METALFEST 2012 - TAG3: MEGADETH   BLIND GUARDIAN   HYPOCRISY   TRIPTYKON   LEGION THE DAMNED   MOONSPELL   ALESTORM   WITCHCRAFT   FLESHGOD APOCALYPSE   REPLICA   
02.06.2012 @ Schloss Mamling

Wer mit einem leichten Schlaf gesegnet sein sollte, ist damit auf einem Festival nicht gut bedient. Schwere Regentropfen, die gegen das Zelt hämmern, freudentrunkene Gesänge der Zeltnachbarn, Notstromaggregate die mit damit betriebene Stereoanlangen um die Wette lärmen oder ein Auto, das unmittelbar neben einem im Schlamm stecken bleibt, die Reifen ordentlich durchdrehen lässt und dabei mit Schlamm um sich schießt, irgendetwas reißt einen immer aus den Träumen und sollte ausnahmsweise die Sonne scheinen, ist es in einem Zelt sowieso sehr schnell nicht mehr auszuhalten. Der dritte Tag am Metalfest bot alles davon. Doch die nächtlichen Regengüsse waren leicht und die Sonne lachte den Leuten vormittags ins Gesicht. Der Schlamm begann zu trocknen, Seen versiegten, langsam aber doch. Sollte das Wetter am Ende doch noch mitspielen, oder sollte man lieber misstrauisch bleiben, schließlich war der Himmel immer noch wolkenbehangen.

Leider bot die Mainstage am letzten Tag zur Mittagsstunde nicht viel Interessantes. War es vor zehn Jahren noch ein lustige Innovation, die hiesige Trachtenmusikkapelle den Tag eröffnen zu lassen, so zerrt so ein unnötiger Auftritt heute nur an den Nerven und bringt dem restalkoholisierten Kopf eigentlich nur noch mehr Schmerzen. Der geneigte Headbanger holt sich da lieber gleich ein Reparaturseiterl und mosht sich die Kopfschmerzen bei REPLICA im Zelt weg. Natürlich ging es da drinnen wieder doppelt heiß her. Zum einen gaben die Marchtrenker Metalcore´ler richtig schön Gas und zum anderen wurde es durch den Sonnenschein wieder unangenehm heiß. Im Anschluss hieß es natürlich frische Luft schnappen und zu den Stoner/Doom Metallern ORANGE GOBLIN abrocken. Die Herren rund um Fronthüne Ben Ward wussten die noch recht verschlafene Zuschauermenge schnell munter zu bekommen und lieferten mit ihrem schwermütigen Metal ein überaus gelungene Performance. Dass der Mann auf Zombies steht erkannte man nicht nur am übermüdeten Publikum sondern auch an seinem „Dawn Of The Dead“ Shirt und der Tatsache, dass er einen Song dem Erschaffer dieses Filmwerkes einen Song widmete.

Zurück im Zelt enterten gerade die Linzer Groove Metaller U.G.F. die Bretter, die kurz zuvor von SCARECROW NWA frei gemacht wurden. Noch gar nicht lange her, da zerlegte die UNDERGROUND GROOVE FRONT rund um Frontschreihals Armin (GODHATECODE, AFGRUND) den Posthof beim Metal Overdose. Und so positiv sie mir in Erinnerung waren, so mühelos hielten sie diesen Zustand am Metalfest aufrecht. Fett, groovig und nur wenig kompromissbereit knüppelte man sich souverän durch das recht kurze Set.





Bei Sonnenschein und angenehmer Wärme machten es sich dann die Trunkenbolde von ALESTROM selbst zur Mission dafür zu sorgen, die anwesenden Zuhörer möglichst schnell möglichst betrunken zu machen. Man könnte jetzt böse behaupten, dass die ALESTORM’sche Musik nüchtern wirklich um einiges schwerer verdaulich ist als wenn man sternhagelvoll vor der Bühne steht, aber das liegt vielleicht auch an den zahlreichen subtilen Botschaften in ihren Songs (man denke nur an die anfänglichen Worte von „Rum“). Wie dem auch sei, den nachmittäglichen Betrunkenen, sei es jung oder alt, schien es gefallen zu haben, ja, der eine oder andere schwang sogar das Tanzbein, natürlich nicht ohne dabei Unmengen an Bier zu verschütten. Als Alternativprogramm tischten DIABOLUS DUST im Zelt eine Mischung aus Thrash und Power Metal auf, der Sound war aber miserabel und von dem Raumklima möge man gar nicht erst anfangen. Dennoch schienen die ersten Reihen von eingefleischten Fans besiedelt gewesen zu sein, die rhythmisch ihr Haupthaar schwenkten und ein paar Passagen mit grölten.





