt, seine Attitüde ist echt, sein crazy Blick ist echt, seine Musik ist echt. Kyle Gass hält sich erwartungsgemäß im Hintergrund, rockt deswegen aber nicht weniger. Beide glänzen mit fabelhaft grandiosen Live-Stimmen. „Beelzeboss“ kommt auch ohne Dave Grohl aus und die ein oder andere kleine schauspielerische Einlage darf auch nicht fehlen. Sogar die Headliner und Metallegenden von METALLICA kriegen von Jack Black ihr Fett weg: „Metallica are gonna headline today… give them a chance, they are pretty good.” Nach den heiß gefeierten Songs „Tribute“ und „Fuck Her Gently“ wird die Band noch in typischer Rockmanier vorgestellt, bevor „Double Team“ ein gutes, jedoch nicht geniales Set abschließt. Nichtsdestotrotz haben Tenacious D sehr fein gerockt, obwohl sie ihre Erwartungen nicht erfüllt haben. Jene waren jedoch ungemein hoch, wer schafft das heutzutage schon.






Die Songs von TENACIOUS D:

Rize Of the Fenix
Low Hangin' Fruit
Senorita
Deth Starr
Roadie
Throw Down
Saxaboom
Kielbasa
Kickapoo
The Metal
Beelzeboss (The Final Showdown)
Fuck Her Gently
Pinball Wizard / There's A Doctor / Listening To You
Tribute
Double Team


Die Kanadier von BILLY TALENT heizen im Anschluss der Crowd nochmal richtig fett ein. Man merkt zweifellos, dass sich die ehemaligen Jungspund Newcomer innerhalb weniger Jahre zum absoluten Top Act gemausert haben. Der Platz vor der Stage wird zunehmend enger, die Musik lauter und Hits wie „Surrender“, „Fallen Leaves“ oder das Finale „Red Flag“ werden lautstark mitgesungen.





Die Songs von BILLY TALENT:

Devil In A Midnight Mass
Turn Your Back
Living in the Shadows
This Suffering
Line & Sinker
Rusted From the Rain
Saint Veronika
Viking Death March
Surrender
River Below
Diamond on a Landmine
This Is How It Goes
Try Honesty
Devil On My Shoulder
Fallen Leaves
Red Flag


Nun wird uns ein weiterer Vorteil des RIP Festivals klar: Die Sonne streichelt kaum den Horizont, da wird schon aufgebaut für den Headliner: METALLICA, oder „Metollica“ wie man hier im bayrischen Raum öfters zu hören bekommt. Kaum 21.00 Uhr hat‘s geschlagen, da entern die lebenden Legenden schon die Bühne vor der zum Bersten gefüllten Stage Area. Jene ist schon seit Nachmittag bestückt mit dem seltenen Snake Pit, zu dem sich loyale (oder besser gesagt gut verdienende) Fans um satte 200 Eier Zugang verschaffen durften. Naja, dafür ist man haut nah an der Band dran und wird sogar von ihnen umrundet – feine Sache für die wenigen Glücklichen. Was gibt es großartiges zu sagen über eine Band wie METALLICA – fast 30 Jahre auf dem Buckel, zahlreiche Hochs und Tiefs, Erfolg wie keine andere Metalband, tausende von absolvierten Shows und dennoch ziehen die Herren immer noch tausende von Besuchern. Das liegt einerseits an den qualitativen Songs selbst, andererseits an James Hetfields Omnipräsenz als Rock Übervater, zu guter Letzt aber immer an der Tatsache, dass man nie genau weiß wie die Setlist der Herren aussehen wird. Evergreens die’s immer zu hören gibt – na klar, aber immer wieder werden richtig seltene Diamanten ausgegraben und die drücken dem alteingesessenen Fan gerne mal die Tränen in die Augen. Heute heißt es genialer Weise: The Black Album – in its entirety.





