MASTERS OF ROCK 2012 - TAG4: SABATON   ARCH ENEMY   GOTTHARD   TIAMAT   PAUL DI´ANNO   HELL   SKYFORGER  
15.07.2012 @ Areál likérky Jelínek

Am Sonntag, dem Tag des Herren gönnte man den Besuchern des Masters Of Rock nur wenig Ruhe, denn auch am vierten Tage begeisterte man mit eng gestecktem Programm. Den Anfang machten natürlich wieder einheimische Truppen. Darunter Bands wie Mistake, die Stammgäste und Symphoniker SALAMANDRA und SKWOR, die sich offensichtlich größter Beliebtheit bei dem tschechischen Publikum bedienen. Gerade SKWOR zeigten erneut, dass die einheimischen Bands oftmals musikalisch wirklich Klasse beweisen, doch wie so oft vermieste mir die gesangliche Darbietung den Genuss des rockigen Metals.

Nach dem ersten morgendlichen Rundgang am Gelände beschloss man auf Grund der eher uninteressanten Bands die Mittagsstunden am Campingplatz zu verbringen und neue Kräfte für die letzten anstrengenden Stunden zu sammeln. So wurde den Letten von SKYFORGER vom anliegenden Hügel gelauscht. Optisch glich man einer mittelalterlichen Mönchstruppe, was in der Hitze bestimmt nicht angenehm war. Musikalisch mischte man diverse Einflüsse wie Black und Heavy Metal, die durch traditionelle Instrumente wie die Flöte etwas Mystisches bekamen.

Gewöhnungsbedürftig sind hingegen die Vocals von Sänger Peteris, die in der lettischen Sprache gesungen wurden. Textlich sollen sich die meisten Texte um die lettische Geschichte und Mythologie drehen. Seit 1995 sind die Jungs schon aktiv und können dementsprechend schon einige Nummern ihr Eigen nenne. Die teilweise an GREGORIAN erinnernden Intros vermischt mit der Flöte und dem choralen Gesang klingt streckenweise echt gut, jedoch ermüden die Growls auf Dauer. Nach einer halben Stunde hatte ich genug Pagan für den heutigen Tag und freute mich auf die Freakshow von HELL.
[Andy]

Unser nächster Besuch bei der Mainstage war erst gegen 15:00 zu den Traditionalisten HELL, die schon auf der Tour mit ACCEPT überraschen konnten. Starproduzent Andy Sneap, Frontmann David Bower, der durch seine extravagante Performance auffiel und die restlichen Männer bemühten sich die Zuschauer bei Laune zu halten. Alles andere als leicht verdaulich, stießen die Herren nicht überall gleich auf positives Feedback, doch konnten sie mit ihrem energiegeladenen Auftritt mit Sicherheit so manch neuen Anhänger gewinnen. Zwar war die Bühne dieses Mal nicht ganz so schön dekoriert und kam Aufgrund der Helligkeit des Tages natürlich nicht so gut zur Geltung wie im Club, doch auch dieses Mal konnten David und Co. mit den einzigartigen Stilelementen von MacBeth und dessen metallischen Ausführung punkten.
[maxomer]





Am letzten Tag sollte mit der lebenden Legende PAUL DI‘ANNO einer meiner persönlichen Highlights die Bühne betreten. Doch der erste Eindruck ließ nicht wirklich Freude aufkommen, da ein ca. 150 Kilo schwerer glatzköpfiger und komplett tätowierter Mann mit Whiskyflasche in der Hand sich nur schwer auf den Beinen halten konnte. Der erste Gedanke, Paul hätte an die drei Promille, stellte sich aber als Beinverletzung heraus, die den ersten Sänger von IRON MAIDEN deutlich behinderte und die Bewegungsfreiheit ziemlich hemmte. Doch beim ersten Ton aus dem Mund des Sängers wusste ich warum ich mich bis in die dritte Reihe vorkämpfte. Bei „Wrathchild“ vom zweiten Album der eisernen Jungfrau „Killers“ flippte die Menge komplett aus. Auch wenn man es Paul nicht zutraute, die Stimme hat über die Jahre nicht gelitten und strotze immer noch vor Kraft. Sei es der hohe Gesang oder die zwischenzeitlichen Growls, fast alle Töne wurden perfekt getroffen. Mit „Killers“, „Running Free“ oder „Murders In The Rue Morgue“ folgten weitere Kracher aus den Jahren 80 und 81. Auch wenn bestimmt Wehmut mitschwenkte, bedankte sich PAUL DI‘ANNO bei IRON MAIDEN für die gemeinsame Zeit und ließ keine Verbitterung aufkommen. Mit „Children Of Madness“ und „Marshall Lockjaw“ gab es auch zwei Solonummern von Paul, der seit 1981 bei den Hells Angels als Mitglied dabei ist. Dass dieser Bursche nach nur zwei Alben, die nun schon 30 Jahre zurück liegen Heldenstatus genießt, zeigte sich als er bei zwei Titeln eine Rauchpause einlegte und kein Wort mitsang. Doch dank der starken Band störte sich niemand daran. Als Zugabe gab es noch „Transylvania“ und den RAMONES Hit „Blitzkrieg Bop“ ehe großzügig Geschenke, darunter ein Becken des Schlagzeugers, verteilt wurden.





