URIAH HEEP   JETHRO TULL   MOTHER´S FINEST   TEN YEARS AFTER  
06.07.2012 @ Burg Clam, Klam

Alle Jahre wieder, wird zum gemeinsamen rocken auf die alt ehrwürdige Burg Clam eingeladen. Das Konzept der letzten Jahre, dass man auf Rockdinosaurier setzte, die ihren x-ten Frühling erleben, wurde auch diesmal umgesetzt. Die Namen der diesjährigen Bands lauteten IRON BUTTERFLY, bekannt durch das längste Drum Solo aller Zeiten in „In A Gadda Da Vida“, die im Rockbereich nicht so bekannten MOTHER’S FINEST, Flötenvirtuose Ian Anderson mit seiner Band JETHRO TULL und die auf der Burg schon sehr bekannten URIAH HEEP.

Die Anreise dauerte diesmal etwas länger, da der Andrang anscheinend etwas unterschätzt wurde. Nach sehr langem Fußmarsch vom Parkplatz zur Bühne gab es gleich die erste Überraschung. Die älteren Herren vom eisernen Schmetterling mussten aufgrund einer Erkrankung ihres Sängers den Auftritt absagen. Respekt an dieser Stelle an den Veranstalter, dass man in so kurzer Zeit mit TEN YEARS AFTER durchaus namhaften Ersatz bekommen konnte. Doch durch unsere Verspätung mussten die Briten ohne uns als Zuseher auskommen. Viele gut gelaunte Leute, die Meisten schon etwas ältere Jahrgänge, hatten sichtlich Spaß und bevölkerten das wunderschöne Gelände in teilweise sehr fragwürdigen Outfits aus jüngeren Jahren. TEN YEARS AFTER kamen bei den Besuchern sehr gut an, wie wir von einigen Anwesenden hörten. Kein Wunder, sind die Herren doch auch schon richtige Stammgäste auf der Clam.

Nach fast 60 minütiger Umbaupause, starteten die mir bisher unbekannten MOTHER’S FINEST mit ihrem Gig. Bei leichtem Nieselregen und drohenden dunklen Wolken, versammelte sich eine große Menge vor der Bühne um die 1970 gegründeten Funk-Rocker rund um Sängerin Joyce „Baby Jean“ Kennedy in Aktion zu sehen. Musikalisch klangen die Amerikaner eher nach 70er Disco als nach Rock, und so bin ich der Meinung, dass Mutters Bestes eher unglücklich gewählt wurde. Doch was soll´s, den Anwesenden schien es zu gefallen und so blieb Zeit für uns, sich die Essensstände oder den Merchandise Stand näher anzusehen. Ein erster Blick auf die verlangten Preise ließ erkennen, dass der heutige Abend kein billiger Spaß werden dürfte. Wurde man um auf einer Wiese zu parken schon um fünf Euro erleichtert, sollte man bei einem Kebab bei dem nach der zweiten Band schon die Hälfte der Zutaten fehlte ebenfalls stolze fünf Euro hinblättern. Beim naheliegenden Bosnerstand sah es nicht besser aus und so bekam man aufgrund fehlender Ressourcen eine Wurst ohne irgendetwas im Kornspitz. Ein dickes Minus für diese dreiste Abzocke. Dafür war die Stimmung auf der Bühne großartig. Die sechs Musiker gaben sich reichlich Mühe die Zuschauer bei Laune zu halten. Neben einer energischen Performance überzeugte man auch mit sympathischer Ausstrahlung und gutem Sound. Klar, neben URIAH HEEP und JETHRO TULL verblassen diese Musiker trotz ihrer langjährigen Erfahrung, aber den Anheizer mimten die Herren und Dame souverän.





Der Großteil der Zuseher machte es sich in der zweiten endlosen Umbaupause auf dem angrenzenden Hügel gemütlich. Einer der großen Vorteile dieser Lokation ist, dass man überall einen guten Blick auf die Bühne hat. Das erste wirkliche Highlight an diesem Abend sollte eine lebende Legende sein. Ian Anderson, der Gründer von JETHO TULL und der Herr der Querflöte. Einen ersten Blick durfte man schon beim Soundcheck auf den alten Herren werfen, der sich nicht zu schade war, selbst Hand anzulegen – der Mann ist eben Perfektionist und überlässt nichts dem Zufall. Unter den ersten Tönen seiner Musikanten stürmte Ian unter tosendem Applaus die Bühne.

