KAMELOT   XANDRIA   TRIOSPHERE  
14.11.2012 @ Szene

Unglaublich, aber wahr. Die Power Metal Institution KAMELOT war noch nie in Wien zu Gast. Da wurde es aber höchste Zeit! Dass hier die Szene restlos ausverkauft war und das obwohl parallel STEVE VAI und auch TRIVIUM in anderen Lokalität gastierten. Nachdem die Herren ja mit Roy Khan einen einzigartigen Sänger verloren haben, muss nun der Schwede Tommy Karevik von SEVENTH WONDER in enorme Fußstapfen steigen. Dass KAMELOT auch ohne Roy funktionieren kann, bewiesen die Amerikaner auf diversen Festivals und mit ihrem aktuellen Album „Silverthorn“ auf dem der Sänger eine ausgezeichnete Arbeit abliefert.

Also Supporter hatte man BLACKGUARD, die bereits um 19:20 auf der Bühne standen und somit nicht mit vielen Zuschauern rechnen durften, TRIOSPHERE und XANDRIA mit. Die recht brutalen Folk-Metaller aus Kanada verpassten wir aufgrund eines Interviews mit Thomas Youngblood und der späten Anreise komplett. Als wir den Saal enterten war es schon gemütlich voll und TRIOSPHERE standen bereits sattelfest auf der Bühne.

Die Melodic Metaller begeisterten eigentlich recht schnell. Knackige Riffs, schöne Melodien, ein gut gewählter Härtegrad und eine starke weibliche Stimme, die von Fronterin Ida Haukland kommt, ließen die Besucher schnell in Stimmung kommen. Kraft hat die Dame in ihrer Stimme auf jeden Fall. Vielleicht bringt sie nicht viel Abwechslung in ihren Gesang, dafür rockt sie umso mehr, was gut zu den verspielten Soli der Gitarristen Marius und To Ole und der starken Rhythmusabteilung von Orjan und Ida, die selbst den Bass bedient, passt. Natürlich lag bei der Band der Fokus ganz klar auf dem aktuellen Album „The Road Less Traveled“, welches 2010 von den Kritikern sehr gut angenommen wurde. „Driven“, „Trinity“ oder das abschließende und sehr schnelle „Sunrise“ sind nur ein paar Beispiele für die gute Arbeit der Band, die sichtlich Spaß auf der Bühne hatte. Leider war man in der Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt, da das riesige Drumkit von KAMELOT Schlagwerker Casey Grillo einen erheblichen Teil der Bühne einnahm.





Es folgten nach nur kurzer Umbaupause die Bielefelder Femal-Fronted Gothic Metaller XANDRIA. Auch XANDRIA gaben sich viel Mühe Stimmung in die Bude zu bringen, doch wollte der Funke nur schwerlich überspringen. Vielleicht lag das auch an der merkwürdigen Tatsache, dass XANDRIA ausschließlich Songs vom aktuellen Album „Neverworld´s End“ spielten. Ich will ja nicht behaupten, dass dieses Werk schlecht ist, doch wenn man den Fans nicht auch Klassiker wie deren großen Hit „Ravenheart“ liefert, dann ist das schon etwas komisch. Außerdem enttäuschte Fronterin Manuela durch ein recht dünnes Stimmchen, was aber auch an dem recht schwammigen Sound liegen mochte. Dafür waren ihre Ansagen umso unterhaltsamer. Die sympathische Bayerin hielt die Zuschauer zwischendurch bei Laune und versuchte erfolgreich diese zu etwas mehr Enthusiasmus zu verleiten. Die opernhaften Gothic-Songs die natürlich schwer nach NIGHTWISH, EPICA und Co. rochen, waren gewohnte Genre-Kost, doch „Soulcrusher“ konnte als echter Headbanger gegen Ende dann doch noch etwas Abwechslung in den Sound bringen.





