ROCK IM PARK - TAG2: DIE TOTEN HOSEN   THE OFFSPRING   AS I LAY DYING   DROPKICK MURPHYS   OPETH   DICK BRAVE & THE BACKBEATS   THE DONOTS   KING CHARLES   JAHCOUSTIX  
02.06.2012 @ Zeppelinfeld Nürnberg

Der Samstag geht immer noch trocken – sogar wunderbar sonnig – passend mit JAHCOUSTIX los. Der sympathische Deutsche wird freudig von einer überschaulichen Menge an Fans vor der Alterna Stage begrüßt. Der Dreadkopf strahlt erwartungsgemäß über beide Ohren und gibt politisch-korrekte Songs wie „Another Day“ oder „World Citizen“ zum Besten. Nichts besonderes, aber solide und perfekt für den frühen Samstag Nachmittag.

Die Songs von JAHCOUSTIX:
Intro
Another Day
Appreciation
World Citizen
On the Way


Ebenso mit friedlicher Allerweltsmusik geht’s auf der Center Stage weiter. Die Truppe um den Engländer KING CHARLES versteht es, das Publikum in einen musikalischen Trance zu versetzen. Mehrstimmiger Gesang, groovende Beats und eine Band, die bunter nicht sein könnte (Im Vergleich zum Frontmann sieht der Drummer im Anzug aus als ob er eben noch Versicherungen verkauft hätte). Viel Improvisation und eine Bühnenpräsenz fern von jeglicher Routine sorgt für den nötigen Schuss Lockerheit. Da fällt kurz die Gitarre aus, macht aber nix, das Publikum klatscht im Takt und der Rest der Band improvisiert eben dazu, nur um dann nahtlos in den nächsten Song überzugehen – durchaus genial.

Die Songs von KING CHARLES:

Mr. Flick
LoveBlood
Polar Bear
The Brightest Lights
Mood Moment Memory
Love Lust - New Master
Coco Chitty

Nach dieser ruhigeren Listening Session könnte man ahnen, dass es die Alternative Rocker von den DONOTS eventuell schwer haben werden, den Rock Funken im Publikum zu zünden. Aber nein, die Nordrhein-Westfalen wissen schon wie man zum Tanzen animiert. Nicht zuletzt wegen des sprachlichen „Heimvorteils“ springt der besagte Funke gerne über. Mit viel Spielfreude und Hits wie „Big Mouth“ oder „Dead Man Walking“ kristallisiert sich mit den DONOTS ein erster kleiner Höhepunkt an diesem zweiten Festivaltage heraus. Natürlich wird hierbei grinsend gegen das Publikum von ROCK AM RING aufgehetzt; ROCK IM PARK sei nicht der kleine Bruder, sondern viel eher die behaarte, fiese „große Schwester“. Solch Blödeleien kommen natürlich gut an und das finale TWISTED SISTER Cover „We’re Not Gonna Take It“ gibt der Crowd den Rest. So früh schon so ausgepowert; THE DONOTS, danke.





Die Songs von den DONOTS:

Calling
Big Mouth
Pick Up The Pieces
Wake the Dogs
To Hell With Love
Come Away With Me
You Got It
You're So Yesterday
Stop the Clocks
Whatever Happened To The 80s
Dead Man Walking
We're Not Gonna Take It


Viele kannten ihn als den deutschen Teenie Schwarm der 90er: SASHA. Etliche Jahre und eine „kanadische“ Staatsbürgerschaft später ist der mittlerweile gereifte Mann zurück, und zwar unter dem Namen DICK BRAVE & THE BACKBEATS. Ähnlich wie die Boyformation von THE BASEBALLS wird hier mal dick die Retrokeule ausgepackt und die 50er Jahre werden inklusive Haarpomade und Kotletten wieder zum Leben erweckt. Der Unterschied zu eben erwähnten liegt hierbei jedoch im Detail: DICK BRAVE & THE BACKBEATS sorgen für den nötigen Schuss an Authentizität, indem sie im Gegensatz zu den BASEBALLS wahrlich echtes uralt Equipment benutzen, was zwar in weniger transparentem, dafür aber angenehm „truen“ Sound resultiert. Mit einem englischen Akzent (den man ihm leider nur schwer abkauft) sagt der Frontmann ebenso Eigenkompositionen („This Girl Is Trouble“, „Tonight“) wie coole Covers an. Eben jene reichen von richtig genialen Kultsongs (siehe Setlist) bis hin zu modernen Pop Hits. Speziell „American Idiot“ und „Walk This Way“ zünden hochexplosiv bei der Crowd. Die Band bekommt genug Freiraum, um sich mit eindrucksvollen Solos aller Instrumente hart arbeitend, aber absolut verdienter Weise in die Herzen der Anwesenden zu zocken. Als am Ende sogar noch die Instrumente getauscht werden und jedes Bandmitglied die Beherrschung jedes Instruments aufweist, bleibt nur noch eine kollektive Meinung über: DICK BRAVE & THE BACKBEATS sind die wahren 50er Künstler, gerne noch einmal!





