EXTREMEFEST AUSTRIA 2012: BELPHEGOR   SUICIDE SILENCE   CANNIBAL CORPSE   EXODUS   ASPHYX   MARDUK   MILKING THE GOATMACHINE   SUFFOCATION  
05.07.2012 @ VAZ

Und es fand doch statt! Aller Widrigkeiten und widerborstigen Gebetsvereinen zum Trotz ging also von 5. bis 8. Juli das EXTREMEFEST AUSTRIA erstmals über die Bühne. Scheinbar hatten die geistlichen Würdenträger vergessen ihren obersten Vorgesetzen von all der Blasphemie und Häresie die dort im Gange war zu informieren, wurden die Festivalbesucher doch mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 30 Grad willkommen geheißen.

Als Veranstaltungsort wurde eher kurzfristig das VAZ Gelände in St. Pölten gewählt, von welchem aber nur die Schotterparkflächen und Konzerthalle genutzt wurden. Die geschotterte Bodenbeschaffenheit und die Absenz von Grasflächen und schattenspendenden Bäumen kosteten dem Zelten etwas an Komfort, dafür war eine Schlammschlacht, wie sie bei anderen Festivals gerne vorkommt, ausgeschlossen. Auch die Lage des VAZ (malerische neben der A1 gelegen), die Infrastruktur der Umgebung, die kurzen Gehwege von Zelt zu Bühne, zahlreiche Wassertoiletten und die nicht weit entfernte Traisen sprachen für das Gelände. Einziges Ärgernis war wohl, dass man nicht direkt neben dem Auto zelten durfte, aber da die Gehwege von den Autos zu den Zelten nun wirklich nicht sehr lange waren konnte man das irgendwie verschmerzen.

Ob der sengenden Hitze des Donnerstages musste man eigentlich froh sein, dass die Konzerte in einer recht großen Halle stattfanden, die nie so richtig voll wurde und deshalb die Luft darin auch, zum Glück, nie stickig wurde. Und kühler als draußen war es obendrein. Die Wasserleitung direkt beim Bühneneingang sorgte auch für die eine oder andere notwendige Erfrischung.

Musikalisch war das Programm doch recht „wild“, wenn man so sagen darf. Grindcore und Death Metal dominierten die Mainstage, gelegentlich von etwas folkigem Pagan Metal durchbrochen während die Second Stage einiges an (Post) Black Metal und lokalen Acts zu bieten hatte.

BENIGHTED lieferten ein solides Set, konnten aber nicht auf voller Länge überzeugen, was nicht zuletzt am Fehlen eines Bassisten lag. Der Sound war dementsprechend dünn. Bei ARAFEL ging es dann schon wieder etwas aufwärts, wobei ihre folkig-angehauchte Musik auf dem EXTREMEFEST nicht jedermanns Sache war. Generell schien die Energie des Publikums etwas zu wünschen übrig zu lassen, was aber aufgrund der unerfreulichen Entscheidung den Anreisetag zum Spieltag zu machen und der erbarmungslosen Hitze wenig verwunderlich schien.





Ähnlich solide aber doch eher unspektakulär fielen auch die Auftritte von CEPHALIC CARNAGE (die in erster Linie durch die Marihuana-Obessions der Fronters auffielen), ALL SHALL PERISH und NASUM aus, wobei der Sound erfreulicherweise durchgehend gut war. Zu späterer Stunde erklommen dann die Mannen von BELPHEGOR nach längerer Bühnenabstinenz die Mainstage, wobei Frontsau Helmuth seine Pflichten als Vocalist nicht wahrnehmen konnte und diese Parts von dem früheren Wegbestreitet Barth (bitte steinigt mich nicht, falls ich mir hier irre), der zumindest mit imposanter Erscheinung und Bühnenpräsenz zu punkten wusste. Leider kann das von seiner stimmlichen Leistung nicht behauptet werden, denn weder in den hohen noch in den tiefen Lagen konnte er überzeugen und wenn Gitarrist Bernth zur Hilfe eilte und in das Mikrophon grunzte, dann waren nur noch sich überschlagende Bässe zu hören. Ein stimmliches Desaster.