Setlist XANDRIA:

Valentine
Blood On My Hands
Euphoria
Forevermore
Cursed
The Dream Is Still ALive
Soulcrusher
The Lost Elysion

Gut 30 Minuten mussten wir uns gedulden bis KAMELOT endlich die Bühne betraten, dafür aber relativ pünktlich. Als es soweit war ging in den ersten Reihen Boygroup-artiges Gekreische los, denn da waren auch fast nur Mädels zu finden. Die Jungs von KAMELOT traten sehr energisch auf die Bühne, und war der Jubel bei Bandboss Thomas Youngblood schon groß, so musste er zugeben, dass bei Tommy das Gekreische noch viel lauter wurde. Prompt servierte man „Rule The World“ und den Gänsehautkracher „Ghost Opera“ – und schon war diese einzigartige Atmosphäre da, die nur KAMELOT erzeugen können. Danach richtete man das erste Mal das Wort an die Zuschauer, doch überraschenderweise war es Thomas der das Micro übernahm, sich bei Wien bedankte und Tommy vorstellte. Dieser ging kurz grinsend von der Bühne und es ging sofort weiter mit „The Great Pandemonium“ vom letzten Werk mit Roy Khan, welches eine düstere Stimmung hervorrief. Tommy selbst hatte das Publikum von der ersten Minute an voll im Griff. Dass dieser junge Sänger für die Bühne geboren ist und Erfahrung und Routine in seiner Arbeit hat, merkte man ihm sofort an. Auch bei den Ansagen und einem kurzen Jubel-Spielchen mit den Fans überzeugte er.





In der ausverkauften Halle war die Stimmung natürlich am Überkochen und die Musiker waren sichtlich begeistert von den Zuschauern, was beachtlich ist, spielen diese doch normalerweise auf viel größeren Bühnen vor tausenden Fans. Es folgte der erste neue Track „Veritas“, welcher von der Grundstimmung her viel positiver ausgefallen ist, sich aber nahtlos ins Set einfügte. Hierfür begab sich die hübsche Elize Ryd, die bis dahin „nur“ als Backround Sängerin agierte, für ein Duett nach vorne. Es sollten noch die erste Single „Scrimony“ und die wunderschöne Ballade „Song For Jolee“ folgen. Hier konnte Tommy endlich seinen eigenen Stil einbringen und voll aus sich herausgehen. Bei den Klassikern schafft er es sehr gut, die Stimme von Roy Khan nachzuahmen, auch wenn man merkt, dass irgendwie etwas fehlt. Der Charme des alten Sängers ist einfach unverkennbar. Dafür bringt Karevik sehr schön seinen dynamischen jugendlichen Elan mit ein.





Man konzentrierte sich zwar an diesem Abend sehr stark auf die letzten vier Alben, mit „Karma“ traute man sich eben auch nur ins Jahr 2003 und zu dem gleichnamigen Album zurück. Dafür hatten wir mit dem Gute-Laune-Hit „Center Of The Universe“ und „Season´s End“ sehr viel Freude. Zwischendurch durften auch Keyboarder Oliver Palotai, Bassist Sean Tibbets und Drummer Casey Grillo ihr Können in kurz gehaltenen Soli zeigen. Zwar waren diese allesamt sehr nett, doch der „Pirates Of The Caribbean“ Soundtrack im Drumsolo war schon sehr abgedroschen und mir wären der eine oder andere Song mehr, doch lieber gewesen. Aber abgesehen vom Fehlen „Love You To Death“, "Farewell" „Serenade“ oder „Descent Of The Archangel“ konnte man sich über die Setlist wahrlich nicht beschweren. Leider dauerte das grandiose Vergnügen gerade mal 90 Minuten, die wie im Fluge vergingen.





Setlist KAMELOT:

Rule The World
Ghost Opera
The Great Pandemonium
Veritas
Center Of The Universe
Human Stain
Song For Jolee
Drum Solo
When The Lights Are Down
Sacrimony (Angel Of The Afterlife)
Season´s End
Keyboard Solo (Pirates Of The Caribbean)
Forever
-
Bass Solo
Karma
Torn
March Of Mephisto
Continuum (Outro)

Definitiv: KAMELOT funktionieren auch ohne Roy, auch wenn Tommy die Fußstapfen noch nicht zu 100% füllt, so bin ich guter Dinge, dass er sich seinen Platz in der Band in den nächsten Jahren noch festigen wird. Hoffentlich finden KAMELOT bald wieder nach Österreich, denn das sollte man wirklich gesehen haben.


FOTOS + E-CARDS
www.kamelot.com

maxomer
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Beitrag vom 19.11.2012
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