Die Songs von DICK BRAVE & THE BACKBEATS:

Tonight (I Ain't Rock)
High School Confidential (Jerry Lee Lewis cover)
Just Can't Get Enough (Depeche Mode cover)
This Girl Is Trouble
Rolling in the Deep (Adele cover)
Come On (Chuck Berry cover)
Use Somebody (Kings of Leon cover)
No One Knows (Queens of the Stone Age cover)
Cream/Kiss (Prince cover)
Just The Way You Are (Bruno Mars cover)
American Idiot(Green Day cover)
Black Or White(Michael Jackson cover)
Take Good Care of My Baby(Bobby Vee cover)
Walk This Way (Aerosmith cover)
Great Balls Of Fire (Jerry Lee Lewis cover)


Leider erlebt man bei den kommenden DROPKICK MURPHYS im Anschluss eine Flaute. Gut, die Jungs aus Boston, Massachusetts haben sich zusätzliche Musikerinnen als Verstärkung geholt und warten mit hohem Energielevel auf, doch die schießt eher ins Leere. Der Slot vor den beiden Mega-Headlinern tut der großen Truppe nicht gut und ihre grundsätzlich guten Songs stoßen auf eher verhaltenes Publikum. Der intransparente Sound tut sein übriges und zu erwarteter Irish-Pogo-Party kommt es leider nicht. Trotzdem hat die Band sichtlich Spaß und zieht ihr Ding durch, das Publikum respektiert das und partizipiert auch gerne. Bei Evergreens wie „The State of Massachusetts“ oder dem ACDC Cover „TNT“ wird gerne mal mitgesungen und Crowdgesurft und am Ende verabschieden sich die DROPKICK MURPHYS doch noch unter üppigem Applaus.





Die Songs von den DROPKICK MURPHYS:

Hang 'Em High
Captain Kelly's Kitchen
Sunday Hardcore Matinee
The Gang's All Here
Sunshine Highway
Bastards on Parade
Going Out In Style
Which Side Are You On?
Forever
The Irish Rover
The State of Massachusetts
The Warrior's Code
Citizen C.I.A.
The Dirty Glass
Broken Hymns
Johnny, I Hardly Knew Ya
Kiss Me, I'm Shitfaced
TNT (AC/DC cover)
I'm Shipping Up To Boston


THE OFFSPRING waren in letzter Zeit viel durch Europa und die USA unterwegs und außerdem steht ein neues Sommer Album vor der Tür. Alles feine Sachen für den Fan und natürlich darf da Deutschland nicht ausgelassen werden. Die Punk Legenden werden bereits heiß von ihren Fans ersehnt und als es locker und unspektakulär mit „You’re Gonna Go Far Kid“ beginnt, geht die Menge steil. Schade, so mancher hätte sich wieder die coolen Intros wie „Bad Habit“ oder „Neocon“ aus vergangenen Tourneen gewünscht. Aber egal, denn mit „All I Want“ und „Come Out And Play“ geht’s gleich legendär weiter und stellvertretend für die gesamten 70 Minuten werden hier die Herren abgefeiert und sämtliche Refrains mitgesungen. Dexter ist wie immer locker und zufrieden grinsend, Noodles hüpft immer noch wie vor 20 Jahren herum, hinter seinen Aschenbechern hervorguckend, während sich Bassist Greg K. und Drummer Pete Parada wie immer zurückhalten. Schade irgendwie, denn wer das absolut legendäre Basssolo von „Have You Ever“ kennt, würde sich gerne mal einen dazu abgehenden Greg K. wünschen, aber egal, so ist er eben. Die Setlist bewegt sich quer durch die Schaffensperioden der Band und mit „Days Go By“ gibt’s sogar den Titeltrack des kommenden Albums. Leider gibt’s OFFSPRING-typisch nicht viel Publikumsinteraktion, lediglich die ein oder andere – immerhin ehrliche – Aussage, dass RIP wirklich eine der besten Shows bis jetzt sei, hört man gerne. „The Kids Aren’t Alright“ und das allseits bekannte „Self Esteem“ hinterlassen trotzdem eine überglückliche, mehr als heisere Crowd und es darf sich zurecht auf das neue Album gefreut werden. Earshot hatte bereits die Ehre, das gesamte Album probezuhören und so viel sei vorweg genommen: Das Album strotzt nur so vor Sommerlaune und dem typischen OFFSPRING Flair. „Americana“ lässt grüßen. Also, THE OFFSPRING: Schön brav das neue Album promoten und auf einen Hallenstopp in Österreich vorbeischauen.





