METALFEST 2012 - TAG2: IN EXTREMO   W.A.S.P.   FEAR FACTORY   DARK TRANQUILLITY   DEATH ANGEL   STEELWING   BRAINSTORM   LAKE OF TEARS   MYSTIC PROPHECY  
01.06.2012 @ Schloss Mamling

Der nächtliche Zeltplatz glich einer Geisterstadt. Wer konnte, zog sich in sein Zelt oder zumindest, für die Unverbesserlichen, in das Bierzelt zurück. Anonyme Quellen berichteten gar von Dixi-Übernachtungen. G’hupft wie g’hatscht, eigentlich. Die Hauptsache war ja, eine dachähnliche Konstruktion über dem Kopf zu haben um ungestört zu schlafen oder zu trinken, je nachdem. Mit Fortschreiten des Vormittags wurden auch die Regenschauer seltener und langsam kehrte wieder Leben auf den Zeltplatz ein, jedoch waren die Spuren der Verwüstung nicht zu übersehen. Die Pavillons, die das Unwetter überstanden hatten konnte man an einer Hand abzählen, aber zumindest schafften es so manche emsige Handwerker annähender funktionstüchtige Pavillons aus den Gebeinen der zerstörten Vorgänger zu basteln.

Der Weg zur Festival-Area war inzwischen zu einem länglichen Schlammpfuhl verkommen, inklusive riesiger Pfütze. Gemeinerweise konnte man die Tiefe des Gewässers nicht abschätzen und ein unvorsichtiger Schritt konnte die Stiefel schön mit Wasser anfüllen. Vor der Mainstage war die Lage nicht besser und man hatte richtig viel Platz unmittelbar vor der Bühne, wenn man knöcheltiefen Wasser nicht abgeneigt war. Von Seiten der Veranstalter wurden wenige Ambitionen gezeigt, irgendetwas gegen die stellenweise fast untragbare Bodenbeschaffenheit zu unternehmen. Man setzte sehr kosteneffizient auf Solarkraft, sprich die Sonne wird den Matsch schon trocknen. Blöd nur, dass dichte Wolken und nächtliche Regengüsse nicht unbedingt förderlich für diese Taktik waren. Zwar fuhr ständig ein Traktor vor der Mainstage herum, aber das Bisschen Hackschnitzel, das tatsächlich ausgestreut wurde machte das sprichwörtliche Kraut auch nicht fett. Zumindest wurde die Bühne wieder auf Vordermann gebracht.

Im Laufe des Nachmittags brach aber sogar die Sonne das eine oder andere Mal durch die Wolkenschicht und die bierseelige Festivallaune hielt langsam wieder Einzug in die Gemüter der Menschen. Auf der Mainstage boten GRAVEYARD vor erstaunlich zahlreichem Publikum und mit überraschend gutem Sound als dritte Band des Tages eine tadellose Show. Auch wenn das Drumset beim Drumsolo etwas störrisch wurde und eine Trommel einfach wegkippte. Ganz egal.Mit viel Energie und Leidenschaft wurde aus der kurzen Playtime das Beste geholt.





DEATH ANGEL folgten den neo-old-school Rockern als nächster Act; ein ziemlich ausgeprägter musikalischer Kontrast. DEATH ANGEL boten eigentlich auch keine schlechte Show, aber der direkte Vergleich mit der Bühnenpräsenz von GRAVEYARD machte es für die Jungs eben nicht leicht. Zu synthetisch und zu wenig energetisch war das Auftreten. Aber vielleicht lag es ja auch an den sich wieder verdichtenden Wolken.





Das Programm auf der Mainstage war genremäßig überhaupt sehr bunt durchgemischt. SALTATIO MORTIS, DARK TRANQUILLTY, ENSIFERUM, FEAR FACTORY, W.A.S.P. und zu guter Letzt noch IN EXTREMO als Headliner. Wenig verwunderlich also, dass vor der Mainstage des Öfteren ein „Schichtwechsel“ der unterschiedlichen Metalhead-Gattungen zu beobachten war und somit jeder die Möglichkeit bekam einmal in der ersten Reihe zu stehen ohne den ganzen Tag dort verbringen zu müssen.

DARK TRANQUILLTY spielten ein solides Set, obwohl die Playlist etwas mehr Pep vertragen hätte können, bestand sie doch hauptsächlich aus Songs der letzten zwei Alben, mit „Treason Wall“ als einzige Ausnahme. Dafür glänzte Mikael Stanne wie gewohnt mit souveränen stimmlichen Leistung, geshoutet und clean wohlgemerkt. Der Sound war in Ordnung, die Stimmung ganz gut, aber DARK TRANQUILLITY sind zugegebenermaßen eine jener Bands, die bei Clubshows besser funktionieren, als wenn sie als Nachmittagsslot-Füller bei einem Festival fungieren müssen. Strahlender Sonnenschein tut zwar dem Gemüt ganz gut, für die Konzertatmosphäre kann man das aber leider nicht behaupten. Parallel zu den schwedischen Deathern ging es im Zelt mit TURBOWOLF rockig zu. Mit ihrem abgefahrenen 70er-Jahre Retro-Rock begeisterten die Männer aus Bristol die Zuschauer und lieferten einen energischen Gig, der die Leute moshen, bangen und tanzen ließ.





