W.A.S.P.   ALPHA TIGER   DARK AT DAWN  
19.11.2012 @ Posthof

Man kann sich als Bewohner von Linz ja zurzeit als richtiges Glückskind fühlen was Konzerte in unserer Gegend betrifft. Nachdem vor ein paar Monaten erst JUDAS PRIEST auf der Gugl rockten, sollte jetzt im Herbst der nächste Event zelebriert werden. Gefeiert wurden 30 Jahre Wahnsinn, 30 Jahre Föhnwellen, 30 Jahre Heavy Metal der Extraklasse oder einfach kurz gesagt, 30 Jahre W.A.S.P.!

Um diesen runden Geburtstag würdig zu feiern, packte Blackie Lawless seine Jungs ein, um die große „30 Years Of Thunder“ Tour durch Europa zu führen. Das diese großartige Band sich auch nach Linz verirrte, erhöhte die Freude noch um eine Spur. Auf diversen Foren als 3 Stunden Konzert angekündigt, wollte das der Kenner nicht so recht glauben und demensprechend gespannt wurde der Gig erwartet. Als Support hatte man DARK AT DAWN und die Jungs von ALPHA TIGER im Gepäck. Besonders gespannt war ich auf das große Kätzchen, da man bisher schon einiges an Lob hören konnte. Doch den Anfang machten DARK AT DAWN.

Eigentlich war ich schon sehr gespannt auf die reformierten Düster-Heavy Metaller DARK AT DAWN. Die zuletzt veröffentlichten Alben "Of Decay And Desire "(2003) und "Dark At Dawn"(2006) gefielen mir eigentlich ganz gut. Klar, der Stil der deutschen Kapelle ist nicht jedermanns Sache und da man sich 2007 auflöste, haben die Herren nun viel Arbeit vor sich, wieder ins Rampenlicht zu treten. Zwar kenne ich die neue EP "Noneternal" noch nicht, doch mit diesem Auftritt bekleckerten sie sich nicht mit Ruhm. Bei schwammigem Sound legte man eine recht enttäuschende Performance hin, die keine Höhen aufwies und nur wenige Leute mitreissen kann. Zudem sollten sie stilistisch so gar nicht zum restlichen Programm passen.





So nicht mehr lange bis zu den Feierlichkeiten. Nur noch kurz anheizen lassen von den Freiburgern vALPHA TIGER, die seit 2007 gemeinsam musizieren, doch erst seit 2011 unter dem aktuellen Namen unterwegs sind. Nachdem man im letzten Jahr einen Plattenvertrag ergatterte, wurde SATIN BLACK kurzerhand gekillt, um mit dem doch weit cooleren Namen weiter zu machen. An wem man sich orientiert wird einem nach ein paar Minuten klar. Nicht genug, dass man IRON MAIDEN in fast jedem Song heraus hört, nein selbst ganze Riffpassagen wurden dankend übernommen. Das zurzeit ein gewisser Hype besteht um Bands die sich an der eisernen Jungfrau oder dem Priester orientieren, ist ja nichts neues, aber die Kollegen von SKULL FIST, STEELWING oder SCREAMER haben doch einen gewissen eigenständigen Sound und sind deutlich über ALPHA TIGER anzusiedeln. Und dass nicht nur ich so dachte, sah man an den Reaktionen der Anwesenden, da die Stimmung eigentlich an ein Eisfach erinnerte. Nach 20 Minuten hatten dann viele genug und so lichteten sich die Reihen vor der Bühne, um sich vor dem Highlight noch flüssig zu stärken. Vielleicht erwischte die Band einfach nur einen schlechten Tag, doch Begeisterung sieht anders aus.





Nach der gewohnten Verspätung war es endlich soweit. Blackie, Schlagzeuger Mike Dupke und die beiden Männer an den Äxten Mike Duda und Doug Blair stürmten die Bühne, um ein geniales 90 Minuten Set auf die anwesende Meute abzufeuern. Soviel gleich mal zu den angekündigten 3 Stunden. Aber seis drum, wenn die Jungs jedes Konzert so abgehen, dann sind solche Kleinigkeiten schnell verziehen. Geplant war ein Set aus drei Teilen, in dem am Anfang die Klassiker der 80er für die richtige Stimmung sorgen sollten, ehe man sich dem Konzeptalbum „The Crimson Idol“ widmete. Anschließend durften Songs der neueren Dekade für den gelungenen Abschluss sorgen.