Die Songs von THE OFFSPRING:

You're Gonna Go Far, Kid
All I Want
Come Out and Play
Days Go By
Have You Ever
Staring at the Sun
Hammerhead
Genocide
Bad Habit
Walla Walla
Kristy, Are You Doing Okay?
Why Don't You Get a Job?
Americana
Want You Bad
(Can't Get My) Head Around You
Pretty Fly (for a White Guy)
The Kids Aren't Alright
Self Esteem


Tja, 9e hat‘s geschlagen und es wird Zeit für den Headliner des heutigen Abends: DIE TOTEN HOSEN. Das gefühlte gesamte Festival hat sich vor der Center Stage breitgemacht, um sich ihre deutschen Punk Rock Legenden/Idole/Vorbilder reinzuziehen. Fakt ist, DIE TOTEN HOSEN sind seit 30 Jahren in Höchstform und mit Recht eine der erfolgreichsten deutschen Bands überhaupt. Natürlich war für die Kombination HOSEN + ROCK IM PARK Epicness vorprogrammiert und genau so kommt es auch. Ein Hitfeuerwerk wird gezündet, das Publikum geht ab wie selten bei anderen Bands, die TOTEN HOSEN sind einfach zu mächtig im deutschen Sprachraum. Es hätte keinen Sinn die ersten Hits aufzuzählen, jeder Song wird einfach zu frenetisch abgefeiert. Natürlich darf trotz all der Reife die Punk Attitüde nicht fehlen und so fordert Frontsau Campino die Menge auf, diverse verbotene „Rauchdinger“ ruhig anzuzünden und sich von der Obrigkeit nichts sagen zu lassen. Flaute im Mittelteil? Keine Spur – „Hang On Sloopy“, „Bonny & Clyde“, „Paradies“, ich schwöre, selbst auf den Wegen außerhalb des Stage Areas wird noch lautstark mitgesungen – kaum vorzustellen wie sehr die Menge in den ersten Reihen wüten muss. Nach satten 21 (!) Songs geht’s erst mal runter von der Bühne, nur damit man sich Minuten später im Publikum fragen kann, woher die Herren noch ihre grenzenlose Energie nehmen. „Immer wieder kommen Leute zu uns und sagen: ‚Hei spielt doch mal diesen Arschloch-Song!‘ Wir bleiben dann immer ruhig und sagen: ‚Alter, das ist die andere Band‘“ Die Rede ist von „Schrei Nach Liebe“ von den ÄRZTEN – hier zeigen die Jungs Sympathie und Covern schlichtweg den Song – sehr genial. Gerade als man glaubt, das könne nicht mehr getoppt werden, bittet Campino mal kurz einen Punk Rock Veteranen auf die Bühne: Greg Graffin von BAD RELIGION. Die Fans können’s kaum glauben und es wird zu den BAD RELIGION Songs „Raise Your Voice“ und „Punk Rock Song“ abgetanzt als gäbe es kein morgen. „Blitzkrieg Bop“ darf bei so viel Ahnenverehrung natürlich nicht fehlen. Das war’s auch schon.

Denkste, natürlich gibt’s noch einen zweiten Zugabenblock. Und dabei fällt einem etwas ganz wichtiges auf: DIE TOTEN HOSEN besitzen eine Authentizität die kein, absolut kein großer Act mehr auf die Bühne bringt. Weder METALLICA, noch LINKIN PARK oder THE OFFSPRING schaffen es. Man weiß nicht wie, aber DIE TOTEN HOSEN schaffen nach 30 Jahren immer noch, nicht den kleinsten Hauch von Routine aufkommen zu lassen. Die Männer lieben, was sie da machen und speziell Campino – möge er lange leben - wird als Rock-Legende in die Geschichte eingehen – so viel steht fest. Eben jener hat scheinbar mit der Crew gewettet, dass er es nicht schafft, eine Dose Bier „mit allem was da dranhängt“ von der Bühne bis vor den Soundturm zu tragen. Gesagt getan, oben ohne, schweißtriefend, das Mikro in der einen Hand, die Bierdose in der anderen schmeißt sich Campino in die Menge und lässt sich die geschätzten 300 Meter von der Menge tragen. Hier und da fällt natürlich der Gesang aus oder Campino wird halt mal fallen gelassen – aber das scheint ihn nicht zu stören. Nach gut einem Song kommt er endlich dort an, klettert locker den 30 Meter hohen Scheinwerfer Turm hoch und drückt dem einsamen Mitarbeiter dort oben das Bier in die Hand. Als ob das nicht schon genug Bad Ass wäre, nö, Campino zündet auch noch eine rot leuchtende Rauchstange an, so viel Rebellion muss sein. Das Publikum kann‘s kaum fassen und nachdem es auf demselben Wege wieder Richtung Bühne geht gibt’s noch 3 Songs, um eine grenzgeniale Show unter tobendem Applaus und etlichen Zugaberufen zu beenden. DIE TOTEN HOSEN – eine der besten Live Bands aller Zeiten, immer wieder gerne wieder.