Auf der Second Stage kämpfen SELBSTENTLEIBUNG mit ähnlich bestialischen Soundproblemen, was leider auf der Second Stage noch öfters vorkommen sollte. Stimmen überschlugen sich und die Drums klangen furchtbar und schwankten von zu laut auf zu leise. Bei HELHEIM bekam man den Sound dann schon besser unter Kontrolle, was bei ihren doch eher komplexen Kompositionen sehr hilfreich war. Die Filmprojektion im Hintergrund war eigentlich eine nette Idee, die Bühne aber zu klein dafür und das Bild war folglich teilweise abgeschnitten oder von den Musiker verstellt. Als krönender Abschluss spielten FORGOTTEN TOMB auf der Second Stage und das, unglaublich aber wahr, mit wirklich gutem Sound. Man konnte alle Instrumente heraushören, was am ersten Tag bei der Second Stage leider als Luxus zu zählen war. Gekonnt wurden dem Publikum 45 Minuten lang Midtempo-Riffs um die Öhrchen geknallt, welches seinerseits aber durch Ermüdungserscheinungen gezeichnet war. Wer noch nicht an der Bar eingeschlafen war, der begab sich nach FORGOTTEN TOMB sofort ins traute Zelt (oder legte sich auf den scheinbar recht gemütlichen Schotter zur Ruh‘) und der Campingplatz war in der ersten Nacht wie ausgestorben.





Der zweite und der dritte Tag begannen dann ähnlich wie der erste … verdammt heiß. Zwar nicht ganz so heiß, aber trotzdem verdammt heiß. Unerbittlich brannte einem die Sonne auf den Pelz, was langes Schlafen quasi unmöglich machte. So verbrachte man also die Vormittage entweder in der kühlen Traisen oder biertrinkend im Schatten. Für alles andere war es schlichtweg zu heiß. Abends gingen dann und wann Regenschauer nieder beziehungsweise zog am zweiten Abend ein kurzer Sturm über das Festivalgelände her. Die meisten Stände am Metalmarket schlossen die Pforten, aber in den Hallen bekam man von all dem gar nichts mit. Ein netter Vorteil von Indoor-Konzerten.

Konzerttechnisch gab es noch einige Highlights an den zwei Tagen. ABORTED hatten guten Sound und zogen ein schnelles und hartes Set durch, wobei man in den Reihen der Zuschauer schon die eine oder andere Ziegenmaske erkennen konnte. Bei MILKING THE GOATMACHINE war die Halle dann vermutlich so „voll“, wie es möglich war. Unsereins kann zwar persönlich nicht viel mit den Ziegen anfangen, aber am EXTREMEFEST kamen sie auf jeden Fall gut beim Publikum an. Alle Musiker waren stets in Bewegung, wildes Headbangen und Kaspereien am laufenden Band. Bei ARKONA war die Mainstage wieder merklich spärlicher besucht, zumal Pagan’ischer Folk Metal nicht so richtig beim Publikum ankam und andererseits hatte allen voran Sängerin Mascha einen wirklich miesen Tag. Die Growls wirkten kraftlos, die gesungenen Vocals etwas daneben, und die Mischform aus beidem klang fürchterlich.

Mit MARDUK und CANNIBAL CORPSE wurde ein Duo geboten, dass erst vor kurzem ein Gastspiel in Wien hatte. Beide Bands lieferten eine tadellose Show mit gutem Sound, was vor allem bei MARDUK erfreulich war, aber die Setlists waren denen im Februar doch sehr ähnlich. MARDUK bot zwei Songs der neuen Scheibe, die live wirklich sehr gut rüber kamen und auch CANNIBAL CORPSE platzierte mehr Songs der aktuellen Scheibe in die Setlist als zuvor. Alles in allem zwei sehenswerte Shows und auch zwei der besten Auftritte des Festivals.

