KREATOR   MORBID ANGEL   NILE  
23.11.2012 @ Arena

Wenn sich zwei Urgesteine wie KREATOR und MORBID ANGEL für eine Tour zusammenschließen, dann deutet das womöglich schon auf eine anstehende nächtliche Strapazierung der Nackenmuskulatur hin. Steckt man in dieses Line-Up noch die brachiale Musik von NILE hinein, sind die Nackenschmerzen quasi vorprogrammiert.

Schon um kurz nach 18 Uhr begann sich die Arena gut zu füllen und das nicht nur in den Barbereichen und am Raucherbalkon. FUELED BY FIRE konnte sich auch als erster Act des Abends über eine gefüllte Halle voller bierseeliger Fans freuen. Eigentlich war es fast schon gemein, wie klein der Bereich der Bühne war, den die feurigen Thrasher für ihren Auftritt zugestanden bekamen. An hinterster Stelle thronte bereits das Drumset von KREATOR auf einem verflucht hohen Podest. Davor dann das bekanntlich alles andere als minimalistische Set von George Kollias, seines Zeichens Drummer von NILE. Mit dem Drumset von FUELED BY FIRE hatte man dann den vorderen Rand der Bühne erreicht und was seitlich noch übrig blieb, wurde brav unter den anderen Musikern und dem Equipment aufgeteilt. Nichtsdestotrotz machten die Herren das Beste aus der Situation und gaben sich alle Mühe das Publikum von sich zu überzeugen, was eigentlich auch ganz gut gelang. Selbst einige Songpassagen wurden zumindest mitgegröhlt, wenn man des Singens nicht so mächtig war. Dennoch wirkte der kleine, im Obergeschoss im Abseits stehende Merchandise-Stand der Band immer sehr einsam.


Setlist FUELED BY FIRE:

Rising From Beneath
Amongst The Dead
Dreams Of Terror
Unidentified Remains
Thrash Is Back
Eye Of The Demon


NILE machten dann im Anschluss wieder wie gewohnt keine Gefangen und brachten die Bretter der Bühne zum Beben und große Teile des Publikums zum Staunen. Bereits beim Soundcheck gab der hochsympathische George Kollias einen kleinen Vorgeschmack auf sein Können als er den Soundcheck auch dieses Mal wieder höchstpersönlich vornahm und spielte dabei bis tief in das Intro hinein. Vom ersten bis zum letzten Riff legten NILE eine sehr energiereiche und imposante Show hin, ärgerlich nur, dass der Sound nicht an das Programm angepasst wurde und so dröhnte und matschte es leider so vor sich hin. Die Setlist war sehr gut durchgemischt und vor allem das gewaltige Duo „Kafir!“ und „Hitite Dung Incantation“ sorgte für sehr gute Stimmung. Aber auch Songs der neuen Platte wie „Enduring The Eternal Molestation Of Flame“ und „The Inevitable Degradation of Flesh“ waren live eine helle Freude und fügten sich sehr schön in eine Setlist mit dem obligatorisch als Abschlussnummer gespielten „Black Seeds of Vengeance“ zusammen. Zwischendurch wurden dann noch die Zuschauer auf der Galerie von Gitarrist Dallas Toler-Wadeeher uncharmant als „Pussies“ bezeichnet ehe sich dieser dann mit erhobenem Mittelfinger von der Bühne verabschiedete. Nun gut, irgendjemand muss wohl das böse Image aufrechterhalten. Die anderen Musiker gaben sich da schon etwas umgänglicher als sie leider nach nur 40 Minuten und somit viel zu früh von der Bühne marschierten.





Setlist NILE:

Sacrifice Unto Sebek
Defiling The Gates Of Ishtar
Kafir
Hittite Dung Incantation
Enduring The Eternal Molestation Of Flame
Sarcophagus
Supreme Humanism Of Megalomania
Cast Down The Heretic
Black Seeds Of Vengeance


Nach einer etwas längeren Umbauphase gab es dann mit MORBID ANGEL die ersten Metal-Veteranen des Abends zu sehen. Mit viel Elan und einer Setlist die sehr zur Freude der Fans mit zahlreichen alten Nummern gespickt war wurde von Anfang an eine sehenswerte Show aufgezogen. Andererseits wäre vermutlich auch die Bühne von einer Meute erzürnter Fans gestürmt worden, hätten MORBID ANGEL tatsächlich versucht große Teile ihres aktuellen und (völlig zurecht) von den meisten Fans geschmähten Albums in die Setlist hinein zu quetschen. Oder zumindest entstand dieser Eindruck, wenn man einigen der zuvor an der Bar geführten Gespräche lauschte.