Setlist ALESTORM:

Shipwrecked
Midget Saw
Nancy The Tavern Wench
Keelhauled
Rum
Death Throes Of The Terrorsquid
The Sunk´n Norwegian
Over The Seas
Captain Morgan´s Revenge

So förderlich Sonnenschein bei ALESTORM auch gewesen sein mag, bei MOONSPELL war es eher ein Stimmungskiller. Eine Setlist mit wenig Drive, Songs die eher auf dunkle Atmosphäre ausleget gewesen wären und dazu noch eine kaum wahrnehmbare Leadgitarre. Zumindest, wenn man links des Towers stand (zur Bühne blickend), denn auf der anderen Seite schien die Leadgitarre alles zu dominieren. Stereosound in Ehren, aber man kann es wirklich übertreiben. Die soundtechnischen Unannehmlichkeiten machten es für MOONSPELL nicht unbedingt leichter und so blieb auch die Stimmung im Publikum etwas verhalten und auch die streckenweise schon etwas genervt wirkenden Versuche des Fronters Fernando das Publikum zu animieren halfen der Sache nicht unbedingt. Ein mittelmäßiger Auftritt und weit unter dem Potential dieser Band.






Setlist MOONSPELL:

Axis Mundi
Lickanthrope
Alpha Noir
Wolfshade (A Werewolf Masquerade)
An Erotic Alchemy
Em Nome Do Medo
Opium
Trebaruna
Alma Mater
Full Moon Madness

Zu LEGION OF THE DAMNED kann man eigentlich nicht viel sagen. Hat man ein Album gehört, kennt man die anderen auch. Ähnlich ist es bei ihren Liveshows, und das Metalfest machte hier keine Ausnahme. Schneller Death Metal ohne viel Schnick Schnack, gut zum Headbangen und Moshen. Die Stimmung in den vorderen Reihen war gut, was will man mehr. Wobei man erwähnen muss, dass LotD bei diesem Gig wieder etwas mehr Energie entfesseln konnten, als bei den letzten Club-Shows, was aber auch daran liegen mag, dass die Niederländer in den letzten Jahren eigentlich auf jeder Bushaltestelle ihr Live-Material zum Besten gaben und dementsprechend die Erwartungen niedrig blieben.





Setlist LEGION OF THE DAMNED:

Legion Of The Damned
Cult Of The Dead
Lucifer Savior
Death's Head March
Bleed For Me
Pray and Suffer
Malevolent Rapture
Werewolf Corpse


Auf der Second Stage machten sich einstweilen NACHTBLUT breit, ein Name, der zuvor schon des Öfteren am Metalmarket und vor der Bühne zu hören war, ja zwei Leute, die ihr Zelt und sogar große Teile ihrer Reisegruppe an den Sturm verloren hatten verblieben hartnäckig auf dem Festival nur um NACHTBLUT zu sehen. Das Zelt der Second Stage war gerammelt voll. Die umgedrehten Kreuze, die die Verstärkerbehänge zitierten, das Corpse Paint, das die Gesichter schmückte und das dunkle Bühnenoutfit ließen auf etwas schwarz-metallisches schließen. Sollte man meinen, wenn man nicht wüsste wer hier auf der Bühne stand. Dark-Metal, wie CRADLE OF FILTH, wenn man sie der Geschwindigkeit beraubt. Sogar Frontmann Askeroth wirkte von Make-Up, Mikrofon-Haltung, Bühnenpräsenz bis hin zur stimmlichen Darbietung wie eine fleischgewordene Hommage an Danny Filth. Geht man nach den Kommentaren bei einigen Youtube-Videos von NACHTBLUT scheint die Band auch ähnlich zu polarisieren wie ihre britischen Counterparts. Den Leuten im Zelt schien es aber zu gefallen, blieb das Zelt bis zum Schluss hin voll. Zwar verdrückte sich der eine oder andere wieder, dafür kamen auch immer wieder neue Leute ins Zelt. Für Nachtblut schien es auf jeden Fall ein erfolgreicher Auftritt gewesen zu sein.






