KATATONIA   ALCEST   JUNIUS  
19.11.2012 @ Szene

Für Freunde der Melancholie gab es im November eine wohl maßgeschneiderte Abendgestaltungsmöglichkeit. Denn wenn sich zwei Größen der düster-schönen Klänge für eine gemeinsame Tour zusammentun, dann bringt das so manches tiefschwarze Herz zum Höherschlagen.

Gleich zu Beginn stellte sich aber ein für die Szene untypisches Bild ein, nämlich, dass die Halle bereits während der ersten Band des Abends erstaunlich gut gefüllt war. Die notorischen Raucher, die ja im Innenhofexil verweilen müssen und die unverbesserlichen Bar-Abhänger mit in Betracht gezogen, war es auch wenig verwunderlich, dass bereits während JUNIUS erste Besucher an der Abendkasse wieder kehrt machen mussten. Den Glücklichen, die sich noch rechtzeitig ein Ticket sichern konnten, wurde in der Zwischenzeit eine recht interessante Show geboten. Mit starkem Sound, wuchtigem Bass und einer intensiven Lichtshow fuhren JUNIUS schwere Geschütze auf, um das ihnen nicht abgeneigte Publikum zu überzeugen. Technisch tadellos spielten die Jungs aus den USA mit ihrer Mixtur aus „Space Rock“ und „Metalglaze“, eine Beschreibung, die ich an dieser Stelle schamlos von Wikipedia bezogen habe, ihre interessanten und komplexen Kompositionen herunter. Und das ganz unter teils sehr heftigem Körpereinsatz wohlgemerkt. Einzig die Stimme von Sänger und Gitarrist Joseph E. Martinez driftete zu oft ins weinerliche ab, was zumindest jenem Teil des Publikums sauer aufstoßen konnte, der sonst eher härteren Klängen lauscht.

Mit ALCEST als Co-Headliner kann man beim Booking eigentlich kaum Fehler machen. Und auch dieses Mal wussten die Franzosen rund um Neige, den unscheinbaren Mann mit der kräftigen Stimme, wieder einmal zu begeistern. Mit einer auf diesen eher melodisch angehauchten Abend zugeschnittenen Playlist gab Neige leider nur selten seine markanten harschen Vocals zum Besten. Die bestand nämlich zu großen Teilen aus Songs der aktuellen Scheibe „Les Voyages de l’Âme“, genauer vier der sechs gespielten Songs waren von besagtem Album. Dazwischen wurden noch „Souvenirs d’un autre monde“ vom gleichnamigen Album und „Percées de lumière“ von der 2010er Scheibe „Écailles de lune“ eingestreut. Dem Publikum schien es aber auf jeden Fall zu gefallen und so wurden ALCEST nach diesem erfolgreichen Auftritt mit reichlich Beifall von der Bühne verabschiedet.

Setlist ALCEST:

Autre temps
Là où naissent les couleurs nouvelles
Les voyages de l'âme
Souvenirs d'un autre monde
Percées de lumière
Summer's Glory


KATATONIA betraten dann als letzter Act des Abends die Bühne und fanden sich vor einem zum Bersten gefüllten Saal wieder. Mit einer stimmigen Lichtshow und erstaunlich klarem Sound spielte man souverän in das Set hinein. Allen voran Drummer Daniel Liljekvist, der die komplexen Drumpatterns quasi fehlerfrei herunter trommelt. Leider bewies Sänger Jonas „Lord Seth“ Renkse nicht über das ganze Set derartige Qualitäten und ruinierte fast im Alleingang die ersten drei Songs, die von „The Great Cold Distance“ gespielt wurden. Ob er versuchte den Songs stante pede eine neue Gesangslinie zu verpassen oder ob ihm einfach die richtigen Töne und das richtige Timing fehlten, konnte man an dieser Stelle schwer sagen, aber jene Leute im Publikum, die mit den Album-Versionen von „Deliberation“, „My Twin“, „Soil’s Song“ vertraut waren sollte es doch die Haare am Nacken aufgestellt haben. Wobei man zu Renkses Verteidigung sagen muss, dass bei „Soil’s Song“ in erster Linie die dreistimmige Passage versemmelt wurde und er vielleicht hier nicht ganz alleine die Schuld trägt. Interessanterweise gab es abgesehen von diesen drei Songs eigentlich sehr wenig an seiner gesanglichen Darbietung auszusetzen und ach die restlichen Lieder, die von „The Great Cold Distance“ gespielt wurden meisterte er im Anschluss souverän. Belohnt wurden KATATONIA für diese solide Leistung mit guter Stimmung im Saal und viel Publikumsresonanz. Da wurde gesungen, gegröhlt, geklatscht und gebangt was das Zeug hielt und zwar das ganze Set hindurch.

Die Playlist war ein guter Querschnitt durch das musikalische Schaffen der Band und überspannte alles von alt bis neu. Einziger Wehmustropfen war, dass KATATONIA noch fröhlich weiterspielten, während schon die letzten U-Bahnen durch die Tunnel fegten und so mussten sich so manche Besucher noch kurz vor Konzertende ihre Jäckchen schnappen und den Heimweg betreten, wenn sie nicht in den Genuss einer unverschämt hohen Taxirechnung kommen wollten. Nach etwas mehr als einer Stunde und 30 Minuten wurde mit „Leaders“ das letzte Lied des Abends angestimmt und setzte den Schlusspunkt für ein wirklich gelungenes Konzert.

Setlist KATATONIA:

The Parting
Buildings
Deliberation
My Twin
Burn the Remembrance
The Racing Heart
Lethean
Teargas
Strained
The Longest Year
Soil's Song
Omerta
Sweet Nurse
Deadhouse
Ghost of the Sun
July
Day and then the Shade

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Dead Letters
Forsaker
Leaders
www.szenewien.com

Asator
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Beitrag vom 17.12.2012
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