Nun gut, zum Glück erlagen MORBID ANGEL nicht der Versuchung eine Revolte zu induzieren und so wurden freudig die Haare geschüttelt und im Kreise herumgehüpft. Positiv fiel auf, dass bis zu diesem Zeitpunkt nur eine Person es für nötig erachtete im Moshpit auf das T-Shirt zu verzichten und seinen durchgeschwitzten Leib voller Ekstase gegen Freund und Feind zu werfen. Ein Zustand, der sich bei KREATOR dramatisch verschlechtern sollte. Auf der Bühne hingegen lieferten sich MORBID ANGEL spielerisch kaum Blößen und vor allem Drummer Tim Yeung zog mit seinen Kasperiaden hinter den Trommeln einige Blicke auf sich, wobei er damit leicht als Alleinunterhalter durchgehen hätte können. Kurzzeitig fiel bei der ersten Nummer gleich einmal die Leadgitarre aus was leider sogar auffiel, war es ja just diese Gitarre, die in diesem Moment einen kurzen Break für sich alleine gehabt hätte. Man reagierte aber schnell und professionell und so wurde daraus auch nicht mehr als ein kleines technisches Ärgernis. Nach einer verließen die Herren die Bühne der gesteckt vollen Halle auch schon wieder damit die Crew von KREATOR mit dem aufwendigen Umbau beginnen konnten.





Setlist MORBID ANGEL:

Immortal Rites
Fall From Grace
Rapture
Maze Of Torment
Existo Vulgoré
Nevermore
Lord Of All Fevers and Plague
Chapel Of Ghouls
Dawn Of The Angry
Where The Slime Live
Bil Ur-Sag
God Of Emptiness
World Of Shit (The Promised Land)


Nach einer halben Stunde emsigen Treibens, geheimnisvoll von einem großen weißen Vorhang verborgen, hatte dann das lange Warten der versammelten Menge ein Ende. Nach einem mehr-minütigen Videointro, in dem die lange Bandgeschichte zu den Klängen der Johnny Cash’schen Version des DEPECHE MODE Klassikers „Personal Jesus“ einem Diavortrag ähnlich durchlaufen wurde, startete man mit „Phantom Antichrist“ in die Show. Das Bühnenbild, das in den 30 Minuten aufgebaut wurde war in der Tat imposant. Köpfe von „Höllenhunden“, die links und rechts unter dem Drumpodest hervorlugten, extra angebrachte Scheinwerfer, zahlreiche Backdrops und Flaggen und sogar quasi-pyrotechnische Effekte, i.e. Rauchschwaden, die mit Konfettiversetzt aus dem Boden schossen, sorgten für eine stimmige Kulisse.





Routiniert zog man durch alte und neue Songs und brachte die Stimmung in den ersten Reihen zum Brodeln. Das brachte leider mit sich, dass nun mehrere Leute glaubten ihre verschwitzen Oberkörper und speckigen Bierbäuche nicht nur zur Schau zur stellen sondern viel mehr den unvorsichtigerweise auch anwesenden unbeteiligten Moshpit-Zaungästen im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht zur reiben. Abgesehen davon wurde bis in die hinteren Reihen fest mitgesungen und ge“bangt“, wie man so schön sagt. Die große Halle der Arena war übrigens durchgehend bis zum Rand gefüllt, obwohl eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Gästen das Konzert zu großen Teilen lieber auf dem Balkon oder an den Bars verbrachte. Der bierigen Feierlaune tat das aber alles keinen Abbruch.





Setlist KREATOR:

Phantom Antichrist
From Flood Into Fire
Enemy Of God
Phobia
Hordes of Chaos
Civilization Collapse
Voice of the Dead
Extreme Aggression
People of the Lie
Death to the World
Coma of Souls/Endless Pain
Pleasure to Kill
Violent Revolution
United in Hate
Betrayer
Flag of Hate
Tormentor

Nach fast 1 ½ Stunden, genau eine Stunde und 25 Minuten für die pedantischen Leser, beschlossen KREATOR das Set mit dem immer-schönen Publikumsliebling „Tormentor“ und hinterließen so manche heisere Kehle und verschwitze Seele. Auf jeden Fall haben KREATOR und MORBID ANGEL ihr Stammklientel an diesem Abend mit ihren Auftritten zufrieden gestellt was vor allem für zweitere als Erfolg zu verbuchen ist, hatten sie doch ob ihrer aktuellen Platte viel zu verlieren. Nur NILE waren einfach viel zu kurz.




FOTOS + E-CARDS
www.arena.co.at

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Beitrag vom 14.12.2012
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