Auch HYPOCRISY hatten auf der Mainstage mit strahlendem Sonnenschein in den Augen zu kämpfen, was Frontmann Peter Tägtgren gleich zu Beginn dazu veranlasste, die arme Sonne zu beschimpfen, die doch ihr Bestes tat den Boden wieder brauchbar zu machen. Nun gut, die Setlist war sehr ausgewogen und lieferte einen Querschnitt durch das langjährige musikalische Gesamtwerk von HYPOCRISY, schnelle Nummer wie „Warpath“ fügten sich mit langsameren, aber nicht weniger kraftvollen Nummern wie „Eraser“ doer dem Übertrack „Fire From The Sky“ (welcher natürlich der bösen Sonne gewidmet wurde) zu einem starken Set. Peter selbst wirkte zwar müde und die Augenringe nahmen wieder sein halbes Gesicht ein, doch davon ließ er sich weder gesanglich noch bei seinem Gitarrenspiel etwas anmerken. Selbst der Sound wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten noch brauchbar, und so kann man getrost sagen, dass HYPOCRISY für einen der stärksten Auftritte des Festivals gesorgt haben.





Setlist HYPOCRISY:

Fractured Millenium
Valley Of The Damned
Adjusting The Sun
Fire In The Sky
Killing Art
Pleasure Of Molestation / Osculum Obscenum / Penetralia
Weed Out The Weak
Eraser
The Final Chapter
Warpath
Roswell 47

Nach HYPOCRISY fühlte man sich wie bei der Reise nach Jerusalem. Die in den vorderen Reihen machten nämlich Platz für die Jünger des Power Metals. BLIND GUARDIAN waren an der Reihe und sollten nach 75 Minuten mehr als siegreich von Dannen ziehen. Grinsend und gut gelaunt wie immer betraten Hansi Kürsch und seinen Männer die Bühne und feuerten einen Hit nach dem anderen ab. Klar, mit recht vielen Überraschungen durfte man bei diesem kurzen Set natürlich nicht rechnen, dafür aber mit Dauerbrenner wie „Valhalla“, dem hymnischen „Nightfall“, der Gänsehaut-Ballade „Lord Of The Rings“ und neueren Songs wie „Fly“ oder dem Überlangen „Sacred Worlds“. Mitgesungen wurde überall brav, doch so richtig bemerkbar machte sich das natürlich wieder bei „The Bards Song“, bei dem Hansi eine kleine Pause gegönnt wurde. BLIND GUARDIAN sind einfach eine grandiose Live-Band und das bestätigten sie auch an diesem späten Nachmittag mühelos.





Setlist BLIND GUARDIAN:

Sacred Worlds
Born In A Mourning Hall
Nightfall
Fly
Lord Of The Rings
Time Stands Still (At The Iron Hill)
A Voice In The Dark
Lost In The Twilight Hall
Majesty
Valhalla
The Bards Song (In The Forest)
Imaginations From The Other Side
Mirror, Mirror


FLESHGOD APOCALYPSE durften zum Glück in der Dunkelheit des Zeltes der Second Stage spielen, denn auf der großen Bühne in der Helligkeit des Tageslicht wäre die düstere Show bei weitem nicht so stimmungsvoll geworden. Adrett im zerrissenen Anzug gekleidet betraten die als Zombies geschminkten Death Metaler die Bühne um mit ihrem brachialen Sound die versammelte Menge aufzumischen. Die Gitarren schnitten in die Ohren, die Bassdrum war zu Tode getriggert und der nobel aussehende Herr am E-Piano klimperte die Tasten rauf und runter, aber leider hörte man davon rein gar nichts. Wirklich schade, denn genau diese Piano-Klänge hätten das Bühnenbild, das an einen alten Horrorstreifen erinnerte, perfekt mit der Musik zusammengeführt. Aber dennoch, ein starker Auftritt mit guter Stimmung im Zelt.

Mit einem abrupten Genre-Wechsel folgten dann die Psychedelic-Rocker von WITCHCRAFT, die sich anfangs sogar guter Besucherzahlen erfreuen konnten. Das änderte sich aber schlagartig mit dem Beginn von MEGADETH auf der Main-Stage. Leider, denn die Show von WITCHCRAFT war wirklich sehenswert. Sänger Magnus Person lieferte sich stimmlich kaum Blößen und lieferte eine beachtliche Leistung ab und Gitarrist Simon Solomon brillierte bei jedem Gitarrensolo. Der neu an Bord gezogene Drummer Oscar Johanson spielte wie ein junger Dave Grohl und sah zugegebenermaßen auch ein bisschen so aus. Sein Spiel war vielleicht nicht immer ganz fehlerfrei, aber das Fehlen dieser totalen Präzession gab dem Sound das richtige Rock’n Roll Feeling. Roh, wild und vielleicht auch ein klein wenig rotzig, eben genau so, wie man es gern haben will.

