KAMPFAR   HELRUNAR   OBSCURITY  
31.10.2012 @ Viper Room

Mit KAMPFAR und HELRUNAR gaben sich gleich zwei hochkarätige „pagan“-ischen Black Metal Kapellen ein kleines Stelldichein im schönen Wien. Stilecht fand das ganze Spektakel im dunklen Kellergewölbe des Viper Room statt. Für die nötige düstere Atmosphäre war also gesorgt.

Mit OBSCURITY im Vorprogramm wurde der versammelten Menschenschar gleich eine Mixtur aus Melodic Death/Black und Viking Metal um die Öhrchen gehauen. Und nachdem OBSCURITY der Connaisseuse oder dem Connaisseur der harten Klänge eigentlich geläufig sein sollten (zumindest der Name sollte einem schon untergekommen sein), war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich in den ersten Reihen ein regelrechter „Fanblock“ formierte der auch für dementsprechende Publikumsresonanz der Band sorgte. Rein musikalisch war der Auftritt der Herren aus Nordrhein-Westfalen nicht unbedingt spektakulär, denn die Kompositionen waren, vor allem im Vergleich zu den Headlinern des Abends doch eher simpel gestrickt und vorhersehbar, und auch die stimmlichen Qualitäten des Frontmannes waren streitbar. Nun gut, spielerlisch war der Auftritt sehr solide und professionell und, wie schon erwähnt, kamen vor allem die ersten Reihen auf ihre Kosten. Wahrscheinlich war das auch der Grund dafür, warum Frontmann Agalaz seinen nackten Oberkörper und, falls ich mich nicht irre, auch seine Nippel-Piercings zur Schau stellte. Nach dem Set von OBSCURITY setzte dann auch sogleich ein Schichtwechsel im Publikum ein. Interessanterweise konnte man Sätze wie „Die Deitsch’n do brauch i ma jetzt net anschau’n“, von Personen hören, die zuvor noch so frenetisch ihr Haupthaar zu den Klängen von OBSCURITY durchschüttelten.





„Die Deitsch’n“ bezog sich natürlich auf die großartigen HELRUNAR, die ihre musikalischen Vormachtstellung im deutschen Pagen/Black Metal einmal mehr mit dem folgenden Auftritt eindrucksvoll untermauern sollten. Mit klarem, druckvollem Sound zogen HELRUNAR das Publikum schnell auf ihre Seite und den ganzen Auftritt lang herrschte gute Stimmung. Köpfe wurden „gebangt“ und Fäuste „gepumpt“, wobei zweiteres einen Tick zu oft von der Band initiiert wurde. Auch die Grimassen, die Herr Dreckmann (alias Skald Draugir), seines Zeichens Sänger von HELRUNAR, den gesamten Auftritt hindurch zog waren in der Tat sehenswert. Bei den Publikumsansagen war er jedoch nicht ganz so sicher wie beim Grimassenschneiden und ließ sich des Öfteren von Zwischenrufen aus dem Publikum oder einem kurzen Zwischendruch-Monitor-Check des Gitarristen aus dem Konzept bringen. Die Playlist bestand zu großen Teilen aus Songs der Alben „Sól 1“ und „Frostnacht“, wobei natürlich „Kollapsar“ als Opener, und „Älter Als Das Kreuz“ als Fixpunkte nicht fehlten. Aber auch „Nebelspinne“ und „Unten Und Im Norden“ konnten auf ganzer Länge überzeugen.





Bei KAMPFAR war leider schon ab dem Soundcheck klar, dass sie mit massiven Soundproblemen zu kämpfen hatten. Der Klang der Bassgitarre konnte am ehesten mit einem penetranten Störgeräusch in den niedrigen Frequenzen verglichen werden. Dementsprechend lau war dann auch die Stimmung zu Beginn des Sets, was selbst durch die energiereiche Darbietung der Band nicht zu ändern war. Auch Outfit und Make-Up von Frontman Dolk konnte man getrost als irritierend bezeichnen. Der Versuch, die Konturen des Schädels mit schwarzem Make-Up zu betonen sorgte lediglich dafür, dass Dolks Nase ungefähr doppelt so groß aussah. Die etwas grotesk anmutende und vermutlich selbstangefertigte, mit 20cm Nägeln versetzte Armschiene rundete das tragisch-komische Erscheinungsbild ab. So viel zur Oberflächlichkeit. Abgesehen von diesem Outfit Faux-pas führte Dolks sehr sympathisch durch den restlichen Abend und auch seine stimmliche Leistung war durchaus lobenswert (wenn man von den eigentlich durchgehend vergeigten Gesangsparts absieht), zumal er nach eigener Angabe unter dem Einfluss von Unmengen an Schmerztabletten stand. Sehr freundlich war, dass er dem nach und nach auftauenden Publikum eine größere schmerzstillende Wirkung zuschrieb als en Medikamenten.

Generell wurden mehrere Liebeserklärungen an das Publikum vorgebracht und auch betont, dass man solche Clubshows den monetär aussichtsreicheren Festivals vorziehe. Mit der Stilblüte „Fuck The Fucking Money“ wurde diese erfreuliche quasi-antikapitalistische Einstellung untermauert. Mit Fortschreiten der Show wurden auch die Klangprobleme zunehmend unter Kontrolle gebracht, was sich positiv auf die Stimmung im Publikum auswirkte, dessen Reihen sich aber leider schon langsam lichteten.





Die Setlist war eine gute Mischung des gesamten musikalischen Schaffens von KAMPFAR mit einigen alten Songs, die sicher das eine oder andere Herz eines langjährigen KAMPFAR-Fans erfreut haben. Alles in allem also ein gelungener Auftritt unter sehr unvorteilhaften Rahmenbedingungen. Und eigentlich auch ein würdiger Abschluss für diesen Konzertabend.
www.viper-room.at

Asator
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Beitrag vom 28.11.2012
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