Mit seinen 64 Lenzen einer der längst dienenden noch lebenden Rocker, muss man Herrn Anderson auch für seine Optik ein Kompliment aussprechen. Meine Wenigkeit wäre froh nur halb so gut in Form zu sein in diesem Alter. Musikalisch konzentrierte man sich auf die beide „Thick As A Brick“ Alben, die man komplett spielte, was sich im Nachhinein als nicht so optimal herausstellte. Bei gutem Sound, einem spielfreudigen, freundlichen und gut gelaunten Ian und einer souveränen Band, wollte der Funke auf die Besucher nicht so wirklich überspringen. Der Grund hierfür dürfte wohl die etwas eintönige Songauswahl sein, verzichtete man doch auf einen Großteil der flotten Klassiker. Klar, die „TAAB“ Alben und die Geschichte rund um Gerald Bostock sind interessant. Sowohl der erste Teil, der schon 40 Jahre auf dem Buckel hat, als auch der, erst in diesem Jahr erschiene Nachfolger haben ihre großen Momente, doch ist das Material einfach zu sperrig und anstrengend um ein dynamisches Live-Konzert zu garantieren. Man merkte auch schnell, dass die meisten Besucher, trotz des sehr hohen Altersdurchschnitt nicht wirklich Vertraut mit dem Material waren und somit passierte es, dass erst bei einer verkürzten Version vom genialen „Aqualung“ und der Zugabe „Locomotiv Breath“ es richtig laut wurde. So manch älterer Jahrgang fühlte sich kurzzeitig wieder sehr jung und feierte seine Klassiker lautstark mit. Ian agierte zwar agil und hatte sowohl seine kleine akustische Gitarre als auch die Flöte fest im Griff, doch stimmlich war er an diesem Tag nicht ganz auf der Höhe.





Setlist JETHRO TULL´S IAN ANDERSON:

Thick As A Brick Part 1
Thick As A Brick Part 2
From A Pebble Thrown
Pebbles Instrumental
Might-Have-Beens
Upper Sixth Loan Shark
Banker Bets, Banker Wins
Swing It Far
Adrift and Dumbfounded
Old School Song
Wootton Bassett Town
Power And Spirit
Give Till It Hurts
Cosy Corner
Shunt And Shuffle
A Change Of Horses
Confessional
Kismet In Suburbia
What-Ifs, Maybes and Might-Have-Beens
-
Aqualung
Locomotive Breath

Somit ein durchschnittlicher Auftritt von JETHRO TULL, die den Kontakt zum Publikum suchten. Das nächste Mal bitte etwas flotter. Als letzter Akt des Tages und als wahrer Liebling der Anwesenden durften URIAH HEEP ihr Hitfeuerwerk abbrennen. Schon 2008 begeisterten die Herren im Vorprogramm von WHITESNAKE und brachten die Burg zum Wackeln und lehrten David Coverdale das Fürchten eines Support Acts. Auch vier Jahre später haben die sympathischen Briten um Frontmann Bernie Shaw, der bereits seit 1986 als Aushängeschild der Band gilt, die Fans in ihren Händen. Letztes verbleibendes Gründungsmitglied ist ja Mick Box, der auch an diesem Abend wieder auf der Gitarre brillierte und mit souveräner Coolness das Set fehlerfrei durchzockte. Keyboarder Phil Lanzon, Bassist Trevor Bolder und das jüngste Mitglied, an den Drums, Russel Gilbrook ließen sich keine Nervosität ankennen und spielten sich durch Klassiker wie „Traveler In Time“ „Stealin`“ oder dem Gänsehaut Opus „July Mourning“, die allesamt auch nach über 30 Jahren nichts von ihrer Magie verloren haben. Bernie Shaw gab sich sympathisch und Fannahe wie immer, scherzte gut aufgelegt und plauderte auch aus dem Nähkästchen. Außerdem freute er sich, zum ersten Mal auf der Clam ohne Regen, der mittlerweile zum Glück aufhörte und auch nicht wiederkehrte, spielen zu dürfen.





Neben den geliebten Klassikern präsentierten URIAH HEEP auch neues Material vom aktuellen Werk „Into The Wild“, das sich vor den anderen Songs keineswegs verstecken muss, denn sowohl der Titeltrack, als auch „Nail On The Head“ überzeugten auch live auf ganzer Linie. Nach knapp 80 Minuten leiteten die Engländer dann das große Finale mit den unumgänglichen Hits „Gypsy“, „Lady In Black“, bei dem es nochmal richtig laut wurde und „Easy Livin´“ ein und beendeten einen gelungenen Abend, den URIAH HEEP noch herausreißen konnten.





Setlist URIAH HEEP:

Against The Odds
Traveller In Time
Sunrise
I´m Ready
Between Two Worlds
Too Scared To Run
Into The Wild
Nail On The Head
Free´N´Easy
July Mourning
Gypsy
Lady In Black
-
Easy Livin´

Wie schon gesagt, war auch im jahr 2012 das Legends Of Rock eine gelungene Sache, auch wenn Ian Anderson und seine JETHRO TULL Nachfolge hinter den Erwartungen zurückblieben und MOTHER´S FINEST nicht ganz in Bild passen wollten. Hoffen wir mal, dass man im nächsten Jahr wieder so manch Legende für dieses Event ausgraben kann. Wer aber nicht bis zum nächsten Jahr warten kann, der bekommt in diesem Jahr noch weitere Acts wie BILLY IDOL, SILBERMOND oder JAMES MORRISON auf der Clam serviert.


FOTOS + E-CARDS
www.clam.at

AndyVanHalen
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Beitrag vom 10.07.2012
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