Die Songs der TOTEN HOSEN:

Drei Kreuze (Dass Wir Hier Sind)
Ballast Der Republik
Liebesspieler
Du Lebst Nur Einmal
Auswärtsspiel
Alles Was War
Altes Fieber
Hang On Sloopy (The McCoys cover)
Heute Hier, Morgen Dort (Hannes Wader cover)
Bonnie & Clyde
Paradies
Schade, Wie Kann Das Passieren?
Alles Wird vorübergehen
Pushed Again
Steh Auf, Wenn Du Am Boden Bist
Halbstark (The Yankees cover)
Alles Aus Liebe
Das Ist Der Moment
Liebeslied
Hier kommt Alex
Wünsch Dir was
Tage Wie Diese
-_
Draußen vor der Tür
Schrei nach Liebe (Die Ärzte cover)
Raise Your Voice (Bad Religion cover)
Punk Rock Song (Bad Religion cover)
Blitzkrieg Bop (Ramones cover)
Freunde
-
All die ganzen Jahre
Wort Zum Sonntag
Bis zum bitteren Ende
Zehn Kleine Jägermeister
Schönen Gruß, auf Wiederseh'n
You'll Never Walk Alone (Gerry & The Pacemakers cover)

Wer dann noch Öl in der Stimme und ein paar Eier in der Hose hat, begibt sich in die Höhle des Löwen: AS I LAY DYING bekehren die Club Stage. Eben jene stellt sich als feine Sache heraus, denn unter normalen Umständen ist die Club Stage eine riesige 2 stöckige Sporthalle. Im Erdgeschoss spielen die Bands und rundherum gibt’s zweistöckige Tribünen, wo sich die müden Fans sitzend das Spektakel reinziehen können. Sitzt man in den obersten Reihen, wirkt die Halle wie eine Ameisenkolonie: Im Zentrum des Treibens AS I LAY DYING, tausende Fans rundherum, kein Zentimeter der Halle wird freigelassen, speziell direkt vor der Stage ist der Hot Spot. Die Amis schwingen nicht nur höchstprofessionell, sondern auch noch hoch energetisch den Breakedown-Hammer über die wütende Meute. Die Halle erhitzt sich zur puren Räucherkammer, die Fans hören nicht auf zu moshen und auf der Bühne schrauben sich scheinbar die Köpfe von den Hälsen. Besonders Frontscreamer Tim Lambesis fällt durch seine einzigartige Helikopter-Headbang-Gesangstechnik auf; Schön zu sehen, dass es noch Metalbands gibt, die so viel auf Bewegung setzen. Leider fällt für die oberen Reihen oft der Sound aus, sodass man lediglich den Sound von unten hört, der dann doch etwas weiter weg klingt. Grundsätzlich ist der Sound aber trotz der Halle sehr transparent abgemischt und das Ausmaß der Zerstörung vor der Bühne ist von oben gut zu beobachten: Wer hier im Pit dient, hat wahrlich eine Medaille verdient.





Die Songs von AILD:

This Is Who We Are
The Sound of Truth
Upside Down Kingdom
Forever
Through Struggle
Condemned
Paralyzed
Anodyne Sea
An Ocean Between Us
Seperation
Nothing Left
94 Hours
Confined


Wer sich jetzt noch die volle Dröhnung an hochprofessioneller Frickelei gönnen will, bleibt für OPETH, die natürlich weit weniger Massen vor die Bühne ziehen, jedoch OPETH typisch stoisch und ohne Ansagen ihre Musik sprechen lassen – den Fans gefällt‘s natürlich und so wird auch noch nach 1 Uhr Morgens zu Klängen von „Slither“ oder „The Lines In My Hand“ gelauscht.





Die Songs von OPETH:

The Devil's Orchard
I Feel the Dark
Slither
Burden
The Lines in My Hand
The Grand Conjuration
Deliverance


So, jetzt ist’s aber Schluss, morgen erwartet uns ein letzter Tag voller musikalischer Höhepunkte und nicht musikalischer Überraschungen, also hole sich Schlaf wer kann.
www.rock-im-park.com/

Doano
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Beitrag vom 10.06.2012
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