Setlist DARK TRANQUILLITY:

Terminus (Where Death Is Most Alive)
Misery's Crown
The Treason Wall
The Mundane And The Magic
Zero Distance
Dream Oblivion
In My Absence
The Fatalist

Es lohnte sich nach einer kurzen Pause in der man Bier tanken und Frischluft holen konnte, noch länger im Zelt zu verweilen, denn die sympathischen Schweizer Thrasher GURD, die auf der letzten Tour schon für richtig geile Stimmung sorgten waren an der Reihe. Wie gewohnt legten die Jungs rasant los und brachten mühelos viel Action in die Bude. Dank ihres aktuellen Werkes „Never Fail“ erleben die Herren, die bald 20 Jahre unterwegs sind, ihren zweiten Frühling, den sie sich redlich verdient haben. Aufgrund dieses tollen Auftritts musste man sich aber auch keine Vorwürfe machen, wenn man die Finnen ENSIFERUM auf der Mainstage verpasste.





Aber auch nach GURD konnte ich mich nicht von der Secondstage losreißen, da im Anschluss die griechischen Power Metaller von MYSTIC PROPHECY. Bei halbwegs guten Soundverhältnissen feuerten uns R.D. Liapakis und seine Männer ihre zahlreichen Hits um die Ohren und zeigten eine Spielfreude, so enorm, dass sich so manch Band noch etwas abschauen könnte. Präsentiert wurde natürlich das aktuelle Album „Ravenlord“, aber auch ältere Hymnen wie „Evil Empires“ oder „Sacrifice Me“ durften natürlich im Set der Griechen nicht fehlen. Durchgeschwitzt und ausgepowert mussten jetzt erstmal wieder neue Energien für FEAR FACTORY gesammelt werden.





Setlist MYSTIC PROPHECY:

Eyes Of The Devil
Savage Souls
Die Now
Sacrifice Me
Ravenlord
Endless Fire
Hollow
Evil Empires

FEAR FACTORY waren definitiv eines der Highlights des Tages. Mit schönem Wetter, wirklichen guten Sound und einer Playlist, die kaum Wünsche offen ließ lieferten sie einen wirklich gelungen Auftritt. Da kann man dem inzwischen blondierten Herrn Burton C. Bell auch verzeihen, dass er gesanglich alles andere als treffsicher war, um es mal sehr diplomatisch auszudrücken. Überraschend war, dass man kaum Lieder der aktuellen Scheibe in der Playlist fand, „Recharger“ als glorreiche Ausnahme, das sich aber wiederum sehr gut in das Set einfügte, und das obwohl man nicht müde wurde, das Album in den Ansprachen zu promoten, versuchte Massenhypnose inklusive.





Setlist FEAR FACTORY:

Shock
Edgecrusher
Smasher/Devourer
Linchpin
Powershifter
Fear Campaign
Christploitation
Recharger
Martyr
Scapegoat
Demanufacture
Self Bias Resistor
Zero Signal
Replica

Die Urgesteine von W.A.S.P., die im Anschluss spielten hatten dann soundtechnisch weniger Glück als ihre Vorgänger. Welch‘ Wahnsinn den Tontechniker geritten haben muss, den Schubregler für die Gesamtlautstärke gefühlt bis zum Anschlag hinaufzuschieben wird wohl ein Rätsel bleiben, ohne adäquaten Schutz für die armen Öhrchen bohrte sich ab dann aber vor allem der hohe Gesang böse in das Trommelfell. Den alteingesessenen Konzertveteranen in ihren schmucken Jeansjacken war das aber ziemlich egal. Denen wird’s zuvor vielleicht ohnehin zu leise gewesen sein.

Mit W.A.S.P. landete der Veranstalter wohl die größte Überraschung des Festivals. Blacky Lawless und seine Männer agieren nun schon seit 30 Jahren souverän, hatten zwar auch ihre Tiefs, doch mit Songs wie "On Your Knees", "L.O.V.E. Machine" oder den Überhits "I Wanna Be Somebody" und "Blind In Texas, die das Grande Finale von W.A.S.P. darstellten sollte sowieso keiner ruhig am Platz stehen bleiben können. Ausgesprochen gut in Form spielte sich die Band 75 Minuten lang in die Herzen der Fans und sogar eignefleischte Fans der extremen Musik mussten hier anerkennend nicken.