Auf der Second Stage spielten währenddessen DARKENED NOCTURAL SLAUGHTERCULT, deren Frontfrau die ersten Reihen der Zuschauer mit einer Kunstblutdusche für ihr Erscheinen dankte. Das erklärt auch, warum dann während DORNENREICH so manchem blutverschmierten Lächeln sichtig wurde. Letztere lieferten auch ein solides Set, das passend zum Festival Betonung auf schnellere Songs legte, hatten aber auch mit der Absenz eines Bassiten und dem daraus resultierenden etwas drucklosen Sound zu kämpfen. DER WEG EINER FREIHEIT waren die einzige Post (Black) Metal Band, die es auf die Mainstage schaffte. Mit gutem Sound und verspielten Kompositionen sorgten die Sympathischen Musiker für einen der stimmungsvollsten Auftritte am EXTREMEFEST.

Die Running Order des letzten Tages wurde dann noch einmal ordentlich durcheinander gebracht, da EISREGEN (12 Stunden laut eigenen Angaben) sowie AGRYPNIE (15 Stunden laut eigenen Angaben) eine staubedingte verlängerte Anreise erleben durften. AGRYPNIE mussten sich mit dem eher ungünstigen Slot um circa halb 3 Uhr abends abfinden, aber man muss hier den Organisatoren sehr dankbar sein, da die gesamte Crew extra Überstunden schob um den Auftritt doch noch zu ermöglichen. Aber dazu später mehr.

Die Abreise vieler Besucher nach CANNIBAL CORPSE am Vorabend machte sich nachmittags bemerkbar und unmittelbar vor den Auftritten einiger Bands herrschte gähnende Leere vor der Bühne. Selber Schuld muss man sagen, denn der letzte Tag bot einige sehr interessante Acts. NEXUS INFERNIS und TROLLFEST kämpften nachmittags noch mit etwas spärlichem Publikum, boten aber beide ganz passable Shows. Einzig TROLLFESTS Leadvocalist hatte an diesem Tag Probleme die richtige Tonlage zu finden und sein Gebell klang mitunter etwas befremdlich. Die EXCREMATORY GRINDFUCKERS führten mit eigenwilligem Witz und Heiterkeit durch ihre Show voller „Fun“-Grindcore. Wem’s halt gefällt. Mit ULTRAWURSCHT gab’s dann später (ursprünglich als letzter Act geplant, aber man tauschte ihren Slot kurzerhand mit dem von EISREGEN) das gleiche in Lila, nur das der St.Pöltner Bischof Klaus Küng ordentlich sein Fett abbekam, mit Witzen an denen ULTRAWURSCHT laut eigenen Angaben ganze 3 Stunden geschrieben haben. Irgendetwas mit Küngs Black Metal Band „Küng-Fu Panda“ oder so. Jaja, diese 3 Stunden Arbeit waren wohl gut investiert.

Vor ULTRAWURSCHT boten ORIGIN übrigens eine wirklich tolle Show. Vor allem ihr Frontmann ließ es sich nicht nehmen und sprang kurzerhand ins Publikum um dort gröhlend herumzulaufen, Funkmikrophon sei Dank. So mancher unachtsamer Publikumsgast wurde von ihm erschreckt, wenn er sich von hinten annäherte und ihnen ins Genick plärrte. Eine wirklich tadellose Show und tolle Stimmung im Publikum, allerdings mit einem doch sehr bitteren Beigeschmack. Denn anscheinend vollbrachte jemand das Kunststück unmittelbar und mitten vor die Bühne zu, entschuldigen Sie diesen vulgären Ausdruck, scheißen. Das fiel aber außer unser einem und meiner reizenden Begleitung scheinbar niemanden auf und versuchen Sie einmal Leute vor so etwas unscheinbarem auf der Boden während einer Brutal-Technical-Death-Metal-Show zu warnen. Als die ersten Akkorde ertönten lief auch schon der erste schwabbelbäuchige Trunkenbold hindurch und startete einen Moshpit.

Nach der Flucht auf die saubere Second Stage konnte man sich dann FARSOT zu Gemüte führen, die etwas steif wirkten und mit erstaunlich miserablem Sound bedient waren. Wirklich Schade, denn ihre Kompositionen sind eigentlich mehr als nur hörenswert, aber die Fähigkeit des Tontechnikers hier alles zu zerstören schien grenzenlos.