Ein cooler Auftritt eines der Mitbegründer des NWOBHM, der womöglich einer der letzten war. Mr. Di‘Anno verkündete nämlich, dass er sich nächstes Jahr in die wohlverdiente Pension zurückziehen will um seinen Hobbys, wie mit dem Motorrad fahren, fischen und seine Frau befriedigen nachgehen will.
[Andy]


Setlist PAUL DI´ANNO:

The Ides Of March (Iron Maiden)
Wrathchild (Iron Maiden)
Prowler (Iron Maiden)
Marshall Lockjaw (Paul Di'Anno & Killers)
Murders In The Rue Morgue (Iron Maiden)
Children Of Madness (Paul Di'Anno's Battlezone)
Genghis Khan(Iron Maiden)
Remember Tomorrow (Iron Maiden)
Charlotte The Harlot (Iron Maiden)
Killers (Iron Maiden)
Phantom Of The Opera(Iron Maiden)
Running Free (Iron Maiden)
Transylvania (Iron Maiden)
Blitzkrieg Bop (Ramones Cover)


Nach dieser überraschend positiven Performance des Altmeisters sollte sich mit TIAMAT eine gewisse Ernüchterung einstellen. Die schwedischen Gothic Metaller, wirkten optisch schon mal gar nicht wie eine Band, sondern wie ein bunt zusammengewürfelter Haufen mit Bekleidung vom Sommerschlussverkauf-Wühltisch. Gerade bei dieser Musikrichtung sollte eigentlich die Optik schon eine gewisse Rolle spielen, denke ich mir, aber freue mich trotzdem auf die Musik. In den fast 25 Jahren Bandgeschichte haben sich schon so manch Hit und Klassiker angesammelt, die auch brav runtergespult wurden. Richtig Stimmung wollte bei dieser laschen und lustlosen Darbietung aber leider nicht aufkommen. So nutzte man doch gern die Pause um sich etwas zu Essen oder zu Trinken zu gönnen. Die Auswahl war ja wie gesagt enorm und man musste sich ja auch durch allerlei Speisen durchkosten.
[maxomer]





Setlist TIAMAT:

Children Of The Underworld
Cain
Whatever That Hurts
Divided
Vote for Love
Brighter Than The Sun
Until the Hellhounds Sleep Again
Phantasma De Luxe
Cold Seed
The Sleeping Beauty
Gaia

Zum Schluss sollte es nochmal Schlag auf Schlag gehen. Die Wiedergeburt von GOTTHARD wollte ja noch gefeiert werden, ehe dann ARCH ENEMY alles in Grund und Boden spielten und SABATON nochmal für richtig ausgelassene Stimmung sorgten.

Doch der Reihe nach. Über den leider verstorbenen Sänger Steve Lee wurde schon viel gesprochen, darum konzentrieren wir uns lieber auf den neuen Mann am Mikro Nic Maeder.
Von der ersten Minute an hatten die Jungs richtig große Freude wieder auf der Bühne zu stehen. Spielfreudig, gut gelaunt und sympathisch zogen die sechs Schweizer Ihr Ding durch. Hits wie „Dream On“, „Master Of Illusion“ oder das echt starke „Starlight“ vom neuesten Werk „Firebirth“ zündeten sofort und ließen GOTTHARD zu einem absoluten Highlight des diesjährigen Master Of Rock werden. Richtige Gänsehautstimmung erzeugte der DEEP PURPLE Klassiker „Hush“ der von Nic perfekt gesungen wurde. Der Bursche ist dank seiner wunderbaren Stimme eine gelungene Wahl der restlichen Bandmitglieder und sei das noch nicht genug, wurde zwischendurch noch die Gitarre ausgepackt um den Sound mit drei Äxten zu verfeinern. Gegen Ende gab es mit „Anytime Anywhere“ und „Mountain Mama“ noch zwei Granaten die ordentlich für Stimmung sorgten. Besonders erwähnenswert ist der Stimmverzerrer, den Gitarrist Leo bei „Mountain Mama verwendet und so auch bei NAZARETH schon für fette Effekte sorgte. Gründungsmitglied Marc Lynn hatte sichtlich Freude und scherzte durchgehend mit Freund und Kollege Leo Leoni. Musikalisch sind diese zwei Vollprofis sowieso über jeden Zweifel erhaben. GOTTHARD sind im hier und jetzt angekommen und haben wieder die Freude an ihrer Arbeit entdeckt und in dieser Form gerne wieder.