Setlist W.A.S.P.:

On Your Knees
The Real Me
L.O.V.E. Machine
Crazy
Wild Child
Hellion / I Don't Need No Doctor / Scream Until You Like It
Babylon's Burning
The Idol
I Wanna Be Somebody
Blind in Texas

Die Nacht gehörte dann noch IN EXTREMO, die mit Flammenshow und altbewährten Gassenhauern die Folk/Medial Metal Fans unter den Festivalbesuchern mehr als zufrieden stelle. Zugegebenermaßen kann unsereins mit IN EXTREMO nicht wirklich viel anfangen, doch anhand der Resonanz der Zuschauer und der optischen Darbietung, die für eine Band dieses Dienstalters mehr als ansprechend war, muss man der Band schon Anerkennung zuteilwerden lassen. Hier machte sich auch der Vorteil von deutschen Texten bemerkbar, denn wie laut hier mitgesungen wurde, verblüffte sogar Fronter Michael Rhein aka Das Letzte Einhorn. „Vollmond“ oder „Frei Zu Sein“ hätten auch vom Publikum komplett alleine vorgetragen werden können.





Und wieder ab ins Zelt. Die Düster-Metaller LAKE OF TEARS erzeugten zwar zu später Stunde eine sehr dichte Atmosphäre, konnten aber leider nicht so sehr mitreißen wie erhofft. Etwas steif wirkte ihr Auftritt und die meist sehr ähnlichen Songs zündeten nur langsam. Dass die Band aber einen schlechten Auftritt hinlegte, möchte ich hier nicht behaupten, denn Fronter Daniel und seine schwedischen Jungs gaben sich reichlich Mühe eine dichte Atmosphäre zu erschaffen. Angst um ein Stimmungstief brauchte man sich aber beim finalen Doppelschlag sowieso nicht machen.





Setlist LAKE OF TEARS:

Taste Of Hell
Illwill
The Greymen
Raven Land
As Daylight Yields
Boogie Bubble
So Fell Autumn Rain
House Of The Setting Sun
Crazyman

Sowohl BRAINSTORM als auch die Jungspunde von STEELWING hatten das Publikum fest im Griff, auch wenn sie nicht gerade den saubersten Sound spendiert bekamen. Andy B. Frank und seine Männer aus Deutschland starteten spielfreudig und vor Energie sprudelnd in ihr Set, welches voll mit Hits wie dem Eröffnungsstück „Worlds Are Coming Through“, „Fire Walk With Me“, den neuen Tracks „Temple Of Stone“ und „Shiver Bestand“. Den Abschluss machte dann natürlich wie gehabt das geniale „All Those Words“, welches von den Fans brav mitgesungen wurde.





Setlist BRAINSTORM:

Worlds Are Coming Through
In The Blink Of An Eye
Shiva´s Tears
Temple Of Stone
Shiver
In These Walls
All Those Words
Highs Without Lows


Man kann von der Musik von STEELWING halten was man will, aber wie sie sich auf der Bühne zu verhalten haben, hat man ihnen wohl schon in die Wiege gelegt, denn auch hier konnte keiner ruhig stehen. Sofort steckte man die Zuschauer mit ihren MAIDEN-ähnlichen Songs an und machte richtig Stimmung. Riley Erickson gab sich beim Gesang sehr viel Mühe, was bei dem matschigen Sound aber leider ziemlich überflüssig war, da er in den ersten beiden Songs kaum zu vernehmen war. Weder Band noch Zuschauer störte dieser Umstand und so wurde bis zum Umfallen gefeiert.





Setlist STEELWING:

Full Speed Ahead
The Illusion
The Nightwatcher
Breathless
Zone Of Alienation
The Running Man
Sentinel Hill
Roadkill (...Or Be Killed)

Nach Abschluss des musikalischen Rahmenprogrammes des zweiten Tages verzog man sich dann so langsam wieder in das eigene Zelt, möglicherweise mit längerem Umweg durch das After-Show-Party-Bierzelt. So oder so wurde der Marsch zu einer Art Spießroutenlauf, verwechselten so manche dem Alkohol etwas zu sehr zugeneigeten Festivalbesucher die Gehwege mit Toiletten. Bei einem unvorsichtigen Überholmanöver konnte einem buchstäblich "ans Bein gepinkelt" werden und zumindest in meinem Kopf machten sich unangenehme Fragen bezüglich der Flüssigkeitszusammensetzung so mancher großer Pfütze breit. Vielleicht ist man ja etwas verweichlicht, überempfindlich gar, aber der Gedanke daran knöcheltief in Fremdurin zu stehen, gestanden zu haben, oder noch schlimmer, von Kopf bis Fuß mit jenem Schlamm bedeckt worden zu sein (großer Dank an den Dolm, der es für witzig erachtete unmittelbar neben mir mit beiden Beinen in das "Wasser" zu hüpfen) trübt die Feierlaune doch merklich. Gute Nacht.


FOTOS + E-CARDS
www.metalfest.eu

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Beitrag vom 18.06.2012
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