Doch zuvor wird noch mit dem allerersten Song der allerersten METALLICA Platte geopened: „Hit The Lights“ – die Kuttenträger fallen sich frohlockend springend in die Arme und sofort wird gethrashed und gemosht wohin man blickt. „Master Of Puppets“ wird gleich als zweiter Song rausgehauen – hola! Im Freudenrausch schreibt der Kollege neben mir nicht mehr als folgenden Satz in sein Notizheft: „James – so much balls“. Was genau ihm beim Schreiben dieser Worte durch den Kopf gegangen ist, weiß der Kollege wahrscheinlich selbst nicht mehr, aber ich kann ihn verstehen: James Hetfield ist eine Legende, das Publikum frisst ihm aus der Hand, er ist so down to earth und dennoch unnahbar, aggressiv und doch sympathisch und er zieht tausende von Fans täglich von der Bühne aus in seinen Bann. „No Remorse“ und „For Whom The Bell Tolls“ lassen die Energie der Band bis in die allerletzten Reihen, vor die Bars, ja bis zu den einsamen Securities vor den Ausgängen spüren. „Hell And Back“ sorgt für einen kleinen Dämpfer, zumal nur Besitzer des B-Seiten Albums „Beyond Magnetic“ den Song kennen. Durch ein kurzes extra Intro wird das 15fach mit Platin ausgezeichnete „Black Album“ eingeleitet. Das coole hierbei: Die Songs werden nicht in der bekannten Reihenfolge gezockt und die Spannung bleibt erhalten. Spätestens jetzt wird nicht nur den Musikern im Publikum klar: METALLICA haben scheinbar sehr viel geprobt und spielen die Songs tight wie selten zuvor. Ebenso offenbart sich uns, warum genau jenes Album so erfolgreich wurde: Es war nicht der Producer oder die Promotion, auch nicht die Tendenz zu softeren Songs, nein, es ist die Live-Qualität der Songs. Sämtliche Songs – nicht nur die Evergreens – zünden extrem schnell und bieten der Crowd massenhaft Gelegenheit mitzusingen. Bei „My Friend Of Misery“ wird das Publikum sogar zweistimmig eingeteilt, was nicht nur funktioniert, sondern auch noch gänsehautfördernd rüberkommt. „Enter Sandman“ beendet den „Black Album“ Part mit einem sprichwörtlichen Feuerwerk, just bevor „Fight Fire With Fire“ wieder mit seinem alles zerfetzenden Riff die letzten heilen Stellen am Körper in blaue Flecken verwandelt. Einzig „One“ kommt durch Lars Ulrichs „playmobilartigen“ Doublebass-Einsatz mehr als lasch rüber. Doch das macht das finale „Seek And Destroy“ wieder wett. Tja, trotz der Routine einer so großen Band, schaffen es METALLICA immer wieder live nicht nur zu überzeugen, sondern auch zu begeistern. Um es mit Lars Ulrichs Worten zu sagen: „We are the Metallica family!“ Ja, das Gefühl hatten wir alle.

Die Songs von METALLICA:

The Ecstasy Of Gold (Intro von Ennio Morricone)
Hit the Lights
Master Of Puppets
No Remorse
For Whom the Bell Tolls
Hell And Back
-
"Black Album":
The Struggle Within
My Friend Of Misery
The God That Failed
Of Wolf And Man
Nothing Else Matters
Through the Never
Don't Tread on Me
Wherever I May Roam
The Unforgiven
Holier Than Thou
Sad But True
Enter Sandman
-
Fight Fire With Fire
One
Seek & Destroy


Wer danach noch die Power hat, begibt sich durch die schiebenden Massen zur Alterna Stage, wo ein kleiner, ungesund bleich aussehender Herr mit Nerdbrille wie wild vor seinem DJ Pult auf und ab hüpft und dabei die Menge steil gehen lässt: SKRILLEX. Das Late Night Special entpuppt sich als kleiner Höhepunkt an diesem Tage. Auf viel, viel Optik wird gesetzt, denn die Visuals sind zwar furios, aber zur Stimmung passend ziemlich genial ausgefallen. Zusammen mit der spacigen Bühnendeko fällt nicht mal auf, dass der DJ allein auf der großen Bühne eventuell etwas verloren wirkt. Natürlich werden neben SKRILLEX Hits wie „First Of The Year“ auch bekannte Covers ausgepackt, um die Menge in Partylaune zu halten. Unter anderem wird von den Genrekollegen PENDULUM etwas ausgeborgt, stört aber niemanden, denn die Hits sind gut geremixed und fügen sich auch nahtlos ins Set ein. Hier und da schenkt man dem Gerücht, dass SKRILLEX nur mit Playback spielt, jedoch gerne Glauben, zumal der Herr etwas zu oft an gewissen Songstellen die Hände in der Höhe hat, während zum Beispiel Tempowechsel oder Songtransitions stattfinden. Naja, man kann nicht alles haben.





Nach so viel Moshen und Tanzen geht ein sehr lauter erster Tag am ROCK IM PARK Festival zu Ende. Und heilfroh über das trockene Wetter kriechen tausende von bereits heiseren Fans in ihre Zelte.
www.rock-im-park.com/

Doano
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Beitrag vom 08.06.2012
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