Setlist GOTTHARD:

Dream On
Gone Too Far
Starlight
Top of the World
Remember It's Me
Sister Moon
Master of Illusion
Hush
(Billy Joe Royal cover)
One Life, One Soul
The Story's Over
Mountain Mama
Right On
Lift U Up
Anytime Anywhere


ARCH ENEMY gingen von der ersten Minute an keine Kompromisse ein, dafür ließ man aber auch Überraschungen außen vor. Mit „Yesterday Is Dead And Gone“ und „Ravenous“ stieg man fulminant und mit bestem Sound in das Set ein. Frontfrau Angela selbstbewusst und stimmgewaltig wie immer führte souverän durch das Set und ließ den Zuschauern nur wenig Zeit zum Verschnaufen. So knallten Michael Amott und sein neuer Gitarrenpartner Nick Cordle, der kürzlich den erneut ausgestiegenen Chrisopher Amott ersetzte ein fettes Riff nach dem anderen raus und zeigten, dass sie nach wie vor zu den fixen Größen des Genres gehören. Nach einem kurzen aber netten Drum Solo servierten die Schweden weitere Highlights in Form von „Dead Eyes See No Future“, welches auch Angelas Lieblingssong sei, wie sie betonte, „No Gods, No Masters“ und den allseits beliebten Rausschmeißer „Nemesis“. Ein einziger und kurzweiliger Siegeszug von ARCH ENEMY, angeführt von einer wirklich starken Angela Gossow vor der sich so manch männlicher Fronter noch ein Scheibchen abschneiden kann.
[maxomer]





Setlist ARCH ENEMY:

Yesterday Is Dead And Gone
Ravenous
My Apocalypse
Bloodstained Cross
The Day You Died
Drum Solo
Under Black Flags We March
Dead Eyes See No Future
Guitar Solo
Intermezzo Liberté
No Gods, No Masters
Dead Bury Their Dead
We Will Rise
Nemesis
Fields Of Desolation

Das Grande Finale hätte mit den Power Metaller von SABATON nicht besser ausgewählt werden können. Vor ein paar Jahren spielten die Schweden noch am sonnigen Nachmittag vor ein paar hundert Zuschauer. Jetzt können sie sich rühmen dieses Festival mühelos und souverän zu headlinen. Trotz grober Umbesetzung im Line Up fegten die fünf Männer unbeiert und mit einem Elan, der seines gleichen sucht über die Bühne und zogen eine fulminante Show ab. Allem voran überzeugte natürlich Joakim Broden mit seiner positiven Ausstrahlung und Bühnenerfahrung. Fette Pyros zu einem ebenso fetten Sound rundeten das Geschehen mehr als würdig ab.





Ich möchte aber auch behaupüten, dass mit Krachern in der Setlist wie "Ghost Division", "40:1" oder dem neuen Hit "Carolus Rex" nicht viel schief gehen kann. Leider bedienten sich SABATON aber vor allem bei den letzten drei Alben und ließen die ersten drei abgesehen von ein paar Pflichtausnahmen wie den Titeltracks "Attero Dominatus" und "Primo Victoria" ziemlich außen vor. Vom Debüt gab es sowieso wieder nichts zu hören, dafür war man mutig genug die Non-Album-Tracks "Swedish Pagans" und "Far From The Fame" in die Menge zu feuern. Leider drückte der Veranstalter die Stimmung mit einer Sinnlosen Verlosung, bei der zwischendurch elends lang auf tschechisch gebrabbelt wurde. Joakim war sichtlich genervt, versuchte das aber mit ein paar Witzen zu kaschieren. Ein echter Entertainer eben. Seine Sonnenbrille vermachte er wiedermal einem sehr jungen Zuschauer und war auch sonst sehr gut drauf. Nach über 90 Minuten verabschiedete man sich mit der "Metal Crüe" von den Zuschauern und auch dem Masters Of Rock 2012 - und das mehr als würdig.
[maxomer]





Setlist SABATON:

Ghost Division
Uprising
Gott Mit Uns
Panzer Battalion
Cliffs Of Galipoli
Swedish Pagans
40:1
The Price Of A Mile
Talvisota
Midway
Into The Fire
Carolus Rex
Far From The Fame
Attero Dominatus
-
The Art Of War
Primo Victoria
Metal Crüe

Auch wenn das Wetter dieses Jahr nicht ganz so sehr mitspielte wie in den letzten Jahren und ein paar Kleinigkeiten nicht ganz reibungslos abliefen, war auch das Masters Of Rock 2012 ein voller Erfolg mit grandiosen Bands, genialer Stimmung und einer einzigartigen Atmosphäre. Wir fuhren fast wunschlos glücklich nach Hause und freuten uns schon am Heimweg auf das Masters Of Rock 2013.




FOTOS + E-CARDS
www.mastersofrock.cz

maxomer
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Beitrag vom 14.08.2012
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