SUFFOCATION waren dann auf der MAINSTAGE zum Glück mit einem guten und brachialen Sound ausgestatten. Leider nur mit Ersatz-Sänger, der zwar im Gegensatz zu jenem bei BELPHEGOR eine gute Show bot, aber trotzdem nicht am Frank Mullen herankam. Und vor allem bei den Publikumsansagen wirkte der arme Herr regelrecht verloren. Komische politische Messages die eher etwas gekünstelt als inspirierend wirkten und eine leicht verwirrende Wortwahl so dann und wann. Aber nun ja, vielleicht war das ja wirklich nur das Lampenfieber.

ASPHYNX und EXODUS boten auch ganz sehenswerte Shows, kamen aber in punkto Publikumsstimmung und vor allem Anzahl des Publikums nicht an die Headliner der Vortage heran. Auf der Second Stage hatten EIS ausnahmsweise wieder einen passablen Sound, aber irgendwie wirkte die Bühne viel zu klein für Band und Bühnendekoration. Auf der Mainstage machten dann INQUISITION mit ihrem simplen Zwei-Mann Black Metal keine schlechte Figur, wobei sich die Reihen im Publikum noch weiter gelichtet hatten. Jedoch war auch hier das Fehlen eines Bassisten spürbar und der so klang das ganze Set nicht sehr „fett“, wie man so schön sagt. Auch die Publikumsinteraktion war etwas verhalten und so war der Auftritt rückblickend nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Irgendwo mit in der Mitte eben. Als letzter Act auf der Mainstage fanden sich dann spät aber doch EISREGEN ein und die ersten Reihen im Publikum waren mit treuen Fans gefüllt, die wirklich sehr viel Geduld bewiesen. Der Band konnte man aber die Strapazen der langen Anreise ansehen, obwohl man sich viel Mühe gab, den hartnäckigen Metalheads eine gute Show zu liefern. Aufgrund der nicht allzu langen Playtime von 45 Minuten wurde seitens der Band gerne auf anstehende Clubshows im Herbst verwiesen, vor allem, wenn aus den ersten Reihen Songwünsche gebrüllt wurden. Mit den Klängen der „Elektrohexe“ wurde dann das Programm der Mainstage beschlossen und der große Exodus setzte ein. Auf der Second Stage gab es dann noch die Zu-Spät-Kommer von AGRYPNIE zu sehen, die aus Zeitgründen auf einen Line-Check/Sound-Check verzichtet und deshalb mit etwas unausgegorenem Sound ein wirklich tolles Set lieferten. Nach einer kurzen Ansprache seitens der Band mit Danksagungen für Bierversorgung und Ermöglichung des Auftrittes ging es dann endgültig mit dem letzten Konzert des Festivals los. Auch AGRYPNIE stand die Anstrengung der Anreise ins Gesicht geschrieben, aber eben auch die Freude, doch noch vor unerwartet zahlreichem und gut gelauntem Publikum spielen zu können. In den ersten Reihen wurden ein letztes Mal die Köpfe geschüttelt und mit dem Song „Brücke aus Glas“, das eigentlich mit dem EIS-Frontmann hätte gespielt werden sollen (dieser war aber zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in St. Pölten) gab’s dann eine mehr oder weniger instrumentale Zugabe, da Sänger Torsten lediglich seiner Teil des Textes mächtig war und der bestand nur aus einmal gegen Ende des Songs „…aus Glas!“ zu schreien. Trotzdem ein wirklich sehenswerter Auftritt und Belohnung für jene, die bis zum Ende durchgehalten haben.

Die Premiere des EXTREMEFEST kann man wirklich als gelungen betrachten. Die Organisation war gut, das Gelände angenehm und überschaubar. Lediglich der Aufbau der Zelte auf einem Schotterplatz war mitunter etwas ärgerlich, aber das VAZ war auch merklich nicht die erste Wahl für den Austragungsort, aber sicherlich nicht die schlechteste Lösung. Wie dem auch sei, es war ein angenehmes Festival mit guter Atmosphäre und es bleibt zu wünschen, dass es auch nächstes Jahr eine weitere Runde gibt.


FOTOS + E-CARDS
at.extremefes.eu

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Beitrag vom 19.08.2012
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