Nach dem düsteren Intro servierten uns die vier Herren eine gekürzte Version von „On Your Knees“, ehe es mit „The Torture Never Stops“ und „The Real Me“ richtig abging. Doch wie zu erwarten, toppte „Love Machine“ die bisher gespielten Songs und die Fans sangen enthusiastisch mit. Blackie war an diesem Abend ungewöhnlich gesprächsfreudig und unterhielt sich immer wieder gerne mit den Anwesenden. Eine kurze Arnold Schwarzenegger Story bei der Herr Lawless angeblich als Terminator im Gespräch war, lockerte die Stimmung und sorgte für jede Menge Lacher. Stimmlich aller erste Güte wie in seinen besten Zeiten schmetterte der inzwischen auch schon 56-jährige Fronter einen Hit nach dem anderen in die Menge, ohne sich auch nur eine Sekunde zu schonen.






Doch auch die Kollegen agierten ordentlich und nützten sämtlichen Platz auf der Bühne und nicht nur bei den Musikern floss der Schweiß in Strömen. Dicht gedrängt feierten nicht nur die ersten Reihen ihre Helden von der ersten bis zur letzten Minute ab. Super Stimmung und hei, Linz kann doch ganz ordentlich rocken. Schade nur, dass sich so wenige namhafte Acts zu uns verirren.
Oh Mann, was hat diese Combo für geniale Hits, „Wild Child“ oder „I Wanna Be Somebody“ sind Klassiker für die Ewigkeit. Gänsehautstimmung, wenn man gemeinsam mit seinem Nachbarn, den man zuvor noch nie gesehen, hat lautstark diese Songs mitgröhlt.

Natürlich gab es auch fürs Auge etwas geboten. So wurden die Songs mit den originalen Videos im Hintergrund performt, bei denen man einen Eindruck bekam, wie sich Blackie über die Jahre veränderte. Teilweise richtig kitschig und amüsant, was uns die 80er Jahre so an Filmmaterial bescherten. Schöne Sache, da man doch einige Videos bisher nicht kannte und viele seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen hat.





Nach kurzer Pause ging es weiter mit Material vom 1992er Album „The Crimson Idol“, was erstaunlicherweise noch um eine Spur besser ankam als die 80er Hits. „The Titanic Overture“ leitet die tragische Geschichte um den jungen Rockstar Jonathan mit Akustik-Gitarren und gefühlvollem Gesang ein. Besonders gewaltig sind die Einspielungen auf den riesigen Videowalls gepaart mit der melancholischen Stimme des Frontmannes. Ganz großes Kino. Als nächstes folgte ein „The Crimson Idol“ Medley bestehend aus „The Invisible Boy“, „I Am One“ und „The Gypsy Meets The Boy“, die ohne Unterbrechung runter gezockt wurden. Wie würde ein vulkanisches Spitzohr sagen: Faszinierend.

Zwischendurch durfte Drummer Mike Dupke sein Können zeigen. Eigentlich gehöre ich nicht zu denen, die einem Drumsolo recht viel abgewinnen können, doch so wie Mike sein Instrument bearbeitete, habe ich es bisher noch nicht erlebt. Untermalt mit jeder Menge Hup und Autounfall Geräuschen klang der Sound etwas anders. Warum nicht.





Leider ahnte man schon, dass sich das Ende dieser tollen Show ankündigte. „Heaven's Hung in Black“ und der wohl größte Hit der 30 jährigen Geschichte „Blind in Texas“ sollten für ein würdiges Finale sorgen. Selbst nach 100 Mal hören immer noch genial. Zum letzten Mal wurde getestet, ob bei allen Anwesenden auch der Text perfekt sitzt. Und ich denke, alle haben mit Auszeichnung bestanden. Und das war es dann auch schon. W.A.S.P. zogen alle Register und konnten auf allen Linien überzeugen. Jeder der bei dieser Geburtstagsparty dabei sein durfte, konnte Rockgeschichte am eigenen Leib miterleben und somit bleibt nur zu sagen, dass diese Band hoffentlich noch lange rockt, um vielleicht den 35er oder gar den 40er erneut so zu feiern. Danke für diesen Abend.


FOTOS + E-CARDS
www.waspnation.com

AndyVanHalen
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Beitrag vom 26.11.2012
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