Die Thrash Urgesteine von MEGADETH hatten es nicht leicht dieses Festival als würdigen Headliner zu beenden, was zum einen an dem starken Auftritt von BLIND GUARDIAN und natürlich auch W.A.S.P. am Vortag lag, aber auch daran, dass zeitgleich die CELTIC FROST Legende TRIPTYKON das Zelt okkupierte und der Sound auf der Mainstage nur langsam zu Höchstformen auflief. Dave Mustaine, der sich anscheinend vor einigen Jahren ein Hunderter-Pack weiße Hemden zulegte, ließ sich daran aber nur wenig stören und legte eine souveräne Show hin. Natürlich halfen ihm dabei Broderick und Elefson ungemein, denn die Herren gaben ordentlich Gas und machten Hits wie „Hangar 18“, „Sweating Bullets“ oder auch neueres Material wie das rockige „Public Enemy No.1“ und die Thrash-Granate „Head Crusher“ zu einem wahren Genuss. Nachdem man sich durch ihr fettes Set gespielt hat und Dave gefühlte 100 Dankeschön an das Publikum gehen ließ, kam Schlussendlich und viel zu früh die Sperrstunde der Mainstage des Metalfest 2012.





Setlist MEGADETH

Never Dead
Head Crusher
Wake Up dead
Trust
Hangar 18
Angry Again
She-Wolf
Poison Was The Cure
Sweating Bullets
Whose Life (Is It Anyways?)
Public Enemy No. 1
Symphony Of Destruction
Peace Sells
-
Holy Wars... The Punishment Due


Zeitgleich erklomm Metal-Legende Tom Gabriel Warrior mit seiner Doom Metal-Gruppe TRIPTYKON die Bühne im Zelt. Die Setlist war wie immer eine Mischung aus TRIPTYKON und CELTIC FROST Songs, wobei sich bei Klassikern wie dem Opener „Procreation Of The Wicked“ oder bei „Circle Of Tyrants“ so manche Festivalbesucher stimmlich beteiligten. Mit dem knapp 20 Minuten langen „The Prolonging“ wurde das Set beschlossen, bittererweise fünf Minuten vor der im Infoheftchen angegebenen Schlusszeit. Ein Phänomen, das leider nicht nur bei TRIPTYKON zu beobachten war.

Setlist TRIPTYKON:

Procreation Of The Wicked
Circle Of Tyrants
The Prolonging

Was bleibt also nach 3 Tagen Metalfest im idyllischen Mining zu sagen? Für das schlechte Wetter kann man den Veranstaltern wohl kaum die Schuld geben, für die untragbaren Bodenverhältnisse zumindest teilweise. Im Gegensatz zum Vorjahr wurden kaum Hackschnitzel oder Heu ausgestreut um zumindest etwas gegen den Schlamm zu kämpfen. Der Zustand der Dixi-Toiletten am Campinggelände war auch alles andere als erfreulich, denn zum einen wurde die Anzahl der Toiletten überproportional stark zur gesunkenen Besucheranzahl verringert zum anderen sah auch selten Reinigungsfahrzeuge ihre Arbeit verrichten. Wassertoiletten und Duschen gab es zwar, die gepriesene „Flat-Rate“ wurde aber im Vergleich zum Vorjahr um 3 Euro (von 5,- auf 8,-) verteuert und die Möglichkeit für einmalige Benutzungen wurde nicht geboten. Ach ja, Schlagen vor den Wassertoiletten und Duschen gab es natürlich immer noch. Am dritten Tag war die Müllrückgabe übrigens erst ab 22 Uhr möglich und zudem einen zehnminütigen Fußmarsch vom Eingang enrfernt in einem dunklen unbeleuchteten, nicht beschilderten Eckchen, was viele Festivalbesucher dazu veranlasste, die Müllsäcke entnervt liegen zu lassen und die 5 Euro Müllpfand den Organisatoren zu überlassen. Am offiziellen Abreisetag funktionierte die Müllrückgabe aber problemlos. Man sollte auch positiv hervorheben, dass oft Geländetaugliche Vehikel auf dem Zeltplatz unterwegs waren, um feststeckenden Autos Hilfe zu leisten, was die Abreise doch deutlich erleichtern konnte. Besitzt man aber keine ÖAMTC Mitgliedskarte, löhnte man stolze 20 Euro, was für die zahlreichen deutschen Besucher ein Problem darstellte.

Dennoch bleibt ein etwas bitterer Geschmack zurück, hat es ja schließlich den Anschein als ob man sich organisatorisch einen Schritt nach hinten bewegt hätte. Am Line Up gab's wenig zu bekriteln, hatte man sich in diesem Jahr endlich mal etwas mehr Gedanken gemacht und, anstatt immer wieder die gleichen mittlerweile sehr weichgekochten Bands zu holen, ein paar Schmankerl geliefert.


FOTOS + E-CARDS
www.metalfest.eu

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Beitrag vom 18.06.2012
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